Psychologische/psychosoziale Unterstützung/Soforthilfe und Suizidprävention für Kinder und Jugendliche
Zusammenfassung
Der Bericht des Magistrats befasst sich mit der psychologischen und psychosozialen Unterstützung sowie der Suizidprävention für Kinder und Jugendliche in Frankfurt am Main. Es werden verschiedene Maßnahmen und Angebote vorgestellt, die zur Verbesserung der Situation beitragen sollen, jedoch aufgrund finanzieller Einschränkungen nicht vollständig umgesetzt werden können. Ziel ist es, die psychische Gesundheit junger Menschen zu fördern und die vorhandenen Angebote besser zu vernetzen.
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Thema Kinder, Jugend und Familie verfolgenBericht
Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main hat mit der Webseite "FRANS-hilft" bereits eine digitale Informationsplattform, die sich an Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene richtet. Darüber hinaus steht der digitale "Wegweiser für seelische Gesundheit" kurz vor der Veröffentlichung. In einem ersten Schritt ist geplant, die FRANS-Webseite durch eine Unterseite für Kinder- und Jugendliche zu ergänzen. Eine zentrale Informations- und Kommunikationsplattform ist prinzipiell zu befürworten, bedeutet jedoch einen erheblichen Aufwand in Bezug auf die technische Umsetzung. Der Magistrat bedauert, die Anregung daher derzeit nicht umsetzen zu können. Der Magistrat prüft eine Umsetzung im Rahmen künftiger Haushaltsaufstellungen. Ein ergänzendes Printmedium birgt auf der anderen Seite das Risiko, schnell an Aktualität zu verlieren, sehr umfangreich zu werden und ist kostenintensiv. Das noch zu erstellende Printmedium wird daher in kinder- und jugendgerechter Form auf die beiden städtischen digitalen Informationsplattformen sowie die bereits existierenden zielgruppenspezifischen Printmedien des Gesundheitsamtes aufmerksam machen. Um das Thema der psychischen Erkrankungen in den gesamtgesellschaftlichen Fokus zu rücken, bedarf es einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne, die mittel- bis langfristig Veränderungsprozesse im gesellschaftlichen Umgang mit psychischer Erkrankung bewirken und mit einer Tabuisierung brechen. Auch wenn Landes- und Bundesebenen hierfür ebenfalls Verantwortung tragen, befürwortet der Magistrat eine kommunale Kampagne unter Federführung des Gesundheitsamtes ausdrücklich. Die Erstellung und Umsetzung einer solchen Kampagne ist jedoch kostenintensiv und nicht aus vorhandenen Mitteln realisierbar. Der Magistrat prüft eine Umsetzung im Rahmen künftiger Haushaltsaufstellungen. Über die Angebote des Hessischen Kultusministeriums hinaus -wie schulpsychologischer Dienst und Beratungsangebote für Lehrkräfte- werden in Frankfurt an zahlreichen Schulen Jugendhilfeangebote und Angebote der sozialpädagogischen Förderung sowie Ganztagsangebote umgesetzt. Den psychologischen und psychosozialen Bedarfen junger Menschen in Frankfurt wird in vielen verschiedenen Fachfeldern auf unterschiedliche Weise Rechnung getragen. Die Angebotsstruktur ist daher sehr heterogen und vielfältig, zum Teil auch projektbezogen und dadurch zeitlich begrenzt. In allen Fachfeldern der Jugendhilfe werden bereits vielfältige niedrigschwellige Angebote vorgehalten. Insbesondere die Ausweitung der Arbeit der Erziehungsberatungsstellen, die auch Familien betreuen, deren Kinder aus dem Grundschulalter hinausgewachsen sind, im Kontext der aufsuchenden psychologischen Beratung wird seit 2017 von den Trägern der freien Jugendhilfe umgesetzt und in vielen verschiedenen Stadtteilen implementiert. Das Maßnahmenpaket "Frankfurt Zaubert" bezieht sich auf die Auswirkungen von Corona auf den Lebensalltag von Schüler*innen an Frankfurter Schulen. Den Angeboten liegt ein erweiterter Bildungsbegriff zu Grunde, der ausdrücklich Aktivitäten im Bereich Kultur, Sport, Umweltbildung und Freizeit einbezieht. Sie sind auf die Bedürfnisse von Schüler*innen während und "nach" Corona fokussiert und auf die derzeitige Situation zugeschnitten. Die Schüler*innen sollen mit Unterstützung des Maßnahmenpakets wieder die Erfahrung machen, beteiligt zu sein, eine Stimme zu haben und mitzugestalten. Sie sollen sich durch verschiedene Aktivitäten in der Gruppe als Teil einer Gemeinschaft erfahren und wieder Freude erleben. Zusätzliche Angebote im Rahmen von "Frankfurt zaubert" können vor allem dort wirksam sein, wo grundsätzlich ein gutes Netzwerk im Stadtteil gepflegt wird. In den Kinder- und Familienzentren (KIFAZ'en) wird bereits dafür Sorge getragen, dass Kinder und deren Eltern die bestmögliche Versorgung auch mit psychosozialer Unterstützung erhalten, indem sowohl Angebote der Familienbildung als auch der Erziehungsberatung in den Alltag integriert werden. Die präventiven, zugehenden und niedrigschwelligen Angebote der Erziehungsberatung finden auch in Kitas und Schulen statt. Eine Ausweitung des Angebotes kann derzeit nur zu Lasten der bestehenden Angebote gehen, sofern keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Erziehungsberatungsstellen leisten bereits einen wertvollen Beitrag, die psychosoziale Begleitung und Unterstützung der Kinder bis zur Einschulung herzustellen. Dies wurde unterstützt durch die Mittelausweitung im Rahmen des Programms "Zukunft Frankfurter Kinder sichern", in dem für die präventive Arbeit für Kinder und Jugendliche zusätzliche Mittel für die freien Träger der Erziehungsberatungsstellen zur Verfügung gestellt wurden. Zusätzliche oder neu zu entwickelnde niedrigschwellige kommunale Hilfen im Sozialraum, die jedoch nicht aus den vorhandenen Mitteln finanziert werden können, wären zum Beispiel die Aufstockung der Schulsozialarbeit im Rahmen des Kinderschutzes oder die Etablierung von für die Thematik psychischer Störungen qualifizierter "school nurses" an allen Frankfurter Schulen. Im Rahmen des Projektes "Zukunft Frankfurter Kinder sichern" beschäftigt sich die Maßnahme "Familien brauchen Orte" mit der Verbesserung präventiver Beratungsangebote für Familien mit minderjährigen Kindern. Auch in diesem Kontext ist eine Vernetzung bestehender Angebote im Blick, die durch handhabbare Informationspools zum Verweis auf Beratungsangebote unterstützt werden soll. Dabei sind Angebote der Erziehungsberatung und weiterer psychosozialer Dienste mitgedacht. Zusätzlich erhalten Schulen und ihre Schüler*innen Unterstützung durch das hessische Landesprogramm "Löwenstark - der Bildungs-KICK", welches in den kommenden beiden Schuljahren Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung der Corona-Krise unterstützt. Hierzu gehört die Kompensation coronabedingter Lernrückstände ebenso wie die Förderung von Kernkompetenzen und eine bedarfsorientierte psychosoziale Unterstützung. Trotz bereits vorhandener niedrigschwelliger Zugänge im präventiven Bereich, wie in den Erziehungsberatungsstellen oder Sozialrathäusern, fehlt es an Kapazitäten der fachärztlichen und therapeutischen Weiterversorgung. Im Jahr 2020 gab es anlässlich des Weltsuizidpräventionstags am 10. September ein erstes Modellprojekt am Frankfurter Goethegymnasium, das von FRANS und FraPPE inhaltlich gestaltet wurde. In den Jahren 2021 und 2022 haben der Frankfurter Stadtschüler:innenrat, der Stadtelternbeirat, die Puhl-Foundation sowie das Gesundheitsamt/FRANS modellhaft zwei sehr erfolgreiche Frankfurter Schulsuizidpräventionstage durchgeführt. Es ist geplant, auch in Zukunft einmal jährlich einen zentralen Schulsuizidpräventionstag anzubieten und zusätzlich interessierten Schulen einen "Materialkoffer" an die Hand zu geben. Ergänzend zu den Schulsuizidpräventionstagen gibt es für Jugendliche ab der 9. Klasse bereits das Angebot "SAME - anders ist normal" sowie die Ausstellung "PsychMobil". Mit diesen Projekten des Gesundheitsamtes, die von einzelnen Schulen "gebucht" werden können, wird das Thema psychische Gesundheit in Schule und Ausbildung gebracht und ansprechbar gemacht. Der Beratungsbedarf für Erziehungsberechtigte psychisch auffälliger, psychisch erkrankter oder suizidgefährdeter Kinder- und Jugendlicher betrifft sowohl den medizinischen/therapeutischen (Kliniken, niedergelassene Fachärzt:innen, Gesundheitsamt) als auch den psychosozialen (Jugendhilfemaßnahmen) und pädagogischen (Familien- und Erziehungsberatung) Bereich. Generell ist es erforderlich, die bereits vorhandenen Angebote stärker zu vernetzen, besser bekannt zu machen (z.B. durch Aushänge in Schulen und Kitas, Informationen im Rahmen von Elternabenden etc.) und Multiplikator:innen zu schulen. Es muss darauf hingewirkt werden, dass Angehörige stärker in die Behandlung eingebunden werden. Dies scheitert häufig an zeitlichen Kapazitäten der Behandler:innen sowie der mangelnden Finanzierung solcher Angebote. Vor diesem Hintergrund plant der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt eine Ausweitung seines Angebotes: Es soll ein niedrigschwelliges Clearing etabliert werden, in dessen Rahmen die Erziehungsberechtigten über die erforderlichen Maßnahmen und das weitere Procedere beraten werden. Dafür wird zunächst eine befristete Stelle für einen Kinder- und Jugendpsychiater geschaffen, der das im Gesundheitsamt vorhandene Team verstärkt. Die Verstetigung dieser Stelle soll perspektivisch erfolgen. Allerdings kann die Stadt Frankfurt am Main die unzureichende medizinische/therapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie deren Erziehungsberechtigten nicht vollständig kompensieren. Die Zugangsschwellen zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten sind deutlich herabgesenkt, wenn ein Erziehungsberatungsangebot und weitere psychosoziale Unterstützungsangebote in den Schul- bzw. Kita-Alltag integriert stattfinden können und die Akteure nicht nur in akuten Krisensituationen miteinander in Kommunikation sind. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Selbsthilfe in Frankfurt. Erziehungsberechtigte psychisch auffälliger, psychisch erkrankter oder suizidgefährdeter Kinder und Jugendlicher erhalten dort Beratung, Unterstützung und Informationen, wie sie sich untereinander austauschen und vernetzen können. Eine Prüfung, ob und inwieweit die Anzahl psychischer Auffälligkeiten bzw. Erkrankungen und Suizidgefährdung bei Kindern und Jugendlichen bzw. deren Schwere seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen haben und ob Notfallsituationen häufiger eintreten, kann durch die Stadt Frankfurt am Main nicht erfolgen. Daten über erfolgte ambulante Behandlungen werden von der Kassenärztlichen Vereinigung und Daten über erfolgte stationäre Behandlungen von den Kliniken erhoben. Dem Jugend- und Sozialamt liegen als Kostenträger lediglich Daten über erfolgte Jugendhilfemaßnahmen vor. Diese Daten haben nur begrenzte Aussagekraft, da sie stark von Variablen wie Hilfesuchverhalten, und Verfügbarkeit von ambulanten sowie (teil-)stationären Plätzen abhängig sind. Daten über psychische Belastungen (die nicht mit psychischen Erkrankungen gleichzusetzen sind) werden im Rahmen von wissenschaftlichen Studien repräsentativ erhoben. Hier gibt es für die Stadt Frankfurt am Main keine Vergleichserhebung aus der Zeit vor der Pandemie, die jedoch erforderlich wäre, um eine Veränderung festzustellen. Subjektiv werden städtische bzw. von der Stadt finanzierte Angebote wie der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt, die Schulprojekte sowie der psychosoziale Krisendienst verstärkt nachgefragt, doch auch hier liegen keine belastbaren Vergleichsdaten vor. Hinzu kommt, dass die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema zu einer Steigerung der Nachfrage geführt haben kann. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, hierdurch können aber keine Rückschlüsse gezogen werden, ob psychische Erkrankungen tatsächlich zugenommen haben oder ob sie einfach besser erkannt und dadurch häufiger diagnostiziert werden. Ein auf jeden Fall wünschenswerter Ausbau psychosozialer, psychologischer und psychiatrischer Unterstützungsangebote kann daher nicht mit entsprechenden Daten untermauert werden. Eine langfristig angelegte Ausweitung psychosozialer Unterstützungsangebote ist aufgrund der derzeitigen Haushaltslage nicht möglich, soll aber für künftige Haushaltsaufstellungen geprüft werden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 23. März 2022NRNR 329Psychosoziale Unterstützung für KinderSTVV-Antrag · CDU
- 28. September 2022NRNR 496Psychologische/psychosoziale Unterstützung/Soforthilfe und Suizidprävention für Kinder und JugendlicheSTVV-Antrag · GRÜNE, SPD, FDP, Volt
- 8. September 2023Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 76 WochenBB 338Psychologische/psychosoziale Unterstützung/Soforthilfe und Suizidprävention für Kinder und JugendlicheMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf2 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD und Volt Sonstige Voten/Protokollerklärung: FRAKTION und BFF-BIG (= Kenntnis)