Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)
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Bericht des Magistrats vom 19.09.2008, B 608
Betreff:
Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)
Vorgang:
l. Beschl. d. Stv.-V. vom 13.07.2006, § 543
- NR 1822 GRÜNE, NR 2012 SPD, NR 2046 CDU, l. B 154/06 -
In Frankfurt am Main leben schätzungsweise 50.000 lesbische Frauen und schwule Männer. Eine große Zahl von Lesben und Schwulen aus dem Rhein-Main-Gebiet gehören ebenfalls zur Frankfurter Gay-Community, da in Frankfurt eine Fülle gastronomischer, kultureller und sozialer Einrichtungen für Lesben und Schwule angesiedelt sind.
Der Magistrat der Stadt Frankfurt erklärt, dass Frankfurt eine lesben- und schwulenfreundliche Stadt ist und dass Diskriminierung und Gewalt gegen Lesben und Schwule nicht geduldet werden.
In vielen Verwaltungsbereichen wurden auch in den vergangenen 2 Jahren die Belange von Lesben und Schwulen in der Stadt zunehmend berücksichtigt. Herausragende Veranstaltungen der lesbisch-schwulen Community wie dem Christopher Street Day (CSD) wurden von Magistratsmitgliedern begleitet, viele Formen der Wahrnehmung der großen lesbisch-schwulen Gemeinschaft in Frankfurt werden als selbstverständlich angesehen, etwa die Beflaggung des Römers mit der Regenbogenfahne zum CSD.
Im Rahmen der touristischen Vermarktung der Stadt Frankfurt am Main bietet die Tourismus+Congress GmbH auch in diesem Zusammenhang Wochenendpauschalreisen an, erstmals anlässlich des CSD 2008. Diese wurden in der einschlägigen Fachpresse überregional mit dem Motto: "Bei uns heißt das andere Ufer einfach nur Sachsenhausen“ beworben. So konnte sich Frankfurt in Kooperation mit Frankfurter Hotels als lesben- und schwulenfreundliche Stadt darstellen und deutlich machen, dass Gäste des CSD und anderer Veranstaltungen in Frankfurt willkommen sind. Der CSD Frankfurt ist in der Szene längst zu einer Institution geworden, die Parade ist aufgrund ihrer Länge einmalig in Deutschland. Die TCF strebt für die kommenden Jahre gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus eine spezifische Bewerbung der Szene in den USA und Kanada an, da das Reiseverhalten von Lesben und Schwulen in diesen Ländern besonders aktiv ist. Durch die regelmäßige Teilnahme von Magistratsmitgliedern bei der Eröffnung der Parade und der anschließenden Kundgebung hat der CSD Frankfurt ebenfalls eine Aufwertung erfahren. Die Veranstalter begrüßten es, dass das Fest 2008 erstmals nicht auf der Konstablerwache, sondern zwischen Goetheplatz, Rossmarkt und Hauptwache stattfinden konnte.
Der CSD stand in diesem Jahr unter dem Motto: "Noch immer nicht gleichberechtigt“. Die Veranstalter haben darauf hingewiesen, dass "nur vier von 30 Dax-Unternehmen bereits ein Diversity-Konzept umgesetzt haben, noch immer wird jeder vierte Schwule innerhalb von fünf Jahren einmal Opfer einer Gewalttat und die eingetragene Partnerschaft genießt noch immer mehr gleiche Pflichten als gleiche Rechte. Statt die Bereicherung zu sehen, wenn zwei Menschen die Verantwortung füreinander übernehmen, sehen viele Politiker und Kirchenleute noch immer ihr ganz persönliches Weltbild ins Wanken gebracht.“
Das Standesamt Frankfurt am Main berücksichtigt Lesben und Schwule in der Wahrnehmung seiner Aufgabe "Begründung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften“ in der Weise, dass möglichst alle Abläufe dem Angebot für heterosexuelle Brautpaare entsprechen.
Mit jährlich etwa 100 gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaftsbegründungen zählt Frankfurt am Main – gemessen an den Einwohnerzahlen – zu den Großstädten Deutschlands mit den meisten Lebenspartnerschaftsbegründungen. Auch wenn dies bisher durch den Gesetz- und Verordnungsgeber noch nicht vorgegeben ist, sind beim Standesamt Frankfurt sowohl die Verwaltungsabläufe als auch die Angebote für die Begründung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft, z.B. Trauungen an Samstagen oder an externen Trauorten wie Palmengarten und Maintower im Sinne einer Gleichbehandlung angepasst. Auch die verwendeten Vordrucke und Formulare wurden auf mögliche diskriminierende Formulierungen gesichtet.
Die Stadtbücherei Frankfurt bot verschiedene Veranstaltungen an, die sich explizit mit der Thematik des lesbisch-schwulen Lebens befasst haben:
Lesung am 20.9.2006 mit Frau Claudia Rath aus ihrem Buch "Eine geheime Geschichte“ und anschließende Diskussion über die Problematik der Gewalt in lesbischen Beziehungen.
Lesung und Vortrag im Bibliothekszentrum Bergen-Enkheim am 7. März 2007 anlässlich des Weltfrauentages mit Dr. Angela Steidele: "In Männerkleidern – das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Langrantinus Rosenstengel“. Der Vortrag basiert auf dem Buch "In Männerkleidern“ das mit dem Gleim-Literaturpreis ausgezeichnet wurde.
Im Mai 2008 ist es der Stadtbücherei gelungen, die Pulitzerpreisträgerin Annie Proulx für eine Veranstaltung in der neuen Zentralbibliothek zu gewinnen. Annie Proulx ist Autorin der Erzählung "Brokeback Mountain“, deren Verfilmung 2006 vier Golden Globes und drei Oscars erhalten hat. Die Lesung fand in englischer Sprache und in Kooperation mit dem US-Generalkonsulat Frankfurt statt.
Vom 15. Juli bis zum 14. August 2008 zeigte die Zentralbibliothek die Wanderausstellung "Gegen die Regeln“ – Lesben und Schwule im Sport mit über 40 Text- und Bildbannern zum Thema. Gastrednerin Tanja Walther sprach bei der Eröffnung über "Outing im Spitzensport“, ein Grußwort von Sozialministerin Lautenschläger wurde überbracht. Veranstalter sind der Frauensportverein Artmis und der Schwule Sportclub Frankfurter Volleyballverein. Lesbisch oder schwul zu sein ist im Sport immer noch ein Tabuthema. Die Ausstellung dokumentiert Homosexuelle im Sport – von den Anfängen der lesbisch-schwulen Sportbewegung inj den USA über die Gründung lesbisch-schwuler Sportvereine in Deutschland bis hin zu Kurzbiografien international berühmter Spitzensportler. Die beiden veranstaltenden Sportvereine geben außerdem Einblicke in ihr Vereinsleben.
Die von der Stadtbücherei angebotenen Veranstaltungen waren sehr gut besucht.
Das Frauenreferat ist Ansprechpartnerin für die Belange von lesbischen Frauen und Mädchen und fördert daher besondere Angebote:
Das Lesbisch Schwule Kulturhaus (LSKH):
Das LSKH ist ein nichtkommerzielles Zentrum für vielseitige Aktivitäten.
Es ist ein Ort für Lesben und Schwule und wird getragen von zwei Trägervereinen, Emanzipation e.V. (schwul/lesbisch) und LLL e.V. (Lebendiges Lesben Leben).
Diverse Gruppen und Vereine wie Selbsthilfegruppen oder politisch/gesellschaftlich motivierte Gruppen nutzen das Haus und die Räume für regelmäßige Treffen und kulturelle Veranstaltungen.
Libs e.V.:
Das Libs bietet persönliche Einzel- oder Paarberatung in Trennungs-, Konflikt- und Krisensituationen an. Darüber hinaus gibt es altersspezifische Gruppenangebote, wie zum Beispiel die Gruppe für Mädchen und junge Frauen und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen und Fortbildungen.
Zielgruppen des Libs sind lesbische und bisexuelle Mädchen und Frauen, Lesben mit Kinderwunsch, ältere Lesben, Transgender sowie alle, die in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Identität Klärung oder Austausch suchen.
Das Libs bietet die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Lebenssituation. Thema können Entscheidungs-, Trennungs-, Konflikt-, oder Krisensituationen sein ebenso wie spezifische Fragen zu Sexualität, Coming-out, Diskriminierungs- oder Gewalterfahrungen.
Das Libs veranstaltete vom 22. - 28.01.2006 die Ausstellung "geschlechter/kon/fusionen".
Mit der Ausstellung geschlechter/kon/fusionen wurde die Diskussion um die vorgebliche Eindeutigkeit von Geschlecht angestoßen, indem gängigen Bildern aus Werbung und Soaps ein Spektrum an unterschiedlichsten Weiblichkeiten und Männlichkeiten - jenseits einer heterosexuellen Geschlechterdichotomie – hinzugefügt wurde. Ziel der Wanderausstellung ist, die engen Grenzen der zwei Geschlechter auf einer visuellen Ebene zu erweitern und den Blick auf die vielfältigen Weisen eines Dazwischen zu lenken.
Die Ausstellung kann beim Libs ausgeliehen werden.
Broken Rainbow:
Unter dem Motto "Häusliche Gewalt in lesbischen Beziehungen“ "It.s not me! – Das bin ich nicht!“ fand im November 2007 die Tagung "Täterinnen häuslicher Gewalt“ statt.
Ziel der Veranstaltung war, über die Unterschiede von männlicher und weiblicher Gewalt sowie Ansätze der psychosozialen Arbeit mit Gewalttätern zu informieren.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des EU-Daphne-Projekts gefördert.
Broschüre zur Studie "Lesbische Frauen im Alter - ihre Lebenssituation und ihre spezifischen Bedürfnisse für ein altengerechtes Leben“:
Eine Forscherinnengruppe an der FH Frankfurt hat 2005/2006 im Rhein-Main-Gebiet mit mehr als 200 lesbischen Frauen über 50 eine empirische Untersuchung zu o. g. Thema durchgeführt. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse und entsprechender Empfehlungen in Form einer Broschüre, erschienen im November 2007, stellt diese nun praxisnah kostenlos
z. B. Trägern und Einrichtungen der Altenhilfe, der Politik und betroffenen Frauen zur Verfügung.
Brennpunkte immer wieder aufkeimenden Konfliktpotentials bilden die öffentlichen Toiletten, von schwulen Männern als "Klappe“ für Begegnungen frequentiert. Hierzu gibt das Ordnungsamt die folgende Stellungnahme ab:
"Die öffentlichen Bedürfnisanstalten in dieser Stadt dienen der Allgemeinheit und sind vor jeder Art der Fehlnutzung zu schützen. Gemäß § 9 Absatz 1 der Polizeiverordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf und an den Straßen, Grün- und Spielanlagen, auf Gewässern, im Wald sowie den unterirdischen Anlagen in der Stadt Frankfurt am Main (PVO)ist der Aufenthalt in öffentlichen Bedürfnisanstalten nur zum Zweck der Verrichtung der Notdurft gestattet.
Die Einhaltung dieser Verbotsnorm wird im Streifendienst von Bediensteten der Stadtpolizei sach- und lageorientiert überwacht. Diese Verbotsregelung ist zweckmäßig, allgemeinverbindlich und nicht gegen bestimmte Personen gerichtet. Das Geschlecht bzw. die sexuelle Orientierung einer betroffenen Person ist bei Anwendung dieser Vorschrift unerheblich.
Beschwerden über die zweckentfremdete und somit widerrechtliche Nutzung von öffentlichen Toilettenanlagen im Stadtgebiet Frankfurt am Main sind stark rückläufig.
Die sogenannte "Problemtoilette“ am Paulsplatz wird durch die erfolgten umfangreichen Umbauarbeiten und der ständigen Präsenz einer Reinigungskraft der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH mittlerweile als problemlos angesehen."
In den Sommermonaten erreichen FES und Polizei jedoch immer wieder Beschwerden über Vorkommnisse in anderen verschiedenen öffentlichen Toiletten, von denen sich Besucher belästigt fühlen. Diesen wird durch erhöhte Kontrollen durch die Stadtpolizei entsprochen.
Schwule Männer hingegen beschweren sich ihrerseits darüber, dass sie in den öffentlichen Toiletten von Polizeibeamten kontrolliert würden, sich ausweisen müssten und mit einem Bußgeld belegt würden. Exemplarisch aus einem Beschwerdebrief vom Juli 2008, der sich auf eine Kontrolle in der Toilette der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte bezieht:
"Natürlich ist es nicht richtig, öffentlich sexuelle Handlungen zu begehen. Das war aber hier auch gar nicht der Fall. Wir drei waren erstens die einzigen in der Toilettenanlage und zweitens haben wir vor dem Polizisten keinerlei sexuelle Handlungen begangen. Somit verstehe ich dieses rüde Vorgehen nicht ganz und würde mich freuen, wenn hier etwas bewirkt werden könnte.“
In der Vergangenheit wurden immer wieder Gespräche über solche Sachverhalte mit Vertretern des Runden Tisches und Ordnungsbehörden geführt. Der Einfluss der Vertreter des Runden Tisches Lesben und Schwule auf die Szene der "Klappen“besucher ist begrenzt. Eine Lösung dieser klassischen Konflikte wird dauerhaft nicht möglich sein. Umso wichtiger ist es, in dieser Frage mit allen Beteiligten im Gespräch zu bleiben. Den Ansprechpartnern für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Frankfurter Polizei kommt hier eine zentrale Rolle zu. Auch muss geprüft werden, inwieweit der Jour fix des Präventionsrates dieses Thema zu einem ständigen Tagesordnungspunkt macht. Die sogenannten "Klappen“ bilden nicht nur ein mögliches Ärgernis für die unbeteiligten Benutzer öffentlicher Toiletten, sondern stets auch einen Gefahrenort für die Schwulen selbst. Es geschieht nicht selten, dass ihnen dort aufgelauert wird und sie Opfer von Gewalt werden.
Die Geschäftsstelle des Präventionrates befasst sich seit einigen Jahren mit
Gewaltprävention auch für Lesben und Schwule in Frankfurt.
Schwerpunkte des Arbeitskreises "Jour fix Schwule und Lesben“ waren seit der letzten Berichterstellung die Weiterentwicklung der Kampagne "Keine Gewalt gegen Schwule und Lesben“. Die unter diesem Motto stehende Kampagne wurde durch Rundgänge in der Szene, bei der insbesondere die in Scheckkartenformat aufgelegte Notfallkarte verteilt wurde, öffentlichkeitswirksam unterstützt.
Eine Neuauflage der Notfallkarte ist in Vorbereitung. Der Arbeitskreis war darüber hinaus regelmäßig mit einem Infostand auf dem CSD vertreten und hat mit personeller Verstärkung durch das Polizeipräsidium Frankfurt die Kampagne "Nicht wegsehen –bei Gewalt gegen Schwule und Lesben“ kommuniziert. Neben Informationen zum Zeugenverhalten wurden zahlreiche Gespräche mit Einzelpersonen zu Tathinweisen, Tätern und der eigenen Opfererfahrung geführt.
Dem Abbau von Vorurteilen diente die Vorstellung der Arbeit des "Jour fix Homosexualität“ im Rahmen der Veranstaltungswoche "10 Jahre Präventionsrat Frankfurt“ im Jahre 2007. Hier konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger sich persönlich über die Angebote und verschiedenen Problemfelder, die mit dem Thema Homosexualität im Rahmen der gewaltpräventiven Arbeit zu tun haben, informieren. Ebenfalls durchgeführt wurde während der Veranstaltungswoche eine Lesung mit anschließender Diskussion über Gewalt in lesbischen Beziehungen.
Aktuell beschäftigt sich der Arbeitskreis mit der schwierigen Situation von Homosexuellen mit Migrationshintergrund. Studien zeigen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund erheblichem Druck und Stigmatisierung ausgesetzt sind. Auf der anderen Seite ist eine deutlich stärker ausgeprägte homosexuellenfeindliche Einstellung bei jungen Männern mit Migrationshintergrund zu verzeichnen, die in Einzelfällen in Hasskriminalität einmünden kann. Der Arbeitskreis hat daher das Thema “Lebenssituation junger homosexueller Migrantinnen und Migranten“ weiterhin im Focus .Ein erster Schritt könnte eine niederschwellige Onlinberatung für lesbische und schwule Migranten sein, um Hilfe und Beratung zu gewährleisten und Vertrauen aufzubauen.
Das Sozialdezernat berichtet über die folgenden Themenschwerpunkte: Partizipative Altersplanung, Lesben und Schwule im Alter und Jugendliche Lesben und Schwule:,
Partizipative Altersplanung
Lesben und Schwule im Alter
Die Bearbeitung der vier Teilberichte zur Partizipativen Altersplanung sowie aktuell die Erstellung des Teilberichts V haben gezeigt, dass zu den sog. "Querschnitt-Themen" bzw. "Kultursensiblen Aspekten"- so auch zu älteren Lesben und Schwulen - Hintergrundinformationen und repräsentative Daten fehlen, um detaillierte Aussagen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass die Querschnitt-Themen gesondert untersucht und beschrieben werden müssen, um gesicherte Erkenntnisse zu erhalten und konkrete Vorschläge erarbeiten zu können.
Allerdings liegen aus den Teilberichten I – IV Handlungsempfehlungen vor, die auch ältere Lesben und Schwule betreffen. Diese Empfehlungen werden derzeit bewertet und in den Teilbericht V einfließen.
Wir weisen allerdings darauf hin, dass sicherlich auch Handlungsempfehlungen und Maßnahmen, die nicht explizit für ältere Lesben bzw. ältere Schwule ausgewiesen sind, ihnen – wie anderen Seniorinnen und Senioren auch – durchaus zugute kommen können.
Telefonberatung für ältere homosexuelle Männer
Das Beratungstelefon für ältere homosexuelle Männer hat zum 01.07.2006 seine Arbeit aufgenommen. Es ist jeden Dienstag von 19.00 bis 21.00 Uhr besetzt. Der Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e.V. hat die Trägerschaft übernommen und stellt den Raum und das Telefon kostenlos zur Verfügung. Pro Abend werden durchschnittlich 3 Beratungsgespräche von ca. 30 Minuten geführt.
Damit das Angebot im Bewusstsein bleibt ist weiterhin Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Es werden Flyer und Plakate in für die Zielgruppe relevanten sozialen Einrichtungen und in der schwulen Szene verteilt. Weitere Bekanntheit erlangte das Telefonangebot durch Veröffentlichungen in diversen Presseartikeln und in der Seniorenzeitschrift.
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass für das Angebot ein Bedarf besteht und eine Fortsetzung erforderlich ist.
Ein gleichzeitig in Betrieb genommenes Beratungstelefon für ältere homosexuelle Frauen wurde wegen geringer Nachfrage wieder eingestellt.
Jugendliche Lesben und Schwule
Im Mai 2006 veranstaltete das Jugend- und Sozialamt eine Fachtagung für Leitungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Kinder- und Jugendhilfebereich zur Sensibilisierung gegenüber den Problemlagen homosexueller Jugendlicher. Es nahmen über 60 Personen aus verschiedenen Jugendhilfe-bereichen teil.
Im Mai 2008 wird es eine zweite Veranstaltung geben. Es wird stärker als bei der Ersten um die praktische Arbeit mit Jugendlichen gehen mit den Themenstellungen:
Wie kann das Thema in die alltägliche Arbeit der Einrichtungen integriert werden? Welche Voraussetzungen, welche Methodenkenntnis braucht eine Arbeit gegen Diskriminierung und Gewalt?
Wie können lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Jugendliche konkret unterstützt werden?
Seit Oktober 2007 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe im Jugend- und Sozialamt mit der Einrichtung eines Jugendtreffs für lesbische und schwule Jugendliche in Frankfurt. Beteiligt sind zwei Vereine (LIBS e.V. und Ourgeneration e.V.), die bisher in Frankfurt unter einschränkenden Bedingungen Angebote an jugendliche Lesben und Schwule vorhalten. Voraussichtlich bis Mitte 2008 sollen konzeptionelle Eckpunkte und benötigte Ressourcen für einen Jugendtreff dem Jugendhilfeaus-schuss zur Diskussion vorgelegt werden.
Das Sozialdezernat berichtet eigenständig unter dem Titel "Jugendeinrichtung für lesbische und schwule Jugendliche in Frankfurt“ über den Fortgang und die Planungen zum Stand der Realisierung eines Jugendhauses für lesbische und schwule Jugendliche an die Stadtverordnetenversammlung. Ein entsprechender Bericht geht dieser voraussichtlich in diesem Monat zu.
Das Dezernat II hat in den vergangenen zwei Jahren als Geschäftsstelle des Runden Tisches Lesben und Schwule Aktionen freier Träger und Vereine unterstützt, bzw. wurden diese in Kooperation mit städtischen Ämtern und Vereinen durchgeführt:
Guiness-Weltrekord mit Zertifikat: Die Frankfurter AIDS-Hilfe hat im Juni 2007 mit vielen Frankfurterinnen und Frankfurtern die weltweit größte menschliche AIDS-Schleife gebildet. Unter den 3.640 registrierten Teilnehmer/innen waren allein 1.194 Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt. So konnte öffentlich unter Teilnahme vieler Jugendlicher auf die Ansteckungsgefahr hingewiesen werden um dafür zu werben, dass auch junge Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen.
"Jungs mögen Jungs“: Ein coming-out-Projekt der AIDS-Hilfe Frankfurt. Mit flyern und Plakaten hat das Schwulen-Zentrum der Frankfurter AIDS-Hilfe in Schulen und Vereinen, in Jugendhäusern und Gastronomie für ihre Beratungsstelle für Jungen geworben. So konnte das Thema auch an die Oberstufenschulen gebracht werden um einerseits eine gewisse Selbstverständlichkeit des Themas zu erreichen, andererseits konkret betroffene Jungen und Junge Männer auf das Beratungsangebot hinweisen. Auch wurde auf den Informationsmaterialien für Jungen aus dem muslimischen Kulturkreis eine spezifische Beratung angeboten.
Weltaidstag (1. Dezember): Regelmäßig nehmen Magistratsmitglieder an den Spendensammlungen in der Frankfurter Innenstadt teil.
AIDS – Frankfurt tut was!: Im September 2007 fanden in der Nordweststadt Präventionstage des Stadtgesundheitsamtes und der Aidsaufklärung statt. Zahlreiche Schulklassen nahmen das Angebot war und absolvierten einen Wissensparcour, der neben Informationen zu AIDS und HIV auch ein unterhaltsames Bühnenprogramm bot.
Lauf für mehr Zeit: Die AIDS-Hilfe veranstaltet mit der Unterstützung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt alljährlich einen Benefizlauf bzw. –walk zu Gunsten der AIDS-Hilfe Frankfurt. Zahlreiche Frankfurter Stadtverordnete und Magistratsmitglieder nehmen an der anschließenden Kundgebung und Siegerehrung teil.
Deutsch-Österreichischer AIDS-.Kongress Juni 2007. Die Oberbürgermeisterin hat die Mitgliedschaft im Ehrenpräsidium des Kongresses übernommen, die Bürgermeisterin die Begrüßungsrede gehalten. Sie wies darauf hin, dass im Frankfurter Universitätsklinikum 1982 erstmals in Deutschland die Diagnose "AIDS“ gestellt wurde und dass in Frankfurt am Main der einzige bundesweite AIDS-Lehrstuhl angesiedelt ist.
Die Oper Frankfurt zeigte im Rahmen dieses Kongresses Benjamin Brittens letzte Oper "Death in Venice“ als künstlerischen Beitrag zum Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress. Bereits in den beiden vergangenen Spielzeiten hatte die Oper Frankfurt jeweils eine ihrer Repertoire-Vorstellungen der AIDS-Hilfe Frankfurt gewidmet.
Erfahrungsaustausch homosexueller Angestellter: Unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin fand im Oktober 2006 das erste Forum lesbischer, schwuler, bi- und transsexueller Angestellten in der Deutschen Bank in Frankfurt statt. Die Interessenvertretung Prout@Work hatte zu einem Erfahrungsaustausch betrieblicher Netzwerke eingeladen.
Grabstätte für Menschen mit HIV und AIDS auf dem Hauptfriedhof Frankfurt: Unter dem Motto "Die Liebe höret nimmer auf“ fand im Juni 2008 die feierliche Einweihung der Gemeinschaftsgrabstätte durch die AIDS-Hilfe statt. Die Bürgermeisterin hielt die Eröffnungsrede. Sie wies darauf hin, dass für diese Grabstätte zunächst in der Friedhofsverwaltung durch das Grünflächenamt die Voraussetzungen geschaffen werden mussten. Der Ort ist künstlerisch gestaltet durch den Aschaffenburger Bildhauer Helmut Hirte und dient der Beisetzung von Verstorbenen, die über keine familiären Bindungen (mehr) verfügten, aber in Frankfurt ihren Lebensmittelpunkt hatten.
Der Bericht kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da viele Maßnahmen, Veranstaltungen und Aktionen als so selbstverständlich angesehen werden, dass die Ämter diese gar nicht mehr melden. Als Indiz hierfür kann gelten, dass einige Ämter für die Zusammenstellung dieses Berichtes "Fehlanzeige“ meldeten, obwohl sie durchaus Aktivitäten für Lesben und Schwule durchgeführt hatten. Er bietet aber aus Sicht des Magistrats einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Magistrats und der Verwaltung sowie von Eigenbetrieben in Bezug auf die Wahrnehmung von Lesben und Schwulen in der Stadt.
Außerdem werden auch die eigenen Veranstaltungen der gay-community wie Straßenfeste in der Schäfer- und der Alten Gasse immer wieder von städtischen Ämtern begleitet. Die Zusammenarbeit wird meist als äußerst positiv und entgegenkommend geschildert. Ein weiteres Indiz für die Akzeptanz lesbisch-schwulen Lebens in Frankfurt ist die Anwesenheit von städtischen Ämtern mit Informationsständen bei großen events wie dem CSD. Auch die Frankfurter Polizei zeigt hier regelmäßig Präsenz mit ihren Ansprechpartner/innen für Lesben und Schwule.
Die Stadt Frankfurt am Main begreift es als ihre Aufgabe, auch weiterhin für ihre lesbischen Bürgerinnen und schwulen Bürger einzustehen und kontinuierlich Diskriminierungen abzubauen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 7. September 2005NRNR 2012Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen StadtSTVV-Antrag · SPD
- 5. Oktober 2005NRNR 2046Frankfurt ist weltoffen und tolerantSTVV-Antrag · CDU
- 17. März 2006BB 154Weltoffenes Frankfurt - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B.454/04)Magistratsbericht
- 19. September 2008Sie sind hierBB 608Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)Magistratsbericht
- 3. Dezember 2010BB 727Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen StadtMagistratsbericht
- 29. Juli 2013BB 384Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)Magistratsbericht
- 4. Juli 2014BB 232Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)Magistratsbericht
- 11. September 2015BB 335Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt (B 454/04)Magistratsbericht
- 7. Dezember 2018BB 394Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen StadtMagistratsbericht
- 30. September 2022Antwort des Magistrats · nach 890 WochenBB 383Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zur einer lesben- und schwulenfreundlichen StadtMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf9 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE. und FDP gegen ÖkoLinX-ARL (= Zurückweisung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FAG und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: FDP und NPD (= Kenntnis) ÖkoLinX-ARL (= Zurückweisung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: FAG, REP und NPD (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FAG und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP und NPD (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu a) CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FAG und BFF