Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen bei der Stadt Frankfurt am Main
Zusammenfassung
Der Bericht beschreibt die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen bei der Stadt Frankfurt am Main und die Maßnahmen zur Förderung ihrer Inklusion. Ziel ist es, die Inklusionsquote von über 10 Prozent zu halten und die Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu verbessern. Die Stadtverwaltung hat individuelle Lösungen entwickelt, um die Teilhabe am Arbeitsleben auch während des Lockdowns zu gewährleisten.
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Thema Gesundheit und Soziales verfolgenBericht
Stadt Frankfurt am Main - 2021 Inklusions-Quote weiterhin deutlich über 10 %
Dazugehören und teilhaben ist bei der Stadtverwaltung Frankfurt am Main
auch in schwierigeren Zeiten Alltag
Auch im Berichtsjahr 2021 und ungeachtet des zweiten Corona bedingten Lockdowns, beschäftigt die Stadtverwaltung mit 10.5 % wieder mehr als doppelt so viele behinderte Menschen, wie das Sozialgesetzbuch IX - SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen) mit der Pflichtquote von 5 Prozent vorschreibt. Dabei ergibt sich ein Effekt für den geringfügigen Rückgang der Quote aus der Anzahl der vermehrt in den Ruhestand gehenden geburtenstarken Jahrgänge und deren Anteil an anerkannten Schwerbehinderungen.
Die Stadt Frankfurt am Main geht wieder vielen privatrechtlichen und öffentlichen Unternehmen beispielgebend voran
Über zwei Jahrzehnte ist die Stadt Frankfurt am Main mit viel Engagement in der Inklusion eine der führenden Arbeitgebenden in der Region.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Hessen
(Quelle: Bundesagentur für Arbeit - Kreis Frankfurt am Main Stadt)
Die Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen errechnet sich aus dem Jahresdurchschnitt der Jahressummen der nach § 73 SGB IX berücksichtigungsfähigen Arbeitsplätze und der mit schwerbehinderten Menschen besetzten Arbeitsplätze. Es besteht eine gesetzliche Pflichtquote von 5 Prozent.
Gemeinsam den Lockdown erfolgreich gemeistert
Die seit 2011 bewährte interne Inklusionsvereinbarung, die Inklusionsquote der Stadt Frankfurt am Main von über 10 Prozent dauerhaft zu festigen und die Arbeitsplätze und Unterstützungsmöglichkeiten und -prozesse für Menschen mit Behinderung stetig zu erweitern, stellt jedes Jahr hohe und immer wieder ganz neue Herausforderungen an die Stadtverwaltung - im Berichtsjahr 2021 ganz besonders wegen des Corona bedingten Lockdowns.
In gemeinsamen Anstrengungen wurden auch unter diesen Umständen zeitnah individuelle Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen entwickelt.
Eine Übersicht relevanter Daten über bei der Stadtverwaltung beschäftigte Menschen mit Schwerbehinderung ist der Anlage 1 zu entnehmen.
Teilhabe am Arbeitsleben für die nachhaltige Stärkung der Erwerbsarbeit schwerbehinderter Menschen
Inklusion ermöglicht Menschen mit Behinderung, in einer Umgebung zu arbeiten und zu leben, in der sie sich nicht eingeschränkt fühlen. Für diese Teilhabe orientiert sich die Umgebung an ihren individuellen Bedürfnissen und Stärken. In einem solchen Umfeld können sie ein barrierefreies und selbstbestimmtes erfolgreiches Arbeitsleben führen, mit den gleichen Chancen wie nicht behinderte Kolleg:innen. Inklusion beseitigt somit nicht nur Barrieren, sondern auch Ungleichheiten, natürlich nur, wenn alle Beteiligten wissen, worauf es ankommt: wenn alle für die Fähigkeiten und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sensibilisiert sind.
In den Ämtern und Betrieben der Stadt Frankfurt am Main zählt deshalb die Inklusion zu den wichtigen Aufgaben. Inklusives Miteinander verbessert die Arbeits- und Lebensqualität aller und fördert das Gemeinwesen. Für den Erfolg der Stadtverwaltung Frankfurt am Main zählen alle Mitarbeitenden gleichermaßen.
Arbeitssituationen individualisieren
Die persönliche Arbeitssituation schwerbehinderter Menschen wurde 2021 weiter verbessert. Der grundsätzlich gute Ausstattungsstandard der Arbeitsplätze in der Stadtverwaltung wurde den individuellen Anforderungen angepasst. Zu den bedarfsgerechten Ausstattungen gehören: - Arbeitsbezogene Hörgerätesysteme (ICP) zur Verbesserung der Kommunikation sowie der Erhöhung der Sicherheit und der Arbeitseffizienz
- Individuelle behindertengerechte Bürostühle
- Barrierefreier Umbau eines Postzimmers für eine Rollstuhlnutzung
- Unterstützung bei einem rollstuhlgerechten Umbau einer Teeküche
- Diverse bauliche Maßnahmen zur behindertengerechten Nutzung von Türen und Fenstern
- Behinderungsbedingte Beschaffung eines fahrbaren Laubsaugers
- Speziell ausgerüstete Lastenräder für bewegungsbeeinträchtigte Mitarbeitende
- Schaffung eines neuen leidensgerechten Arbeitsplatzes
- Unterstützung bei dienstlich benötigten Fahrdiensten
- Einführung des Telefonservices Tess Relay-Dienste, Gebärdendolmetsch-Dienst
- Einhand-Tastaturen und spezielle Büroausrüstungen
- Spracheingabeprogramme und behindertengerechte Software-Lösungen
- Großbildschirme, Leselupen und Zubehör
- Kurz- und längerfristige Einsätze von Gebärdendolmetschenden arbeits- und schulungsbezogen
- Organisieren von besonderen Einzel-Schulungen in Zusammenarbeit mit dem Institut "Barrierefreie Bildung"
- Anmieten von Parkflächen für Menschen mit besonderen Behinderungen
- Anträge zu baulichen Veränderungen in den Ämtern und Betrieben, wie zum Beispiel barrierefreie Öffnung von Brandschutztüren
- Anträge auf Beschäftigungssicherungszuschüsse beim Landeswohlfahrtsverband für leistungsgewandelte Mitarbeitende
- Barrierefreie Aufarbeitung von lernbezogenen Dokumenten der Ausbildung für blinde Menschen
- Antragstellung und komplette Ausstattung mit Arbeitshilfen für 7 Auszubildende, darunter Technik für Blinde, schwer sehbeeinträchtigte, hörbeeinträchtigte und bewegungseingeschränkte Menschen
Diese Maßnahmen wurden zum Teil vom Integrationsamt oder der Agentur für Arbeit bezuschusst. Investitionen dieser Art tätigt die Stadt Frankfurt am Main in nahezu allen Ämtern und Betrieben.
Darüber hinaus wurden Mittel bereitgestellt für Einzelunterstützungen in Form von Arbeitsassistenzen oder die Bewilligung von Minderleistungszuschüssen durch das Integrationsamt zur Absicherung der Beschäftigung, die unter Mithilfe der Schwerbehindertenvertretung und des Personalrates beantragt wurden.
Der Ansatz für laufende Kosten (wie Bauunterhaltungsmaßnahmen, Dienstleistungen oder Materialaufwand) im Ergebnishaushalt sowie das zur Verfügung stehende Budget für den Erwerb von beweglichem Vermögen im Finanzhaushalt ist noch ausreichend, um den Bedarfen gerecht zu werden.
Ausbildung schwerbehinderter Menschen
Auch 2021 sorgte die Stadtverwaltung bei der Ausbildung schwerbehinderter Menschen für gute Rahmenbedingungen. Im Besonderen wurden technische Hilfsmittel und kommunikationsfördernde Maßnahmen für schwerbehinderte Auszubildende in Zusammenhang mit der Agentur für Arbeit beantragt. Eine barrierefreie Umwandlung aller zur Ausbildung nötigen Dokumente/ Unterrichtsmaterialien wurde 2021 in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Hessen/Projektbereich TransMit erfolgreich begonnen.
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Die nachhaltige Förderung der Gesundheit stärkt das Leistungsvermögen und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist deshalb für die Stadt Frankfurt von großer Bedeutung.
Unser Gesundheitsmanagement untersucht Belastungen am Arbeitsplatz, um möglichen Gefährdungen und Risiken vorzubeugen, und trägt mit konsequenten Vorsorge-Maßnahmen dazu bei, Erkrankungen zu vermeiden. Neben der Prävention ist das betriebliche Eingliederungsmanagement ein gewichtiges Aufgabenfeld des betrieblichen Gesundheitsmanagements der Stadt Frankfurt. Hier steht die Unterstützung und Rehabilitation des Einzelnen im Mittelpunkt.
Ergebnisse der Inklusionsvereinbarung: Temporäre Ziele für 2019 bis 2022
Auch während des harten Lockdowns 2021 haben die Projektgruppen zur Umsetzung der in der Inklusionsvereinbarung festgelegten temporären Ziele die Projektaufträge erfolgreich erfüllt. Die für die Zielerreichung relevanten Maßnahmen wurden identifiziert und im Dialog zwischen den Partnern:innen der Inklusionsvereinbarung untersucht, denn der gemeinsame Austausch ist in vielen Aspekten bereits Grundlage städtischen Handelns.
Projektauftrag 1: Stellung und Bedeutung der Schwerbehindertenvertretung
HandIungsansätze für die positive Weiterentwicklung der Stellung und Aufgaben der Schwerbehindertenvertretung wurden 2021 gefunden, umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit überprüft.
Bedingt durch die personelle Situation der örtlichen Schwerbehindertenvertretungen wurde besonderer Wert auf die Bedarfsermittlung gelegt. Neben Fortbildungen zur Kommunikation und Selbstorganisation wurde für die im Jahr 2022 neu zu wählenden Vertrauenspersonen der örtlichen Schwerbehindertenvertretungen ein Qualifizierungspaket (vor allem Basiswissen, Kommunikation und Selbstorganisation betreffend) geplant.
Projektauftrag 2: Barrierefreiheit am PC
Bei der Arbeit am PC kennen viele Anwendende nicht die Vielfalt der Funktionen, die eine barrierefreie Darstellung unterstützen. Diese Hilfen können unabhängig von einer anerkannten Schwerbehinderung vielen Mitarbeitenden die Arbeit erleichtern.
Bei der Auswahl der Features (Hilfen) für die Mitarbeitenden arbeitete die Projektgruppe mit dem Amt für Informations- und Kommunikationstechnik sowie dem Referat Datenschutz und IT-Sicherheit zusammen. Im Sommer 2022 wurde das Projekt mit einer Information zu den technischen Möglichkeiten erfolgreich abgeschlossen.
Projektauftrag 3: Inklusion - Menschen mit Behinderung
"Personal. Fachkräfte. Diversity" - nunmehr seit 4 Jahren fand auch 2021 das mit bewährten Partnern ausgerichtete Veranstaltungsformat statt.
Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer, dem Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. und der Lust auf besser leben gGmbH organisierte die Arbeitgeberin Stadt Frankfurt am Main das Fachsymposium Corona bedingt in virtueller Form. Es richtete sich insbesondere an Menschen mit Schwerbehinderung sowie Personalverantwortliche aus privaten und öffentlichen Unternehmen und stärkt den Gedanken der Inklusion durch fachliche Beiträge und Good Practice Beispiele aus dem beruflichen Kontext.
Die Veranstaltungsreihe startete im Juli 2021 mit der Veranstaltung "Unternehmen stellen sich kurz vor"
Auch die im Oktober folgenden Workshops zu den Themen
"Ich möchte eine Person mit Behinderung einstellen. Was muss ich beachten?
"Webseiten & Inklusion: Regularien und pragmatische Tipps für mehr Barrierefreiheit."
"Budget für Ausbildung: Infos für Schulen, Eltern und Arbeitgeber."
sowie
"Unterstützende Institutionen stellen sich kurz vor"
überzeugten inhaltlich.
Die Resonanz der Maßnahmen war trotz der Corona-Umstände gut.
Wie im vergangenen Jahr stehen auf der Internetseite Personalforum Inklusion (personalforum-inklusion.de) wieder Berichte über die Workshops sowie viele Informationen für Interessierte zur Verfügung.
Insgesamt wurde im Berichtsjahr eine Vielzahl von Handlungsansätzen der Stadt Frankfurt am Main erfolgreich umgesetzt. Dazu gehörte auch, Rahmenbedingungen für die Förderung der Beschäftigung und Ausbildung Schwerbehinderter bei der Stadtverwaltung an die aktuellen Erfordernisse anzupassen. Die Projektgruppen haben ergänzende Möglichkeiten aufgezeigt und vorgeschlagen, wie die Teilhabe für Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben heute und künftig noch besser unterstützt werden kann.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Der Weg dieser Vorlage
Am 31. Oktober 2022 veröffentlichte der Magistrat diesen Bericht. In 3 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf3 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP, Volt und FRAKTION gegen CDU und LINKE. (= Beratung); AfD (= Enthaltung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt und BFF-BIG Sonstige Voten/Protokollerklärung: FRAKTION (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, Volt und BFF-BIG Sonstige Voten/Protokollerklärung: AfD, ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Kenntnis)