tleutviertel InnenstadtTitel/Betreff: Hilfe für Pädophile
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Thema Kinder, Jugend und Familie verfolgenInhalt
Stellungnahme des Magistrats vom 08.09.2014, ST 1159
Betreff: Hilfe für Pädophile Gibt es in Frankfurt Anlaufstellen für Menschen mit pädophilen Neigungen, die sich beraten lassen und ggf. therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen? Antwort: Ja, es gibt in Frankfurt-Bornheim das "Informationszentrum für Männerfragen". Es wird vom Jugend- und Sozialamt mit Zuschüssen gefördert. Dort können sich Personen mit pädophilen Neigungen niedrigschwellig beraten und therapieren lassen. Falls Frage 1. mit "Ja" beantwortet wird:
a) Wie viele solcher Anlaufstellen gibt es in Frankfurt? Antwort: Dem Magistrat ist diese eine genannte Anlaufstelle bekannt.
b) Welche davon befinden sich im Ortsbezirk 1 (bitte auflisten)? Antwort: Diese befindet sich nicht im Ortsbezirk
- Anmerkung: Eine sozialraumnahe Beratungsmöglichkeit dient nicht der Aufrechterhaltung der Anonymität der Ratsuchenden und wäre daher kontraproduktiv.
- c)Befinden sich Anlaufstellen darunter, die kostenlos und anonym Hilfe anbieten? Antwort: Das "Informationszentrum für Männerfragen" bietet anonym Hilfe an, aber nicht kostenlos (Zahlung erfolgt je nach Einkommen).
- d)Wie werden diese Anlaufstellen von der Zielgruppe angenommen? Antwort: Die betroffenen Personen werden über gerichtliche Auflagen sowie vorgerichtliche Empfehlung aufgefordert, sich einer Therapie zu unterziehen. Sind die bestehenden Kapazitäten an Hilfsangeboten für Menschen mit pädophilen Neigungen aus Sicht des Magistrats in Frankfurt ausreichend? Antwort: Dazu kann keine Aussage getroffen werden. Bisher liegen keine statistischen Daten und Erkenntnisse vor, die Aufschluss über den Anteil an Pädophilen innerhalb der Sexualstraftäter geben könnten. Es sind keine belastbaren Angaben vorhanden, wie viele Menschen sich sexuell zu Kindern (und/oder Jugendlichen = Hebephile) hingezogen fühlen, da keine umfassenden epidemiologischen Studien dazu gibt. Schätzungen zufolge haben 1 % der Männer auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien und erfüllen die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie (ICD 10). Falls Frage 3. mit "Nein" beantwortet wird:
- a)Welche Möglichkeiten sieht der Magistrat, das Angebot an präventiv ausgerichteten Anlaufstellen für Menschen mit pädophilen Neigungen in Frankfurt, unter besonderer Berücksichtigung des Ortsbezirks 1, auszubauen? Antwort: Es werden keine Möglichkeiten gesehen, eine Anlaufstelle für Personen mit pädophilen Neigungen aufzubauen, da keine Erkenntnisse darüber vorliegen, ob im Ortsbezirk 1 statistische Erhebungen existieren, die den Bedarf erklären würden.
- b)Hält es der Magistrat für sinnvoll, eine Kooperation mit dem Netzwerk "Kein Täter werden" anzustreben? Antwort: Das Angebot ist jeder Person zugänglich, die die (im Folgenden genannten) Teilnahmevoraussetzungen erfüllt. Für ein analoges Angebot in Frankfurt am Main wäre gegebenenfalls die Universität in der Verantwortung. In diesem Zusammenhang sei darauf aufmerksam gemacht, dass das bundesweit erste Institut für Sexualforschung 2006 geschlossen wurde und die übrig gebliebene Institutsambulanz inzwischen auch nicht mehr besteht. Exkurs zum Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden": Derzeit gibt es bundesweit 10 Standorte des Präventionsnetzwerks "Kein Täter werden". Sie sind immer (Universitäts-) Kliniken angegliedert. Das Behandlungsangebot ist kostenlos und durch die Schweigepflicht geschützt. Die Finanzierung erfolgt aus Bundesmitteln. In allen Zentren erfolgt eine einheitliche Basisdiagnostik zur wissenschaftlichen Begleitforschung und zur Prüfung der Ein- und Ausschlusskriterien. Bei dem Netzwerk handelt es sich nicht um ein niedrigschwelliges Hilfeangebot. Teilnahmevoraussetzung zur Aufnahme der Therapie ist ein Beratungs- und Diagnostikverfahren in mehreren Schritten. Wer die Therapie an einem der Standorte in Anspruch nehmen will, muss bezüglich seiner auf Kinder gerichteten sexuellen Impulse über ein Problembewusstsein verfügen und von sich aus und ohne juristische Auflagen therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. An dem Therapieprogramm "Kein Täter werden" können also teilnehmen Personen, die bisher (noch) nicht übergriffig geworden sind, aber befürchten dies zu tun; Personen, die bereits sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben bzw. Missbrauchsabbildungen (Kinderpornografie) konsumiert haben, aber den Strafverfolgungsbehörden (noch) nicht bekannt sind; Personen, die in der Vergangenheit wegen entsprechender Taten angezeigt und / oder rechtskräftig verurteilt wurden, eine gegebenenfalls gegen sie verhängte Strafe vollständig verbüßt haben und befürchten, weitere Straftaten zu begehen. Der Frankfurt am Main nächstliegende Standort ist Gießen im Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH. Er wurde im November 2013 eröffnet. Die erste Therapiegruppe soll im August 2014 beginnen. Personen, die im Therapieprogramm nicht aufgenommen werden (laut Aussage der Präventionsstelle in Gießen), werden an das Informationszentrum für Männerfragen in Frankfurt am Main oder an die pro-familia-Beratungsstelle in Darmstadt verwiesen.
- c)Welche Möglichkeiten sieht der Magistrat, für eine Finanzierung Mittel der EU, des Bundes oder des Landes Hessen in Anspruch zu nehmen? Antwort: Entfällt
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 11. Mai 2014OFOF 475/1tleutviertel InnenstadtFraktion: FDPTitel/Betreff: Hilfe für PädophileOrtsbeiratsantrag
- 17. Juni 2014VV 1056Hilfe für PädophileAnfrage
- 8. September 2014Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 17 WochenSTST 1159tleutviertel InnenstadtTitel/Betreff: Hilfe für PädophileStellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab