Stadtverordnetenversammlung
16
20. Oktober 2022
20. Oktober 2022
Antragsteller
CDU
Zusammenfassung
Die Stadtverordnetenversammlung plant, den Magistrat aufzufordern, psychosoziale Unterstützung für Vorschulkinder in den Kinderbetreuungseinrichtungen auszubauen. Dies ist notwendig, um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die sozialen Kontakte der Kinder abzufedern und ihnen eine solide Grundlage für ihre Entwicklung zu bieten.
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Beschluss
I. Der Vorlage NR 329 wird im Rahmen der Vorlage NR 496 zugestimmt. II. Der Magistrat wird gebeten, 1. in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Beratungsangeboten eine zentrale digitale Informations- und Kommunikationsplattform sowie dazu passende Printmedien entwickeln zu lassen, mit denen das breit gefächerte Frankfurter Präventions-, Unterstützungs-, Soforthilfe‐, Beratungs- und Behandlungsangebot sowie die verschiedenen Netzwerke zum Schutz und zur Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen - gebündelt und übersichtlich zusammengestellt, - für Laien wie Fachkräfte informativ und ansprechend dargestellt, - sprachlich wie gestalterisch alters- und zielgruppengerecht differenziert aufbereitet wird für a) Kinder, b) Jugendliche, c) Erziehungsberechtige, d) andere Bezugspersonen und e) Fachkräfte. Ziel ist dabei, die Zusammenarbeit bestehender Beratungsangebote zu optimieren und möglichst vielen Menschen einen Überblick über Arbeitsweise und Aufgaben der Hilfsangebote zu geben, das Auffinden und den Zugang zu den jeweils gesuchten spezifischen Angeboten zu ermöglichen und die Angebote insgesamt erreichbarer zu machen für diejenigen, die sie brauchen und suchen. Die Versäulung der Angebotsstruktur in die Bereiche Gesundheit, Soziales und Bildung soll dabei überwunden werden. Es soll z. B. deutlich werden, dass für bestimmte Problemlagen unterschiedliche Angebote zur Verfügung stehen, die etwa zur Diagnostik auf Therapieplätze in Anspruch genommen werden können. Die zentrale Informations- und Kommunikationsplattform und ihre Medien sollen mit geeigneten Kampagnen im öffentlichen Raum und dort, wo Kinder und Jugendliche sowie ihre Erziehungsberechtigen und Bezugspersonen sich aufhalten sowie auf ihren jeweils bevorzugten Print- und Social-Media-Kanälen beworben bzw. in einer Printversion kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Ein erster Entwurf des Printmediums soll bis Sommer 2023 vorgestellt werden. Sollte dieser Zeitrahmen nicht eingehalten werden können, legt der Magistrat unaufgefordert einen Zwischenbericht zum Stand der Dinge vor. Da die psychologischen Hilfsangebote stetig sowohl neu auf- als auch weiter ausgebaut werden, sollen die Onlineplattform sowie das Printmedium in regelmäßigen Abständen, ersteres aber mindestens jedes, letzteres alle drei Jahre, aktualisiert werden. 2. zeitgleich eine Kampagne zu erarbeiten und öffentlichkeitswirksam umzusetzen, welche das Ziel verfolgt, die Stigmatisierung und Tabuisierung von psychiatrischen bzw. psychischen Erkrankungen abzubauen. Da psychiatrische und psychische Erkrankungen bis heute gesellschaftlich stigmatisiert bzw. tabuisiert werden, sollen neben der Bündelung und Sichtbarmachung der Angebote für direkt und indirekt Betroffene ebenso die Hürden zur Nutzung dieser abgebaut werden. Es soll deutlich werden, dass z. B. ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung zur Behandlung von akuten psychischen und/oder psychiatrischen Notsituationen wichtig und hilfreich sein kann. 3. zu prüfen und zu berichten, welche zusätzlichen oder neu zu entwickelnden niedrigschwelligen Hilfen im Sozialraum angesiedelt werden können, um mehr psychosoziale und psychologische Kompetenz dorthin zu bringen, wo Kinder und Jugendliche sind - in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, der offenen Kinder- und Jugendarbeit usw. Die erfolgreich arbeitenden Frankfurter Kinder- und Familienzentren sind ein Beispiel dafür, dass Kinder und Jugendliche solche Unterstützung erhalten, ohne dass Erziehungsberechtige zuvor der Bedarf dafür bewusst wurde, ohne dass sie sich im Internet über Angebote informieren und die Initiative ergreifen mussten. 4. in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Stadtschülerinnenrat und dem Stadtelternbeirat unter Hinzuziehung von Fachleuten (z. B. des Netzwerkes "Frans" und des Kinder- und Jugend-psychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes) ein inhaltliches Konzept und die methodische Umsetzung eines "pädagogischen Suizidpräventionstages" weiterentwickeln zu lassen, der künftig von Frankfurter Schulen gebucht werden kann. Die Implementierung ist in geeigneter Form zu unterstützen. Vorlage dafür ist der vom Stadtschülerinnenrat 2021 erfolgreich mit einem Peer-to-peer-Ansatz durchgeführte Suizidpräventionstag. Im Rahmen der Weiterentwicklung soll er nach Altersgruppen ausdifferenziert sowie um weitere Peer-Ansätze zur Thematisierung und Enttabuisierung psychischer Erkrankungen ergänzt werden. Die Erfahrungen aus dem Projekt "PsychMobil" des Gesundheitsamtes sollen dabei einbezogen werden. 5. zu prüfen und zu berichten, mit welchen Informations- und Beratungs-Angeboten (im Sinne von "Hilfen aus einer Hand") die Erziehungsberechtigen psychisch auffälliger, psychisch erkrankter oder suizidgefährdeter Kinder und Jugendlicher (über die unter 1. beschriebene Informations- und Kommunikationsplattform hinaus) bei der Bewältigung der außerordentlich belastenden, akuten Krankheitsphase ihres Kindes unterstützt werden können und wo dieses Angebot anzusiedeln wäre. 6. zu prüfen und zu berichten, ob und wo eine niedrigschwellige Anlaufstelle zum Austausch untereinander oder eine Initiative (im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe) für Erziehungsberechtige psychisch auffälliger, psychisch erkrankter oder suizidgefährdeter Kinder und Jugendlicher geschaffen werden kann. 7. zu prüfen und zu berichten, ob und inwieweit die Anzahl psychischer Auffälligkeiten bzw. Erkrankungen und Suizidgefährdungen bei Kindern und Jugendlichen bzw. deren Schwere seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen haben und Notfallsituationen häufiger eintreten. Ferner zu prüfen und zu berichten, ob die in der Zuständigkeit der Stadt Frankfurt liegenden psychosozialen, psychologischen und psychiatrischen Beratungs- und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung seit Pandemiebeginn verstärkt nachgefragt werden und welche Angebote, wo möglich, in Folge solcher erhöhter Bedarfe weiter ausgebaut werden sollen, um allen Hilfesuchenden schnellstmöglich die nötige Unterstützung gewährleisten zu können bzw. mit welchen anderen (z. B. auch sozialräumlich orientierten) Maßnahmen auf veränderte Bedarfe reagiert werden kann. 8. die Federführung für den Prozess der Umsetzung der genannten Maßnahmen beim Gesundheitsdezernat anzusiedeln, welches die Dezernate Soziales und Bildung einbezieht. III. Die Wortmeldungen der Stadtverordneten Baumann, Pürsün, Meyer, Fischer, Grote, Dalhoff und Schenk dienen zur Kenntnis.