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Durch die drohende Klimakatastrophe erhöht sich auch die Anzahl heißer Tage. Insbesondere Frankfurt heizt sich schnell a

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Stadt Frankfurt am Main sieht sich durch die Klimakatastrophe mit einer steigenden Anzahl heißer Tage konfrontiert, was ernsthafte Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung mit sich bringt. Der Magistrat hat bereits Maßnahmen zur Bekämpfung der Überhitzung eingeleitet, darunter Informationskampagnen und die Ausbildung von Klimalots:innen. Es wird angestrebt, die Stadt klimaangepasst zu gestalten und die Bevölkerung über Hitze- und Gesundheitsschutz zu informieren.

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Thema Gesundheit und Soziales verfolgen

Frage an den Magistrat

Durch die drohende Klimakatastrophe erhöht sich auch die Anzahl heißer Tage. Insbesondere Frankfurt heizt sich schnell auf und Hitze ist ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für die Frankfurter*innen. Deutschlandweit sind im Jahr 2024 laut dem Robert-Koch-Institut, RKI, ungefähr 3.000 Menschen an Hitze gestorben. Die Jahre davor lagen die Zahlen deutlich höher. Ich frage den Magistrat: Wie viele Menschen in Frankfurt sind in den letzten fünf Jahren - bitte nach Jahr aufschlüsseln - an Hitze gestorben, und welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um Hitze/Überhitzung und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken entgegenzutreten?

Antwort des Magistrats

Stadträtin Elke Voitl:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

sehr geehrte Anwesende,

sehr geehrte Frau Stadtverordnete Dr. Mehler-Würzbach!

Die meisten Menschen, die während einer Hitzewelle sterben, hatten bereits gesundheitliche Vorbelastungen oder gehören zu höheren Altersgruppen. Diese Vorerkrankungen sind oft chronisch und in der Regel durch Behandlung gut zu stabilisieren. Die extreme Hitze wirkt dann als Auslöser, der den Körper überlastet und zu einem akuten, tödlichen Ereignis führen kann, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen. Ohne die extreme Hitze, ohne die extreme Hitzebelastung hätten diese Menschen noch länger leben können. Die Hitzewelle verkürzt somit ihre verbleibende Lebenserwartung. Der Tod ist vorzeitig, weil wertvolle Lebenszeit verloren geht, die ohne diesen spezifischen Auslöser noch zur Verfügung gestanden hätte.

Der Bund, das RKI, ermittelt Sterbefälle während des Sommers von Juni bis September. Statistisch wird dieses Phänomen als Übersterblichkeit erfasst. Man vergleicht also die Anzahl der Todesfälle während einer Hitzewelle mit dem Durchschnitt der Todesfälle im selben Zeitraum der Vorjahre ohne Hitzewelle. Für die Stadt Frankfurt wird diese Zahl nicht ermittelt. Der Magistrat hat bereits in der Breite Maßnahmen gegen Überhitzung angestoßen. Der Magistrat informiert über digitale Infoscreens im öffentlichen Raum in Echtzeit und gibt Empfehlungen zum Verhalten bei Hitze. Auch auf den Social-Media-Kanälen des Gesundheitsamts werden gesundheitsförderliche Tipps zum Umgang mit Hitze gegeben. Die Broschüre "Hitze und Gesundheit" gibt Informationen und wird zum Beispiel in öffentlichen Einrichtungen verteilt. Die Webseite frankfurt.de/hitze des Gesundheitsamts Frankfurt am Main, stellt in mehreren Sprachen viele Informationen zum Thema Hitze und Hitzeschutz zur Verfügung. Das Gesundheitsamt steht in Kontakt mit Institutionen und Gremien wie etwa dem Seniorenbeirat, um an Veranstaltungen teilzunehmen und Fragen zum Thema Hitze und Gesundheit zu beantworten. Außerdem wurden 2025 erstmals Klimalotsinnen und -lotsen ausgebildet, die die Bevölkerung seit Juli in den Stadtteilen über das Thema Klima und Gesundheit informieren. Die Klimalots:innen zeigen, welchen Einfluss Menschen selbst haben, um mit steigenden Temperaturen umzugehen, wie sie klimafreundlich heizen, lüften oder sich durch die Stadt bewegen können. Auf Wunsch beraten die Lots:innen auch in verschiedenen Sprachen, sie können im Gesundheitsamt angefragt werden.

Im letzten Jahr gab es eine Onlinebefragung, bei der auch ältere Menschen gefragt wurden, um die Bedarfe der Frankfurter:innen herauszuarbeiten und entsprechend in die Schulungen aufzunehmen. Diese wurden von mehreren Ämtern beworben, unter anderem im Rathaus für Senioren, in einem Artikel in der "Stadt Frankfurt im Blick" und bei der Aktionswoche "Älter werden in Frankfurt". Der Magistrat beschäftigt sich darüber hinaus intensiv mit der Anpassung an den Klimawandel. Der Klimawandelaktionsplan beinhaltet unter anderem Maßnahmen bei Hitze, Trockenheit, Starkregen, Sturm oder Hochwasser. Über das städtische Förderprogramm "Klimabonus" werden unter anderem Dachfassaden und Hofbegrünung, Zisternen und Trinkbrunnen gefördert. Seit November 2023 wurde Folgendes bewilligt: 111 Wassermanagementmaßnahmen, zum Beispiel Zisternen und Trinkbrunnen, 102 Begrünungen auf Dachfassaden oder in Höfen, 54 Solargründächer. Zum Durstlöschen sind derzeit in Frankfurt 24 Trink-brunnen in Betrieb, darunter neun historische. Die Trinkbrunnenstandorte sind im Geoportal Frankfurt veröffentlicht. Ein für Frankfurt am Main spezifischer Leitfaden für klimaangepasste Stadtplatzgestaltung fasst bewährte Konzepte und Maßnahmen zusammen, um Plätze widerstandsfähig gegenüber den Folgen des Klimawandels zu gestalten, etwa auch zur Vermeidung von übermäßiger Erwärmung. In den Jahren 2023 und 2024 wurden rund 3.200 Bäume im öffentlichen Raum gepflanzt, unter anderem an Straßen und Plätzen in Parks, Grünanlagen und auf Friedhöfen. Bei neugestalteten Straßenräumen spenden grundsätzlich eine Vielzahl von zukunftsfähigen Bäumen Schatten. Auf Kinderspielplätzen werden gezielt zusätzliche Bäume gepflanzt, um langfristig für mehr natürliche Beschattung zu sorgen. Bis diese ausreichend gewachsen sind, kommen Sonnenschirme zum Einsatz. Für stark versiegelte Plätze, bei denen eine Entsiegelung kurzfristig nicht möglich ist oder bauliche Einschränkungen wie Leitungen oder Nutzungsanforderungen eine Bepflanzung verhindern, werden sogenannte grüne Zimmer aufgestellt. Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe erarbeitet Standards für den blau-grünen Straßenraum. Es werden zunehmend Projekte mit dem Ziel der Bestandsentsiegelung und insbesondere Regenwasserkopplung in Angriff genommen. Aktuell befinden sich mehrere Projekte zur Nutzung von Regenwasser durch das Grünflächenamt in Planung. Mit der seit 2023 geltenden Freiraumsatzung existieren für künftige Bauvorhaben stadtweit verbindliche Anforderungen zur klimaangepassten Gestaltung von Freiflächen und Gebäuden auf Baugrundstücken nach der Hessischen Bauordnung. Bei den Gebäuden, die in der Betreiberverantwortung des Amts für Bau und Immobilien liegen, vorrangig bei den Bildungsbauten, wird baulich bei Neubauten und Sanierungen auf den sommerlichen Wärmeschutz großes Augenmerk gelegt. In den Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen 2025 werden Maßnahmen wie zum Beispiel Nachtlüftung und Sonnenschutz unter Punkt 3.1 beschrieben. Auf der Internetseite des Energiemanagements sind zudem Hinweise für den sommerlichen Wärmeschutz in organisatorischer und baulicher Art zu finden.

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Es gibt zwei Zusatzfragen. Die erste kommt von Frau Dr. Mehler-Würzbach. Bitte schön!

Stadtverordnete Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Linke:

(Zusatzfrage)

Vielen Dank! Das waren ja große Ausführungen. Einerseits ist klar, es wird erst mal darauf verwiesen, dass Menschen selbst Einfluss haben, also auf die Eigenverantwortung; zweitens auf viele Projekte, die gerade im Werden sind, aber häufig noch ...

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Stellen Sie bitte eine Frage.

Stadtverordnete Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Linke:

(fortfahrend)

... überhaupt nicht da, wo wir hinwollen. Die Frage ist: Halten Sie die Maßnahmen für ausreichend, um die Frankfurter Bevölkerung gerade nach den Eindrücken der letzten Tage auch vor Hitzefolgen zu schützen?

Stadträtin Elke Voitl:

(fortfahrend)

Ich zitiere mal meinen Amtsleiter aus dem Gesundheitsamt, der sagt: "Wir werden diesen Sommer", also den, den wir jetzt haben, "als einen der letzten kühlen Sommer beschreiben". Insofern wird es für die nächsten Jahre definitiv eine Aufgabe über alle Dezernate hinweg sein.

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Schwander von der CDU. Bitte schön!

Stadtverordneter Yannick Schwander, CDU:

(Zusatzfrage)

Vielen Dank für die Ausführungen! Bei Vielem, was Sie gesagt haben, ging es um digitale Informationen, was wir grundsätzlich begrüßen. Sie haben auch genannt, dass es analoge Informationen gibt. Können Sie noch einmal ausführen, wo genau das alles ausgelegt wird? Das wurde mir jetzt zumindest nicht so ganz klar. Und wo es vielleicht noch in Zukunft ausgelegt werden könnte, damit vor allem vulnerable Gruppen erreicht werden können?

Stadträtin Elke Voitl:

(fortfahrend)

Also eine der vulnerablen Gruppen sind ja Seniorinnen und Senioren. Und aus diesem Grund ist auch die Seniorenzeitschrift, die jetzt "Frankfurt im Blick" heißt, immer noch analog zu haben - übrigens in allen öffentlichen Gebäuden und, ganz wichtig, in allen Apotheken. Wir haben auch viele Senior:innen, die sie sich nach Hause schicken lassen, was wir gegen eine geringe Gebühr auch machen. Insofern müssen wir weiterhin auf jeden Fall auch analoge Produkte haben, um vulnerable Gruppen zu erreichen. Und darüber hinaus, wenn wir über vulnerable Gruppen sprechen, müssen wir auch über das Thema Obdachlosigkeit sprechen. Für Menschen, die eben nicht nach Hause gehen können und sich dort einen kühlen Ort suchen können, ist auch jetzt wieder der Bus unterwegs, um diese Menschen, anders als im Winter mit Tee und Schlafsäcken, jetzt mit Sonnenschutz und Getränken zu versorgen. Das sind zwei Beispiele.

(Beifall)

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 3339

Stadtverordnete Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Linke:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

sehr geehrte Kolleg:innen!

Hitze tötet. In Deutschland sterben gemäß Studie des Umweltbundesamtes mehr Menschen an Hitze als im Straßenverkehr. Frankfurt gehört zu den heißesten Städten Deutschlands. Wir sind mitten in der Klimakatastrophe. Temperaturen von 40 Grad und mehr sind keine unrealistische Annahme mehr, sondern eine reale Gefahr. Die Wahrscheinlichkeit für solche Extremereignisse steigt mit jedem Jahr.

Hitze trifft nicht alle gleich. Während sich wohlhabende Menschen in klimatisierten Büros oder kühlen Wohnungen aufhalten können, leiden ärmere Bevölkerungsschichten unter extremer Hitze und allen gesundheitlichen Folgen. Diese Stadtregierung muss endlich anfangen, Hitzeschutz als Teil der sozialen Infrastruktur anzuerkennen. Es ist gut, dass der Hitzebus diese Woche fuhr. Wir brauchen ihn als Regelangebot an Hitzetagen ab dem ersten Tag, und wie beim Kältebus sollte die Stadt, die Frankfurter:innen auch über den Hitzebus informieren.

Als Linke fordern wir, dass alle städtischen Schwimmbäder während anhaltender Hitzewellen in der höchsten Warnstufe kostenlos für alle zugänglich sein sollten, so wie es in Marseille praktiziert wird. Das bietet eine schnelle und wirksame Möglichkeit, sich abzukühlen. Die Öffnung öffentlicher Räume und weiterer kühler Orte für alle ist eine wichtige Maßnahme, um kurzfristig Schutz vor Hitze zu gewährleisten. Der Antrag der Linken zur Einrichtung eines Netzes von Klimaschutzräumen war nicht nur irgendein Oppositionsantrag. Erzählen Sie mal den Menschen im Gallus, dass Sie das Skyline Plaza auf der Karte der kühlen Orte als einzigen kühlen Ort ausgewiesen haben. Ah, Verzeihung, es gibt jetzt noch einen: das grüne Zimmer auf dem Tel-Aviv-Platz. In Griesheim gibt es auch einen kühlen Ort: den Friedhof.

Frankfurt muss strategisch ran an das Thema Klimaschutzräume und an die Stadtumgestaltung, an konkrete Maßnahmen für heiße Orte, und die kennen wir. Die Unfallkommission empfiehlt Maßnahmen an Unfallstellen, die dann zügig umgesetzt werden. Warum machen wir das nicht auch so an Orten extremer Hitzedichte? In den Vierteln, die besonders heiß werden, muss mehr Schatten geschaffen werden. Einzelne Stadtplätze im Schneckentempo anzugehen, ist zu langsam und grüne Zimmer sind nun wirklich keine Lösung. Lassen Sie uns von Städten lernen, die handeln, Paris zum Beispiel. Dort wird der Asphalt in der Stadt Schritt für Schritt durch Grün ersetzt. 40 Prozent sollen dort entsiegelt werden.

In Frankfurt hatten viele Schulen in den letzten Tagen Zimmertemperaturen von weit über 30 Grad. Oft gibt es nicht einmal Verschattungsmöglichkeiten. Diese Liste ließe sich noch lange erweitern. Die Stadt ist bei den strukturellen Anpassungen viel zu langsam und stellt noch viel zu wenig Infrastruktur für den Hitzeschutz bereit. In der Verkehrssicherheit gibt es die Strategie "Vision Zero", die darauf abzielt, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr auf null zu reduzieren. Wir fordern eine "Vision Zero"-Strategie gegen den Hitzetod in Frankfurt. Es ist Zeit zu handeln. Hitze tötet!

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Der nächste Redner ist Herr Dr. Rosenbaum von den GRÜNEN. Bitte schön!

Stadtverordneter Dr. Christoph Rosenbaum, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

liebe Kolleg:innen!

Dieser Sommer und insbesondere die letzten Tage sind ein Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorsteht, wenn wir nicht endlich konsequent handeln. Vielleicht ist das hier der heißeste Sommer, den wir je erlebt haben, aber auch der kühlste für den Rest unseres Lebens. Frau Dezernentin Voitl hat das ja auch schon zitiert. Und doch höre ich noch immer Beschreibungen wie - wie wir früher gesagt hätten - "sehr schönes Wetter". Was daran schön sein soll, wenn sich Schlafzimmer nachts aufheizen wie Backöfen, wenn Unterricht ausfällt, wenn Kreisläufe kollabieren, wenn ältere Menschen am Hitzeschlag sterben, das erschließt sich mir nicht.

Seit den Fünfzigerjahren hat sich die Zahl der heißen Tage mehr als verdreifacht. Das ist keine Meinung, das ist Physik. Und die gilt auch dann, das erlaube ich mir als promovierter Physiker zu sagen, wenn man sie in der Schule abgewählt hat. Natürlich ist der beste Schutz gegen Hitze eine Klimapolitik, die diesen Namen auch verdient: mehr Bäume, mehr Wasser, mehr Grün. Was wir als Stadt Frankfurt dafür tun, würde die Redezeit sprengen, und was die Bundesregierung gerade nicht tut, leider auch. Aber heute geht es auch nicht nur um morgen. Heute geht es um Menschen, die jetzt schon leiden. Und deswegen bin ich der Linken dankbar, dass sie das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Denn völlig zu Recht wurde gesagt, dass Hitze nicht alle gleichermaßen trifft. Wer arm ist, wohnt oft dort, wo es am heißesten ist: dicht bebaut, kaum Bäume, direkt an der Straße. Die Wohnung heizt sich auf, es gibt keinen Schatten und keine Abkühlung. Wer reich ist, kann fliehen, ins Grüne, in gekühlte Räume, ans Wasser. Das ist ungerecht und das ist gefährlich. Deshalb handeln wir. Unser Hitzeaktionsplan wird bereits umgesetzt.

Viele der heute vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen der Linken laufen längst. Ich habe es ja auch schon gesagt, der Hitzebus ist unterwegs.

(Zurufe)

Der Hitzebus stand aber schon im Aktionsplan und läuft seit einigen Tagen. Außerdem gibt es neben dem Hitzebus aufsuchende Sozialarbeiter:innen aller Träger, die durch die Stadt laufen und Wasser, Kappen sowie Schirme verteilen. Trinkbrunnen gibt es in der ganzen Stadt und wir bauen sie weiter aus. Im Nachtcafé . .

(Zurufe)

Trinkbrunnen gibt es in der ganzen Stadt. Ja, vielleicht gibt es sie nicht in der ganzen Stadt, aber wir bauen sie weiter aus. Das korrigiere ich.

Im Nachtcafé in der B-Ebene gibt es Wasser to go. Es gibt kühle Rückzugsorte, ein Blick in die Kühle-Orte-Karte genügt. Frankfurt-Pass-Inhaber:innen kommen vergünstigt ins Schwimmbad. Und wer sich ein Ticket leisten kann, muss nicht auf Allgemeinkosten schwimmen gehen.

Aber wenn ich ehrlich bin, auch ich wünsche mir mehr. Ich denke beispielsweise an Kopenhagen, eine Stadt, in der man an fast jeder Ecke ins Wasser springen kann. Warum nicht auch hier? Warum nicht ein Mainufer zum Abkühlen für alle? Natürlich ist das eine sehr groß gedachte Idee.

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Kommen Sie bitte zum Ende Ihrer Rede.

Stadtverordneter Dr. Christoph Rosenbaum, GRÜNE:

(fortfahrend)

Wenn auch nicht gleich so groß, lasst uns die Stadt weiter umbauen zu einem Ort, der auch bei der Hitze für alle lebenswert bleibt. Und für heute Abend wünsche ich uns bei allem, was uns heute noch bevorsteht und uns vielleicht erhitzt, einen kühlen Kopf.

Danke schön!

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Der nächste Redner ist Herr Huber von Volt. Bitte schön!

Stadtverordneter Martin Frederick Huber, Volt:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

liebe Kollegen, liebe Kolleginnen!

Die Klimakrise ist in Frankfurt offensichtlich und spürbar angekommen. Die Sommer werden heißer, trockener und länger - mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen. Hitze ist längst nicht mehr nur eine Frage des Komforts, sondern eine konkrete Bedrohung, insbesondere für ältere Menschen, Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung oder in Obdachlosigkeit. Deshalb braucht Frankfurt diesen umfassenden Hitzeaktionsplan - vorausschauend, gerecht und wirksam. Folgende Maßnahmen sind unter anderem wichtig: Wir brauchen einen weiteren Ausbau öffentlicher Trinkwasserstellen in der Stadt, gut sichtbar, leicht auffindbar über Karten, Schilder und digitale Dienste. 24 Trinkbrunnen sind für Frankfurt noch deutlich zu wenig.

Es braucht mehr Beschattungselemente auf stark überhitzten städtischen Flächen, damit Aufenthaltsorte auch bei Hitze nutzbar bleiben. Beispielsweise haben wir mit dem blühenden Band in der Fahrgasse geplant, eine grüne Pergola aufzuspannen. Das wird auch fliegender Garten genannt. Beim Umbau auf dem Roßmarkt sind auch größere Beschattungselemente vorgesehen. Es braucht zugängliche kühle Räume wie Museen, Kirchen oder öffentliche Einrichtungen, die in den heißen Stunden allen offenstehen. Auch Angebote wie der bereits mehrfach erwähnte Hitzebus sind enorm wichtig. Die Stadt stellt auf dem Geoportal auch eine Karte für kühle Orte bereit. Außerdem gibt es eine Kennzeichnung besonders heißer Zonen auf der urbanen Datenplattform der Stadt.

Es braucht gegebenenfalls Schulungen für das Fachpersonal, zum Beispiel in der Pflege, in der Obdachlosenhilfe oder in den Kitas, damit sie erkennen, wie sich Hitze auf besonders gefährdete Menschen auswirkt. Und natürlich braucht es weiterhin Aufklärung und Information, leicht verständlich, mehrsprachig, auf verschiedenen Kanälen der Stadt. Die Stadt arbeitet konkret daran, Nebelduschen oder auch Verdunstungskühler genannt, an Plätzen, wo Begrünung schwierig ist und gleichzeitig viele Menschen unterwegs sind, aufzustellen. Diese sorgen wassersparend für unmittelbare Abkühlung. Hierzu wurden nun kurzfristig 500.000 Euro in den Nachtragshaushalt 2025 eingestellt. Es ist ein Vorhaben, das auf einen Antrag der Koalition zurückzuführen ist, und wir freuen uns, dass hier seitens des Magistrats schnell gehandelt wurde.

Wien ist hierbei, aber auch bei der Bereitstellung von öffentlichen Trinkbrunnen, ein großes Vorbild. All diese Maßnahmen haben ein Ziel: Menschen zu schützen. Hitzeperioden werden in Zukunft mehr werden und Frankfurt muss sich besser vorbereiten. Denn der Hitzeschutz ist Teil unserer städtischen Verantwortung für Gesundheit, Teilhabe und Lebensqualität.

Vielen Dank!

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Schneider, AfD. Bitte schön!

Stadtverordneter Jens-Friedrich Schneider, AfD:

Sehr geehrter Vorsteher,

sehr geehrte Stadtverordnete!

Momentan ist es heiß in Deutschland. In anderen Teilen Europas und der Welt ist es sogar noch wärmer. Und viele deutsche Landsleute fahren in den nächsten Wochen dorthin in den Urlaub. Die Gefahr eines Hitzetods scheint sie nicht abzuhalten. Die Temperaturen, die wir aktuell hier erleben, sind in weiten Teilen der Welt sogar Normalität. Und in diesen Weltgegenden gibt es nicht etwa ein Massensterben, sondern meist ein stärkeres Bevölkerungswachstum als hierzulande. Sie wollen den Menschen mit Maßnahmen gegen die Hitze helfen. Dann liefert beispielsweise ein Blick nach Asien die Antwort: Klimaanlagen in Schulen, Klimaanlagen in Altersheimen, Klimaanlagen in Wohnungen. Doch das zerfällt an ideologischer Verbohrtheit. Klimaanlagen benötigen Strom. Und da Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen, ohne die es nicht geht, für Sie Teufelszeug ist, müssen Schüler und Lehrer, alte Menschen und deren Pflegekräfte eben weiter schwitzen. So sind Ihre Prioritäten.

Tatsächlich geht es ja auch um etwas anderes. Es geht vielmehr darum, das Grundrauschen einer Klima-Panikstimmung am Laufen zu halten. Warum? Um Rechtfertigungen für Heizungsgesetze mit Enteignungscharakter zu erfinden, um CO 2 -Abgaben zu rechtfertigen, um die massiven Subventionen von Wind- und Solarenergie zu rechtfertigen, die aber keine stabile Energieversorgung gewährleisten, siehe Blackout in Spanien. Oder um zum Beispiel zu rechtfertigen, dass in Hessen, in Grimms Märchenwald, dem Reinhardswald, uralte Bäume abgeholzt und Tausende Tonnen von Beton für Fundamente von Windkraftanlagen in den Wald gekippt werden. Rechtfertigungen müssen her, damit Frankfurter Bürger Fernwärmepreiserhöhungen von 30 Prozent schlucken und viele, die noch nicht betroffen sind, in ein paar Jahren, wo nötig, zwangsweise zu hohen Kosten noch angeschlossen werden.

Es geht um die Beschwörung einer Krise, die dann staatliche Eingriffsmöglichkeiten eröffnet, bei denen auch Grundrechte den Bürger nicht mehr schützen. Corona lässt grüßen. Wenn Sie den Menschen Hilfestellung gegen Hitze leisten wollen, dann sorgen Sie für Kühlung, die Technologie dafür existiert. Wenn Ihre Ideologie das nicht zulässt, dann lassen Sie die Menschen schwitzen. Aber bitte instrumentalisieren Sie die hohen Temperaturen nicht, um eine Panikstimmung zu erzeugen, mit der politische Irrwege gerechtfertigt werden sollen, für die es keine guten Rechtfertigungen gibt.

Vielen Dank!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Die vermutlich letzte Wortmeldung kommt von der Umweltdezernentin, Stadträtin Zapf-Rodriguez. Bitte schön!

Stadträtin Tina Zapf-Rodriguez:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Kolleg:innen,

lieber Herr Stadtverordnetenvorsteher!

Wenn man manchen Redebeiträgen hier so zuhört, hat man das Gefühl, vom Märchenwald in die Märchenstunde versetzt worden zu sein.

(Beifall)

Man braucht sich nur die Klimadiagramme über die letzten Jahrzehnte anzugucken, dann weiß man, dass die Klimakrise real ist und dass jeder vorzeitige Tod, wie Ihnen die Sozial- und Gesundheitsdezernentin bereits ausgeführt hat, einer zu viel ist. Vollkommen zu Recht wurde das von Kollegin Mehler-Würzbach angemerkt. Und ich glaube auch, dass wir noch viel zu tun haben. Nichtsdestotrotz möchte ich als Klimadezernentin darauf hinweisen, dass natürlich viel passiert und wir uns genau dieser Themen in den letzten Jahren intensiv angenommen haben in den verschiedenen Bereichen, die auch schon in der Antwort genannt worden sind.

Ich möchte kurz was zur Kühlung, insbesondere zu den Trinkbrunnen sagen. Das war ja auch in den letzten Tagen gerade bei der Hitze ein Thema. Da ist leider der eine oder andere Trinkbrunnen ausgefallen. Ich kann die gute Nachricht verkünden, dass inzwischen 23 der 24 Trinkbrunnen wieder in Betrieb sind. Die Trinkbrunnen haben leider auch unter der Hitze gelitten, die Batterien sind vorzeitig leer gewesen, aber jetzt funktionieren sie wieder. Dabei möchte ich auch ausräumen, was vorhin reingerufen worden ist, die Stadt baut nämlich Trinkbrunnen weiter aus.

Wir haben wie gesagt insgesamt 24 Trinkbrunnen in der ganzen Stadt: neun historische Brunnen, sieben Trinkbrunnen, die von der Mainova gebaut worden sind, und acht von der Stadt, gefördert auch vom Land. Ich möchte sie jetzt nicht alle einzeln aufzählen, aber sie befinden sich natürlich gerade in den Bereichen, wo keine Wohngebiete sind, in denen Tourist:innen und Gäste sowie wohnungslose und obdachlose Menschen unterwegs sind, die auf gerade solche Trinkbrunnen, auf kostenlose Wasserversorgung angewiesen sind.

(Beifall)

Und wir planen weitere Trinkbrunnen, so wie beispielsweise gerade an der Leipziger Straße ein neuer Trinkbrunnen geplant ist. Wir haben Wasserspielanlagen im ganzen Stadtgebiet. Die sind in den letzten Jahren Zug um Zug saniert worden. Wir haben zusätzlich jede Menge Matschspielplätze für Kinder und Familien, um sich auch da etwas abzukühlen.

Nebelduschen sind jetzt neu in Planung, da wird in den nächsten Wochen das erste Modell getestet werden. Also, auch an diesem Thema sind wir dran, sodass die Menschen sich wirklich abkühlen können. Gerade das ist total wichtig im Moment, in dieser aufgeheizten Situation.

Und natürlich Grünflächen, grüne Orte: Jedes Grün zählt hier an der Stelle. Vorhin wurde der Friedhof als kühler Ort ein bisschen belächelt. Friedhöfe sind wunderbare, kühle Oasen. Der Hauptfriedhof ist die größte Grünfläche, die wir in der Stadt haben, und auch ein wunderbar kühler Ort. Also ich finde das total richtig und wichtig, sich auch an solchen Orten abkühlen zu können.

(Beifall)

Und noch ein weiterer Punkt: Wir werden natürlich nach und nach die gerade aufgeheizten Stadtplätze, Stichwort Atzelbergplatz, umgestalten. An dem Thema klimaangepasste Stadtplatzgestaltung sind wir dran. Ich gebe Ihnen aber vollkommen recht, dass es nicht schnell genug geht. Da müssen wir eigentlich viel mehr Ressourcen hineinstecken, sodass wir noch viel schneller die Plätze umgestalten können. Das machen wir zum Teil gerade auch, wie gesagt, in der aufgeheizten Innenstadt. Der Goetheplatz ist jetzt so gut wie fertig, da müssen wir die Decke noch mal erneuern, nachdem da eine große Sportveranstaltung stattgefunden hat. Noch ein paar Ausbesserungsarbeiten, dann ist er aber so gut wie fertig.

Wir starten noch dieses Jahr mit dem Umbau des nächsten Platzes, des Rathenauplatzes. Auch da geht es voran: hellerer Belag, mehr Bäume, Staudenbeete, also auch an der Stelle mehr Grün in der Stadt. Sie haben es vielleicht mitbekommen: Kürzlich wurde der Platz an der Staufenmauer erneuert, mit Grünflächen und neuen Bäumen, und bis die Bäume groß gewachsen sind, um wirklich Schatten zu spenden, sind zwischenzeitlich Schirme aufgestellt worden. Das ist ein wirklich schöner Aufenthaltsort im Moment. Und wenn es eben noch nicht schnell genug geht, halte ich auch die grünen Zimmer für eine wichtige Investition, die wir gerade tätigen. Sie zeigen nämlich, dass man auch kurzfristig etwas gestalten kann. Sie sind eine Investition, aber ich finde, sie sind eine richtige und wichtige Investition, sodass man sich eben auch dort unter kühlem Grün aufhalten kann. Das bringt ein bisschen Aufenthaltsqualität auf die Plätze, die wir erst in den nächsten Jahren begrünen können. Das finde ich total wichtig.

(Beifall)

Damit will ich es jetzt erst einmal bewenden lassen. Herr Rosenbaum hat es vorhin schon gesagt: Wenn man alle Punkte aufzählen würde, würde es wahrscheinlich die Redezeit hier sprengen. Auch wenn ich jetzt theoretisch so lange reden dürfte, wie ich will, möchte ich es dabei belassen. Wir tun einiges, aber es gibt natürlich auch noch jede Menge zu tun. Wir haben es gestern erst gemerkt.

(Beifall)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 26. Juni 2025 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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