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Laut Ergebnissen der jährlich vom Stadtgesundheitsamt Offenbach durchgeführten Sprachtests vor Grundschulbeginn hat der

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Frage befasst sich mit dem Rückgang der Deutschkenntnisse bei Kindern mit Migrationsgeschichte in Frankfurt am Main. Es wird erwartet, dass der Magistrat Maßnahmen zur Verbesserung der Sprachkompetenz und zur Bekämpfung negativer Trends ergreift.

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Thema Schulen und Bildung verfolgen

Frage an den Magistrat

Laut Ergebnissen der jährlich vom Stadtgesundheitsamt Offenbach durchgeführten Sprachtests vor Grundschulbeginn hat der Anteil der Offenbacher Kinder mit Migrationsgeschichte, die im Jahr vor ihrer Einschulung fehlerfrei Deutsch sprechen, rapide abgenommen. Waren es 2015 noch 44 Prozent der Kinder, hatten 2018 nur noch 17 Prozent ausreichende Sprachkenntnisse. Da Sprachkenntnisse einen großen Einfluss auf die Startchancen und den weiteren schulischen Erfolg der Kinder haben, frage ich den Magistrat: Wie haben sich diese Zahlen in Frankfurt während der letzten fünf Jahre entwickelt, und wie gedenkt der Magistrat gegebenenfalls negativen Trends, wie dem in Offenbach festgestellten, entgegenzuwirken?

Antwort des Magistrats

Die Daten des Sprachscreenings bei der Einschulungsuntersuchung sind auch in Frankfurt am Main in 2018 und 2019 viel schlechter und beziehen sich ausschließlich auf Kinder mit Migrationshintergrund. Deutschkenntnisse 2015 2016 2017 2018 2019 fehlerfrei Deutsch 35,8 37,4 37,8 16,3 20,8 Das hat aber verschiedene Ursachen, die in der Interpretation der Daten eindeutig berücksichtigt werden müssen.

  1. Zunächst hat sich die Definitionsgrundlage des Migrationshintergrundes in den Jahren 2017/2018 geändert, ab wann ein Kind als Kind mit Migrationshintergrund definiert wird. In der Einschulungsperiode 2017/2018 wurde die Kiggs-Definition zu Grunde gelegt, dabei werden nur noch Kinder als Kinder mit Migrationshintergrund definiert, bei denen beide Elternteile ausländische Wurzeln haben oder das Kind selbst. Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund gelten nach dieser Definition oftmals als deutsche Kinder. Ein Jahr später 2018/2019 wurde die Definition des Statistischen Bundesamtes zu Grunde gelegt. Hier ist nur die Staatsbürgerschaft der Eltern relevant und die des Kindes selbst. Manche Kinder werden auch dort nicht als Kinder mit Migrationshintergrund eingruppiert. Daher wird in Frankfurt immer noch im Nachgang die bisher angewandte Ethnische Herkunft zusätzlich selbst berechnet, die neben den Herkunftsverhältnissen den Geburtsort, Staatsangehörigkeit von Eltern und Kind sowie Sprachverhältnisse zu Hause berücksichtigt, um einen Migrationshintergrund zu definieren. Wir haben dies in Frankfurt ausgewertet die Daten weichen von den vorgegebenen Definitionen des Landes teilweise erheblich ab.
  2. Wenn bei diesen eingruppierten Kindern als Kinder mit Migrationshintergrund als Erstsprache Deutsch angegeben wird und als Familiensprache ebenfalls deutsch, wird ebenso die Sprachkenntnis nicht erfasst seit 2018 und 2019 und demensprechend nicht schriftlich dokumentiert in dieser Variable. Das sind im Jahr 2018 966 Kinder, 22 Prozent der Fälle, und im Jahr 2019 1.225 Fälle, 28,2 Prozent der Fälle. Bei all diesen Kindern ist nicht schriftlich dokumentiert, ob sie deutsch fehlerfrei sprechen, weil ihre Erstsprache und Familiensprache Deutsch ist, trotz vorliegendem Migrationshintergrund. Es könnte angenommen werden, dass alle diese Kinder fehlerfrei deutsch sprechen, da ihre Erst- und Familiensprache Deutsch ist. Dies ist jedoch lediglich eine Interpretation, und nicht valide belegbar. Rechnet man diese Kinder zu den fehlerfrei deutschsprechenden Kindern mit Migrationshintergrund dazu, kommt man auf Werte wie in den Jahren 2017 und davor, 2018 = 34,8 Prozent, 2019 = 43,1 Prozent. Das heißt während bis zum Jahr 2017 noch bei allen Kindern mit Migrationshintergrund die Sprachkenntnis erfasst wurde, ist dies bei den Kindern mit Migrationshintergrund in den Jahren 2018 und 2019 nicht mehr der Fall. Bei vielen Kindern mit Migrationshintergrund wurde die Sprachkenntnis nicht dokumentiert, weil ihre Erstsprache sowie Familiensprache Deutsch ist. Diese fallen als Fälle, Daten, raus. Das heißt die schlechte Prozentzahl kommt auch dadurch zustande, dass die Deutschkenntnis dieser Kinder nicht schriftlich festgehalten ist. Ebenso kann festgehalten werden: Kinder mit Migrationshintergrund, deren Erstsprache und Familiensprache nicht Deutsch ist, können zu einem großen Anteil zu Schulbeginn nicht fehlerfrei deutsch sprechen, 2018 = fehlerfrei deutsch 16,3 Prozent; 2019 = fehlerfrei deutsch 20,8 Prozent. Auch die Ergebnisse des Frankfurter Integrations- und Diversitätsmonitorings sowie des Kindergesundheitsberichtes des Frankfurter Gesundheitsamtes verweisen darauf, dass im Zeitraum 2012 bis 2016 die Zahl beziehungsweise der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Frankfurt am Main mit Sprachauffälligkeiten und Förderbedarf in Deutsch tendenziell steigt. Kinder mit Migrationshintergrund weisen sowohl generell, insbesondere aber in der Sprachentwicklung, häufiger Entwicklungsauffälligkeiten auf, als Kinder ohne Migrationshintergrund. Dies zeigt sich auch in der steigenden Zahl an Kindern, die an einem durch das Land Hessen geförderten Vorlaufkurs zur Verbesserung der Deutschkenntnisse vor Schuleintritt teilnehmen. Die hohen Zahlen sind unter anderem auf die Migrationssituation 2015/16 zurückzuführen. Zudem ist eine differenzierte Betrachtung der Zahlen erforderlich, so zum Beispiel hinsichtlich des Geburtsortes inner- oder außerhalb Deutschlands beziehungsweise hinsichtlich des Zeitpunktes des Zuzugs. Generell zur Sprachförderung beziehungsweise zum Entgegenwirken negativer Trends im Bereich der deutschen Sprachkompetenz bei Vorschulkindern ist folgendes anzumerken: Die Zusammenhänge zwischen Sprachkompetenz der Kinder und Kindergartenbesuch sowie Kindergartenbesuchsdauer zeigen, dass ein früher Kindergarteneintritt und ein Ganztagsbesuch der Kita eindeutig positive Auswirkungen auf den deutschen Spracherwerb und die Sprachkompetenz haben. Die Stadt legt bei der Sprachbildung und Sprachförderung einen großen Fokus auf Übergänge zwischen Bildungsinstitutionen und im Besonderen auf den Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Dies ist besonders wichtig, da Bildungschancen und ein erfolgreicher Bildungsweg für Heranwachsende maßgeblich mit dem Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen verbunden sind und der versierte und flexible Umgang mit sprachlichen Kompetenzfeldern dazu beiträgt, dass die Bildungslaufbahnen erfolgreicher verlaufen. Studien belegen, dass die Mehrheit der Frankfurter Kinder und Jugendlichen mehrsprachig aufwächst. Dabei ist Mehrsprachigkeit jedoch nicht als Entwicklungsrisiko, sondern vielmehr als Bildungsvoraussetzung und Bildungsziel zu bewerten. Zu den unstrittigen Erkenntnissen aus Studien zählt, dass Mehrsprachigkeit in der Regel gelingt und Deutschkenntnisse wie auch Mehrsprachenfähigkeiten am leichtesten in den ersten Lebensjahren erworben werden können. Vorschulischen Sprach- und Bildungsangeboten ist daher Priorität einzuräumen. Insgesamt erfolgt Sprachbildung und -förderung in Frankfurter Kindertageseinrichtungen vorzugsweise alltagsintegriert. Vom Stadtschulamt der Stadt Frankfurt am Main werden für Kindertageseinrichtungen in Stadtbezirken mit verdichteten Problemlagen besondere finanzielle Mittel für zusätzliche Personalstunden zur Verfügung gestellt. Diese zusätzlichen Mittel des "Besonderen Förderauftrages" werden - je nach Bedarf in den Einrichtungen -häufig auch für sprachliche Bildung und -förderung eingesetzt. Im Kindergartenjahr 2018/2019, 01.08.2018 bis 31.07.2019, haben bei Kita Frankfurt 1.682 Kinder einen Kindergarten im letzten Jahr vor der Einschulung besucht. Kita Frankfurt betreut - von rund 13.000 Kindern - 5.005 Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache. Außerdem sind weitere 1.816 Kinder zweisprachig - deutsch und mindestens eine weitere - aufwachsende Kinder. Zusammen wären demnach 6.821 Kinder, die Kita Frankfurt derzeit betreut nachweislich mehrsprachig, wobei davon auszugehen ist, dass die tatsächliche Zahl noch deutlich höher liegt. Die frühe und umfassende Sprachförderung ist für Kita Frankfurt ein wichtiges Anliegen. Derzeit nehmen 18 Kinderzentren am Bundesprogramm "Sprach-Kitas" und 5 Kinderzentren am Projekt "Sprachbildung im interkulturellen Alltag - SiA" teil und für 2020 haben 47 Kinderzentren insgesamt 896 Kinder zum Landesprogramm Sprachförderung angemeldet. Seit 2014 besteht die Möglichkeit, das japanische Theater Kamishibai für die pädagogische Arbeit in der Kinder- und Jugendbibliothek, KiBi, der Stadtbücherei auszuleihen. Kamishibai gilt als gelungenes Instrument zur Sprachbildung und -förderung. Es eignet sich sowohl für ein erstes Annähern an die deutsche Sprache als auch für die allgemeine Sprachbildung aller Kinder. Die Broschüre "Kamishibai. Kleines Theater - große Wirkung" beschreibt übersichtlich alles Wissenswerte und gibt Tipps für die Durchführung. Die Broschüre wird vom Stadtschulamt kostenfrei an Frankfurter Fachkräfte ausgegeben. Seit 2018 wird das Projekt "Sprachförderprofis" von der Goethe-Universität Frankfurt mit Fördermitteln vom Stadtschulamt durchgeführt. Pädagogische Fachkräfte aus der Kindertagesstätte und Grundschullehrkräfte werden in vier bis sechs Fortbildungstagen zur Durchführung von Sprachdiagnostik und Sprachförderung in Groß- und Kleingruppen qualifiziert. Durch die entwickelten Qualitätsstandards wird die Fortsetzung der Fördermaßnahmen von dem Primar- in den Elementarbereich sichergestellt und eine durchgängige Sprachbildung realisiert. 2019 wurde die zweite Förderphase bis Ende 2022 durch das Stadtschulamt bewilligt. Die Fortbildung ist für die Fachkräfte kostenfrei. Seit einem Jahr tagt ein Arbeitskreis aus Trägervertreter*innen und Stadtschulamt zur Vernetzung und Austausch zum Thema sprachliche Bildung in Kindertageseinrichtungen. Trägerübergreifend kann gemeinsam die Qualität im Bereich sprachliche Bildung für die Frankfurter Kinder weiterentwickelt werden. Die Sprachbildungsprogramme des Amts für multikulturelle Angelegenheiten in Kooperation mit dem Eigenbetrieb Kita Frankfurt SiA - Sprachbildung im interkulturellen Alltag sowie Sprachentdecker in Kooperation mit der BHF-BANK-Stiftung und der Goethe-Universität greifen die Erfolgskriterien einer gelingenden Sprachbildung in Kita und Grundschule auf. Dazu zählen unter anderem die nachhaltige Qualifizierung der päd. Fach- und Lehrkräfte zu alltagsintegrierter Sprachbildung, die Förderung von Mehrsprachigkeit und die Bildungskooperation mit Eltern. Ein weiterer Erfolgsfaktor einer gelingenden Sprachbildung ist die Vernetzung der verschiedenen Sprachbildungsakteure sowie die Sensibilisierung für einen geweiteten (Sprach-) Bildungsbegriff. Hierzu wurde 2019 vom Dezernat XI unter Federführung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der kommunale Arbeitskreis Sprachbildung initiiert. Ziel ist es, in einem ersten Schritt die Vernetzung der kommunalen Akteure, die Förderung des Wissenstransfers, sowie die Entwicklung einer Website, die einen Überblick über Sprachbildungsangebote in der Stadt Frankfurt geben wird, zu etablieren. Im Rahmen des Programms Mama-lernt-Deutsch sowie der Moderation des Netzwerks der Träger von Integrationskursen und Migrationsberatungsstellen (Integrationskurse mit Kinderbetreuung, gefördert durch das BAMF) fördert das Amt für multikulturelle Angelegenheiten eine niederschwellige Kinderbetreuung als Brücke in frühzeitig greifende kommunale Betreuungsangebote. Eine kurzfristige, intensive Sprachförderung, die sich vor allem an geflüchtete Kinder wendet, organisiert das Stadtschulamt zusammen mit dem Land Hessen und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. In den Programmen "Innerstädtischer Deutschsommer" und "Deutsch als Bildungssprache" werden Sprachförderung, Kulturelle Bildung und Alltagsorientierung kombiniert. Auch das Projekt "Erzählzeit", welches das Theaterhaus Schützenhaus in allen Fechenheimer Kitas und Grundschulen durchführt, verfolgt ein ähnliches Ziel.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 20. Februar 2020 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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