Ausweitung der Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit demenzieller Veränderung
Zusammenfassung
Der Bericht beschreibt die Ausweitung der Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit demenzieller Veränderung im Rahmen des Projekts "Aktiv-bis-100". Ziel ist es, die Lebensqualität hochbetagter Menschen zu verbessern und ihre Mobilität sowie Selbstständigkeit zu fördern. Die Stadt Frankfurt am Main befürwortet die Ausweitung der Angebote auf weitere Stadtteile, vorausgesetzt, es stehen qualifizierte Übungsleiter zur Verfügung.
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Thema Senioren verfolgenBericht
Das Netzwerkprojekt "Aktiv-bis-100" wurde - mit Blick auf den demografischen Wandel - im Jahr 2010 vom Deutschen Turner-Bund (DTB) gegründet mit dem Ziel, wohnortnahe Bewegungsangebote für hochbetagte Menschen in Zusammenarbeit mit den Turnvereinen im Stadtteil zu organisieren und hierfür in lokalen Netzwerken mit den Senioren- und Sozialeinrichtungen vor Ort zu kooperieren. Die Beteiligung von letzteren, zum Beispiel Senioren-Tageseinrichtungen oder auch Besuchsdienste, ist wichtiger Bestandteil der Projektkonzeption, denn sie haben einen guten persönlichen Bezug zur Zielgruppe, können die alten Menschen informieren und motivieren, überhaupt ein Bewegungsangebot wahrzunehmen. Ohne diese Einbettung würden hochbetagte Menschen - vor allem bei vorhandenen Bewegungseinschränkungen - ein Sportvereinsangebot womöglich gar nicht für sich in Erwägung ziehen. Das Netzwerk-Projekt "Aktiv-bis-100" wurde in der Anfangsphase vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt. Gemäß Konzept des DTB richtet sich das Projekt vor allem an hochbetagte Menschen (über 80 Jahre), die noch selbstständig wohnen und bisher nicht oder lange nicht mehr sportlich aktiv waren. Gerade bei dieser Zielgruppe kann ein regelmäßiges Bewegungsangebot einen hohen Zugewinn an Körperkraft, Ausdauer und Beweglichkeit bewirken und besonders dazu beitragen, dass Mobilität und Selbstständigkeit - und damit höhere Lebensqualität - länger erhalten bleiben. In den Bewegungsangeboten werden das Herz-/Kreislaufsystem und die Muskulatur gestärkt - das ist wichtig für die Bewegungskompetenz im Alltag (Treppensteigen, Bücken, Tragen); der im Alter zunehmenden Sturzgefahr wird durch gezielte Gleichgewichtsübungen vorgebeugt. Im Netzwerk "Aktiv-bis-100" arbeiten von Anfang an viele Organisationen - Vereine, Verbände, Träger, Einrichtungen - zusammen, die entweder im Sportbereich oder im Seniorenbereich tätig sind. Alle können sich in die Planung einbringen und für lokale Kooperationen in den Stadtteilen Partner finden. Seit 2013 ist die Federführung für "Aktiv-bis-100" auf die lokale Ebene übergeben worden, der Turngau Frankfurt e.V., Dachverband der Frankfurter Turnvereine, ist seitdem die Koordinations- und Kontaktstelle im Netzwerk "Aktiv-bis-100". Schon seit 2011 hat sich die Stadt Frankfurt am Main intensiv im Netzwerk "Aktiv-bis-100" beteiligt und sich nach dem Ende der Bundesförderung auch mit finanzieller Förderung eingebracht. Koordinations- und Öffentlichkeitsarbeit im Netzwerk sowie Fortbildungen für das Übungsleitungspersonal wurden bezuschusst. Sportvereine, die eine neue "Aktiv-bis-100"-Bewegungsgruppe in einem Stadtteil gründen, erhalten Zuschüsse aus Sportfördermitteln, sodass die ersten sechs Monate in der neuen Gruppe für die Teilnehmenden beitragsfrei angeboten werden. Diese beitragsfreie "Schnupperphase" ist wichtig, um den Einstieg in das Angebot möglichst niedrigschwellig zu halten. Wenn die alten Menschen das Angebot - und auch den Sportverein - kennen und schätzen gelernt haben, sind sie auch in den meisten Fällen bereit, dem Verein beizutreten. Die "Aktiv-bis-100"-Gruppen werden auf diese Weise längerfristig aus Vereinsbeiträgen finanziert. Derzeit bestehen 15 "Aktiv-bis-100"-Bewegungsgruppen in 13 Stadtteilen. "Aktiv-bis-100"-Projektzweig "Menschen mit Demenz bewegen": Bereits Ende 2012 ging im Rahmen von "Aktiv-bis-100" die erste Bewegungsgruppe für Menschen mit Demenz an den Start, in Kooperation mit dem Bürgerinstitut im Westend und der TG Bornheim 1860 e.V.; für die pflegenden oder betreuenden Angehörigen wurde zeitgleich ebenfalls eine Bewegungsstunde angeboten. 2013 kamen Sindlingen und Seckbach als Standorte hinzu. Das Angebot in Sindlingen ruht derzeit. 2016 wurden in Niederrad und Bonames neue Bewegungsgruppen für Demenzbetroffene ins Leben gerufen. Dies vorausgeschickt, beantworten wir die gestellten Fragen wie folgt:
- Ist neben den aktuell vorhandenen fünf Stadtteilen eine Ausweitung der Bewegungsangebote für Demenzkranke auf weitere Stadtteile geplant? Derzeit gibt es in vier Stadtteilen Bewegungsgruppen für Menschen mit Demenz: in Bonames (TSV 1875 Bonames e.V.), in Niederrad (TV Niederrad e.V.), in Seckbach (TV Seckbach 1875 e.V.) und - weiterhin - im Westend (Bürgerinstitut e.V.). Eine Ausweitung auf weitere Stadtteile wird von der Stadt Frankfurt am Main grundsätzlich befürwortet. Voraussetzung hierfür sind Sportvereine mit entsprechend qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern. Je nach Schweregrad der Demenzerkrankung sind zwei Übungsleitungspersonen bzw. eine Übungsleitungsperson sowie eine weitere Betreuungsperson erforderlich. Für eine zeitgleich angebotene Bewegungsstunde für betreuende Angehörige wird ein weiterer geeigneter Raum benötigt sowie eine Übungsleitungsperson. Der Turngau Frankfurt e.V. plant, bei seiner nächsten Delegiertenversammlung im Frühjahr 2020 bei den Frankfurter Turnvereinen für die Beteiligung an "Aktiv-bis-100" und "Menschen mit Demenz bewegen" zu werben. Die Stadt Frankfurt am Main ist bereit, sich weiterhin im Netzwerk und durch finanzielle Förderung zu beteiligen.
- Gibt es von weiteren Vereinen Kooperationsangebote, bzw. Interesse, dem Netzwerk beizutreten? Laut Bericht des Turngau Frankfurt e.V. bestanden im Stadtteil Sindlingen und Höchst zwei Gruppen für Menschen mit Demenz, die aufgrund sehr wechselhafter Teilnehmerzahl eingestellt werden mussten bzw. derzeit ruhen. Die Fluktuation in den Gruppen ist teils hoch, weil Demenzsymptome sich verschlimmern und die Teilnahme an der Gruppe nicht mehr möglich ist. Der in Sindlingen und Höchst engagierte Verein TV 1875 Sindlingen e.V. hat jedoch Interesse an einer Neugründung und arbeitet an einem Konzept, die Gruppen für die betreuenden Angehörigen attraktiver zu gestalten, da diese die Demenzbetroffenen "mitziehen". Der Turngau Frankfurt e.V. wirbt im Kreise seiner Mitgliedsvereine für das Projekt. Die Ehrenamtler in den Sportvereinen sind jedoch mit vielfältigen Anforderungen konfrontiert (Integration von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, Inklusion von Menschen mit Behinderungen, demografischer Wandel, Kooperationswünsche z.B. von Schulen etc.), sodass ein personell, räumlich und organisatorisch anspruchsvolles Projekt wie "Menschen mit Demenz bewegen" in vielen Fällen nicht zusätzlich geschultert werden kann.
- Gibt es ausreichend qualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter, oder wie wird versucht, eine ausreichend qualifizierte Anleitung zu gewährleisten? Qualifizierte Übungsleitungspersonen sind die Voraussetzung dafür, dass auf die Bedürfnisse der hochbetagten Zielgruppe in angemessener Weise eingegangen werden kann. Das Netzwerk "Aktiv-bis-100" verfolgt daher seit seiner Gründung u.a. das Ziel, zur Qualifizierung von Übungsleitungspersonen beizutragen. Der Netzwerkpartner Hessischer Turnverband e.V. (HTV) hat seit Gründung des Netzwerks mehrere Fortbildungen und Supervisionen für Übungsleitungspersonen konzipiert und durchgeführt. Diese Qualifizierungsmaßnahmen wurden von der Stadt Frankfurt am Main finanziell unterstützt. Die Teilnahme an solchen Qualifizierungsmaßnahmen ist jedoch freiwillig und abhängig von der Bereitschaft ehrenamtlich arbeitender Übungsleiterinnen und -leiter, sich in diesem Bereich zu engagieren. Der Turngau Frankfurt e.V. leistet hier Motivationsarbeit bei seinen Mitgliedern.
- Ist eine Beteiligung und Kooperation mit Senioren- und Sozialverbänden möglich oder kann hier das Interesse der Beteiligung weiter ausgebaut werden? Die Beteiligung von Senioren- und Sozialeinrichtungen und -verbänden, zum Beispiel Senioren-Tageseinrichtungen, Besuchsdiensten bzw. auch Trägerorganisationen ist wichtiger Bestandteil der Projektkonzeption des Netzwerks "Aktiv-bis-100" und insofern möglich und erwünscht. Auf Stadtteilebene bestehen derzeit unterschiedliche lokale Kooperationen, z.B. mit dem Frankfurter Verband, dem Roten Kreuz, der AWO, einzelnen Senioreneinrichtungen vor Ort sowie auch Kirchengemeinden, in deren Räumen manche der Bewegungsgruppen stattfinden. Der VDK engagiert sich insbesondere für einen Fahrdienst für die Teilnehmenden. Die Gewinnung von Kooperationspartnern hängt u.a. von der Vernetzung der beteiligten Vereine in ihrem Stadtteil ab. Unterstützung, z. B. durch Stadtteilgremien und -initiativen, würde von den Vereinen und vom Turngau Frankfurt e.V. begrüßt und könnte den Kreis der möglichen Projektpartner erhöhen. Über den vom Gesundheitsamt moderierten Arbeitskreis Demenz Frankfurt können eventuell weitere Kooperationspartner angesprochen und für eine mögliche Beteiligung am Netzwerk motiviert werden.
- Inwieweit werden die oft sehr belasteten Familienangehörigen bei dem Programm eingebunden? Im ursprünglichen Angebotskonzept des "Aktiv-bis-100"-Projektzweigs für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen (aus dem Jahr 2012) sind jeweils zwei parallele Bewegungsgruppen vorgesehen: Eine für die Demenz-Betroffenen selbst und eine zweite zeitgleich am gleichen Ort in separatem Raum für die betreuenden oder pflegenden (Familien-)Angehörigen. Beide Gruppen sollen dabei eigenständig und fachlich professionell von eigenen Übungsleiterinnen und -leitern bzw. Betreuerinnen und Betreuern betreut und begleitet werden. Den Angehörigen soll dieses Angebot vor allem die Möglichkeit geben, zu entspannen, Schulter und Rücken zu lockern, Kraft zu tanken, sich einmal auf den eigenen Körper zu konzentrieren und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen. Manches Mal wurde diese Zeit auch für Kontaktpflege, Gespräche und Austausch zwischen den Angehörigen genutzt. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Einbeziehung der betreuenden Angehörigen bei diesem Krankheitsbild sinnvoll ist, da die Betroffenen selbst allein nicht in der Lage sind oder nicht über die notwendige Eigeninitiative verfügen, die Bewegungsgruppe zu besuchen.
- In welcher Form sind Senioren- und Pflegeheime in die Angebote eingebunden? Konzeptionell richtet sich das Angebot des Frankfurter Netzwerks "Aktiv bis 100" vor allem an hochbetagte Menschen (über ca. 80), die noch selbstständig zu Hause leben. In manchen Stadtteilen stellen Senioren- und Pflegeeinrichtungen die Räume für die Bewegungsgruppen zur Verfügung. Auch Kirchengemeinden sind an manchen Standorten eingebunden. Die Art der Kooperation ist insgesamt flexibel handhabbar und wird vor allem vom Turnverein vor Ort, seinen Kontakten im Stadtteil sowie der Verfügbarkeit von Räumen bestimmt. Der Turngau Frankfurt e.V. sowie Partnerorganisationen im Netzwerk "Aktiv-bis-100" unterstützen bei Bedarf. In der Praxis wurden, z.B. vom TV Seckbach und vom TV Niederrad, gute Erfahrungen damit gemacht, den Veranstaltungsort für die Bewegungsgruppe in eine Senioreneinrichtung zu legen (Marinas Tagespflege in Seckbach, Altenzentrum St. Josef in Niederrad). Hierdurch konnte die Regelmäßigkeit der Teilnahme stark erhöht werden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 8. November 2019AA 579Ausweitung der Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit demenzieller VeränderungSTVV-Anfrage · CDU, SPD, GRÜNE
- 3. Februar 2020Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 12 WochenBB 28Ausweitung der Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit demenzieller VeränderungMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf7 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
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Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
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Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP und FRAKTION Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF und FRANKFURTER (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF und FRAKTION Sonstige Voten/Protokollerklärung: FRANKFURTER (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme