Fortschreibung Hochhausrahmenplan 2008
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängiges Bürgerprojekt seit 2010. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
E-Mail-Abo einrichtenBegründung
Der Frankfurter Planungsdezernent hatte bereits im April vor der Presse neue Hochhausstandorte vorgestellt (Frankfurter Rundschau vom 26.April 2008). Seit dem 6.Juni 2008 kann man die Pläne in der Magistrats-Drucksache M 106 mit dem Titel „Hochhausentwicklungsplan Frankfurt am Main – Fortschreibung 2008“ nachlesen. „Geburtshelfer“ ist das Architekturbüro Jourdan & Müller. Überlegungen für weitere Standorte von Hochhäusern in der Stadt waren bereits 2007 veröffentlicht und kontrovers diskutiert worden. Dessen ungeachtet enthalten die neuen Pläne noch einmal zusätzliche Hochhausstandorte. Angeblich soll damit Planungssicherheit für die Zukunft erreicht werden. Ein Blick in die Hochhausgeschichte Frankfurts lehrt aber, dass mit solchen Planungsvorgaben nur weiteren Forderungen von Investoren nach verdichteten Baumassen innerhalb der vorhandenen Stadtquartiere Vorschub geleistet wird. Der neue Hochhausentwicklungsplan sieht sage und schreibe 22 neue Hochhäuser vor. Das ist ein volles Drittel mehr als der gegenwärtige Bestand, einschließlich der im Bau bzw. in konkreter Planung befindlichen Hochhäuser. Ein gewaltiges Bauvolumen, das der Stadt hier verordnet werden soll. Mit zurzeit noch überhaupt nicht absehbaren Folgen für die Entwicklung in der Stadt. Auffallend an den Plänen ist eine erneute Verdichtung der Hochhausstandorte am Rand des Frankfurter Westends. Das Westend ist das Frankfurter Wohnquartier mit der längsten und im wörtlichen Sinn am meisten einschneidenden Hochhauserfahrung. Hier lassen sich sowohl die Diskontinuität der städtischen Hochhausplanung als auch die Auswirkungen von Hochhäusern auf die sie umgebende, gewachsene Stadtlandschaft besonders gut ablesen: Die Auswirkungen auf den Verkehr, auf das Klima und das innerstädtische Wohnen, um die wesentlichen Aspekte zu nennen. Zu diesen Folgen schweigen sich die jüngsten Frankfurter Hochhauspläne aus. Es ist deshalb völlig ausgeschlossen, sie vernünftig und angemessen zu beurteilen.
Inhalt
Antrag vom 20.07.2008, OF 271/2
Betreff:
Fortschreibung Hochhausrahmenplan 2008
Der Ortsbeirat möge beschließen:
Die Stadtverordnetenversammlung wird aufgefordert:
- Die M 106 "Fortschreibung des Hochhausrahmenplans“ wird zurückgewiesen.
- Der Hochhausrahmenplan wird erst dann fortgeschrieben, wenn folgende Punkte in die Planung eingearbeitet sind:
a. Ist geplant, die Hochhäuser, für die schon Rechtskraft und damit Baureife besteht (z.B. "Millenium Tower“, Polizeipräsidium und "Urban Entertainment Center“), vor den Hochhäusern des neuen Hochhausentwicklungsplans bauen zu lassen?
b. Ist geplant, den bestehenden und nach langen Auseinadersetzungen zustande gekommenen Westendbebauungsplan NR. 320 in einem brisanten Teilabschnitt, nämlich entlang der Mainzer Landstrasse, erneut zu ändern?
c. Besteht die Absicht, das von dem seinerzeitigen Planungsdezernenten Küppers im Verfahren zu dem Bebauungsplans NR. 637 gegebene Versprechen, der Bebauungsplan NR. 637 sei der letzte große Eingriff in den Bebauungsplan NR. 320 (Westend), einzuhalten?
d. Für den gesamten Gültigkeitsbereich des Hochhausentwicklungsplans (inklusive aller bestehender und in Planung befindlicher Hochhäuser über 7 Stockwerke) soll ein Klimagutachten angefertigt werden.
e. Welche Auswirkungen sind vom Hochhausentwicklungsplan mit seinen besonders hochpreisigen Wohnhochhäusern auf den Wohnungsmarkt zu erwarten (Aufwertungsdruck, Verdrängung einkommensschwacher Schichten)?
f. Seit 15 Jahren stehen die beiden Hochhäuser Trianon und Kronenhochhaus(Westend 1) an der Mainzer Landstrasse. Ist geplant, das seit dem 28.01.1988 laufende Verfahren zu dem Bebauungsplan NR. 637 Mainzer Landstrasse/Niedenau wieder aufzunehmen und dem Bebauungsplan und den beiden Hochhäusern endlich Rechtskraft zu geben?
g. Wie verträgt sich der Plan, das Hochhaus auf dem Allianz Areal auf 60 Meter zu begrenzen und an den Kettenhofweg zu verlegen, mit dem Umstand, die im und der Nähe des Kettenhofweges wohnende Westendbevölkerung gerade vor der Verschattung und dem Lichtsmog durch neue Hochhäuser zu schützen?
h. Ist eine Überarbeitung des Generalverkehrsplans aufgrund des Hochhausentwicklungsplans vorgesehen?
i. Welche Auswirkungen hat ein erhöhtes KFZ-Aufkommen durch den Hochhausentwicklungsplan auf die Luft- und Lärmbelastung der umliegenden Stadtteile?
j. Ist geplant, durch Anreize wie z.B. Umweltticket oder Jobticket die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu fördern und den MIV zu beeinflussen?
k. Ist geplant, z.B. durch Einführung einer City-Maut wie in Stockholm, die zu erwartende Verkehrsbelastung durch den motorisierten Individualverkehr zu senken?
l. Wie werden sich die Lichtverhältnisse bei Tag und Nacht verändern (Verschattung, Lichtsmog)?
m. Hochhäuser verschlingen durch ihre Technik (Versorgung und Entsorgung, Sicherheitsvorkehrungen u.ä.) elektrische Energie, und zwar umso mehr, je höher sie gebaut werden. Wie verträgt sich das mit den auf allen staatlichen und privaten Ebenen deklarierten Energiesparmaßnahmen?
n. Welche Auswirkungen hat der Hochhausentwicklungsplan auf die Einzelhandelsstruktur in Bezug auf wohnortnahe Angebote von Dienstleistungen des Alltags?
o. Wie sind die Auswirkungen auf die innerstädtische Sicherheitslage ("tote“ Quartiere nach 19:00 Uhr) einzuschätzen?
p. Wie wird sich die Erweiterung des Büroflächenangebots auf das Gesamtangebot an Büroraum (Problem der Verlagerung von Leerständen) auswirken?
q. Es lässt sich feststellen, dass rings um die bisher erstellten Hochhäuser urbanes Stadtleben (kulturell und sozial) verkümmert, ausstirbt und neu so gut wie nicht zustande kommt. Beispiele dafür sind u. a. in der Mainzer Landstrasse, der Neuen Mainzer Strasse, der Bockenheimer Landstrasse, der "Welle“ am Reuterweg und in der Bürostadt Niederad zu besichtigen. Wie soll diesem Trend im Falle der Realisierung weiterer Hochhäuser begegnet werden? Welche Pläne gibt es in diesem Zusammenhang zur Belebung der Stadt?
Begründung:
Der Frankfurter Planungsdezernent hatte bereits im April vor der Presse neue Hochhausstandorte vorgestellt (Frankfurter Rundschau vom 26.April 2008). Seit dem 6.Juni 2008 kann man die Pläne in der Magistrats-Drucksache M 106 mit dem Titel "Hochhausentwicklungsplan Frankfurt am Main – Fortschreibung 2008“ nachlesen. "Geburtshelfer“ ist das Architekturbüro Jourdan & Müller. Überlegungen für weitere Standorte von Hochhäusern in der Stadt waren bereits 2007 veröffentlicht und kontrovers diskutiert worden. Dessen ungeachtet enthalten die neuen Pläne noch einmal zusätzliche Hochhausstandorte. Angeblich soll damit Planungssicherheit für die Zukunft erreicht werden. Ein Blick in die Hochhausgeschichte Frankfurts lehrt aber, dass mit solchen Planungsvorgaben nur weiteren Forderungen von Investoren nach verdichteten Baumassen innerhalb der vorhandenen Stadtquartiere Vorschub geleistet wird.
Der neue Hochhausentwicklungsplan sieht sage und schreibe 22 neue Hochhäuser vor. Das ist ein volles Drittel mehr als der gegenwärtige Bestand, einschließlich der im Bau bzw. in konkreter Planung befindlichen Hochhäuser. Ein gewaltiges Bauvolumen, das der Stadt hier verordnet werden soll. Mit zurzeit noch überhaupt nicht absehbaren Folgen für die Entwicklung in der Stadt.
Auffallend an den Plänen ist eine erneute Verdichtung der Hochhausstandorte am Rand des Frankfurter Westends. Das Westend ist das Frankfurter Wohnquartier mit der längsten und im wörtlichen Sinn am meisten einschneidenden Hochhauserfahrung. Hier lassen sich sowohl die Diskontinuität der städtischen Hochhausplanung als auch die Auswirkungen von Hochhäusern auf die sie umgebende, gewachsene Stadtlandschaft besonders gut ablesen: Die Auswirkungen auf den Verkehr, auf das Klima und das innerstädtische Wohnen, um die wesentlichen Aspekte zu nennen. Zu diesen Folgen schweigen sich die jüngsten Frankfurter Hochhauspläne aus. Es ist deshalb völlig ausgeschlossen, sie vernünftig und angemessen zu beurteilen.
Hauptvorlage: Vortrag des Magistrats vom 06.06.2008, M 106 Beratung im Ortsbeirat: 2
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Antrag, den eine Fraktion in den Ortsbeirat einbringt. In der Ortsbeiratssitzung wird darüber beraten und abgestimmt. Wird er beschlossen, geht er — je nach Thema — als Anregung an die Stadtverordnetenversammlung (OA), als Direktanregung (OM) oder als Initiative (OI) weiter.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ortsbeirat berät & beschließt
- 3wird zu OA, OM, OI oder V
- 4Magistrat setzt um oder berichtet
Der Weg dieser Vorlage
Am 20. Juli 2008 brachte LINKE. im Ortsbeirat 2 diesen Antrag ein. In 2 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf2 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu 1. Einstimmige Annahme zu 2. Einstimmige Annahme zu 3. Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu 1. CDU, 2 GRÜNE, SPD, FDP, LINKE. und BFF; 1 GRÜNE (= Enthaltung) zu 2. Einstimmige Annahme zu 3. Einstimmige Annahme zu 5. Ziffer 1. bis 4.: CDU, 2 GRÜNE, SPD, FDP, 1 LINKE. und BFF; 1 GRÜNE und 1 LINKE. (= Enthaltung) Ziffer 5.: CDU, 1 SPD und FDP gegen 2 GRÜNE., 1 SPD und LINKE. (= Ablehnung); 1 GRÜNE und 1 BFF (= Enthaltung)