Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt
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Zusammenfassung
Der Bericht beschreibt die Maßnahmen und Fortschritte Frankfurts zur Förderung der Gleichstellung von LSBTIQ-Personen. Ziel ist es, Diskriminierung zu bekämpfen und ein sicheres, inklusives Umfeld für queere Menschen zu schaffen. Die Stadtverwaltung wird aufgefordert, die erarbeiteten Handlungshinweise in ihr Verwaltungshandeln zu integrieren.
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Thema Gesundheit und Soziales verfolgenBericht
Einleitung
Frankfurt am Main ist für die gesamte Rhein-Main-Region und darüber hinaus ein Zentrum für queere Personen. Eine wissenschaftliche Erhebung (Stadt Köln (Hrsg.) 2019: LSBTIQ als Wirtschaftsfaktor für Köln) kam zum Ergebnis, dass sich im großstädtisch-urbanen Raum 10,6 % der Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren als lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter* oder queer, kurz: LSBTIQ, bezeichnen. Übertragen auf die Stadt Frankfurt am Main bedeutet dies, dass mehr als 80.000 queere Personen in Frankfurt leben.
LSBTIQ-Personen finden in Frankfurt ein professionelles Netz an Angeboten wie psychosoziale Beratungsstellen, Anlaufstellen für Regenbogenfamilien oder Einrichtungen der Jugend- und Altenhilfe explizit für LSBTIQ. Aber auch im Bereich Freizeit, Kultur und Sport existieren in Frankfurt eine Vielzahl von ehrenamtlich getragenen Vereinen und Initiativen von und für queere Menschen. Diese werden auch von Menschen aus dem Umland, wo vergleichbare Strukturen nach wie vor größtenteils nicht vorhanden sind, aufgesucht.
Der vorliegende Bericht basiert auf dem Beschluss des Magistrats vom 15.12.2005 (Beschlussausfertigung § 10452). Dabei wurde der Auftrag formuliert, dass der Magistrat insbesondere zu folgenden Themenfeldern die Gleichstellung von LSBTIQ-Personen voranbringen möchte:
- Arbeitsweise
2. Lesben und Schwule im Alter
3. Gewaltprävention
4. Familie
5. Gesundheit
6. Jugendliche Lesben und Schwule
7. Kultur
8. Sport
9. Strukturelle Integration
Der vorliegende Bericht folgt diesem Aufbau und bezieht sich auf die Jahre 2022 und 2023.
Weiter heißt es im Beschluss: "Der Magistrat wird aufgefordert, weiterhin Diskriminierungen jedweder Art, also auch bezüglich der sexuellen Orientierung, entgegenzuwirken und die erarbeiteten Handlungshinweise so weit in sein Verwaltungshandeln aufzunehmen, wie den selbstverständlichen Anspruch dieser Stadt formulieren, Bürgerinnen und Bürger, ob heterosexuell oder homosexuell, gleich zu behandeln."
Um im Sinne des Magistrats ein umfassendes Bild zur Umsetzung queerkompetenter Maßnahmen und entsprechender Entwicklungen innerhalb der Stadtverwaltung zu erfahren, wurden im Vorfeld der Berichterstattung sämtliche Ämter und Betriebe um eine entsprechende Rückmeldung gebeten. Hier erreichten das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmKA) ca. 30 Rückmeldungen, welche in die folgenden Ausführungen einfließen. Es wird auch deutlich, dass es aus vielen Ämter und Betrieben keine Rückmeldung gab, so dass es Leerstellen im Bericht gibt.
Der queeren Community ist es wichtig, die gesamte Bandbreite der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt auch sprachlich sichtbar zu machen. So ist aktuell die inklusive Bezeichnung "LSBTIQ-Personen" gebräuchlich, alternativ als leitender Überbegriff die Bezeichnung "queer". Diese Begriffe werden auch im vorliegenden Bericht als Bezeichnung Verwendung finden.
Die Situation von LSBTIQ-Personen wurde zuletzt auch im Integrations- und Diversitätsbericht (2022) in allen Handlungsfeldern querschnitthaft dargestellt. Auf die Ausführungen dort wird ausdrücklich verwiesen.
- Arbeitsweise / Verwaltungsinterne Strukturen
Innerhalb der Stadtverwaltung wurde im Berichtszeitraum an der Schnittstelle zum Themenkomplex LSBTIQ an verschiedenen Stellen und mit unterschiedlichem Fokus gearbeitet. Im Folgenden wird aufgezeigt, wo im Berichtszeitraum insbesondere eine fachlich-inhaltliche Auseinandersetzung stattfand.
1.1 Stabsstelle Antidiskriminierung im Dezernat II
Die im September 2022 neu gegründete Stabsstelle Antidiskriminierung organisiert seit November 2022 den "Koordinierungskreis LSBTIQ*. Dieser tagte bis Juli 2023 vierteljährlich, seit August 2023 halbjährlich. Daran nehmen auf Einladung durch die Stabsstelle ehren- und hauptamtliche Vertreter:innen aus dem Bereich LSBTIQ* in Frankfurt, politische Vertreter:innen und die Polizei teil. Im ersten Zeitraum fanden, über diese turnusmäßigen Treffen hinaus, sieben weitere Termine statt. Zwei zentrale Themen sind seit Arbeitsbeginn "Schutz und Sicherheit" und "Sensibilisierung und Empowerment". Beide Themen werden darüber hinaus fortlaufend inhaltlich in AGs weiterbearbeitet. Im Zeitraum November 2022 bis Ende 2023 gab es zehn AG Sitzungen. Der Koordinierungskreis wurde als Reaktion auf die queerfeindlichen Übergriffe im städtischen öffentlichen Raum durch das Dezernat II ins Leben gerufen und will Handlungsempfehlungen und Gegenmaßnahmen entwickeln.
Teil des Prozesses war auch die Durchführung der Veranstaltung "Vielfalt ohne Gewalt" am 16./17.6.2023 in der Alten Gasse. Diese wurde in Federführung der Stabsstelle in der AG "Schutz und Sicherheit" vorbereitet. Neben Infoständen, einer Bühne mit Musik und Diskussionen, wurde die Kampagne "Safer Spaces for Queer People" gestartet. Im Zuge der Kampagne wurden modellhaft einige Einrichtungen in der Frankfurter Innenstadt ("Regenbogenviertel") von außen sichtbar mit "Safer Space"-Aufklebern versehen, der Menschen aus der Community signalisieren soll, dass dies ein sicherer Raum bei Übergriffen oder anderen Notfällen sei. Die Sticker erhalten QR-Codes, welche zur Onlineanzeige der Polizei leiten, sowie eine Liste der Beratungs- und Opferschutzstellen für die Nachbetreuung aufführt.
Diese erste Probephase, die im Zuge der Veranstaltung "Vielfalt ohne Gewalt" gestartete wurde, wird kontinuierlich ausgebaut und über die Innenstadt hinaus erweitert. Dazu gehören unter anderem Schulungen für die Mitarbeiter:innen aus den Safer-Spaces-Partnergeschäften sowie die intensive Weiterbearbeitung des Themenkomplexes Gewaltschutz im öffentlichen Raum.
Diese Aktionstage "Vielfalt ohne Gewalt" markierten gleichzeitig den Beginn des ersten "Frankfurter Pride Month", der auf die Initiative der Bürgermeisterin und Dezernentin für Diversität 2023 in Frankfurt durchgeführt wurde. Diese Einführung des Pride Month wurde durch den transnationalen Austausch und die Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin und ihrem Dezernat, einschließlich der Stabsstelle Antidiskriminierung, mit Frankfurts Partnerstadt Toronto, Kanada, inspiriert. Während bereits seit vielen Jahren die Frankfurter Community in sog. "Pride Weeks" Veranstaltungen im Vorfeld des Christopher-Street-Days durchführte, führte das Dezernat nun mit den "Frankfurter Pride Month" ein Format ein, das von der Stadtverwaltung organisiert und koordiniert wird und in das, neben Maßnahmen durch die Stabsstelle Antidiskriminierung und das AmkA, die Veranstaltungen aus der Community einfließen sollen. Eine zentrale Webseite zum "Frankfurter Pride Month" wurde auf "Vielfalt bewegt Frankfurt" angelegt.
Aus dem Koordinierungskreis LSBTIQ hervorgegangen ist 2023 der Prozess zur Erstellung eines "Kommunalen Aktionsplans Schutz, Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt". Als Auftakt für die Erarbeitung des kommunalen Aktionsplans diente eine "Zukunftswerkstatt" im Oktober 2023. Der Aktionsplan soll partizipativ, unter Einbindung der LSBTIQ-Community in der Zivilgesellschaft, unter Federführung der Stabsstelle Antidiskriminierung, erfolgen. Folgende Themenfelder wurden von der Stabsstelle für den Aktionsplan festgelegt:
- Schutz und Sicherheit: Die Schaffung sicherer Räume für LSBTIQ*-Personen ist von höchster Priorität. Die Kampagne "Safer Spaces" schafft sichere Orte im Regenbogenviertel und weiteren Stadtteilen. Zusätzlich werden Mediationsdialoge mit Bar- und Clubbesitzern geführt, um die Sicherheit queerer Menschen im Nachtleben zu stärken.
2. Bildung, (Erinnerungs-)Kulturen, Freizeit und Sport: Sensibilisierungsangebote in Bildungseinrichtungen sowie Programme für Freizeit und Sport fördern die Akzeptanz von LSBTIQ*-Personen. Veranstaltungen wie die Aktionstage "Vielfalt ohne Gewalt" und der Frankfurter Pride Month stärken die Sichtbarkeit und Anerkennung der Community.
3. Kinder, Jugendliche, Familien: Unterstützung für LSBTIQ*-Jugendliche und Familienstrukturen stehen im Mittelpunkt. Bildungsinitiativen sollen in Schulen und Jugendzentren umgesetzt werden, um junge Menschen und Familien zu stärken.
4. Migration und Flucht: Der Aktionsplan adressiert auch die Herausforderungen von LSBTIQ*-Personen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Ziel ist es, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für diese Gruppen zu schaffen und deren Teilhabe zu fördern.
5. Arbeit: In der Arbeitswelt wird der Fokus auf Vielfalt und Inklusion gelegt. Schulungen und Programme in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung fördern die Wertschätzung, Anerkennung und die Rechte von LSBTIQ*-Personen am Arbeitsplatz.
6. Gesundheit, Pflege und Alter: Der Zugang zu LSBTIQ*-sensibler Gesundheitsversorgung und Pflege wird verbessert, um den Bedürfnissen dieser Gruppen gerecht zu werden. Besonders in den Bereichen Alter und Pflege soll sichergestellt werden, dass LSBTIQ*-Personen in allen Lebensphasen die notwendige Unterstützung erhalten.
Die Themen Trans*- und Intergeschlechtlichkeit sowie Inklusion sollen als Querschnittsthemen mitgedacht werden. Der Erarbeitungsprozess soll voraussichtlich Ende 2024 abgeschlossen sein.
Neben der Bearbeitung des LSBTIQ*-Themenfeldes ist die Stabsstelle Antidiskriminierung mit weiteren Aufgaben bezüglich antidiskriminierungsrelevanter Themen innerhalb der Verwaltung und mit der Stadtgesellschaft tätig und bearbeitet diese fortlaufend. Hier gibt es vor allem Überschneidungen zu den Phänomenbereichen Antisemitismus, Rassismus (insb. Antimuslimischer Rassismus) und Antiziganismus.
1.2 Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen im Amt für multikulturelle Angelegenheiten
Zentrale Fachstelle für die Umsetzung von LSBTIQ-Belangen innerhalb der Stadtverwaltung ist die Koordinierungsstelle für lesbische, schwule, bisexelle, trans*, inter* und queere Themen (Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen). Diese besteht auf Grundlage des Etatantrages E 202/2013 (Beschluss der StVV vom 12.12.2013, § 4004) seit dem 01.11.2015 und ist im Amt für multikulturelle Angelegenheiten Teil der Abteilung 15.2 Diversität und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Der Aufgabenbereich der Koordinierungsstelle im AmkA umfasst ihre Rolle als Bindeglied zwischen Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Politik und LSBTIQ-Community.
Die Aufgaben der beiden Mitarbeitenden, die jeweils über einen halben Stellenanteil verfügen, umfassen im Wesentlichen die konzeptionelle Bearbeitung des Themenfeldes, Koordinationstätigkeiten und Netzwerkarbeit. Handlungsfelder sind u.a. Bildung, Jugend, Community, Antidiskriminierung, öffentlicher Raum, Sichtbarkeit von LSBTIQ Personen, Sport, Alter und Erinnerungskultur und umfassen die komplette Lebensspanne und grundsätzlich eine intersektionale Perspektive. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den LSBTIQ-Communitys, der Frankfurter Stadtgesellschaft und Behörden zu stärken sowie Aktionen und Strategien zum Abbau von Diskriminierungen und Gewalt gegen LSBTIQ-Personen anzuregen und zu entwickeln.
Tätigkeiten an der Schnittstelle zur Stadtverwaltung
Ein Schwerpunkt der LSBTIQ-Koordinierungsstelle im Berichtszeitraum umfasste die Ausweitung der Tätigkeit an der Schnittstelle zur Stadtverwaltung. So erreichen die Koordinierungsstelle einerseits beispielsweise Anfragen von queeren Mitarbeitenden im Coming-Out-Prozess, von Führungskräften zum Umgang mit LSBTIQ-Thematiken in der Personalführung oder von Fachkräften zum Umgang mit queerfeindlichen Aussagen z.B. von Mitarbeitenden in Einrichtungen der Stadt. Hier beraten die Mitarbeitenden umfassend, besuchen bei Bedarf die Ämter vor Ort und bieten Lösungen an.
Darüber hinaus etablierte die Koordinierungsstelle im Dezember 2022 ein Veranstaltungsformat mit dem Titel "LSBTIQ und Arbeit", das sich an Fach- und Führungskräfte sowie interessierte Mitarbeitende der Stadtverwaltung richtet. Die erste Veranstaltung hatte den Schwerpunkt "Diskriminierung am Arbeitsplatz" und thematisierte Maßnahmen zur Gesunderhaltung von Mitarbeitenden, die vulnerablen Gruppen angehören. Bereits an der ersten Veranstaltung "LSBTIQ und Arbeit" nahmen mehr als 60 Mitarbeitende teil, u.a. der Personaldezernent Dr. Bastian Bergerhoff. Die Resonanz auf die Veranstaltung war durchweg positiv. Für die meisten Mitarbeitenden war es die erste Weiterbildung dieser Art; ein hoher Bedarf an der Auseinandersetzung wurde sowohl in den Diskussionen als auch durch Rückmeldungen deutlich. Für einige Ämter und Betriebe war die Teilnahme von Mitarbeitenden an dieser Veranstaltung die einzige Schnittstelle zum Thema LSBTIQ im Berichtszeitraum.
2023 führte die Koordinierungsstelle eine Veranstaltung zum Thema "LSBTIQ und Arbeit" im Rahmen des Diversitätstags des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten durch. Die Auseinandersetzung erfolgte zum Thema "Trans*sein in der Arbeitswelt".
Ein weiteres Beispiel für die Vortragsarbeit der Koordinierungsstelle ist die Einladung des Jugendhilfeausschusses. Die Koordinierungsstelle referierte dort am 04.07.2023 zum Thema "Männlich, weiblich, divers: Erfahrungen mit der neuen Geschlechterordnung" mit Fokus auf das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz.
Zur Erhöhung der Sichtbarkeit queerer Themen innerhalb der Stadtverwaltung und zur Stärkung des Außenbildes der Stadt Frankfurt als queerfreundliche Arbeitgeberin etablierte die Koordinierungsstelle im Jahr 2022 die Teilnahme einer Laufgruppe städtischer Mitarbeitender im Demonstrationszug des Christopher-Street-Days. Während im Jahr 2022 knapp 25 Mitarbeitende dem Aufruf im Intranet folgten, waren es 2023 bereits mehr als 50 Personen, die gemeinsam die Stadt Frankfurt auf dem CSD vertraten.
Netzwerkarbeit
Als Teil des Bundesnetzwerks der kommunalen LSBTIQ-Stellen tauschen sich die Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle regelmäßig über einzelne Vorhaben und Maßnahmen in der kommunalen LSBTIQ-Arbeit aus, insbesondere auch zu strukturellen Vorhaben und Ansätzen. Das Netzwerk ermöglicht mittels einer Austauschplattform auch ganzjährig kollegiale Beratungen und Austausch, neben einer Präsenzkonferenz sowie einer Online-Konferenz jährlich. Im Jahr 2023 war die Stadt Frankfurt stolze Gastgeberin der Konferenz in Präsenz und hieß mehr als 30 Mitarbeitende aus mehr als 20 Städten im stadtRAUMfrankfurt Willkommen.
Ein Beitritt der Stadt Frankfurt zum internationalen Netzwerk "Rainbow Cities Network" ist zum 1.1.2020 erfolgt. Analog zum Bundesnetzwerk finden auch hier eine jährliche Konferenz in Präsenz sowie weitere Online-Formate statt. Im Fokus stehen auch hier der Austausch zu Good Practice-Beispielen auf Verwaltungsebene sowie der Austausch zu strukturellen Vorhaben, jedoch mit internationalem Fokus. Die Jahreskonferenzen fanden im Berichtszeitraum in Rotterdam sowie in Reykjavik unter Teilnahme einer Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle statt.
Darüber hinaus arbeitet die Koordinierungsstelle im AK Gender der Evangelischen Akademie Frankfurt mit. Hier wird in der Regel einmal jährlich eine Veranstaltung mit Diversitätsbezug in Kooperation konzipiert und umgesetzt. 2023 war dies z.B. die sehr erfolgreiche Veranstaltung mit dem Titel "(Un)Sichtbarkeit: trans*sein in Familienkontexten" für Angehörige transgeschlechtlicher Menschen".
Weitere Maßnahmen der Koordinierungsstelle
Im Folgenden sind beispielhaft weitere Maßnahmen, Veranstaltungen und Impulse aufgeführt, die die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen im Berichtszeitraum umsetzte: - Durchführung der zentralen Gedenkveranstaltung der Stadt Frankfurt am 17. Mai eines jeden Jahres anlässlich des IDAHOBITA* - "Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit" am "Frankfurter Engel" am Klaus-Mann-Platz; Themenschwerpunkte waren 2022 "Diskriminierung nicht-binärer Menschen" und 2023 "Diskriminierung von Regenbogenfamilien";
- Durchführung der Veranstaltung "Community inklusiv - Queere Menschen mit Behinderung" in Kooperation mit der UAS Frankfurt und dem LSBT*IQ Netzwerk Rhein-Main;
- Vortrag und Austausch mit den Mitarbeitenden des Arbeitsbereichs "Aktive Nachbarschaft", Durchführung einer Fortbildung für Quartiersmanager*innen im Stadtgebiet;
- Etablierung und Gestaltung von "queeren Büchertischen" in den Wochen vor dem Christopher-Street-Day in mehreren Stadtbüchereien (Kooperation mit der Stadtbücherei Frankfurt);
- Mitwirkung im Prozess zur Erstellung des "Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt des Landes Hessen 2.0" in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration;
- Durchführung einer Ausstellung im stadtRAUMfrankfurt zum Thema "Die Situation queerer Menschen aus und in der Ukraine"
- Beteiligung in der Ausbildung bei der Stadt Frankfurt, u.a. durch Durchführung des Moduls "Interkulturelle Verständigung" für Auszubildende oder durch Betreuung von Studierenden in der Phase der Erstellung der Bachelor-Arbeit im Fachfeld;
- Durchführung von strukturierten Jahresgesprächen mit den wesentlichen Trägern der Community-Strukturen in Frankfurt;
- Start einer Veranstaltungsreihe zur Gründung und Vernetzung queerer SchulAGs an Frankfurter Schulen.
1.3 Weitere Verwaltungseinheiten an der Schnittstelle LSBTIQ
Neben der Stabsstelle Antidiskriminierug im Dezernat II und der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen im AmkA nehmen auch zunehmend weitere Arbeitsbereiche innerhalb der Stadtverwaltung die inhaltliche Auseinandersetzung mit queeren Fachthemen in Bezug auf den inhaltlichen Auftrag der jeweiligen Organisationseinheit vor. Im Berichtszeitraum waren hier insbesondere folgende Organisationseinheiten aktiv.
VHS Frankfurt
Im Fachbereich "Sozialer Zusammenhalt" wurde im Juni 2022 ein neuer Angebotsbereich "Diversitätskompetenz und rassismuskritische Bildung" gegründet. Dieser richtet sich einerseits gezielt an die LGBTQIA+ Gemeinschaft und bietet andererseits Bildungsangebote für alle an, in denen Aktuelles der queeren Lebensrealitäten behandelt wird.
Fachstelle Beratung und Entwicklung, Schwerpunkt Diversität, Kita Frankfurt
Die Mitarbeitenden der Fachstelle wirken bei der Weiterentwicklung grundlegender Themen, Konzepte und Qualitätsstandards von Kita Frankfurt mit. Ein Schwerpunkt hierbei ist "Diversität und interkulturelle Öffnung". Ziel der Arbeit ist, gesellschaftliche Strukturen, die zum Ausschluss und struktureller Benachteiligung führen, aufzulösen. Die Fachstelle Beratung und Entwicklung unterstützt diese Prozesse konzeptionell sowie durch unterschiedliche Qualifizierungsangebote. Sie berät u.a. pädagogische Fachkräfte und Teams zu Professionalisierungsfragen und organisiert Veranstaltungen für die Mitarbeitenden.
Kinderbüro Frankfurt
Das Kinderbüro Frankfurt verfügt über eine Ansprechperson für den übergeordneten Bereich "Diversität und Nicht-Diskriminierung". Diese Person steht vor allem Eltern beratend zur Seite, die sich Begleitung und Orientierung zur eigenen Familiensituation wünschen, sowie Eltern, die Fragen haben zur sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität der eigenen Kinder. Die Ansprechperson führt hier eine entsprechende Erstberatung durch und verweist ggf. an weitere Fachstellen.
Büro des Gesamtpersonalrats
Einen Impuls innerhalb der Verwaltung leistete im Berichtszeitraum auch das Büro des Gesamtpersonalrats der Stadt Frankfurt. In beiden Berichtsjahren wurden im Rahmen der GPR-Kampagne "AnStadt Intoleranz" Aktionswochen für Mitarbeitende der Stadtverwaltung durchgeführt. Die Veranstaltungen der Aktionswoche können von den Mitarbeitenden während der Arbeitszeit besucht werden.
Im Jahr 2022 lud dabei die Veranstaltung "Mit der VHS queer durch die Bars Frankfurts" die Mitarbeitenden dazu ein, sich niedrigschwellig mit der Lebensrealität queerer Menschen auseinanderzusetzen.
Im Jahr 2023 hatte die Kampagne das Thema "Geschlechtergerechtigkeit" und bot mit einer Vielzahl an Workshops und Führung den Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich mit dem Thema "geschlechtliche Vielfalt" auseinanderzusetzen. Neben dem Workshop der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen mit dem Titel "Trans* in der Arbeitswelt" konnte u.a. ein Workshop des Frankfurter Zoos zum Thema "Queere Tiere" besucht werden, weiter Workshops waren zur Umsetzung von geschlechtergerechter Sprache oder zum Umgang mit Sexismus am Arbeitsplatz.
Gerade die Aktionswoche "Geschlechtergerechtigkeit" bot vielen Mitarbeitenden erstmals die Möglichkeit, sich mit dem Spektrum der geschlechtlichen Vielfalt auseinanderzusetzen. Die Rückmeldungen waren hier durchweg positiv.
2. Lesben und Schwule im Alter
Für viele lesbische, schwule, bisexuelle, genauso wie transidente und intersexuelle Senior*innen ist es schwierig, offen mit ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität umzugehen - zu groß ist die Angst vor Diskriminierung. Dies betrifft auch den Alltag in Pflegeheimen.
2.1 Bereich Pflege
In Frankfurt gibt es die Initiative Regenbogenpflege, die sich aus dem Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e.V., der AG 36, dem schwulen Zentrum der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. (AIDS-Hilfe) und einigen freiwillig engagierten schwulen Frankfurtern zusammensetzt. Mit der Initiative Regenbogenpflege möchte der Frankfurter Verband allen Pflegebedürftigen ein selbstbestimmtes und sicheres Leben und Lieben im Alter ermöglichen. Ziel ist es, Träger von Pflegeeinrichtungen für das Thema "LSBTIQ in der Altenpflege" zu sensibilisieren. Der Frankfurter Verband stellt Informationen bereit, gibt Hilfestellung und teilt eigene Erfahrungen. In Frankfurt sind seit 2014 zwei Pflegeheime des Frankfurter Verbands mit dem Regenbogenschlüssel ausgezeichnet: das Sozial- und Rehazentrum West in Rödelheim und das Julie-RogerHaus in Eckenheim. Der Regenbogenschlüssel ist ein aus den Niederlanden übernommenes Qualitätssiegel. Mit dem Regenbogenschlüssel können stationäre Pflegeeinrichtungen ausgezeichnet werden, die sich systematisch und nachweisbar darum bemühen für LSBTI*Q Bewohner*innen ein möglichst diskriminierungsfreies Umfeld zu schaffen, welches von Akzeptanz geprägt ist.
Des Weiteren wird durch das Jugend- und Sozialamt mit dem "Agaplesion Schwanthaler Carreé" ein Altenpflegeheim in Sachsenhausen gefördert, bei dem die Berücksichtigung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Angebotsstruktur als zentrale Haltung benannt ist. Das "Agaplesion Schwanthaler Carrée" befindet sich in seiner Qualifizierungsphase zur Zertifizierung als "Lebensort Vielfalt". Das Qualitätssiegel "Lebensort Vielfalt" wurde von der Berliner Schwulenberatung entwickelt und garantiert, dass die zertifizierte Stelle sich für ihre Pflegetätigkeit aber auch als Arbeitgeberin bestimmten Standards im Umgang mit dem Themen LSBTIQ, Inklusion und Migration verpflichtet hat. Die Einrichtung hat 2023 den Deutschen Pflegepreis in der Kategorie Vielfalt und Respekt von der Korian Stiftung für Pflege und würdevolles Altern verliehen bekommen.
2.2 Angebote aus der Community
Die Aidshilfe Frankfurt und der Frankfurter Verband bieten mit dem Format "Café Karussell" ein niedrigschwelliges Angebot an. Es ist ein offenes Treffen, welches sich an homosexuelle Männer ab 60 Jahren richtet und zweimal im Monat stattfindet. Es wird durch das Jugend- und Sozialamt bezuschusst.
Die Lesben Informations- und Beratungsstelle e.V. (LIBS) bietet für lesbische Frauen ab 57 Jahren unter dem Namen "Treff. Punkt: Lesben 57 ++" alle acht Wochen einen Brunch an. Außerdem gibt es mehrfach im Jahr eine Gruppe "Spätes lesbisches Coming-Out". Die Einrichtung LIBS wird durch das Frauenreferat gefördert.
2.3 Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter
In Frankfurt verortet ist die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter, die seit August 2020 ein Projekt in Kooperation von der Lesben Informations- und Beratungsstelle e.V. und der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. ist. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Hessischen Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt (APAV). Die Landesfachstelle sensibilisiert Politik, Verwaltung, Pflegeschulen und Einrichtungen zu den Themen und Bedürfnissen von LSBT*-Senior*innen.
3. Gewaltprävention
Wie unter 1.2 dargestellt, wurde der Bereich der Gewaltprävention im Berichtszeitraum vorrangig von der Stabstelle Antidiskriminierung im Dez. II im "Koordinierungskreis LSBTIQ" bearbeitet.
Das Thema "Gewalt gegen Schwule und Lesben" wird im Rahmen von Kampagnen des Präventionsrates thematisiert. Der Präventionsrat der Stadt Frankfurt reagiert als Antwort auf den Verlust von Respekt im alltäglichen Miteinander mit der zeitlich unbefristeten Kampagne "Frankfurt zeigt Respekt", die unterschiedliche Plakatmotive zeigt. Ein Motiv nimmt dabei Bezug auf Homosexualität und möchte mit dem Satz sensibilisieren: "Heteros sind nicht normaler als Homosexuelle. Es gibt nur mehr." Darüber hinaus passt der Präventionsrat die Inhalte der "Gewalt-Sehen-Helfen"-Workshops dahingehend an, dass auch die besonderen Herausforderungen im öffentlichen Raum für queere Personen Raum finden.
Der Arbeitskreis "Jour fixe Schwule und Lesben" des Präventionsrates findet seit Bestehen der Stabsstelle Antidiskriminierung im Dezernat II nicht mehr statt. Vertreter*innen des Präventionsrates sind zu den Treffen des Koordinierungskreises LSBTIQ eingeladen.
Die Stadt Frankfurt hat Ende 2021 eine Koordinierungsstelle zur Umsetzung der Istanbul-Konvention eingerichtet. Sie ist im Frauenreferat im Bereich Gewaltschutz angesiedelt.
Die Strukturen für queere Personen, welche Gewalt erfahren, außerhalb der Stadtverwaltung, haben sich im Berichtszeitraum tendenziell verbessert. So wurden durch das Polizeipräsidium Frankfurt 5 LSBTIQ-Ansprechpersonen benannt, welche Betroffene beraten und bei Bedarf z.B. zur polizeilichen Vernehmung begleiten.
Die psychosoziale Begleitung von LSBTIQ-Personen, die Gewalt erlebt haben, leistet in Frankfurt vorrangig die Beratungsstelle "Gewaltfrei Leben" des Vereins "Broken
Rainbow e.V.". Diese wurde im Berichtszeitraum durch das Frauenreferat finanziell gefördert. Als Gründerin des Vereins Broken Rainbow e.V. wurde Dr. Constance Ohms 2023 mit dem Tony Sender-Preis der Stadt ausgezeichnet.
Auf Seiten der ehrenamtlichen Community-Strukturen hat sich der CSD e.V. im Berichtszeitraum intensiv mit den Awareness-Strukturen am Christopher-Street-Day auseinandergesetzt, um hier den Schutz der Besuchenden vor Gewalt kontinuierlich zu erhöhen und zu verbessern.
4. Familie
Regenbogenfamilien/queere Familien erleben in ihrem Alltag immer wieder Diskriminierung, sei es beim Thema Kinderwunsch (verwirklichen), dem Abstammungsrecht, der Frage wie viele Menschen rechtlich Elternteil sein können oder aber auch beim Thema gesellschaftliche Sichtbarkeit und Repräsentation, u.a. in Kita und Schule.
4.1 Angebote aus der Community
Umso wichtiger ist es, dass in den letzten zwei Jahren die Angebote für Regenbogenfamilien in Frankfurt am Main zugenommen haben. Die Angebote werden größtenteils von engagierten queeren Familien im Ehrenamt organisiert und sind räumlich an queere Vereine und Orte in der Stadt angebunden.
Im LSKH, dem queeren Kulturhaus, gibt es seit 2022 einmal im Quartal einen "Queer Family Brunch" für queere Menschen mit Kind(ern), Kinderwunsch oder familieninteressierte Queers.
Über die Lesben Informations- und Beratungsstelle (LIBS) gibt es eine Queere ElternGruppe, die sich einmal im Monat trifft. Die LIBS bietet, wie auch die AIDS-Hilfe im Main-Check, eine Kinderwunschberatung für queere Personen an.
2022 hat sich die Initiative "Rainbowfamily Frankfurt" gegründet. Sie richtet sich an gleichgeschlechtliche Eltern (Paare und Alleinerziehende) mit ihren Kindern sowie für gleichgeschlechtliche Paare mit Kinderwunsch. Die Initiative nutzt die Raumförderung des AmkA und trifft sich dort einmal im Monat.
4.2 Tätigwerden der Verwaltung
Im Rahmen der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe bietet die Stadt in der Kinder-, Jugend- und Elternberatung Sachsenhausen im Kooperation dem KUSS41 eine Beratung für Regenbogenfamilien an.
Innerhalb der Stadtverwaltung hat insbesondere die Stadtbücherei Regenbogenfamilien im Blick bzw. sieht ihren Bildungsauftrag auch darin, Eltern und Fachpersonal zum Thema Diversität aufzuklären. Zum Beispiel bietet die Stadtbücherei verschiedene Medienzusammenstellungen für Kita und Schule, die sich dem Thema widmen. Dabei liegt der Fokus nicht explizit auf LSBTIQ-Personen, sondern thematisiert "Vielfalt" generell: Der "Medienkoffer Diversität" für Multiplikator*innen in Kita und Grundschule bietet Medien u. a. zum Thema Gender und Vielfalt. Die Medienkoffer wurden in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung des Frauenreferats innerhalb der Kampagne "Klischeefreie Zone Frankfurt" beim Verein klische*esc erworben.
Weiter ist der "Frankfurter BücherRucksack Vielfalt leben" ein Angebot der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle für den Einsatz in der Grundschule. Der Bücherrucksack legt den Fokus auf eine breite Darstellung unserer heterogenen Gesellschaft mit unterschiedlichen Familienkonstellationen, Nationen, Kulturen und Religionen und auf Inklusion.
Über den OnleiheVerbund Hessen bietet die Stadtbücherei zudem die temporäre Rubrik "Happy Pride Month" an.
Die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen hatte 2023 das Schwerpunktthema Regenbogenfamilien und hat in diesem Zusammenhang die Ausstellung des Rainbow Cities Network (RCN) "Rainbow Families 2017" gezeigt. Das AmkA leistet mit der Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit queerer Familien in der Stadt und im stadtRAUMfrankfurt. Durch die Vernissage wurden ungefähr 40 Personen, großteils Familien mit Kindern, erreicht. Neben dem Austausch hatten die Anwesenden die Möglichkeit ihre Bedarfe als Regenbogenfamilien gegenüber der Stadt zu nennen. Ein wiederkehrender Wunsch war die Gründung eines Regenbogenfamilienzentrums nach dem Vorbild von München.
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter*-, Trans*- & Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA*) am 17. Mai lädt die Stadt zur zentralen Gedenkveranstaltung am Mahnmal "Frankfurter Engel" am Klaus-Mann-Platz ein. Auch hier ging es 2022 um die Sichtbarkeit von queeren Familien. Hierfür wurden von der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen Statements aus der Frankfurter LSBTIQ-Community von Eltern und Kindern aus Regenbogenfamilien gesammelt. Diese wurden von Mitarbeitenden des AmkA verlesen. Ein Coming-out als trans* birgt für junge Menschen und ihre Familien zahlreiche persönliche und strukturelle Herausforderungen. Um herauszufinden, wie binäre und nichtbinäre trans* Kinder und Jugendliche und ihre Familien unterstützt werden können, hat die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen 2023 im Rahmen des "AK Gender" unter dem Titel "(UN)SICHTBARKEIT - Trans* sein in Familienkontexten" eine Veranstaltung für Personen, die im privaten oder beruflichen Kontext mit jungen trans* Menschen oder mit Fragen rund um Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und geschlechtliche Selbstbestimmung zu tun haben. Im AK Gender sind neben der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen und der Evangelischen Akademie, auch das Frauenreferat, Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e. V., das Kompetenzzentrum Transidentität und Diversität Frankfurt und der Stabsbereich Chancengleichheit und Zentrum Bildung der EKHN vertreten.
5. Gesundheit
Im Juni 2022 führte die Frankfurt University of Applied Sciences, Stabsstelle Diversity, in Kooperation mit dem LSBT*IQ-Netzwerk Rhein-Main und dem Amka die Veranstaltung "Community inklusiv - Queere Menschen mit Behinderung" durch. Neben einem Fachvortrag der Stadt Bielefeld über eine dort durchgeführte Studie zum Thema, fand ein fachlicher Austausch zu unterschiedlichen Themenfeldern statt mit dem Ziel, Bedarfe in diesem intersektionalen Feld für die Stadt Frankfurt sichtbar zu machen.
Das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS), angesiedelt im Gesundheitsamt, hat im März 2023 eine Arbeitsgruppe "Queer(sensibl)e Suizidprävention" ins Leben gerufen. Daraus resultierte ein Vortrag (15.11.2023) zum Thema "Suizidalität und queersensible Beratung", an dem 75 Fachleute teilnahmen.
Das Gesundheitsamt ist beim CSD 2023, angeregt durch den Aufruf der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen im Intranet, mit vielen Mitarbeitenden bei der Demonstration mitgelaufen. Die Mitarbeitenden haben bei der Demonstration viele Infos über die verschiedenen Angebote des Gesundheitsamts im Gepäck gehabt, beispielweise über das Schulprojekt "SAME. Anders ist normal", die Impfberatung oder die Beratungsstelle, in der sich junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren beraten lassen und sich kostenlos auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen können.
Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass Diskriminierung von queeren Menschen im Gesundheitswesen für diese nach wie vor sehr häufig ist. Die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen erreichen viele Anfragen nach queerfreundlichen ärztlichen oder therapeutischen Praxen. Da es in diesem Bereich kaum Siegel für diversitätssensible medizinische Einrichtungen gibt, ist die Unsicherheit für queere Menschen enorm.
6. Jugendliche Lesben und Schwule
6.1 Infrastruktur in Frankfurt für queere junge Menschen
In Frankfurt richten sich der offene Jugendtreff "KUSS41" (seit 2022 in Trägerschaft
AIDS-Hilfe Frankfurt e.V., AIDS-Hilfe) sowie der "JuLe-Treff" (Angebot des LesbenInformations- und Beratungsstelle e.V., LIBS) an queere junge Menschen zwischen 13 und 27 Jahren. Diese zwei Einrichtungen sind explizite Treffpunkte und Anlaufstellen für die psychosoziale Unterstützung queerer junger Menschen und beraten auch Angehörige. Die Aufgaben dieser Einrichtungen sind u.a. die Begleitung und Unterstützung im Coming-Out-Prozess und/oder Transitionsverfahren, die Unterstützung im Umgang mit Diskriminierung, Angebote und Veranstaltungen für die Zielgruppe schaffen, Aktivierung der Fachöffentlichkeit durch Sichtbarmachung der Bedarfe von queeren jungen Menschen sowie die Information von Fachkräften durch Fortbildungsveranstaltungen.
Das Projekt "QuJu Queere Jugendhilfe" ist eine Kooperation zwischen dem Internationalen Familienzentrum e. V. (IFZ) und der AIDS-Hilfe. Von 2019-2022 unterlag die fachliche Leitung dem IFZ, seit April 2023 hat die AIDS-Hilfe diese übernommen. Das QuJu bietet flexible und am individuellen Bedarf orientierte Hilfe, sowie trägereigenen Wohnraum, einen professionellen Rahmen im stationären Jugendhilfe-Setting und Unterstützung bei den Themen Identitätsfindung, Verselbstständigung und Perspektivplanung, sowie Bewältigung von Krisen und Problemen. Das Angebot richtet sich in der Regel an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren. Die AIDS-Hilfe verfügt über 9 Wohnplätze, die durch das Angebot von derzeit 8 Plätzen in der 24-Stunden-Einrichtung des IFZ ergänzt werden. Die Plätze sind durchgehend belegt und reichen bei weitem nicht aus. Anfragen müssen häufig abgesagt werden. Beide Einrichtungen werden durch das Jugend- und Sozialamt bezuschusst.
Seit 2022 bieten das Clementine Kinderhospital eine spezielle Sprechstunde für Kinder und Jugendliche sowie Erziehungsberechtige mit Fragen zur Geschlechtsidentität an: "Frankfurter Sprechstunde für Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung bei Kindern und Jugendlichen". Das Angebot umfasst Diagnostik, multiprofessionelle Beratung und Behandlung für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit geschlechtsinkongruentem Verhalten, Geschlechtsdysphorie und Transidentität an. Bei Bedarf wird bei der Suche nach Therapieplätzen unterstützt, es werden Indikationen für medizinische Behandlungsmaßnahmen gestellt und Begutachtungen nach dem Transsexuellengesetz durchgeführt.
Beim CSD gab es 2023 zum ersten Mal eine "Jugend Safe Zone". Diese lag in der Alten Gasse und hat jungen queeren Menschen täglich von 15-20 Uhr einen Rückzugsbereich u.a. mit Social Media Point und Handy Ladestationen angeboten.
6.2 Bereich Schule
Im Austausch mit schulischem Personal entstand bei der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen der Eindruck, dass auf der einen Seite Schulen positiver und proaktiver mit LSBTIQ-Themen umgehen und es immer mehr Arbeitsmaterialien gibt, die LSBTIQ-Themen aufgreifen - auf der anderen Seite berichten sowohl Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen, dass durch die Sichtbarkeit auch Queerfeindlichkeit mit Mobbing, Belästigung und Gewalt ein hohes Niveau erreicht hat. Diese Beobachtung wird auch von Kompetenzzentrum Trans* und Diversität KTD, welches durch das Land gefördert wird und in Frankfurt am Main ansässig ist, bestätigt: viele Schüler*innen, die sich an ihrer Schule als transgeschlechtlich oder nicht-binär outen, erleben ihr Schulumfeld nicht mehr als sicheren Ort. Schulwechsel sind in diesem Zusammenhang nicht selten.
2022-23 wurden verschiedene Anfragen an die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen herangetragen, in denen Schüler*innen und Lehrkräfte von Schwierigkeiten berichteten, eine "Queere AG" an der eigenen Schule zu gründen. Aus diesem Grund hat die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen 2023 zwei Informations- und Vernetzungstreffen für Queere AGs und Vielfalt-AGs im stadtRAUMfrankfurt durchgeführt. Hessenweit war es das erste Angebot dieser Art. Zielgruppe waren Schüler*innen, Lehrkräfte, Schulleitung, Schulsozialarbeiter*innen und an Frankfurter Schulen tätige Personen. Die erste Veranstaltung wurde von 35 Akteur*innen besucht und hat in Zusammenarbeit mit dem Verein OSQAR e.V. stattgefunden. Der Verein setzt sich deutschlandweit für die Sichtbarkeit, Akzeptanz und Gemeinschaft von LGBTIQ Schüler*innen ein und unterstützt Schulen bei der Gründung von Queeren AGs. Außerdem hat die Max-Beckmann-Schule von Erfahrungen ihrer AG-Arbeit berichten. Nach der zweiten Veranstaltung wurde der Bedarf der Fortsetzung für 2024 deutlich, weiterhin mit dem Ziel unterschiedliche Schulen miteinander zu vernetzten und ihnen Impulse für die Gestaltung eigener "Queer AGs" vor Ort mitzugeben, um LSBTIQ*-Themen im Schulalltag strukturell sichtbar zu machen.
Die Herausforderungen für queere junge Menschen im Lebensbereich Schule wurden und werden auch vom Kinderbüro Frankfurt thematisiert. Fachkräftegruppen möchten hier das Thema weiter vertiefen, da dem Kinderbüro zunehmend Fälle bekannt wurden, in denen queere Kinder und Jugendliche im Schulalltag verbale Gewalt sowie Diskriminierung und Mobbing erfahren mussten.
In Frankfurt am Main gibt es zurzeit drei Projekte, die queere Themen über externe Anbieter*innen im Schulalltag verankern. Damit wird aber nur ein Bruchteil an Schüler*innen und Schulen erreicht.
Das Schultheater-Studio bietet den theaterpädagogischen Workshop "GeschlechterRolleMensch" an, in dem sich Schüler*innen ab Jahrgang 6 theatral mit den Themen Geschlechterrollen, Coming Out und Homosexuellenfeindlichkeit auseinandersetzen können. Der Workshop hatte im Berichtszeitraum keine Finanzierung durch die Stadt.
Das Projekt SCHLAU Frankfurt war 2022 in Trägerschaft der Bildungsstätte Anne Frank e.V. und ist zum Januar 2023 in die Trägerschaft der AIDS-Hilfe gewechselt. Seit 2022 gibt es für das Projekt SCHLAU Frankfurt eine 50% Stelle, die aus dem Stadtschulamt finanziert wird. Das Projekt bietet als ehrenamtliches queeres Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt weiterhin Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene an. Die Hauptzielgruppe sind Schulen. Die meisten Workshops finden im queeren Jugendzentrum KUSS41 statt und die Schulklassen befinden sich in einem außerschulischen Lern-Setting, um mit den SCHLAU Teamer*innen ins Gespräch zu kommen und durch Methoden und autobiografisches Erzählen einen niedrigschwelligen Einstieg in das Themenfeld der sexuellen, romantischen und geschlechtlichen Vielfalt zubekommen.
Der Frankfurter Verein Art-Q bietet seit sechs Jahren "Homologie - Das Comedy Edugaytion Programm" an. Als Aushilfslehrer "Malte Anders" ermöglicht der Kabarettist und Theaterpädagoge Timo Schweitzer seit 2016 Schüler*innen ab der 8. Jahrgangsstufe in Frankfurt und bundesweit mit seiner 90-minütigen Comedy-Show, Hintergrundwissen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Toleranz, Diskriminierung und Mobbing zu erlangen. Das Comedy-Programm endet damit, dass Schüler*innen anonym Fragen stellen können; zudem gibt es Raum für Diskussion.
Auf der städtischen Homepage ist der "Wegweiser Bildungsangebote für Schulen" zu finden. Der Wegweiser wird durch das Frankfurter Kinderbüro betreut. Dort sind auch die oben genannten Angebote von Art-Q und dem Schultheater-Studio gelistet. Auf der Bildungsplattform gibt es noch einen weiteren Workshop zu LSBTIQ-Themen. Das Bibelhaus Erlebnis Museum Frankfurt am Main bietet den Workshop "G*tt w/m/d - Geschlechtervielfalt und Religion" an. In diesem Workshop können Schüler*innen ab Jahrgang 8 verschiedene Geschlechter-Vorstellungen seit der Antike kennenlernen und ihren eigenen Standpunkt hinsichtlich der Vielfalt von Geschlechtlichkeit hinterfragen.
6.3 Tätigwerden der Stadtverwaltung
Gemäß den Qualitätskriterien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) sind alle durch das Jugend- und Sozialamt geförderten Maßnahmen dazu verpflichtet, geschlechtsspezifische Arbeit zu leisten und in der Angebotsgestaltung zu berücksichtigen. Junge Menschen sollen darin unterstützt werden, eine eigenständige und selbstbestimmte geschlechtliche und sexuelle Identität zu entwickeln.
Die Situation queerer junger Menschen hat insbesondere auch der Bereich "Präventiver Jugendschutz" im Blick. In Kooperation wurden hier Fortbildungen für Fachkräfte, Eltern und Multiplikator*innen angeboten, u.a. zum Thema "LGBTIQA*-Jugendliche im Netz". Ein Fachtag zum Thema "Selbstbestimmt bunt" befindet sich aktuell in Vorbereitung.
Durch den Bereich "Zuschüsse an Träger und präventive Hilfen" wurde eine zweitägige Qualifikation "Genderbezogene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main" durchgeführt, in der die Themen der geschlechtlichen Vielfalt und der sexuellen Orientierung aufgegriffen wurden. Diese findet fortan regelmäßig statt und ist für die durch die Stadt Frankfurt geförderten Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit verpflichtend.
Darüber hinaus wird im Bereich der politischen und kulturellen Bildung bei der Angebotsgestaltung sowie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, z.B. für das Programm der "Frankfurter Flöhe", auf das Abbilden diverser Lebenswelten geachtet.
Im Bereich der "kommunalen Beschäftigungsförderung" werden im Rahmen anonymisierter Fallbesprechungen bei Bedarf die Herausforderungen hinsichtlich der Geschlechtsidentität der jungen Menschen oder der sexuellen Orientierung betrachtet und bei der Beratungsarbeit berücksichtigt. Um hier entsprechende Fachkompetenz aufzubauen, besuchte das zuständige Team im Berichtszeitraum die Fortbildung "Queere Jugendliche Willkommen! Pädagogisches Handeln in der Jugendsozialarbeit".
Darüber hinaus ist das Jugendbildungswerk Teil des "Queeren Runden Tischs" des Hessischen Jugendrings.
Derzeit in Planung befindet sich die Durchführung eines internationalen Jugendaustausches explizit für LSBTIQ-Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Partnerschaft mit Tel Aviv in 2024 unter Federführung des Besonderen Diensts 6, Jugend- und Sozialamt.
Im Stadtschulamt wird die Situation queerer junger Menschen im dienstlichen Handeln allgemein mitgedacht.
2022 hat die Stadtbücherei auf Initiative der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen in der Kinder- und Jugendbibliothek in Bornheim anlässlich des 30. CSDs in Frankfurt einen Büchertisch mit queeren Bilderbüchern, Jugendromanen und Sachbüchern gestaltet. Die Koordinierungsstelle hat den Tisch mit Flyern der städtischen Beratungsangebote ausgestattet.
2022 hat die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen mit dem LSVD zur Planung und Durchführung des 6. Regenbogenparlaments kooperiert. Thema war "Diskriminierungsarme Räume in der Jugendarbeit schaffen". Das Regenbogenparlament hat als Online-Format stattgefunden.
7. Kultur
Kunst- und Kulturprojekte sind für die Stärkung der LSBITQ-Community und zur Sichtbarmachung queeren Lebens essentiell.
So setzt auch das AmkA bzw. die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen immer wieder kulturelle Maßnahmen in diesem Sinne um. So wurde 2022 und 2023 beispielsweise Fotoausstellungen zur Situation queerer Personen in und aus der Ukraine, sowie zur Situation von Regenbogenfamilien im stadtRAUMfrankfurt gezeigt.
Im Bereich Religion konnte im Rahmen der Veranstaltung "Dialog im Zelt" in Kooperation mit dem AmkA am 13.07.2023 die Veranstaltung "LSBTIQ und Religion" durchgeführt werden. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion ließen Marco Linguri (Liberal Islamischer Bund), Aki Hild (Queertheologin und Biologielehrerin) und Nicoleta Mena (Keshet Deutschland e.V.) die Zuhörenden an ihrem Glaubensweg teilhaben und standen für Fragen zur Verfügung.
7.1 Angebote der LSBTIQ-Community
Durch den Etatantrag E3 vom 26.04.2017 werden seit 2017 Mittel zur Finanzierung des vom AIDS-Hilfe Frankfurt e. V. betriebenen Bar. Café SWITCHBOARD bereitgestellt. Die Mittel werden zur Finanzierung der Reihe "SWITCHKultur" verwendet.
Der LLL e.V. (Lebendiges Lesben Leben - Zentrum für Kommunikation, Kultur, Bildung, Beratung und Lebenshilfe e.V.) ist der Trägerverein des Lesbisch-Schwulen Kulturhauses LSKH, einem wesentlichen Zentrum für Kultur, Bildung und Selbstorganisation von LSBTIQ-Personen. Außerdem ist das LSKH ein niedrigschwelliger Ort für die Darstellung von Kunst und Kultur marginalisierter Kunstschaffender.
Die regelmäßigen Formate des Hauses sind z.B. das LesCafé, die LesBar, der Tanztee, sowie die Lesbisch-Schwule Lesenacht während der Buchmesse.
7.2 Angebote der Stadtverwaltung
Angebote der VHS Frankfurt
Die Volkshochschule Frankfurt steht für die uneingeschränkte Entfaltung jedes Einzelnen, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Alter, Religion und Weltanschauung. Diese Werte spiegeln sich auch im vielfältigen Kursangebot der VHS wider. Durch den Angebotsbereich "Diversitätskompetenz und rassismuskritische Bildung" wurden im Berichtszeitraum u.a. folgende Angebote durchgeführt:
- "Queeres Barhopping" zur Bewusstseinsbildung für Herausforderungen und Bedrohungen queerer Menschen
- "Was darf man heute noch sagen?" zur Bewusstseinsbildung für inklusive Sprache
- "Identitätsentwicklung junger Menschen" zur Aufklärung über die Vielfalt an Geschlechtern und sexuellen/romantischen Orientierungen
- Kursreihe "Frankfurt zeigt Vielfalt", u.a. zur Stärkung von LSBTIQ-Netzwerken
- Geschützte Kurse, die sich ausschließlich an queere Menschen richten und so einen Safer Space bilden, u.a. "Queeres Nähen" und "Schreibworkshop Held:innen Deiner eigenen Identität"
- "Queer und Islam" zur Schaffung von Einblicken in queeres und muslimisches Leben
In Planung befinden sich aktuell Kurse zu den Grundlagen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).
Engagement der Stadtbücherei im "Frankfurter Pride Month" sowie im Zeitraum des Christopher-Street-Days
Zum Frankfurter Pride Month und dem CSD wurden von Seiten der Stadtbücherei in den Bibliotheken u.a. folgende Aktionen, z.T. in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen, durchgeführt:
- Zentralbibliothek: Lesung "Queer in Church" in 2023
- Zentralbibliothek: Medienpräsentation mit Regenbogen-Flagge und Aufstellung RollUp in der Zentralbibliothek zum Pride Month 2022 und 2023
- Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek: Queerer Medientisch mit Gateways in 2022 und 2023
- Zentrale Kinder-und Jugendbibliothek: Kinderlesung für Kinder mit Noa Lovis Peifer / Linu Lätitia Blatt: Untenrum in 2023.
- Bibliothekszentrum Höchst, Sachsenhausen, Nordweststadt: Queerer Medientisch mit Gateways in 2023.
7.3 Erinnerungskultur
Auf Grundlage des Antrags NR 608/2013 (Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 04.07.2013, § 3367) hat das AmkA im Rahmen des "Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit" am 17.5. im Berichtszeitraum jährlich eine Gedenkveranstaltung vorbereitet. Die Stadt Frankfurt gedenkt dabei mit einem Kranz am Mahnmal der Homosexuellenverfolgung (Frankfurter Engel, Klaus-Mann-Platz) den Verfolgten des NS-Regimes, sowie heutigen Opfern von Homo- und Transfeindlichkeit. 2022 hatte die Veranstaltung den inhaltlichen Schwerpunkt "Diskriminierung von nicht-binären Personen", 2023 "Diskriminierung von Regenbogenfamilien". Seit 2023 erfolgt am 17. Mai das Hissen der Regenbogenfahne am Römer.
Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Opfer von Verfolgung während der NS-Diktatur wurden, waren viele Jahrzehnte lang nicht Gegenstand der Erinnerungskultur. So erinnerte beispielsweise der Deutsche Bundestag erstmals 2023 im Rahmen des offiziellen Gedenkens an diese Opfergruppe. In Frankfurt hat sich die "Initiative Stolpersteine" im Jahr 2018 verstärkt dem Thema gewidmet. Dank ihrer Arbeit erinnern heute 12 Stolpersteine im Stadtgebiet an Männer, die zwischen 1933 und 1945 in Frankfurt am Main wegen Homosexualität verfolgt und ermordet wurden.
Für den Stolperstein, der an das Schicksal von Herrn Karl Alberti erinnert, der im Rahmen der sogenannten T4-Aktion ("Euthanasiemorde") in der Landesheilanstalt Hadamar bei Limburg ermordet wurde, hat das Amt für multikulturelle Angelegenheiten 2019 die Patenschaft übernommen.
An verfolgte LSBTIQ-Personen aus Frankfurt zu erinnern, ist für die queere Community von hoher Bedeutung.
Die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen hat das Ziel, die Erinnerung an die Verfolgung queerer Menschen während 1933-1945 durch verschiedene Maßnahmen wachzuhalten und damit die Erweiterung der Erinnerungskultur im Sinne einer multiperspektivischen Öffnung voranzubringen.
8. Sport
Für queere Menschen sind vereinsgebundene Sportangebote oftmals mit Ausgrenzungserfahrungen verbunden. Starre binäre Geschlechtszuordnung, sei es im Bereich Umkleidung oder in Wettkämpfen, sind hier ebenso problematisch wie die Zuschreibung von Stereotypen. Konsequenz hiervon ist, dass sich queere Menschen oftmals gänzlich aus dem Sport zurückziehen, mit negativen Folgen für Physis und Psyche.
Vor diesem Hintergrund ist es im hohen Maße wertvoll, dass queere Menschen in Frankfurt und Umgebung die Möglichkeit haben, sportliche Angebote von zwei in der Community angesiedelten Sportvereinen in Anspruch nehmen zu können, dem FVV e.V. (Frankfurter Volleyball Verein) sowie von Artemis Sport Frankfurt e.V.
Hier sind entsprechende Schutzräume für die Menschen gewahrt und eine Sensibilität für die Herausforderungen insbesondere hinsichtlich der geschlechtlichen Vielfalt gegeben.
Der FVV organisiert jährlich das sog. "X-Mas Turnier", ein Multi-Sportturnier, das jährlich bis zu 1.000 sportaktive Menschen nach Frankfurt lockt. Für die Durchführung des X-Mas-Turniers erhält der FVV eine Förderung durch das Sportamt.
Insbesondere Angebote, die sich explizit an junge queere Menschen richten, gibt es aktuell in Frankfurt nicht.
Die Situation für queere junge Menschen in Hessen zu verbessern, ist deshalb ein Ziel der Arbeit der Sportjugend Hessen im Landessportbund Hessen e.V. Die Sportjugend strebt langfristige strukturelle Veränderungen im organisierten Sport an, auch bei Jugendreisen, -freizeiten und anderen Sportveranstaltungen. Auch hat die Stelle einen Sitz im Organisationsteam der BuNT, der Bundesnetzwerktagung des queeren Sports.
Queere Schutzräume in Frankfurt für junge queere Menschen, abseits des Sports, sind insbesondere das queere Jugend- und Beratungszentrum KUSS 41 sowie der an LIBS e.V. angebundene "Jule-Treff". Der Bereich Sport findet hier immer wieder auf unterschiedliche Weise Betrachtung (z.B. durch ein Yoga-Angebot im KUSS41), ist aber nicht Teil der Regelstrukturen.
9. Strukturelle Integration
Im letzten Abschnitt des vorliegenden Berichts wird vorrangig dargestellt, inwieweit strukturelle Integrationsmaßnahmen innerhalb der Stadtverwaltung im Berichtszeitraum umgesetzt wurden.
Ein Schwerpunkt liegt hier in der Darstellung im Umgang mit geschlechtergerechter bzw. diversitätssensibler Sprache. Viele Ämter und Betriebe berichteten hierzu über die damit verbundenen Herausforderungen und Lösungen für die operative Arbeit. Grundsätzlich muss jedoch festgehalten werden, dass die Auseinandersetzung mit Schnittstellen, Bedarfen und Problemlagen auf struktureller Ebene in der Stadtverwaltung nicht nur anlassbezogen stattfinden sollte, sondern idealerweise im Rahmen eines zentral gesteuerten diskriminierungskritischen und diversitätsorientierten Entwicklungsprozesses in der Organisation.
9.1 Umsetzung einer geschlechtergerechter bzw. diversitätssensiblen Kommunikation innerhalb der Stadtverwaltung
Sprache
Die Anwendung und Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache ist innerhalb der Stadtverwaltung nicht einheitlich, z.B. im Rahmen der AGA, geregelt. Eine Handreichung des Frauenreferats zum Thema ist in der Stadtverwaltung bekannt und dient vielen Arbeitsbereichen als Orientierung. Einzelne Dezernate verfügten in diesem Sinne Dienstanweisungen für die zugehörigen Ämter zur Umsetzung (u.a. Dezernat VIII, Soziales und Gesundheit sowie Dezernat X, Klima, Umwelt und Frauen). Das Fehlen einer einheitlichen dezernatsübergreifenden Lösung wird von vielen Akteur*innen innerhalb der Stadtverwaltung als großes Defizit empfunden. Diese Rückmeldung erreicht das AmkA fortwährend, jedoch insbesondere auch im Rahmen der Erstellung des vorliegenden Berichts.
Aufgrund der fehlenden zentralen Regelung sehen manche Ämter aktuell grundsätzlich gänzlich von jeglichen internen Überarbeitungen oder Dienstanweisungen zum Thema Sprache und Formularwesen ab.
Doch eine Vielzahl der Ämter und Betriebe beschäftigen sich hier eigenständig und zum Teil sehr umfassend mit der Thematik, um - passend zu den jeweiligen Amtsgeschäften - diversitätssensible Lösungen umsetzen zu können.
Folgende Positivbeispiele sind im Umgang diversitätssensibler Sprache zu nennen: Die VHS Frankfurt verwendet umfassend geschlechtersensible Formulierungen, auch im Bereich der externen Kommunikation u.a. auf den Social-Media-Kanälen.
Das Jugend- und Sozialamt regelt die Anwendung der geschlechtergerechten Sprache über eine interne Dienstanweisung aus November
2021. Diese umfasst die Bevorzugung geschlechterneutraler Formulierungen in allgemeinen Schriftstücken sowie im berufsbezogenen Sprachgebrauch. In Fällen, wo dies sprachlich nicht umsetzbar ist, soll nachrangig die Einbeziehung aller Geschlechter durch die Anwendung des Doppelpunktes erfolgen.
Eine ähnliche Anwendung erfolgt auch im Gesundheitsamt, im Kassen- und Steueramt, im Sportamt, im Grünflächenamt, im Umweltamt, im Bürgeramt, Statistik und Wahlen sowie im Straßenverkehrsamt, wo regelhaft geschlechtsneutrale Formulierungen oder die Anwendung des Doppelpunktes umgesetzt werden (z.B. Verkehrsteilnehmende oder Verkehrsteilnehmer:innen).
Auch das Stadtschulamt setzt eine geschlechtersensible Gestaltung von Sprache in den Publikationen des Amtes sowie in der Intranetredaktion um. Ähnlich verfährt das Institut für Stadtgeschichte, das bei Veröffentlichungen wie Ausstellungskatalogen, Jahresberichten oder Veranstaltungsprogrammen sowie auf der Homepage auf geschlechtergerechte Formulierungen achtet und den Gender-Stern oder den Doppelpunkt nutzt.
Auch das Servicecenter 115 im Bürgeramt, Statistik und Wahlen sowie das gesamte Amt achtet auf geschlechtergerechte Formulierungen.
Einen sehr positiven Weg schlägt auch das Amt für Informations- und Kommunikationstechnik ein. Dort findet grundsätzlich innerhalb des Amtes fortwährend eine Sensibilisierung für Diversitätsbelange im Sinne des Prozesses der interkulturellen Öffnung statt; dies umfasst auch den Umgang mit Sprache. Das Amt verfügt über ein amtsinternes "Kommunikations-Wiki". Dies ist eine digitale Plattform auf SharePoint-Basis, auf die alle Mitarbeitenden Zugriff haben und auf der über Kommunikationsthemen, Kommunikationsmedien und -aktivitäten, aber auch über Kommunikationsstrategien des Amtes informiert wird und praktische Hilfestellungen bzw. weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt werden.
Dort wurde das Kapitel "Gendersensible und diskriminierungsarme Sprache" angelegt, wo zum Thema informiert und dafür sensibilisiert wird. Dort ist u.a. auch eine gemeinsam mit Mitarbeitenden erarbeitete Wortliste mit Vorschlägen für gendersensible Begriffe und eine Sammlung von Anwendungsfällen ("In welchen Fällen ist unser Amt oder sind Sie in Ihrem Arbeitskontext von gendersensibler und diskriminierungsarmer Sprache betroffen?") hinterlegt. Auch können alle Mitarbeitenden auf Fachbücher zum Thema zugreifen. Produkt-und Prozessverantwortliche entscheiden von Fall zu Fall die passende Formulierung (z.B. Mitarbeitendenzufriedenheitsumfrage), wobei die Umsetzung von geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Formulierungen möglichst immer umzusetzen sind.
Auch die Stadtbücherei hinterlegt an zentraler Stelle eine Checkliste zu geschlechtersensibler und diskriminierungsfreier Sprache. Bei automatisch erstellten Anschreiben, postalisch oder per E-Mail sowie Antworten im Ticketsystem für Kundenanfragen, wurde die genderneutrale Anrede "Guten Tag Vorname Nachname" hinterlegt.
Bereich Formularwesen
Insbesondere auch die geschlechtergerechte inhaltliche und sprachliche Gestaltung von Formularen innerhalb der Stadtverwaltung scheint noch lange nicht abgeschlossen, obwohl die Rechtslage hier eindeutig das umfassende Handeln der Stadtverwaltung vorschreibt. Insbesondere durch Zentralämter vorgegebene Formulare scheinen bislang nicht systematisch überarbeitet worden zu sein.
Entsprechende interne Prozesse zur Überarbeitung von Formularen wurden im Gesundheitsamt, im Jugend- und Sozialamt, der Stadtbücherei, der VHS, dem Kassen- und Steueramt, dem Umweltamt sowie im Grünflächenamt auf den Weg gebracht, was sehr zu begrüßen ist.
Die Stabsstelle Digitalisierung thematisierte intern in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Frankfurt das Thema diskriminierungssensibler Gestaltung von Software und nahm dies zum Anlass, interne Prozesse diesbezüglich zu reflektieren und weiteres Fachwissen aufzubauen. So wird z.B. im Rahmen des Smart-City-Projekts bei Anmeldungen nicht mehr das Geschlecht erfragt.
Besonders positiv fällt hier auch die Stadtbücherei auf. Einerseits wurden hier Anmeldeformulare und Bibliotheksausweise geschlechtergerecht angepasst. Zudem akzeptiert das Amt explizit den sog. "dgti-Ergänzungsausweis", mit dem sich trans* Personen während der Transition bereits entsprechend ihrem tatsächlichen Geschlecht und Namen ausweisen können, bei der Anmeldung; dies wurde verbindlich in den amtsinternen Standards hinterlegt. Der Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen ist kein weiteres Amt bekannt, in dem der Umgang mit dem dgti-Ergänzungsausweis in ähnlicher Weise erfolgt ist.
Bereich Pronomenangabe in der Signatur
Die Angabe des Pronomens in der Email-Signatur findet in der Stadtverwaltung bislang kaum statt; entsprechende Dienstanweisungen dazu sind nicht bekannt.
Im Jugend- und Sozialamt ist es den Mitarbeiten freigestellt, ein Pronomen anzugeben. Auch im Amt für multikulturelle Angelegenheiten lösen dies die Mitarbeitenden individuell.
Eine dezernatsübergreifende Lösung wäre auch hier wünschenswert. Hintergrund und Vorteile der Angabe von Pronomen im dienstlichen Handeln ist nach wie vor vielen Menschen unbekannt. Eine entsprechende zentrale Wissensvermittlung wäre ein großer Schritt für die Sichtbarkeit insbesondere der Belange von transgeschlechtlichen und nichtbinären Menschen.
9.2 Sichtbarkeit im öffentlichen Raum
Für die Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main (TCF) sind Marketingmaßnahmen für die LSBTIQ-Community ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen, Frankfurt als inklusive, weltoffene und einladende Stadt zu präsentieren. So schaltet die TCF regelmäßig Anzeigen sowie redaktionelle Beiträge in und für einschlägige Medien, um queere Menschen direkt anzusprechen. Ein weiterer Schwerpunkt der TCF ist die Teilnahme an internationalen Messen, die ihr Angebot insbesondere an die Zielgruppe der LSBTIQ-Personen ausrichten. 2023 war die TCF z.B. auf einer entsprechenden Messe in Brasilien aktiv. Darüber hinaus setzt sich die TCF bei städtischen Festen bewusst mit der Zielgruppe auseinander. So wird z.B. am Wäldchestag eine Regenbogenbühne angeboten, die queeren Künstler*innen und Veranstaltungen als Plattform dienen soll. Auch wurde auf dem Museumsuferfest eine entsprechende Regenbogen-Area etabliert, um auf dem größten und bekanntesten Kulturfest in Frankfurt ein Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz zu setzen.
Viele Ämter werden im Rahmen des Christopher-Street-Days im Sinne der Sichtbarkeit im öffentlichen Raum aktiv. Besonders positiv ist hier das Engagement des Gesundheitsamtes zu erwähnen. Das Gesundheitsamt hat im Jahr 2023 am Christopher-Street-Day in Frankfurt an der Laufgruppe städtischer Mitarbeitender (siehe hierzu 1.1) inklusive Lastenrad, Give-Aways, Plakaten und Shirts teilgenommen. Ähnlich agiert die Branddirektion, die im Berichtszeitraum ebenfalls am CSD jeweils mit einem LKW, in Kooperation mit der Branddirektion Offenbach, teilgenommen hat.
9.3 Fachlich gebotener Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Standesamt
Das Standesamt steht aufgrund von Einführung oder Änderung von Gesetzen oftmals vor der Herausforderung, insbesondere den Bereich der geschlechtlichen Vielfalt im Verwaltungshandeln mitzudenken und Lösungen für die Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben zu erarbeiten.
Durch das am 22.12.2018 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben (BGBl. 2018, Teil I, Nr. 48, Seite 2635) besteht seither die Möglichkeit, neben den Bezeichnungen "weiblich", "männlich" oder "*ohne Angabe*" auch die Geschlechtsbezeichnung "divers" in das Geburtenregister einzutragen, wenn das Kind weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Diese Angaben werden auch in andere Personenstandsregister übernommen. Eine spätere Änderung durch Erklärung gegenüber dem Standesamt ist möglich, wenn das Vorliegen von Varianten der Geschlechtsentwicklung durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen wird. Dies ist auch möglich für Personen ohne Eintrag in ein deutsches Personenstandsregister, sofern ein ausreichender Bezug zu Deutschland besteht.
Durch die am 01.11.2018 in Kraft getretene Erste Verordnung zur Änderung der Personenstandsverordnung (BGBl. 2018, Teil I, Nr. 36, Seite 1768) erfolgt die Aufnahme einer familienrechtlichen Zuordnung in den Personenstandsregistern. Je nachdem welches Personenstandsregister betroffen ist, werden Personen, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können, als "Elternteil", "Ehepartner" oder "Lebenspartner" bezeichnet.
9.4 Delegationen der Stadt Frankfurt
Die Berücksichtigung von LSBTIQ-Themen findet aktuell bei der Arbeit und im Austausch mit den Partnerstädten der Stadt Frankfurt lediglich punktuell statt. Grundsätzlich kann jedoch jedes Thema in einen städtepartnerschaftlichen/internationalen Austausch mit einfließen; die kommunalen Fachstellen sind dann jeweils federführend. Beispielsweise hat Frau Bürgermeisterin Dr. Eskandari-Grünberg 2022 das LSBTIQ Thema im Rahmen einer Reise nach Toronto aufgegriffen und sich dazu vor Ort ausgetauscht.
In mehreren Frankfurter Partnerstädten gestaltet sich die Lebenswelt für LSBTIQ-Personen als sehr herausfordernd und prekär. Zu nennen sind hier beispielsweise Eskişehir in der Türkei, Kairo in Ägypten, Guangzhou in China, Krakau in Polen oder Dubai als Teil der Arabischen Emirate. Das fachliche Aufgreifen dieser Problematiken sowie die konstruktive Auseinandersetzung damit, das bewusste Aufsuchen queerer Orte in der Partnerstadt und z.B. ein Austausch mit der Community vor Ort sollte hier stets geprüft werden.
9.5 Migration und Flucht
Herausragend positive Arbeit leistet Frankfurt für geflüchtete queere Menschen, die in Frankfurt untergebracht werden. Die Stadt Frankfurt verfügt - als einzige Stadt in Hessen - unter Federführung der Stabsstelle Unterbringungsmanagement und Geflüchtete, über ein sog. "Safe House" speziell für die Zielgruppe LSBTIQ-Geflüchtete. Die Verantwortung für die Unterkunft hat die AIDS-Hilfe Frankfurt als freier Träger. In den anderen Übergangsunterkünften für Geflüchtete und Wohnungslose erfolgte in Kooperation mit den Rainbow Refugee Support der AIDS-Hilfe Frankfurt eine Sensibilisierung des Personals bzgl. der Bedarfe von LSBTIQ-Personen sowie im Einzelfall eine Abstimmung mit den zuständigen Beratungsstellen. In den verpflichtenden Gewaltschutzkonzepten der Unterkünfte werden LSBTIQ-Personen berücksichtigt.
Abschließende Einschätzung
Bei der Erstellung des vorliegenden Berichts wurden insbesondere zu folgenden Punkten Handlungsbedarfe von den Ämtern und Betrieben rückgemeldet oder durch die Fachstellen festgestellt: Einheitliche Regelung zum Umgang mit geschlechtergerechter Sprache
Die Anwendung und Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache ist innerhalb der Stadtverwaltung aktuell nicht einheitlich, z.B. im Rahmen der AGA, geregelt. Das Fehlen einer einheitlichen dezernatsübergreifenden Lösung wird von vielen Akteur*innen innerhalb der Stadtverwaltung als großes Defizit empfunden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, auch angesichts der eingeführten Regelungen zur geschlechtergerechten Sprache auf Landesebene, die für zusätzliche Unsicherheit sorgt.
Hoher Bedarf an Fortbildungsangeboten
Aus Gesprächen und Rückmeldungen wird deutlich, dass innerhalb der Stadtverwaltung ein hoher Bedarf an Fortbildungsangeboten zum Aufbau von Queerkompetenz für Mitarbeitende gegeben ist, sei es für Leitungskräfte mit dem Fokus der Führung von diversen Teams, sei es für Personalstellen oder sei es für Sachbearbeitende im Umgang mit queeren Vorsprechenden oder Klient:innen in den Ämtern und Betrieben.
Auch wenn einzelne Arbeitsbereiche punktuell Mitarbeitende entsprechend schulen (so durchliefen z.B. zwei Mitarbeitende des Rechtsamtes aufgrund Ihrer Funktion aus Diversitätsbeauftragte entsprechende Schulungen; auch das Amt für Informations- und Kommunikationstechnik führte eine interne Fortbildung für Führungskräfte zum Thema "Umgang mit Diversität" durch), so müsste hier eine deutliche Systematisierung und Ausweitung der Fortbildungsmöglichkeiten zum Thema erfolgen.
Nutzung interner Medien zum Aufbau von Queerkompetenz
Bisher werden Medien der internen Kommunikation, sowohl innerhalb der einzelnen Ämter, als auch innerhalb der Stadtverwaltung allgemein, wenig bis kaum zur Sensibilisierung genutzt. So könnten z.B. an queeren Gedenktagen die Bildschirmschoner sämtlicher städtischer PCs mit entsprechenden Texten oder Bildern zum Auf- und Ausbau von Diversitätskompetenz genutzt werden. Positiv ist hier das Amt für Informations- und Kommunikationstechnik zu nennen, das die amtsinterne Mitarbeitendenzeitschrift u.a. auch für diese Zwecke konsequent nutzt.
Auseinandersetzung mit queeren Themen im städtepartnerschaftlichen Austausch
Die Situation queerer Menschen ist in großen Teilen der Welt nach wie vor prekär, in mehr als 60 Ländern ist Homosexualität strafbar; das Strafmaß reicht hier von Freiheitsentzug über Folter bis hin zur Todesstrafe. Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, dass die Fachthemen rund um die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zukünftig vermehrt in den städtepartnerschaftlichen/internationalen Austausch mit einfließen.
Queere Einrichtungen in Beteiligungsprozessen berücksichtigen
Bei Prozessen, die unter Beteiligung oder Einbindung von Trägern der freien Wohlfahrtspflege, Vereinen oder psychosozialen Beratungsstellen umgesetzt werden, sollte jeweils auch die Einbindung von Organisationen geprüft werden, die zum Schwerpunkt LSBTIQ arbeiten; die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen kann hier als Schnittstelle dienen. So band z.B. die Stabsstelle Bürger:innebeteiligung das "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt" in einen entsprechenden Prozess ein. Diesem Beispiel sollten viele Ämter und Betriebe folgen; ggf. sollten auch die Beteiligten in bestehenden Arbeitsgruppen, Fachforen o.ä. unter dem Aspekt der Einbindung queerer Akteur*innen aus dem Fachfeld überprüft werden.
Fokus "LSBTIQ" im Präventionsrat stärken
Im Sinne der Gewaltprävention zum Schutz queerer Menschen sollte der Präventionsrat der Stadt Frankfurt als ein zentraler Akteur agieren. Die Auflösung des "Arbeitskreises Lesben und Schwule" wird von den Akteur:innen der LSBTIQ-Community in Frankfurt als Defizit empfunden. Auch wenn das Thema Gewaltschutz großen Raum im Aktionskreis des Dez. II im strategischen Sinne einnimmt, so ist der Austausch zu konkreten Problemlagen auf operativer Ebene unter Federführung des Präventionsrates ein zusätzlicher unverzichtbarer Baustein im urbanen Raum, der wiederaufgenommen werden sollte. Beide Maßnahmen sollten "Hand in Hand" gehen.
Aufbau eines Mitarbeitenden-Netzwerks
Viele queere Mitarbeitende melden immer wieder zurück, dass das Fehlen eines queeren Mitarbeitendennetzwerks als großes Defizit empfunden wird. In den meisten großstädtischen Verwaltungen, sowie auch in mittelgroßen Städten wie Dortmund oder Mannheim, sind diese existent und stellen für die queeren Mitarbeitenden einen Ort zum Austausch sowie Schutzraum dar, den diese im Bedarfsfall aufsuchen können. Ein solches Mitarbeitendennetzwerk leistet einen hohen Beitrag zur Gesunderhaltung queerer Menschen; auch kann es im Sinne des Fachkräftemangels als Maßnahme für die Stadt Frankfurt als queerfreundliche Arbeitgeberin ein wesentlicher Baustein sein.
Bedarf an strukturellen Prozessen zur Auseinandersetzung mit dem Thema LSBTIQ
Die Auseinandersetzung mit Schnittstellen, Bedarfen und Problemlagen bzgl. LSBTIQ-Personen in den einzelnen Ämtern und Betrieben auf struktureller Ebene in der Stadtverwaltung sollte nicht anlassbezogen stattfinden, sondern idealerweise im Rahmen eines zentral gesteuerten Prozesses. Hier sollte dringend eine Reflexion darüber erfolgen, wie dies innerhalb der Stadtverwaltung im Sinne diskriminierungskritischer und diversitätsorientierter Organisationsentwicklungsprozesse umgesetzt werden könnte.
Berücksichtigung des "dgti-Ergänzungsausweises"
Es ist wünschenswert, dass sich sämtliche Ämter und Betriebe zum Umgang und zur Akzeptanz des dgti-Ergänzungsausweises verständigen. Dies ist bislang, soweit bekannt, nur in der Stadtbücherei erfolgt. Auch wenn die ab Ende 2024 neue geltende Rechtslage ("Selbstbestimmungsgesetz") voraussichtlich dazu führen wird, dass weniger Ergänzungsausweise im Umlauf sein werden, so sollte dieses Papier in den Ämtern und Betrieben unbedingt bekannt sein und akzeptiert werden.
Ressourcen Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen
Zentrale Fachstelle für die Umsetzung von LSBTIQ-Belangen innerhalb der Stadtverwaltung ist die Koordinierungsstelle für lesbische, schwule, bisexelle, trans*, inter* und queere Themen (Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen). Der Koordinierungsstelle kommt als Bindeglied zwischen Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Politik und LSBTIQ-Community eine besondere Rolle innerhalb der Stadtverwaltung zu. Mit zwei 50% Stellen kommt die Koordinierungsstelle für LSBTIQ-Themen im Arbeitsalltag an die eigenen Kapazitätsgrenzen.
So müssen u.a. Anfragen aus dem Grund stark priorisiert und nicht alle können bearbeitet werden. Ein Ausbau der Stellenanteile wäre wichtig, um die strukturelle Arbeit in die Stadtverwaltung, die queeren Communitys und die gesamte Stadt zu sichern und weiter auszubauen. Als Vergleich sei hier die Stadt Hannover genannt, die drei Vollzeitstellen im Bereich LSBTIQ hat, bei einer deutlich niedrigeren Einwohnendenzahl.
Künftige Berichterstattung
Der Bericht "Weltoffenes Frankfurt am Main - auf dem Weg zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Stadt" ist weiterhin ein wichtiges Instrument, um die Gleichstellung von LSBTIQ-Personen und damit verbundenes Verwaltungshandeln in der Stadtverwaltung zu verbessern. Ein solcher Bericht, für den eine Stadtverwaltung in Gänze um Stellungnahmen zum Thema LSBTIQ gebeten wird, wird bundesweit nur vom Dezernat II vorgelegt. Seit annähernd 20 Jahren hat dieser Bericht insofern eine Vorbildfunktion. Zugleich haben sich Lebenswirklichkeiten und Themen, Rechtssetzungen und offene Fragen, Begriffe und Methoden in den letzten 20 Jahren stark verändert. Daher wird der Magistrat den Bericht weiterentwickeln; dazu gehört es, die Bandbreite sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ebenso zu erfassen wie Aspekte von Mehrfachzugehörigkeit und Mehrfachdiskriminierung in einer diversen Stadtgesellschaft.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Der Weg dieser Vorlage
Am 11. Oktober 2024 veröffentlichte der Magistrat diesen Bericht. Sie geht auf NR 1822 zurück — STVV-Antrag von GRÜNE, beschlossen am 20. April 2005. In 2 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf2 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt und ÖkoLinX-ELF; CDU (= Votum im Ausschuss für Diversität, Zusammenhalt, Beteiligung und Europa) Sonstige Voten/Protokollerklärung: FRAKTION und BFF-BIG (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD und Linke Sonstige Voten/Protokollerklärung: FDP, AfD, Volt, ÖkoLinX-ELF, FRAKTION und BFF-BIG (= Kenntnis)