In der zweiteiligen Ausstellung „Benin. Die Sammlung im Weltkulturen Museum“ wurden und werden über 50 Objekte aus dem K
Zusammenfassung
Die Stadt Frankfurt beabsichtigt, transparent mit ihrem kolonialen Erbe umzugehen und hat bereits Schritte zur Provenienzforschung unternommen. Insbesondere wird die Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria in Erwägung gezogen, jedoch wird auf die Notwendigkeit gewartet, dass Nigeria auf die Stadt zukommt, um die Gespräche fortzusetzen.
Dies ist eine KI-generierte Zusammenfassung. Diese kann Fehler beinhalten.
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängiges Bürgerprojekt seit 2010. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
Thema Kultur verfolgenFrage an den Magistrat
In der zweiteiligen Ausstellung "Benin. Die Sammlung im Weltkulturen Museum" wurden und werden über 50 Objekte aus dem Königreich Benin präsentiert, die in der öffentlichen Debatte um die Restitution von Kulturgütern eine zentrale Rolle spielen. Die Ausstellung zeigte Einblicke in die Provenienzforschung, die untersuchte, unter welchen Umständen diese Objekte in die Sammlung des damaligen Völkermuseums gelangten.
Ich frage:
Wie geht Frankfurt mit seinem kolonialen Erbe um, insbesondere im Hinblick auf die Benin-Bronzen, und welche Schritte plant die Stadt, um künftig mit unrechtmäßig erworbenen Sammlungen verantwortungsvoll umzugehen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass andere Städte bereits ihre Benin-Bronzen restituiert haben?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Dr. Ina Hartwig:
Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Frau Stadtverordnete Mahn!
Es ist der Anspruch und zugleich ein zentrales Anliegen der Stadt Frankfurt, vollumfänglich über die Provenienzen der Kulturgüter in den Sammlungen und Archiven der städtischen Institutionen, Ämter und Museen informiert zu sein. Dieses Ideal gestaltet sich in seiner Umsetzung als langwieriger Prozess und wird seit Jahren im Rahmen von Forschungsprojekten, Ausstellungen und wissenschaftlichen Recherchen verfolgt. Schon im Jahr 2018 befassten sich vier Ausstellungen im Rahmen eines bisher einzigartigen Kooperationsprojekts unter dem Titel "Gekauft. Gesammelt. Geraubt?" im Historischen Museum, dem Jüdischen Museum, dem Museum Angewandte Kunst und dem Weltkulturen Museum mit dem Thema. Sie verfolgten das gemeinsame Ziel, der Öffentlichkeit zu vermitteln, welche herausragende Bedeutung die Herkunft der Objekte und die Provenienzforschung heute im Umgang mit Museumsgut haben.
Ermöglicht durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Etatantrag E 98 aus dem Jahr 2022, befassen sich derzeit das Museum der Weltkulturen und das Historische Museum gezielt im Rahmen von Projekten mit den Provenienzen von Kulturgütern aus kolonialem Kontext. Das Weltkulturen Museum praktiziert grundsätzlich einen transparenten Umgang mit jeglichen Sammlungen, nicht nur mit denen aus kolonialen Kontexten. Es erhält seit Jahren regelmäßig von Staaten und aus den Herkunftsgesellschaften der Sammlungen von den Kontinenten Afrika, Nord- und Südamerika, Ozeanien und Südostasien Anfragen zum Sammlungsbestand. Diese Anfragen wurden und werden alle individuell bearbeitet sowie zeitnah ausführlich beantwortet. Objektlisten und Angaben zum Erwerbskontext werden mit den Anfragenden offen geteilt.
In Bezug auf die Benin-Bronzen, nach denen Sie fragen, ist der Magistrat hinsichtlich der Objekte, die eindeutig aus einem Unrechtskontext stammen, der Empfehlung von Bund sowie Auswärtigem Amt gefolgt und hat dem Staat Nigeria eine Eigentumsübertragung angeboten. Nigeria hat in Deutschland seine Verhandlungen zunächst mit den Trägern der großen Benin-Sammlungen, das sind Berlin, Hamburg und Stuttgart, geführt. In seinen Informationsveranstaltungen bat das Auswärtige Amt die Träger kleiner Sammlungen um Verständnis dafür, dass Nigeria nicht mit allen gleichzeitig verhandeln kann. Da die Frankfurter Benin-Sammlung von den nigerianischen Stellen als ein vergleichsweise kleiner, kulturhistorisch weniger bedeutender Bestand angesehen wird, muss daher abgewartet werden, bis Gespräche und eine Sammlungssichtung gemeinsam mit Nigeria stattfinden können.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Es gibt eine Zusatzfrage von der Fragestellerin Frau Mahn. Bitte!
Stadtverordnete Mirrianne Mahn, ÖkoLinX-ELF:
(Zusatzfrage)
Sie sagen, wir sollen darauf warten, dass Nigeria auf uns zukommt. Wenn in diesem Fall die Provenienz, vor allem der Bronzen, die laut den Informationen des Weltkulturen Museums aus der Sammlung von William Ockelford Oldman stammen, und der Unrechtskontext sehr klar bewiesen sind, wäre es dann nicht eine Möglichkeit der Stadt Frankfurt, ihrer eigenen Verantwortung nachzugehen und ein Konzept der Rückgabe zu entwickeln? Gerade weil wir letztes Jahr als Deutschland im großen Stil zurückgegeben haben und auch genau wissen, dass diese Bronzen dem Königreich Benin zustehen. Die Adresse ist da. Was hindert uns daran, diese Objekte aus eigener Kraft an das Königreich Benin zurückzugeben?
Stadträtin Dr. Ina Hartwig:
(fortfahrend)
Zunächst einmal halte ich fest, dass im Rahmen der Ausstellung der Frankfurter Benin-Objekte die Herkunft erklärt werden konnte. Das ist das Ergebnis einer Forschung, die wir in Frankfurt betrieben haben. Das möchte ich einfach noch einmal unterstreichen. Das heißt, wir arbeiten daran, den Unrechtskontext aufzuarbeiten. Das ist mir und auch dem Museum wichtig.
Was den Umgang mit den Objekten angeht, da halten wir uns an die Empfehlungen des Bundes und des Auswärtigen Amtes. Wir würden nicht von uns aus ungesichert Objekte zurückgeben. Wir würden ehrlich gesagt in Probleme geraten, denn das muss gesichert stattfinden und kontextualisiert werden. Wir warten darauf, dass Nigeria auf uns zukommt. Wir sind dazu bereit und freuen uns auch auf den Austausch. Ich habe eben sehr deutlich gemacht, dass das Museum mit allen Herkunftsländern einen sehr regen Austausch führt. In diesem Jahr sind einige Gruppen aus den Herkunftsländern unserer Sammlung da gewesen. Das ist dem Haus sehr wichtig.
Ich möchte abschließend noch sagen, dass gerade dieser Austausch für die Vertreter der Herkunftsländer immer das Entscheidende ist. Es geht ihnen nicht unbedingt immer darum, die Objekte zurückzubekommen, sondern es geht darum, überhaupt anerkannt zu bekommen, dass es das Unrecht gegeben hat, und darüber in einen Austausch zu kommen. Das ist die Aufgabe des Museums, die es in meinen Augen vorbildlich erfüllt.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Es gibt eine zweite Zusatzfrage von Frau Korenke von der CDU.
Stadtverordnete Claudia Korenke, CDU:
(Zusatzfrage)
Frau Stadträtin, ich hatte in der letzten Plenarsitzung eine ähnliche Frage gestellt über den Bestand an fraglichen Objekten in der hiesigen Museumslandschaft und Sie hatten in der Antwort angekündigt, dass Sie an einem Gesamtüberblick bezüglich aller Objekte, die rechtlich fraglich sind, arbeiten. Wann ist mit diesem Überblick zu rechnen?
Stadträtin Dr. Ina Hartwig:
(fortfahrend)
Glücklicherweise betrifft diese Thematik nicht alle unsere Sammlungen. Da sind das Weltkulturen Museum und das Städel Museum natürlich besonders betroffen, das Museum für Moderne Kunst, MMK, weniger - es kommt immer darauf an, wann die Objekte erworben worden sind. Es ist generell so, dass die Erforschung der Wege, wie ein Objekt in die Sammlung gekommen ist, die Erforschung der Anschaffung, die Erforschung eines gegebenenfalls vorhandenen Unrechtskontextes langwierig und zum Teil auch schwierig ist. Was das Weltkulturen Museum angeht, ist beispielsweise auch das Archiv im Zweiten Weltkrieg weitgehend vernichtet worden. Das macht zum Beispiel die Erforschung sehr viel mühsamer.
Dafür braucht es kompetente Leute, die die Objekte erforschen. Das heißt, wir brauchen Manpower. Wir brauchen natürlich auch zusätzliches Geld. Ich glaube, wir sind hier in den letzten Jahren sehr gut weitergekommen, aber es gilt für Frankfurt wie für alle Städte in Deutschland, dass dies ein sehr langwieriges Projekt ist, alle Unrechtskontexte der gesamten städtischen Sammlung zu erarbeiten, aber wir sind dran.
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 5. Dezember 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.