Gedenkplakette für Siegmund und Rosette Una am Haus der Studierenden
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Zusammenfassung
Der Magistrat wird gebeten, eine Gedenkplakette für Siegmund und Rosette Una am Haus der Studierenden anzubringen. Dies soll an die bewegende Geschichte der Familie Una erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt wurde. Eine rasche Umsetzung des Vorhabens wird gewünscht.
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Thema Kultur verfolgenAnregung
Der Magistrat wird gebeten, gemeinsam mit dem Land Hessen und der Goethe-Universität als Eigentümer und Nutzer der Villa in der Bockenheimer Landstraße 76 am Gebäude oder im Garten eine Gedenkplakette für Siegmund und Rosette Una mit folgender Inschrift anzubringen:
"1896 - heute
In Erinnerung
an die Erbauer dieses Hauses
Siegmund Una (13.09.1843 - 25.04.1904),
Rosette Una, geb. Mayer (20.02.1854 - 11.05.1942)
deren Familie von den Nationalsozialisten verfolgt wurde,
deren Töchter nach Lodz deportiert und vernichtet wurden,
deren Enkel nach Haft im KZ Buchenwald die Flucht gelang."
Begrüßenswert wäre eine rasche, unbürokratische Umsetzung des Vorhabens.
Begründung
Die Villa in der Bockenheimer Landstraße 76 wurde im Mai 1962 vom Land Hessen gekauft und seither als Studienkolleg für ausländische Studierende genutzt. Auch heute bereiten sich am internationalen Studienzentrum Studierende aus vielen Ländern auf ein Fachstudium an der Goethe-Universität vor. Auf die wechselvolle Geschichte des Hauses und seiner Erbauer deuten einzig die verschlungenen Initialen des Erbauers Siegmund Una in einem Medaillon über einem Mansardenfenster hin. Die Historikerin Christine Hartwig-Thürmer, die im Gebäude einen langen Abschnitt ihres Berufslebens verbracht hat, begann im Rahmen des Stadtlabor-Projektes zum "NS in Frankfurt" für das Historische Museum 2020 eine Spurensuche zum Schicksal der jüdischen Familie Una. Auch wenn diese die Villa schon 1926 verkauft hatte und Siegmund Una lange vor der NS-Zeit verstarb, war das Familienschicksal nicht minder bewegend. Rosette Una und ihre Töchter und Enkel wurden durch die Nationalsozialisten systematisch verfolgt: Enteignung des Vermögens, Haft für den Enkel im KZ Buchenwald, dem dann aber mit seiner Familie die Flucht nach Kenia gelang. Beide Töchter wurden 1941 nach Lodz deportiert und vernichtet, Rosette starb "nicht mehr wegfähig" im jüdischen Altersheim ("Judenhaus") in der Wöhlerstaße 6 und wurde neben ihrem Mann auf dem Jüdischen Friedhof bestattet - allerdings ohne Grabinschrift. Die Inschrift von Siegmund Una wurde von den Nationalsozialisten abmontiert und als Rohstoff für Kriegszwecke eingeschmolzen. Grundsätzlich sind Stolpersteine und Gedenktafeln ein haptisches, sehr konkretes Element der deutschen NS-Erinnerungskultur. Gerade vor dem Hintergrund der beängstigend umfassenden Machtergreifung des NS auch in Frankfurt, sollte - wo immer möglich - auf dieses dunkle Kapitel der Geschichte hingewiesen und Denkanstöße gegeben werden. Gerade im internationalen Studierendenhaus kommt dem konkreten Gedenken eine besonders wichtige Rolle zu - als Beispiel für die Ernsthaftigkeit, mit der man sich um die Aufarbeitung der Geschichte bemüht, als Mahnung und Inspiration für die jungen Studierenden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 9. April 2022OFOF 331/2Gedenktafel für Siegmund und Rosette Una am Haus der StudierendenOrtsbeiratsantrag · CDU
- 12. September 2022Sie sind hierOMOM 2594Gedenkplakette für Siegmund und Rosette Una am Haus der StudierendenDirektanregung
- 13. Januar 2023STST 110Gedenkplakette für Siegmund und Rosette Una am Haus der StudierendenStellungnahme
- 26. Februar 2023OFOF 611/2Kofinanzierung der Gedenkplakette für Siegmund und Rosette UnaOrtsbeiratsantrag · GRÜNE
- 20. März 2023OIBOIB 213Kofinanzierung der Gedenkplakette für Siegmund und Rosette UnaBudget-Initiative
- 26. Juni 2023Antwort des Magistrats · nach 63 WochenSTST 1406Kofinanzierung der Gedenkplakette für Siegmund und Rosette UnaStellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Handlungs- oder Prüfauftrag, den der Ortsbeirat ohne Umweg über die Stadtverordnetenversammlung direkt an den Magistrat richtet. Sie entsteht aus einem beschlossenen Ortsbeiratsantrag (OF). Der Magistrat prüft das Anliegen und antwortet mit einer Stellungnahme (ST).
- 1Ortsbeirat beschließt OF
- 2als Direktanregung an den Magistrat
- 3Magistrat prüft
- 4Stellungnahme (ST) zurück an den Ortsbeirat
Frist: 12 Wochen für den Bericht des Magistrats