Im Bereich des ehemaligen Campus Bockenheim der Goethe-Universität scheint Bewegung in die Entwicklung der Projekte geko
Zusammenfassung
Der Kulturcampus Bockenheim wird durch verschiedene Zwischennutzungen und Projekte weiterentwickelt, um leerstehende Gebäude zu aktivieren und kulturelle Einrichtungen zu fördern. Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, den Kulturcampus zu einem lebendigen Ort mit nationaler Strahlkraft zu gestalten, wobei die Eröffnung der Jüdischen Akademie und die Nutzung der Kunstbibliothek im Jahr 2025 im Fokus stehen.
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Thema Stadtplanung verfolgenFrage an den Magistrat
Im Bereich des ehemaligen Campus Bockenheim der Goethe-Universität scheint Bewegung in die Entwicklung der Projekte gekommen zu sein.
Ich frage daher den Magistrat:
Wie ist der aktuelle Sachstand der Planungen und Projektentwicklungen im Bereich des Kulturcampus Bockenheim?
Antwort des Magistrats
Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger:
Sehr geehrte Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Stadtverordnete Gebhardt!
Ich antworte wie folgt:
In den letzten Wochen und Monaten konnten mehrere Projekte des Gesamtkomplexes Kulturcampus entscheidend vorangebracht werden. Der Magistrat startet eine neue Phase von Zwischennutzungen auf dem Kulturcampus, ohne die langfristigen Entwicklungsziele infrage zu stellen. Ziel ist es, leer stehende Gebäude rasch wieder mit Leben zu füllen und ungenutzte Freiflächen zu aktivieren.
So nimmt die interimsweise Unterbringung der Schirn in der historischen Dondorf-Druckerei zunehmend Gestalt an und die Schadstoffsanierung schreitet voran. Der Abriss des Bauwerks ist abgewendet, mit den für die Druckerei engagierten Initiativen gibt es vielversprechende Gespräche über eine Zwischennutzung der nicht durch die Schirn benötigten Flächen. Die Nutzung soll im Mai 2025 beginnen.
In einem Dialogprozess konnte der Magistrat mit dem Land Hessen und der Goethe-Universität erreichen, dass auch die ehemalige Kunstbibliothek einer Zwischennutzung zugeführt werden kann. Angestrebt wird, dass das Land Hessen als Eigentümerin die Kunstbibliothek der städtischen Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, kurz KEG, zur Nutzung überlässt, bis das Gebäude an die ABG Frankfurt Holding übergeben wird. Diese Zwischennutzung ist ebenfalls ab Frühjahr 2025 geplant. Das Projekt Vision 31 wird vom Verein Offenes Haus der Kulturen, der zivilgesellschaftlichen Initiative Making Frankfurt, der Frankfurt University of Applied Sciences und dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt gemeinsam getragen und als erstes Projekt in Hessen von der Europäischen Union im Rahmen der Initiative New European Bauhaus gefördert. Im Bereich der ehemaligen Kunstbibliothek könnte sich zukünftig auch das in der Konzeption des Kulturcampus vorgesehene Zentrum der Künste mit Einrichtungen wie dem Frankfurt LAB etablieren.
Die aktuellen Gespräche mit dem Land Hessen über die Auslobung eines Architekturwettbewerbs für den Neubau der HfMDK gestalten sich konstruktiv, es zeichnen sich auch hier vielversprechende Szenarien ab. Aus Sicht des Magistrats ist der Kulturcampus weiterhin der richtige Standort für die Hochschule; die planungsrechtlichen Voraussetzungen und notwendigen Grundstückszuschnitte für einen Neubau sind vorhanden. Um die baurechtlichen Rahmenbedingungen verbindlich zu klären, wird derzeit eine Bauvoranfrage des Landes beraten.
Die Prüfungen, ob und wie sich das Juridicum im Bestand umnutzen und in die Planungen integrieren lässt, laufen zurzeit. Der Magistrat wird den Stadtverordneten berichten, sobald Ergebnisse vorliegen.
Im Zentrum des Kulturcampus beabsichtigt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Sanierung und Erweiterung ihres Museums. Die Umsetzung des Konzepts "Neues Senckenberg Museum Frankfurt" wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt aktuell erste Tranchen in Höhe von über zehn Millionen Euro für Maßnahmen zur Modernisierung und Erweiterung zur Verfügung.
Im Süden des Kulturcampusgebietes entsteht die Jüdische Akademie, die neben den bereits etablierten Bausteinen wie dem Senckenberg Museum, der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg und dem Bockenheimer Depot den Kulturcampus bereichern wird. Die Jüdische Akademie soll Ende 2025 eröffnet werden.
Aus den vorhandenen und im Werden begriffenen Bausteinen zeichnet sich bereits heute ein attraktives Bild des Kulturcampus ab. Dieses Bild kann und soll auf der Grundlage der ursprünglichen Strukturplanung in den nächsten Jahren mit neuen Institutionen und Akteur:innen an Kraft gewinnen. Neben den Um- und Neubauten spielt auch die Neubetrachtung und Umgestaltung der öffentlichen Räume eine zentrale Rolle, auf die der Magistrat deshalb einen besonderen Fokus richten wird. Es besteht die Chance, den Kulturcampus zu einem Ort mit mindestens nationaler Strahlkraft zu entwickeln.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Es gibt zwei Zusatzfragen. Die erste kommt von Frau Dr. Daniela Mehler-Würzbach und die zweite von Herrn Uli Baier.
Stadtverordnete Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Linke:
(Zusatzfrage)
Das klingt erst einmal ganz gut. "Zwischennutzung" und "nationale Strahlkraft" sind erst einmal große Visionen und Worte. Was mich ganz konkret interessieren würde: Wie weit sind denn die nötigen Flächentausche gediehen? Es gab ja 2021 eine Absprache zwischen Stadt und Land zu Flächentauschen und es geht da auch um die Fragen Neubau Adorno-Gymnasium und Zukunft Universitätsbibliothek für einen Neubau dort. Wie sind denn da gerade die Gesprächsstände zwischen Stadt und Land?
Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger:
(fortfahrend)
Stand jetzt, soll die Universitätsbibliothek dort bleiben, wo sie heute ist, nämlich in Bockenheim, was für mich eine gute Entscheidung ist, weil damit eine wichtige kulturelle Institution weiterhin im Zentrum von Bockenheim bleibt. Die Bibliothek wird sehr stark von der Öffentlichkeit, von der Bürgerschaft in Frankfurt genutzt und die U-Bahnlinie 4 soll verlängert werden - das ist ja bekannt, der Kollege Siefert ist gerade in intensiven Planungen - und nach der Verlängerung wird der Campus Westend nur eine U-Bahn-Station entfernt von der Bockenheimer Warte sein. Diese Distanz ist auch heute schon gut mit dem Fahrrad zu bewältigen. Auch der Campus Riedberg ist dann direkt an den Campus in Bockenheim angebunden, wo wir jetzt den Kulturcampus entwickeln, das heißt, der Flächentausch, den Sie eben angesprochen haben, ist unabhängig davon zu sehen und nicht relevant für die Entwicklung auf dem Kulturcampus.
Was wir momentan mit dem Land Hessen besprechen, ist die Frage, welche Flächen auf dem Kulturcampus beim Land Hessen verbleiben und welche an die ABG übergehen. Es gibt einen Vertrag aus 2011, einen Kaufvertrag, der zwischen der ABG und dem Land Hessen, Finanzministerium, geschlossen wurde. Dieser der sieht vor, dass die Flächen, die nicht vom Land benötigt werden, an die ABG übergeben werden sollen. Diese Flächenkulisse ist aber noch nicht abschließend definiert. Das hängt jetzt sehr stark davon ab, wie viel Fläche die HfMDK benötigt. Dazu haben wir die Bauvoranfrage vom Land Hessen eingereicht bekommen. Das ist für uns ein sehr wichtiges Signal, dass das Land Hessen diesen Standort auch als sehr wichtig betrachtet, denn er ist sehr gut erschlossen. Mehrere U-Bahnen halten direkt vor einem möglichen Standort der HfMDK - unserem Wunschstandort auf dem Campus in Bockenheim - und wenn wir diese Bauvoranfrage jetzt bearbeitet haben und den Bauvorbescheid an das Land Hessen übermitteln können, ist auch die Zeit reif, die klaren Grundstückszuschnitte im Campus Bockenheim entsprechend zu definieren.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Uli Baier. Sie haben das Wort!
Stadtverordneter Ulrich Baier, GRÜNE:
(Zusatzfrage)
Wann ist voraussichtlich mit den Ergebnissen zum Bestand des Juridicums zu rechnen?
Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger:
(fortfahrend)
Die Frage, wie wir das Juridicum umbauen können, wird momentan geprüft. Wir haben ein Gutachten über die ABG in Auftrag gegeben, die ein unabhängiges Gutachterbüro mit einer umfassenden Analyse des Gebäudes beauftragt hat. Es wird momentan untersucht: Wie ist die Betonstruktur, wie ist die Tragwerkstruktur, kann man mit der Statik weiterarbeiten, was ist mit der grundsätzlichen Erschließungsqualität des Gebäudes, wie umbaufähig ist das Gebäude? Das sind alles Fragen, die momentan bearbeitet werden. Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Halbjahr 2025 die Ergebnisse hier vorstellen können. Die Untersuchungen befinden sich momentan in einem relativ weit fortgeschrittenen Stadium, daher ist dieser Zeitpunkt, denke ich, auch sehr realistisch.
Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2821
Stadtverordneter Simon Witsch, SPD:
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Als Bockenheimer, der in unmittelbarer Umgebung des Kulturcampus wohnt, ist es mir ein persönliches Anliegen, dass die Entwicklung vorangeht. Deswegen freue ich mich ganz besonders, dass der Dezernent Marcus Gwechenberger eben über bemerkenswerte Fortschritte berichtet hat. Daran merkt man auch, dass es etwas Gutes hat, wenn in Stadt und Land Sozialdemokraten in der Regierung sind.
(Beifall)
Ich habe allerdings auch die Presseberichterstattung aufmerksam verfolgt. Deswegen ist noch eines wichtig zu unterstreichen: Der Kulturcampus wird kommen. Ich bin und wir sind sicher, dass er ein Erfolg für die Stadt und darüber hinaus sein wird. Hervorheben möchte ich die innovativen Zwischennutzungskonzepte, auf die der Stadtrat eben schon eingegangen ist und die der Magistrat auf den Weg gebracht hat. Statt wie andere auf polizeiliche Räumung und den Abriss von Gebäuden zu setzen, wagen wir nämlich den Schritt, die historische Dondorf-Druckerei jetzt mit der Schirn auszustatten und ihr damit auch noch zu neuem Gewicht in dieser Stadt zu verhelfen.
Auch die geplante Nutzung der ehemaligen Kunstbibliothek ist ein historisches Beispiel dafür, dass wir brachliegende Flächen sinnvoll beleben können. Besonders erfreulich sind die Fortschritte bei der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Mittlerweile haben wir von konstruktiven Gesprächen mit dem Land Hessen gehört, was den Architekturwettbewerb angeht. Dadurch bin ich optimistisch gestimmt. Allerdings bin ich auch Planungspolitiker. Daher möchte ich bei aller Begeisterung für die kulturellen Aspekte und die Zwischennutzung eines nicht vergessen: Der Kulturcampus ist ein Ort zum Leben. Die geplanten Wohnungen, insbesondere bei den gemeinschaftlichen Wohnungen, sind ein essenzieller Bestandteil dieses Projektes. Deswegen ist unsere Erwartungshaltung als Sozialdemokratie ganz klar: Land und Universität müssen diese Flächen endlich zeitnah für eine Entwicklung für den Wohnungsbau freigeben. Ein elementarer Punkt dabei ist natürlich das Juridicum. Sollten die Sanierung und die Umnutzung für Wohnzwecke ökonomisch und ökologisch vertretbar sein, dann, aber auch nur dann, sind wir für den Erhalt des Juridicums an dieser Stelle.
Abschließend möchte ich betonen: Zwischennutzungen sind ein wichtiger Schritt, aber unser Ziel muss es sein, die langfristige Vision des Kulturcampus zügig umzusetzen. Wir haben die einmalige Chance, einen Ort von nationaler Strahlkraft zu schaffen, der über die Grenzen Frankfurts hinaus eine einzigartige Mischung aus Kultur, Bildung und Wohnen ermöglicht, und statt in Schuldzuweisungen, die wir höchstwahrscheinlich gleich noch hören werden, warum das alles so lange gedauert hat, sollten wir die positiven Energien ...
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Kommen Sie bitte zum Schluss.
Stadtverordneter Simon Witsch, SPD:
(fortfahrend)
... aus den jüngsten Fortschritten mitnehmen und gemeinsam die Vision des Kulturcampus zügig umsetzen.
Danke schön!
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Die nächste Rednerin ist Frau Wollkopf von Volt. Bitte schön!
Stadtverordnete Britta Wollkopf, Volt:
Sehr geehrte Frau Vorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Vision des Kulturcampus ist fast 25 Jahre alt, 14 Jahre die ersten Planungen, und dennoch sind noch sehr, sehr viele entscheidende Fragen offen. Hintergrund ist vor allem die gemeinsame Zuständigkeit des Landes und der Stadt, aber auch die unterschiedlichen Interessen all der Akteure, die etwas zum Kulturcamps beitragen möchten. Es ist kein Geheimnis: Es stockt und einigen der zukünftigen Nutzer:innen fehlt die Zuversicht, aber auch die Idee, wie man das Projekt wieder auf Spur bringen könnte. Erfreulich sind hingegen, wie wir es vorhin auch schon gehört haben, die schon jetzt stattfindenden Zwischen- und Pioniernutzungen wie das offene Haus der Kulturen und die ada_kantine. Spannend klingen auch die vorliegenden Vorschläge für weitere Nutzungen. Positiv ist auch, dass einige Wohnungen entstanden sind, wenn auch ausgerechnet nicht die benötigten bezahlbaren Studierendenwohnungen. Was das Offene Haus der Kulturen mit Beharrlichkeit im Verbund mit anderen Akteuren aufgebaut hat, als Vision 2031 weiter vorantreibt, wird immer sichtbarer und hat nun noch das Label und die Förderung New European Bauhaus erhalten. Sie berichten sogar von freien Kapazitäten. Hier ist also buchstäblich und im übertragenen Sinne Raum, die Zwischen- und Pioniernutzung weiter auszubauen.
So erfreulich also diese Entwicklungen sind, so verworren ist das eigentliche Projekt. Insbesondere die HfMDK braucht dringend eine Perspektive. Wir müssen auch den Mut haben, uns zu fragen, ob es auch die Möglichkeit gibt, das Areal ohne die Hochschule weiterzuentwickeln, sollte nicht bald eine Lösung gefunden werden - natürlich nur dann, wenn der Hochschule an anderer Stelle in Frankfurt eine adäquate Perspektive zur Verfügung gestellt wird. Wir brauchen hier endlich eine Entscheidung. Es muss vorangehen. Der Hochschule fehlt langsam die Geduld. Wir müssen auch offen dafür sein, zu diskutieren, ob eine Konzentration auf einen Ort wirklich zwingend erforderlich ist, ob die Umsiedlung von Kulturinstitutionen, die teilweise oder komplette Auflösung von Kulturarten in der Fläche der Stadt, also im Gallus, Europaviertel, Ostend, Nordend, wirklich im Sinne einer Kultur für alle ist. Vielleicht sollten wir eher über gut verknüpfte Kulturcluster nachdenken, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Und wenn doch ein Ort aufgelöst wird, muss auch wirklich allen Beteiligten eine Perspektive gegeben werden, zum Beispiel auch der Freien Kunstakademie, die in der Diskussion zumindest in unserer Wahrnehmung bisher keine Rolle gespielt hat.
Wir haben in den letzten drei Jahren viele Gespräche geführt und letztlich kommen wir immer wieder zum Schluss, dass wir aktuell gar keine Einigung in Sachen Campus brauchen. Wir brauchen vor allen Dingen eine Einigung über den Prozess, also in welcher Reihenfolge welche Entscheidung von welchem Gremium getroffen wird. Wir müssen wieder ein verlässlicher Verhandlungs- und Kooperationspartner mit dem Land Hessen werden. Wobei ich da sagen muss, das hat sich vorhin schon ganz gut angehört. Hoffen wir, dass es auch so weitergeht und wir schnell vorankommen. Wenn man das festgelegt hat, dann kann man sich in der Sache streiten . .
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Kommen Sie bitte zum Schluss.
Stadtverordnete Britta Wollkopf, Volt:
(fortfahrend)
... muss aber entsprechend einem Fahrplan dann auch zu einer Entscheidung kommen.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Ihre Redezeit ist abgelaufen.
Stadtverordnete Britta Wollkopf, Volt:
(fortfahrend)
Keine Hängepartie mehr!
Danke!
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Der nächste Redner ist Herr Baier von den GRÜNEN. Bitte schön!
Stadtverordneter Ulrich Baier, GRÜNE:
Sehr geehrte Frau Vorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Leerstand ermöglicht es, innovative Nutzungskonzepte auszuprobieren. Die Kommune kann dafür aktiv zwischen Immobilienbesitzern und Initiativen vermitteln. Sie kann mehr Flächen und Möglichkeiten für Kunst und Kultur schaffen und Zwischennutzungen fördern - so unser Koalitionsvertrag. Marcus Gwechenberger hat sehr geschickt und erfolgreich Gespräche geführt und solche Zwischennutzungen ermöglicht - für Dondorf, Kunstbibliothek und Juridicum -, als Bausteine für unterwegs, wie er sagt, wenn das Hauptziel in weite Ferne rückt - ein Preis für dieses außerordentliche Engagement.
Priorität eins war freilich - und ist für uns noch immer - die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Dabei wurde der Kulturcampus immer von allen Partnerinstitutionen in einem gemeinsamen Raum der Begegnung als eine Einheit verstanden, in der sie sich ergänzen und stützen. Im Interesse dieser Einheit sollten in weitgehend gemeinsamen Nutzungen alle ihre jeweiligen Raumansprüche reduzieren, denn sonst ist das Gelände dort einfach zu klein, vor allem, wenn zudem auf 15 Prozent des Gesamtgeländes Wohnungen unterzubringen sind - für gemeinschaftliches Wohnen, Sozialwohnungen und Studierendenwohnungen.
Bekannt wurde, dass es im Juni zu einer Einigung zwischen Stadt und Land, mit dem Okay der Hochschule, kam. Für sie sollte zusätzlich - nach der Zwischennutzung durch die Schirn - auch das Dondorf-Gelände zumindest teilweise Baugrundstück werden. Danach war aber Sendepause. Die Einigung wurde wieder kassiert. Die vertraulichen Gespräche gehen weiter, sagte der Planungsdezernent noch vor ein paar Tagen und verweist heute auf Bauvoranfragen.
Frage eins: Warum hatte diese Einigung keinen Bestand? Beharrte ihr Präsident erneut auf einem zusammenhängenden Gebäude? Das ist ein verständlicher Wunsch, aber - im Interesse des Gesamtprojekts - ein Einzelinteresse. Trotz der Bauvoranfrage sagt jetzt der Präsident neuerdings, er will gar nicht mehr nach Bockenheim, auch nicht nach Offenbach. Er nennt jetzt andere Gelände, und zwar im Nord- und Ostend, auf die er freilich keinen Zugriff hat.
Frage zwei: Wenn der Geburtstagswunsch von Petra Roth - 80 Jahre - beim Ministerpräsidenten Rhein noch Gewicht hat und, wie ich annehme, auch bei der CDU-Partei und -Fraktion, dann ist die Hoffnung doch berechtigt, dass Boris Rhein jetzt ein Machtwort spricht und nicht erst im Sommer, wie der Planungsdezernent leise hofft.
Abschließend: Wir GRÜNE hatten den Etatantrag E 41 eingebracht, bei dem es um Gesprächsforen zu Zwischennutzungen des Juridicums ging. Dieses noch verfügbare Geld könnte doch nun für einen moderierten Prozess mit den an der Kunstbibliothek interessierten Nutzergruppen eingesetzt werden. Fazit: Ohne die Hochschule wäre der Kulturcampus amputiert ...
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Ihre Redezeit ist abgelaufen.
Stadtverordneter Ulrich Baier, GRÜNE:
(fortfahrend)
... das große Projekt als Torso gescheitert.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Die nächste Rednerin ist Frau Dr. Mehler-Würzbach von den Linken. Bitte schön!
Stadtverordnete Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Linke:
Werte Frau Vorsteherin,
werte Kolleg:innen!
Der Kulturcampus Bockenheim, einst Vision eines innovativen Quartiers, ist heute, wenn man ihn begeht, ein Ausdruck der politischen Mutlosigkeit und Blockade. 1999 wurde im Kulturvertrag zwischen Stadt und Land festgelegt, dass auf dem ehemaligen Universitätsgelände in Bockenheim ein Raum für Kultur, Wohnen und Gewerbe entstehen soll. Im Juni 2010 stellten die Stadt Frankfurt und das Land Hessen gemeinsam das Projekt Kulturcampus vor. Seit 2011 gibt es Planungsworkshops und Workshops und Workshops. Doch sonst ist nicht allzu viel auf dem Gelände passiert. 14 Jahre später sind Luxuswohnungen und Büros entstanden, es gibt sogar ein Hotel mit Hundewaschplatz. Eine Sozialwohnung allerdings wird man nicht finden, genauso wenig wie gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen.
Schon im Jahr 2014 erhielten sechs gemeinschaftliche und genossenschaftliche Projekte den Zuschlag für Flächen auf dem Campus. Wann sie loslegen können, steht aber immer noch nicht fest. Viele Wohnprojekte sind bereits abgesprungen. Kein Wunder, niemand kann jahrelang, jahrzehntelang auf Wohnraum warten. Wie kann man in einer Stadt wie Frankfurt, wo Wohnungsnot herrscht, ein solches Versäumnis rechtfertigen? Von den einst angekündigten Kultureinrichtungen ist bisher keine einzige auf dem Areal zu finden. Viele Jahre haben Stadt und Land in Sachen Kulturcampus nicht an einem Strang gezogen, mehr schlecht als recht zusammengearbeitet, stattdessen haben sie sich gegenseitig für den mangelnden Fortschritt die Schuld zugeschoben. Das langjährige Verfallen und Leerstehenlassen von Gebäuden im Bermudadreieck der Verantwortungslosigkeit sticht ins Auge und bleibt ein Skandal. Es sind viele Initiativen und Konzepte da. Sie warten nur auf die Umsetzung.
Ich möchte noch einmal ausdrücklich den Besetzer:innen der Dondorf-Druckerei und auch der Kunstbibliothek vom UFO-Kollektiv danken, die Druck gemacht haben, damit Leerstand nicht weiter geduldet wird. Ganz ehrlich: Ohne sie wäre es nicht vorangegangen. Nur so konnte ein Abriss mit Blick auf die Dondorf-Druckerei verhindert werden. Nur so kann jetzt auch eine Zwischennutzung der Kunstbibliothek geplant und angegangen werden. Es ist erfreulich zu hören, was der Planungsdezernent gerade erzählte, dass 2025 was passieren soll. Das ist allemal besser als Leerstand. Doch es bleiben viele Fragen. Viele sind eben schon erwähnt worden: Wird das Juridicum erhalten und in die künftigen Planungen einbezogen werden? Was ist der Plan für die HfMDK? Wie wird die Kunstbibliothek genutzt? Wie weit ist die Übernahme des Studierendenhauses? Es sind noch viele Fragezeichen da und zu beantworten.
Ich möchte noch sagen, Herr Gwechenberger, Marcus, wir mögen natürlich alle Kulturveranstaltungen und alle Beteiligten freuen sich auch immer wieder über eine neue Workshopeinladung, doch ganz ernsthaft: Es muss Schluss sein mit der Planlosigkeit, mit endlosen Workshops, den x-ten Gesprächspausen zwischen Stadt und Land oder Floskeln über konstruktiven Austausch. Die Frankfurter:innen verdienen Entscheidungen, einen verbindlichen Zeitplan, echte Zwischennutzung und eine sozialgerechte Ausrichtung. Es ist Zeit für einen lebendigen Kulturcampus für alle ohne weitere Verzögerung.
Vielen Dank!
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Zu guter Letzt möchte zu diesem Thema der Stadtrat Professor Dr. Gwechenberger reden. Bitte schön!
Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger:
Vielen Dank für die Beiträge zu dem Thema! Man merkt, dass das Thema Kulturcampus ein Thema ist, das nicht nur das Stadtparlament bewegt, sondern insgesamt viele Menschen in der Stadt, und dass eben hier ein Ort mitten in der Stadt vorhanden ist, der ein riesiges Potenzial für eine neuartige Form von Entwicklung hat und für neue Kombinationen von Nutzungen. Ich meinte das vorhin ernst mit dem Potenzial. Hier kann ein Ort entstehen, der wirklich mindestens deutschlandweit beachtet werden wird, weil wir hier neue Wege gehen wollen. Wir haben hier einen Transformationsprozess. Wir sind in einem Projekt, das 20 Jahre läuft. Wir wissen alle, dass da nicht alles gut gelaufen ist, dass wir aber jetzt die Chance haben, Dinge zu korrigieren und Dinge prozesshaft anzugehen, Bausteine anzusetzen und umzusetzen. Da sind wir gerade dabei, das habe ich vorhin schon erwähnt, daher wiederhole ich nicht alles. Das Allerwichtigste ist, dass wir eine gute Kooperation zwischen Stadt und Land hinbekommen. Da sind wir dran. Ich denke, dass die Belege, die wir jetzt für dieses Jahr vorlegen können, zeigen, dass es so ist. Wir haben die Dondorf-Druckerei innerhalb kürzester Zeit für die Schirn aktiviert. Wir haben es jetzt geschafft, dass die Kunstbibliothek innerhalb kürzester Zeit mit einer Kooperation mit dem Land entsprechend aktiviert wird, um hier eine Nutzung reinzubekommen. Ich finde, das sind zwei Beispiele, die zeigen, dass wir nicht nur allgemein Dinge zuschieben, sondern dass wir wirklich an gemeinsamen Lösungen arbeiten.
Was ich vorhin auch gesagt habe, das wichtige Thema an der Stelle ist die HfMDK. Wir wollen die HfMDK an dieser Stelle ermöglichen. Die Grundstücksgrößen sind aus unserer Sicht ausreichend. Wir haben eine wunderbare Erschließung an dieser Stelle. Wir haben mehrere U-Bahn-Stationen. Wir sind wunderbar angebunden, künftig auch an den Riedberg und auch an den Campus im Westend. Der Hintergrund ist, dass viele der Studierenden, die an der HfMDK studieren, zum Beispiel auch Mathematik auf Lehramt studieren. Die sind darauf angewiesen, dass sie eine gute Anbindung haben, auch an den Campus Riedberg und an den Campus Westend. Dieser Standort hier ist wunderbar dafür geeignet, diese Verbindung herzustellen, gerade für die Studierenden. Das ist das eine. Das Zweite ist, dass die Symbiose mit den anderen Institutionen hier stattfinden kann, mit dem Offenen Haus der Kulturen, mit dem Frankfurt LAB, mit dem Zentrum der Künste. Das sind alles Akteure, die heute schon dabei sind, die übrigens alle bei Vision 31 mitmachen. Das habe ich vorhin vergessen zu erwähnen: Bei Vision 31 gibt es Akteure, die das ganze Projekt tragen, aber mitmachen werden auch diejenigen, die künftig dort dauerhaft bleiben wollen, die, die ich eben genannt habe: Frankfurt LAB, Zentrum der Künste et cetera. Die werden dort testweise reingehen und schauen, wie sie diesen Ort aktivieren können. Diese Symbiose ist eigentlich die Idee des Kulturcampus. Dass verschiedene Institutionen sich vernetzen, ist ein wunderbarer Rahmen für die HfMDK an dieser Stelle. Es freut mich von daher, dass wir jetzt auch die Bauvoranfrage vorliegen haben. Eine Bauvoranfrage zeigt, dass da ein großes Interesse besteht, diesen Standort zu ermöglichen. Ich werde mit meiner Kollegin Ina Hartwig im engen Austausch bleiben und wir werden weiter daran arbeiten, dass wir hier die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Kulturcampus bieten.
Die Frage wurde eben angesprochen: Macht es Sinn, alles an einer Stelle zu konzentrieren? Das haben wir gar nicht vor. Wir haben vor, den Kulturcampus als einen Ort zu gestalten, wie ich ihn eben beschrieben habe. Das heißt aber nicht, dass alle anderen Kulturinstitutionen an anderen Stellen wegmüssen. Wir sind momentan noch dabei, beispielsweise den Gutleuthafen zu entwickeln, wo mit dem Milchsackareal ebenfalls ein Interim entstehen soll, wo wir neue Kulturorte schaffen. Auch in anderen Stadtteilen sind wir dabei, diesen Gedanken, kulturelle Orte als Orte der Gemeinschaft, als Mitte einer Gesellschaft mitzuplanen und mitzudenken, umzusetzen. Was wir am Kulturcampus im nächsten Schritt angehen möchten, ist die Gestaltung des öffentlichen Raums. Das werden wir angehen, sobald wir mit dem Land Hessen Klarheit darüber haben, wie genau der Städtebau für die Hochschule aussieht.
Was ich zum Schluss noch betonen möchte, ist das unglaubliche Engagement im Stadtteil, was wirklich bewundernswert ist. Das haben wir selten, dass bei einem Neubauprojekt, bei der Transformation die Nachbarschaft und der Stadtteil so engagiert dahintersteht, sich einsetzt, kämpft, mitarbeitet und zum Beispiel auch solche Dinge wie die ada_kantine mitträgt. Das ist ein wunderbares Projekt. Das zeigt, dass hier großes Engagement vorhanden ist. Das haben wir erkannt. Wir wollen eine gute Quartiersentwicklung. Wir arbeiten weiter daran, das alles zu ermöglichen. Gebt uns noch ein bisschen Zeit. Ich hoffe, dass wir möglichst bald im neuen Jahr mehr verkünden können.
Vielen Dank!
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 5. Dezember 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.