Wie steht es mit der „realen“ Wohnungsnot in Frankfurt am Main?
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängiges Bürgerprojekt seit 2010. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
Thema Wohnen verfolgenInhalt
Anfrage vom 16.05.2014, A 597
Betreff: Wie steht es mit der "realen" Wohnungsnot in Frankfurt am Main? Während diverser Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlkämpfen, sowie auch in der aktuellen Frankfurter Kommunalpolitik wurde beziehungsweise wird die angebliche drastische Wohnungsnot und der Mangel an bezahlbaren Wohnraum, insbesondere für Familien und Geringverdiener in Frankfurt am Main immer wieder heftig thematisiert. So auch in der letzten Sitzung des Ausschusses für Planung, Bau und Wohnungswesen. Doch wie wird Wohnungsnot definiert und wie macht sie sich real sichtbar? Nur zwei Extrembeispiele in außereuropäischen Frankfurter Partnerstädten, wie sich dort "reale" Wohnungsnot sichtbar macht. In der einen Partnerstadt leben Tausende Menschen seit Jahren auf Friedhöfen in Grüften und in der anderen Partnerstadt nächtigen Tausende von landflüchtigen Wanderarbeitern ohne ein Dach über dem Kopf auf der Straße im Schatten moderner Hochhäuser. Dies ist sicherlich nicht der Maßstab oder zynischer Vergleich für die Diskussion um die angebliche Wohnungsnot in Frankfurt am Main, aber leben hier massenhaft Menschen unter Brücken, ungeschützt auf der Straße oder in üblen Quartieren hoffnungslos zusammengepfercht? Die vermeintliche Wohnungsnot in Frankfurt am Main macht sich höchstwahrscheinlich primär an der stetig zunehmenden Bedürfnisstruktur von Menschen fest. Denn nicht jeder/jede beim Amt für Wohnungswesen oder der ABG Frankfurt Holding registrierte Wohnungssuchende(r) sitzt auf der Straße oder ist in Notunterkünften untergebracht. Wenn die vierköpfige Durchschnittsfamilie der 70er und 80er Jahre sich noch mit einer bescheidenen 65-Quadratmeter-Wohnung zufrieden gab, müssen dies heute wesentlich mehr sein. Bei aktuell über 50 Prozent so genannter Single-Haushalte in Frankfurt am Main spielt beim Thema Wohnungsnot auch sicherlich die psycho-soziale Befindlichkeit von Teilen der Stadtgesellschaft und ihre permanent voranschreitende Individualisierung eine große Rolle. Dies alles korreliert in drastischem Maße mit dem Anstieg der Mieten im Vergleich zum Monatseinkommen. Hier insbesondere bei Haushalten mit nur einem Einkommen. So ist das klassische Bild des alleinverdienenden Familienoberhauptes, dessen Monatseinkommen die Wohnungsmietkosten und angemessenen Lebensunterhalt für die ganze Familie garantierte längst passé. Täglich wälzen sich in die Hundertausende gehende Pendlerströme zur Arbeit oder zum Studium nach Frankfurt am Main. Sind sie Ausdruck von Wohnungsnot oder gar Vertriebene die den Run auf bezahlbaren Wohnraum in der Kernstadt bereits verloren haben und Frankfurt am Main den Rücken kehrten? Perspektivisch wird das Thema Wohnungsnot in Frankfurt am Main sicherlich auch durch das Wachstum der Kernstadt Frankfurt (über 700.000 Einwohner) und das dauerhafte Prognostizieren einer wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Expansion durch Unternehmen wie Fraport oder Institutionen wie der Europäischen Zentralbank angeheizt. Doch ist unbegrenztes Wachstum das Ziel einer Stadtregierung für den Nachweis ihres Erfolges oder der Preis vermeintlicher urbaner Zukunft? Dies vorausgeschickt fragen wir den Magistrat:
- Wie definiert der Magistrat allgemein Wohnungsnot?
- Wie viele in Frankfurt am Main registrierte Personen sind insgesamt beim Amt für Wohnungswesen und/oder bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften als Wohnungs-suchende gemeldet?
- Wie viele Personen davon leben in Notunterkünften und Übergangswohnungen, bzw. haben gar keinen festen Wohnsitz?
- Wie viele der beim Amt für Wohnungswesen registrierten Wohnungssuchenden sind im Besitz einer Mietwohnung, möchten aber in eine größere und moderner ausgestatte Wohnung umziehen?
- Wie viele Wohnungen bzw. Wohnraum auf dem Frankfurter Privatwohnungsmarkt steht nach Schätzung des Magistrats leer?
- Wenn es Leerstände auf dem Frankfurter Privatwohnungsmarkt gibt, ist dann nach Einschätzung des Magistrats der Mietpreis oder der Zustand der Immobilien ein Grund für den Leerstand?
- Sind die täglichen Pendlerströme Ausdruck von Wohnungsnot oder gar Opfer beim Run auf bezahlbaren Wohnraum?
- Die Bautätigkeit in den letzten Jahren in Frankfurt war beachtlich. Neue Stadtteile und Wohnsiedlungen entstanden wie beispielsweise New Atterberry, New Betts, der Frankfurter Bogen, das Merton-Viertel, der Riedberg und sogar auf dem Offenbacher Hafengelände, um nur einige zu nennen. Reichen nach der Einschätzung des Magistrats diese Wohnungen aus um den Bedarf der "echten" Wohnungssuchenden zu decken oder sind verstärkt Neubaugebiete wie im Frankfurter Stadtteil Bonames notwendig?
- Abschließend: Herrscht nach Einschätzung des Magistrats eine akute und real existierende Wohnungsnot in Frankfurt am Main?
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 16. Mai 2014Sie sind hierAA 597Wie steht es mit der „realen“ Wohnungsnot in Frankfurt am Main?STVV-Anfrage · RÖMER
- 18. August 2014Antwort des Magistrats · nach 13 WochenBB 327Wie steht es mit der „realen“ Wohnungsnot in Frankfurt am MainMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine schriftliche Frage von Stadtverordneten oder Fraktionen an den Magistrat. Die Antwort erfolgt schriftlich innerhalb von drei Monaten und fließt in spätere Beratungen ein.
- 1Stadtverordnete stellen Anfrage
- 2Magistrat antwortet schriftlich
- 3Antwort fließt in Beratungen ein
Frist: 3 Monate