Laut B 77/25 lag im Schuljahr 2024/2025 der Anteil der Kinder beim Übergang von der Grundschule in ein Gymnasium bei dur
Zusammenfassung
Die Bildungsdezernentin Sylvia Weber erläutert die Bildungswege im Frankfurter Westen und die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungsperspektiven für Kinder in dieser Region. Es wird betont, dass es verschiedene Wege zum Abitur gibt und dass die Infrastruktur ausgebaut wird, um den Kindern bessere Chancen zu bieten.
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Thema Schulen und Bildung verfolgenFrage an den Magistrat
Laut B 77/25 lag im Schuljahr 2024/2025 der Anteil der Kinder beim Übergang von der Grundschule in ein Gymnasium bei durchschnittlich 54,1 Prozent. Die Region "West" weist dabei mit 39,6 Prozent den geringsten Anteil von Schüler*innen auf. In Sossenheim waren es lediglich 36,8 Prozent. Beim Übergang von der Grundschule zur Hauptschule stellt die Bildungsregion "West" jedoch mit 7,6 Prozent mit Abstand den Spitzenwert.
Ich frage den Magistrat:
Wie erklärt sich der Magistrat diese Diskrepanz der Bildungsregion "West" bei den Bildungsübergängen gegenüber den anderen Regionen, und was gedenkt der Magistrat am Beispiel Sossenheim zu unternehmen, um den Kindern im Frankfurter Westen eine bessere Bildungsperspektive zu ermöglichen?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Sylvia Weber:
Danke schön!
Frau Vorsteherin,
Frau Stadtverordnete Pauli,
Frau Stadtverordnete Dalhoff!
Gestatten Sie mir, dass ich einen kleinen Nachtrag zur letzten Frage mache. Ich habe es gerade ausgezählt: Wir werden bis Ende des Jahres 22 von 50 Maßnahmen umgesetzt haben, das ist fast die Hälfte.
Jetzt aber zu der Frage der Bildungsgerechtigkeit: Vielen Dank für diese Frage, die ich natürlich gerne zum Anlass nehme, um ein paar grundsätzliche bildungspolitische Worte zum Frankfurter Westen zu sagen. Eingangs ist es mir wichtig, zu betonen, dass der Weg zum Abitur nicht nur über grundständige Gymnasien möglich ist, sondern über viele unterschiedliche Wege, zum Beispiel auch über den Besuch einer Sekundarstufe 1 oder einer Real- beziehungsweise einer Gesamtschule, an die sich dann der Besuch einer gymnasialen Oberstufe anschließt. Um es deutlich zu sagen: Die Anzahl der Gymnasien oder der gymnasialen Bildungsgänge in einer Bildungsregion lässt keine Rückschlüsse auf bessere Bildungsperspektiven zu. Ganz im Gegenteil: Wir wissen, dass grundständige Gymnasien im Durchschnitt ein Drittel ihrer Schüler:innenschaft auf dem Weg Richtung Oberstufe verlieren. Das ist auch an den Schulen zu erkennen, die diese Kinder auffangen müssen. Wir beobachten in Frankfurt schon seit Jahren - und nicht nur dort, sondern bundesweit -, dass die Realschulen in der fünften Klasse kaum nachgefragt sind, aber ab dem siebten Jahrgang randvoll sind. Die integrierten Gesamtschulen sind bereits ab der fünften Klasse voll, werden aber in der siebten Klasse noch voller. Deshalb stört mich an der Debatte um die Bildungsregion West, dass behauptet wird, dass die Kinder im Westen kein Gymnasium und deshalb schlechtere Bildungschancen hätten. Beides stimmt nicht, und ich will Ihnen auch erklären, warum.
Es gibt, wie oben erläutert, verschiedene Wege zum Abitur. Der Weg über eine Gesamtschule in die gymnasiale Oberstufe bietet zudem den Vorteil einer individuellen Förderung und einer größeren Unterstützung der Schüler:innen. Es ist also kein Zufall, dass von den Schüler:innen vieler Gesamtschulen ebenfalls zwei Drittel anschließend eine Oberstufe besuchen, auch wenn sie nicht mit einer Gymnasialempfehlung gekommen sind. Es müsste also nicht der Übergang von der Grundschule ins Gymnasium gezählt werden, um etwas Konkretes über die Aufstiegs- und Bildungschancen zu sagen, sondern es müsste die Anzahl der Schüler:innen gezählt werden, die am Ende das Abitur erreichen. Solche Zahlen liegen uns und auch dem Staatlichen Schulamt leider nicht vor.
Mit dem Schulverbund der Leibnizschule und der Helene-Lange-Schule in Kooperation mit dem Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst, das in diesem Jahr übrigens sein 50-jähriges Jubiläum feiert, haben wir ein bewährtes und vorbildliches gymnasiales Schulsystem und Kooperationsmodell im Frankfurter Westen, das sehr gut nachgefragt wird. Zurzeit besuchen 754 Schüler:innen das Friedrich-Dessauer-Gymnasium, welches damit das größte reine Oberstufengymnasium in Frankfurt ist. Zusätzlich bauen wir die Gymnasialkapazitäten im Westen aus. Mit dem letzten Schulentwicklungsplan haben Sie beschlossen, dass die Edith-Stein-Schule in Sossenheim - und Ihre Frage zielt ja auch auf Sossenheim ab - vier zusätzliche Gymnasialklassen bekommen soll - das bedeutet weitere 120 Gymnasialplätze pro Jahrgang. Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen hat diesen Plan inzwischen genehmigt. Darüber hinaus wissen wir, dass das überaus erfolgreiche Gymnasium Römerhof, das formal in der Bildungsregion Mitte angesiedelt ist, überdurchschnittlich viele Kinder aus der Bildungsregion West aufnimmt. Es gilt neben der Helene-Lange-Schule und der Leibnizschule gemeinhin als das Gymnasium für den Frankfurter Westen. So gesehen haben wir, wenn wir das Gymnasium Römerhof dazuzählen, im Frankfurter Westen ein Angebot von drei grundständigen Gymnasien, die natürlich auch zum Abitur führen.
Sie haben vielleicht der Presse entnommen, dass die Ludwig-Erhard-Schule in Unterliederbach ab dem kommenden Schuljahr eine gymnasiale Oberstufe erhält, was zur Folge hat, dass dort künftig die allgemeine Hochschulreife erworben werden kann und nicht nur, wie oft behauptet, das Fachabitur. Um dort einzusteigen, braucht man die Zulassung zum Gymnasium und anders als an der Fachoberschule, die die Ludwig-Erhard-Schule natürlich auch hat, können die Absolvent:innen nach dem Abitur alle Studiengänge studieren. Sie können also an der Ludwig-Erhard-Schule das Abitur machen und dann Sprachen, Philosophie oder was auch immer gewünscht wird, studieren, denn die Schule bietet eine allgemeine Hochschulreife. Der einzige Unterschied zu herkömmlichen Gymnasien liegt in dem Fokus Wirtschaft im Leistungskurs, das heißt, die Schüler:innen müssen das Fach Wirtschaft im Leistungskurs belegen. Wer später nicht studieren, sondern eine Ausbildung, bevorzugt im kaufmännischen Bereich, machen möchte, kann diese mit dem Abschluss um ein Jahr verkürzen. Ich finde, dass das eine großartige Aufwertung der Ludwig-Erhard-Schule ist, für die ich mich eingesetzt habe, und diese Aufwertung eröffnet weitere Wege zum Abitur im Frankfurter Westen.
Zu guter Letzt darf ich an den Schulcampus auf dem Fiat-Gelände erinnern, der an der Mainzer Landstraße geplant ist, wo eine Kita, ein Neubau für die Berthold-Otto-Schule und ein Neubau für die Georg-August-Zinn-Schule mit einer neuen, sechszügigen gymnasialen Oberstufe entstehen sollen. Das Projekt ist Teil der Schulbauoffensive und wird entsprechend realisiert. Ungeachtet dieser Aktivitäten habe ich Ihnen natürlich - Ihre Frage hatte ja etwas mit Zahlen zu tun - die Zahlen der letzten Übergänge von der vierten in die fünfte Klasse aus der Bildungsregion West mitgebracht:
Im Schuljahr 2024/25 gab es von den Grundschüler:innen im Frankfurter Westen insgesamt 427 Erstwünsche beim Übergang von der vierten in die fünfte Klasse in den Schulzweig Gymnasium. Diese verteilten sich wie folgt auf die weiterführenden Schulen in den verschiedenen Bildungsregionen: Wenig überraschend wechselte kein Kind in die Bildungsregion Nord. In der Bildungsregion Mitte-Nord sind vier Kinder angekommen, in der Bildungsregion Mitte 117 - da ist das Gymnasium Römerhof, an das allein 82 Kin-der gegangen sind -, in die Bildungsregion Ost wechselten drei Kinder, in die Bildungsregion Süd sieben Kinder, und die große Mehrheit blieb in der Bildungsregion West - es sind 296 Kinder auf die dortigen Gymnasien gegangen. Von einem Exodus aus der Bildungsregion West kann also keine Rede sein.
Insgesamt liegen in der Bildungsregion West neben den Übergängen zum Gymnasium und zur Hauptschule die Übergangsquoten von der Grundschule in integrierte Gesamtschulen bei 30,8 Prozent und in die Realschulen bei 21,7 Prozent. Das heißt, dass auch das Kinder sind, die in einem zweiten Schritt über eine gymnasiale Oberstufe das Abitur machen können. Die Übergangsquoten der beiden Grundschulen in Sossenheim - die Albrecht-Dürer-Schule und die Henri-Dunant-Schule, nach denen Sie gefragt haben - sind zusammengenommen wie folgt: Übergang an die Hauptschule 10,7 Prozent, an die Realschule 19,5 Prozent, 34 Prozent an die IGS und 35,8 Prozent an das Gymnasium - also entscheidet sich auch hier die Mehrheit der Familien für einen gymnasialen Bildungsgang. Ich antworte deshalb so ausführlich, weil ich deutlich machen will, dass mir der Frankfurter Westen sehr am Herzen liegt und dass der Magistrat viel Geld in die Hand nimmt, um die Infrastruktur dort auf einen guten Stand zu bringen. Es gibt ein breites und vielfältiges Angebot und viele Wege in Richtung Abitur, falls dieses als Ziel gewünscht ist. Auch ein Meister mit Berufserfahrung kann zum Beispiel ein Masterstudium absolvieren.
Mir geht es darum, einen neuen Blick auf alle Bildungswege zu werfen, und das machen wir mit unserem Projekt "Bildungskommune" - da sind wir gerade dabei, alle relevanten Daten zusammenzutragen, ein datenbasiertes Bildungsmanagement einzurichten und zu prüfen, wie wir allen Menschen von null bis 99 Jahren eine weitere Qualifizierung anbieten können. Meine Aufgabe als Bildungsdezernentin ist es, so viele Bildungswege wie möglich für alle Schüler:innen zu eröffnen, Zugänge zu erleichtern und die Infrastruktur zu verbessern. Es ist also kein Zufall, dass die Bildungsregion West der Fokus unserer Schulbauoffensive ist, und Sie können sicher sein, dass ich den Westen im Blick habe und auch weiterhin im Blick behalten werde.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Es gibt zwei Zusatzfragen. Die erste kommt von Frau Steinhardt von der CDU und die zweite von Herrn Brillante von ÖkoLinX-ELF. Bitte schön, Frau Steinhardt!
Stadtverordnete Sara Steinhardt, CDU:
(Zusatzfrage)
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Frau Weber, Sie haben jetzt ganz viele Möglichkeiten aufgezählt, aber die gibt es alle nicht. Die Edith-Stein-Schule ist noch nicht umgewandelt, am Bildungscampus auf dem Fiat-Gelände habe ich auch noch keinen Bagger gesehen und die Ludwig-Erhard-Schule ist letztendlich eine Oberstufe, nicht wahr? Das heißt, dass ein Kind, das in der Bildungsregion West von der vierten in die fünfte Klasse kommt, eigentlich nur den Schulverbund der Helene-Lange-Schule und der Leibnizschule zur Auswahl hat. Viel mehr gibt es nicht. Und wenn man von Sossenheim an das Gymnasium Römerhof pendeln möchte, dann viel Spaß! Von daher sehe ich jetzt nicht wirklich, wann das, was Sie aufgezeigt haben, passieren soll. Können Sie konkrete Maßnahmen oder konkrete Jahreszahlen nennen?
Stadträtin Sylvia Weber:
(fortfahrend)
Schauen Sie doch in unsere Schulbauoffensive, die Sie letztes Jahr beschlossen haben.
(Zurufe)
Da steht es drin. Für die Edith-Stein-Schule habe ich gerade das Geld für den Haushalt 2026 angemeldet und zumindest mündlich auch schon in Aussicht gestellt bekommen. Darüber entscheiden, was den Haushalt betrifft, müssen Sie letztendlich. Die Edith-Stein-Schule ist also in Arbeit, und das Fiat-Gelände ist ebenfalls für uns in der zweiten Staffel priorisiert. Nichtsdestotrotz gibt es wie gesagt drei grundständige Gymnasien, die zum Abitur führen, und ein solcher Schulverbund, wie wir ihn mit der Helene-Lange-Schule und dem Friedrich-Dessauer-Gymnasium haben, ist eine sehr gute Einrichtung, weil die Schüler:innen übergangslos oder ohne große Hürden in eine Oberstufe eintreten können, und das nehmen sie auch in Anspruch.
(Zurufe)
Im Gegenteil, ich habe schon viele Eltern und auch Schüler:innen gehört, die es ganz gut finden, dass sie die Schule später noch mal wechseln können, da auch nicht jeder in der Schule, in der er ist, so happy ist. Insofern besteht aus meiner Sicht kein Nachteil gegenüber einem grundständigen Gymnasium, das ein durchgängiges Angebot von der fünften Klasse bis zum Abitur hat.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Jetzt kommt die zweite Zusatzfrage, gestellt von Herrn Brillante von der ÖkoLinX-ELF-Fraktion. Bitte schön!
Stadtverordneter Luigi Brillante, ÖkoLinX-ELF:
(Zusatzfrage)
Sie haben gesagt, dass die Kinder in Frankfurt auch das Abitur erlangen können, ohne vorher auf ein Gymnasium zu gehen. Ich habe mehrere Anfragen gestellt und Druck gemacht, weil ich dazu Zahlen haben wollte, aber ich habe keine bekommen. Wie können Sie das behaupten oder warum werden die Zahlen nicht öffentlich gemacht?
Stadträtin Sylvia Weber:
(fortfahrend)
Ich habe eben gesagt, dass wir keine konkreten Zahlen haben, welche Kinder aus welcher Bildungsregion an welchen Schulen das Abitur machen, weil es sich dabei um eine Langzeitstudie handelt.
(Zurufe)
Die Zahlen haben wir nicht. Das ist eine Langzeitstudie, die vom Kultusminister und vom Staatlichen Schulamt nicht gemacht wird. Andernfalls müsste man die Schüler:innen nachverfolgen. Wir haben diese Zahlen nicht. Ich kann Ihnen heute nicht sagen, ob ein Kind, das in Sossenheim wohnt, das Abitur macht oder nicht. Was ich Ihnen sagen kann - und das habe ich darzustellen versucht -, sind die allgemeinen Zahlen, die man hat. Diese gelten natürlich bundesweit, aber auch für Frankfurt, denn wir haben auch ein Bildungsmonitoring, durch das wir wissen, dass auch aus den Gesamtschulen zwei Drittel der Kinder in eine Oberstufe gehen und das Abitur machen, auch wenn sie nicht mit einer Gymnasialempfehlung gekommen sind. Das ist auch die Erfahrung, die ich immer wieder von den Schulen höre. Das ist jetzt nicht in 100 Prozent der Fälle so, aber es ist ein Erfahrungswert, den ich wiedergeben kann, und für mich sind zwei Drittel trotz allem viel. Insofern ist das durchaus ein legitimer Weg, das Abitur zu machen. Er ist aus meiner Sicht sogar der bessere Weg, weil er in den unteren Jahrgängen mit individueller Förderung, Flexibilität und neuen pädagogischen Konzepten die Kinder gut unterstützt und sie auf ihrem Weg begleitet.
Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 3171
Stadtverordnete Ayse Zora Marie Dalhoff, Linke:
Lieber Herr Stadtverordnetenvorsteher,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Bildung ist nicht nur wichtig, nein, sie ist in vielerlei Hinsicht entscheidend für die weiteren Lebenswege und die gesellschaftliche Teilhabe. Viele Dinge wie Gesundheit, Lebenserwartung oder Einkommen stehen in Verbindung mit Bildung. Das ist auch der Grund, warum alle Expertinnen und Experten immer wieder Bildungsgerechtigkeit fordern. Nur haben wir diese nicht. Alle Statistiken der Stadt, Berichte zur Sozialintegration und sozialen Benachteiligung in Frankfurt oder die jüngst veröffentlichten Karten, die bei bestimmten Themen die Unterschiede in den Stadtteilen grafisch darstellen, zeigen dasselbe Bild: Bestimmte Stadtteile beziehungsweise ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind schlichtweg benachteiligt. So ist es auch bei dem Thema Bildung.
Woran liegt das? Warum ist das so? Ich glaube nicht, dass zum Beispiel die Kinder im Frankfurter Westen prinzipiell weniger geeignet sind, auf ein Gymnasium zu gehen, auch wenn wir als Linke natürlich auch die Schulform der IGS für grundlegend besser halten. Vielmehr werden hier im Zuge des dreigliedrigen Schulsystems Kinder aus bestimmten Stadtteilen von vornherein ausgesiebt. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Bildungsgerechtigkeit zu tun. Ich weiß, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildung beziehungsweise Bildungsbiografie sind genauso vielfältig wie die Dinge, die diese verhindern oder negativ beeinflussen können. Alles kann die Politik nicht steuern, aber bei den Ausgangslagen für eine erfolgreiche Bildung verdammt nochmal viel!
Was bedeutet das im Hinblick auf die Bildungsgerechtigkeit? Die finanziellen Ressourcen der Familien dürfen nicht über den Bildungserfolg der Kinder entscheiden. Alle Kinder brauchen dieselben Ausgangsbedingungen, um dieselben Bildungseinrichtungen zu besuchen. Wir brauchen mehr individuelle Förderung, damit alle Kinder erfolgreiche Bildungsbiografien erreichen können. Frau Weber, die Pläne, die Sie gerade in Ihrem Bericht genannt haben, sind vielversprechend. Ich hoffe, Sie werden sie wirklich zeitnah realisieren und umsetzen. Sorgen Sie, Frau Weber, dafür, dass immer mehr Kinder in Frankfurt die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Bildungsbiografie haben. Schaffen Sie endlich Bildungsgerechtigkeit in Ihrer Stadt!
Danke!
(Beifall)
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Gregor Amann:
Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Brillante von ÖkoLinX-ELF. Bitte!
Stadtverordneter Luigi Brillante, ÖkoLinX-ELF:
Herr Vorsteher,
meine Damen und Herren,
liebe Kollegen!
Vorab möchte ich mich bei der Fraktion Die Linke für die Frage bedanken. Sie geht auf eine Anfrage zurück, die von unserer Fraktion gestellt wurde. Es war nicht meine erste Vorlage zu diesem Thema. Sie wissen, die Diskriminierung im Bildungssystem beschäftigt mich seit Jahren, sogar seit Jahrzehnten. Vor elf Jahren, 2014, habe ich hier eine ähnliche Frage gestellt, sie lautete: "Im Westend wechseln fast alle Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule auf das Gymnasium. Gleichzeitig setzen in Fechenheim, Sossenheim oder Zeilsheim nur etwa 29 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler den Bildungsweg auf dem Gymnasium fort. Wie erklärt sich der Magistrat diese Diskrepanz?" Die damalige Bildungsdezernentin antwortete, dass Frankfurt Programme für mehr Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit geradezu vorbildlich installiert habe. Inzwischen wissen wir, dass die ganze Installation wenig gebracht hat. Eigentlich hätte die Dezernentin fairerweise antworten sollen, der Bildungserfolg der Kinder hängt nun mal in Deutschland und in Frankfurt vom Portemonnaie der Eltern ab. So einfach ist das. Das eigentliche Problem ist das deutsche Schulsystem, es ist obsolet. Man kann nicht Kinder nach vier Jahren im Alter von neun und zehn Jahren trennen. Die Eltern entscheiden natürlich. Lassen wir doch den Kindern mehr Zeit, dass sie selbst entscheiden, was sie in ihrem Leben machen wollen.
(Beifall)
Vielleicht würde das eine oder andere Kind aus dem Westend lieber Elektriker oder Klempner werden wollen, anstatt dass es von den Eltern gezwungen wird, seinen Doktor zu machen. Eltern wissen inzwischen, dass, wenn ein Kind nicht sofort aufs Gymnasium geht und dort Abitur macht, es sich a priori den Weg verbaut, einen akademischen Titel zu erlangen. Deswegen kann ich die Eltern verstehen und daher auch dieser Run auf das Gymnasium. Im Westend sind es wie gesagt fast 100 Prozent aller Kinder. Wenn wir uns die letzten Zahlen der Übergänge in Frankfurt einmal anschauen, dann sieht es so aus, dass die Übergänge zu 80 Prozent auf Gymnasien und integrierte Gesamtschulen erfolgt sind. Die Eltern, die ihre Kinder auf eine IGS schicken, machen das auch nur deswegen, weil sie auf dem Gymnasium keinen Platz bekommen. Ziehen wir doch Konsequenzen. Am liebsten wäre mir, wenn es in Frankfurt nur integrierte Gesamtschulen gäbe. Die Hauptschule wird überhaupt nicht nachgefragt und die Realschule hat auch keine Bedeutung.
(Zurufe)
Alle Eltern hätten gerne, dass ihre Kinder Abitur machen.
Vielen Dank!
(Beifall)
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Gregor Amann:
Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Wollkopf von der Volt-Fraktion. Bitte!
Stadtverordnete Britta Wollkopf, Volt:
Sehr geehrter Herr Vorsteher,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
Der Bericht B 77 aus 2025 liefert uns Zahlen, die wir leider so oder sehr ähnlich schon kennen. Auch in den Jahren zuvor war die Schere zwischen den Anmeldungen an Gymnasien aus verschiedenen Stadtteilen groß. Die Ergebnisse der geringer werdenden Anmeldezahlen, zum Beispiel im Frankfurter Westen, decken sich mit den Schwerpunkten zur Kinder- und Jugendarmut im Stadtgebiet, die im Rahmen des Sozialmonitorings 2024 erarbeitet wurden. Auch dort kristallisierten sich der Frankfurter Westen, Stadtteile im Nordwesten und im Osten Frankfurts als Gebiete mit hoher sozialer Benachteiligung heraus. Im Frankfurter Westen gab es besonders wenige Gymnasialanmeldungen. Diese Zahlen spiegeln zum einen die jahrzehntelange strukturelle Benachteiligung dieser Region mit Gymnasien wider. Das würde ich schon auch so sehen, dass da ein Zusammenhang herzustellen ist. Bis heute gibt es nur zwei Mittelstufengymnasien und ein Oberstufengymnasium. Das seit Langem für den Westen neu geplante Adorno-Gymnasium scheitert am geplanten Standort und ist jetzt innerstädtisch in der Miquelallee angesiedelt. Das heißt, viele Eltern, deren Kinder auf das Gymnasium gehen wollten, mussten schon immer die Kinder in andere Stadtteile zur Schule schicken, eine Situation, die Familien in anderen Stadtteilen mit besserer Ausstattung einfach erspart bleibt. Es ist deshalb verständlich, dass die Kinder dann an die vor Ort zur Verfügung stehenden Schulen gehen, aktuell kein grundständiges Gymnasium.
Aber neben diesen strukturellen Problemen spielt auch die eigene Bildungserfahrung der Eltern und des Umfeldes eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es ist kein Selbstläufer, dass ein Kind, das gute Noten schreibt, das allen gymnasialen Anforderungen gewachsen scheint, aber in einer Familie aufwächst, in der es keinen höheren Schul- oder Bildungsabschluss gibt, und das möglicherweise auch eingeschränkte Deutschkenntnisse hat, auf ein Gymnasium gehen wird. Da erscheint es hingegen fast schon absurd, dass in manchen Stadtteilen über 90 Prozent der Kinder nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln. Das zeigt die Fehlleitung des Versprechens, dass nur das Abitur auf einem grundständigen Gymnasium der Schlüssel zu einer gesicherten Zukunft sei. Da pflichte ich der Dezernentin bei. Die Realität heißt für viele Kinder, nach der fünften oder sechsten Klasse oder später auf eine andere Schulform zu wechseln, weil die Anforderungen zu hoch waren.
Um die Bildungsungerechtigkeit weiter abzubauen, sind wir also nicht unbedingt für mehr Gymnasien, sondern noch viel mehr für die stärkere Aufklärung über die vielen Möglichkeiten, aus allen Schulformen heraus einen erfolgversprechenden Schulabschluss machen zu können. Ein guter Realschulabschluss öffnet viele berufliche Möglichkeiten, aber auch das Abitur lässt sich auf vielfältige Weise ablegen und nachholen und erspart Kindern viel Frust in der Mittelstufe. Wir benötigen daher die Aufbereitung der Daten, aus welcher Mittelstufe heraus sich ein Kind aus seinem Umfeld entwickeln kann, damit wir nicht mehr isoliert Übertritte auf das Gymnasium bewerten, sondern tatsächlich erreichte Abschlüsse der gesamten Schullaufbahn vergleichen können, um zu sehen, welche Hilfen einem Kind aus welchem Umfeld geholfen haben, einen guten Abschluss zu machen. Diese Daten liegen uns zum Teil schon vor, müssen aber noch erweitert werden, zum Beispiel auf die Zeit nach der Schule, und sie müssen verknüpft werden. Das lässt sich datenschutzgerecht erreichen, davon sind wir überzeugt und dafür möchten wir uns einsetzen.
Vielen Dank!
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 30. April 2025 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.