Konzeption "Prävention legaler Drogen"
Zusammenfassung
Der Bericht des Magistrats zur Konzeption "Prävention legaler Drogen" zielt darauf ab, die Prävention und Frühintervention bei legalen Drogen und nicht stoffgebundenen Süchten zu verbessern. Durch verschiedene Programme und Maßnahmen sollen insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene erreicht werden, um Risiken zu minimieren und verantwortungsbewussten Konsum zu fördern.
Dies ist eine KI-generierte Zusammenfassung. Diese kann Fehler beinhalten.
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängig. Kostenlos. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
Thema Stadtplanung verfolgenBericht
Das Drogenreferat befasst sich seit seiner Gründung 1989 unter anderem mit der Analyse von Bedarfs- und Problemlagen sowie der Entwicklung und Implementierung von neuen Maßnahmen und Angeboten, zunächst ausschließlich in Bezug auf sogenannte illegale Drogen. Mit dem Stadtverordnetenbeschluss zum E 99/2010 (§ 7831 vom 25.3.2010) kamen 2010 auch die sogenannten legalen Drogen und Verhaltenssüchte dazu. Die Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen" ist eine kontinuierliche Aufgabe für das Drogenreferat mit dem Ziel, nach Möglichkeit sämtliche Zielgruppen mit Angeboten der Prävention und Frühintervention zu erreichen und Schaden zu minimieren ("Harm Reduction").
Legale Drogen - dazu gehören u. a. Alkohol, Tabak, Lachgas und E-Produkte - sind unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterverbreitet als illegale psychoaktive Substanzen. Alkohol ist bei Jugendlichen wie Erwachsenen die beliebteste Substanz, die das zentrale Nervensystem beeinflusst. Ergebnisse der von der Geschäftsstelle des Präventionsrates regelmäßig durchgeführten Testkäufe mit geschulten Jugendlichen zeigen, dass viele der getesteten Frankfurter Gewerbetreibenden Alkohol an Minderjährige abgeben. Die leichte Verfügbarkeit und Allgegenwärtigkeit von Alkohol in unserer Gesellschaft macht das Thema Alkohol damit zu einem Hauptanliegen in der Prävention und Beratung.
2024 wurde durch eine Neuregulierung auch Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen zur legalen Substanz, allerdings nur für volljährige Personen. Alkohol und Cannabis sind die beiden am häufigsten genannten Hauptprobleme, weshalb Beratungsstellen aufgesucht werden.
Auch weitere riskante, problematische und süchtige Konsumformen werden im Blick behalten, so etwa sogenannte nicht stoffgebundene Suchterkrankungen. Darunter werden Verhaltensbezogene Suchterkrankungen verstanden, die nicht an eine Substanz gebunden sind. Beispiele sind: pathologisches (Glücks-)Spielen oder Computerspielstörungen bzw. problematische Online-Aktivitäten von Kindern und jungen Menschen (z.B. "Social Media"), exzessives bzw. extremes Einkaufverhalten bis hin zu Kaufzwang oder zwanghaftes Sexualverhalten.
In der Prävention sind verschiedene Dialoggruppenansätze für Maßnahmen bekannt. Eine Einteilung in universelle, selektive, indizierte und umfeldbezogene Interventionen hat sich mittlerweile durchgesetzt. Auch der Ansatz der Verhaltens- und Verhältnisprävention wird genutzt. Im Folgenden werden die Dialog- bzw. Zielgruppen, auf die sich die verschiedenen Ansätze beziehen, näher beleuchtet.
Jede Maßnahme, die dabei hilft, in der allgemeinen Bevölkerung oder einer gesellschaftlichen Teilgruppe künftige Suchtprobleme zu verhindern, wird als "universelle" präventive Intervention bezeichnet. Hierzu gehören z.B. Schulprogramme zur Förderung der Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen. "Selektive" präventive Interventionen sind gezielt an Personen mit riskantem Verhalten oder Risikomerkmalen gerichtet. Hierzu zählen z. B. Kinder von alkoholkranken Eltern. Maßnahmen, die an Personen gerichtet sind, die bereits ein gefestigtes Risikoverhalten aufweisen, ohne dass bereits eine Abhängigkeit nach ICD-11 zu diagnostizieren wäre, fasst man als "indizierte" präventive Interventionen zusammen. Hierzu zählen z.B. junge Erwachsene, die am Wochenende wiederholt exzessiv Alkohol trinken. Selektive und indizierte Maßnahmen können mitunter auch als Frühinterventionen bezeichnet werden, d.h. sie haben das Ziel, die ersten Anzeichen eines problematischen Verhalts zu identifizieren, einen Handlungsbedarf abzuklären und Betroffene zu unterstützen.
Universelle, selektive, und indizierte Interventionen sind in der Regel verhaltenspräventiv ausgerichtet. Die Verhaltensprävention bezieht sich unmittelbar auf den einzelnen Menschen und dessen individuelles Verhalten. Hierunter fallen etwa Maßnahmen, welche die eigene Risikokompetenz stärken. Das Ziel dabei ist, persönliche Risikofaktoren und riskante Verhaltensweisen zur reduzieren. Die Verhältnisprävention dagegen zielt auf das Umfeld, so zum Beispiel auf die Lebens-, Schul- und Arbeitsverhältnisse von Personen.
Das Drogenreferat der Stadt Frankfurt berücksichtigt diese verschiedenen suchtpräventiven Ansätze in den Angeboten und orientiert sich dabei an den Europäischen Qualitätsstandards zur Suchtprävention des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction [1] . Gerade bei legalen Drogen und verhaltensbezogenen Problemen und nichtstofflichen Süchten ist ein Abstinenzziel oft unrealistisch, weswegen das suchtpräventive Konzept der Stadt Frankfurt vielmehr mit Methoden von "Harm Reduction" arbeitet. Menschen sollen dazu motiviert werden, risikoärmer und verantwortungsbewusst zu konsumieren. Exzessiver, problematischer Konsum und schädliche Folgen rücken bei diesem Ansatz in den Problemfokus.
Die Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen" beinhaltet eine Vielzahl von Projekten, Maßnahmen und Programmen, um unterschiedliche Dialoggruppen zu erreichen. An diesem "Policy Mix" sind verschiedene Trägervereine in Frankfurt am Main beteiligt. Im vom Drogenreferat geleiteten "Arbeitskreis Jugend und Suchtprävention" kooperieren alle Ämter und Einrichtungen, die in Frankfurt in der Suchtprävention, Frühintervention und Beratung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen tätig sind. Die aktuellen Projekte sowie Aktivitäten des Drogenreferats sind nachfolgend aufgeführt; der aktuelle Bericht umfasst dabei Daten von 2023 und (soweit vorliegend) aus dem Jahr 2024.
- Monitoring-System Drogentrends (MoSyD)
Grundlage für die Weiterentwicklung und Umsetzung von Konzepten sowie Maßnahmen und damit Basis unseres Handelns ist insbesondere im Bereich der Suchtprävention eine regelmäßige Sichtung und Bewertung wissenschaftlicher Untersuchungen. Nur so können Angebote auf Basis fundierter systematisch erarbeiteter wissenschaftlicher Erkenntnisse in Frankfurt schnell und bedarfsgerecht geschaffen beziehungsweise angepasst werden.
Finanziell gefördert durch das Drogenreferat erstellt das Centre for Drug Research an der Goethe-Universität Frankfurt seit 2002 jährlich die Drogentrendstudie MoSyD [2] . Im Juni 2024 wechselte der Studienleiter Dr. Bernd Werse mit der Ernennung zum Professor als Leiter an das Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Studie wird nun von dieser Hochschule weitergeführt. Ein zentrales Modul dabei ist eine repräsentative Schüler:innenbefragung, bei der ca. 1500 Jugendliche ab dem Alter von fünfzehn Jahren aller Schulformen zu ihrem Drogenkonsum und Freizeitverhalten befragt werden. Dank der engmaschigen Erhebung lässt sich differenziert beschreiben, welche legalen und illegalen Drogen Jugendliche in Frankfurt konsumieren, wie viele Jugendliche riskant mit Drogen umgehen und welche neuen Trends gerade beobachtbar sind. Da die Stadt Frankfurt diese Drogentrendstudie inzwischen seit mehr als zwanzig Jahren fördert, können auch mittel- und langfristige Trends dokumentiert und für die Arbeit genutzt werden.
Seit Beginn der Befragung im Jahr 2002 ist ein Anstieg des Alters beim Erstkonsum der beiden meistkonsumierten Drogen, Alkohol und Tabak, zu verzeichnen. Im Jahr 2023 liegt das Durchschnittsalter beim Erstkonsum von Alkohol bei 14,1 Jahren und ist damit insgesamt seit 2002 (12,9 Jahre) deutlich gestiegen. Das Alter beim Erstkonsum von Tabak liegt 2023 bei 14,6 Jahren. 2002 lag es bei 12,8 Jahren. Das heißt, Jugendliche probieren heutzutage deutlich später Alkohol und Tabak aus als noch vor 20 Jahren. Insgesamt zeigt sich über diesen Zeitraum ein deutlicher Rückgang im Konsum von Alkohol und Tabak. Dies trifft sowohl auf den Probierkonsum, als auch auf den regelmäßigen und intensiven Konsum zu. Gleichzeitig ist die Abstinenzrate in Bezug auf den Konsum legaler und illegaler Substanzen gestiegen. 2023 waren es 46 Prozent, die in den vergangenen 30 Tagen keinerlei Drogen konsumiert haben. 26 Prozent haben sogar noch nie legale oder illegale psychoaktive Substanzen konsumiert. Im Vergleich zum Beginn der Studie 2002 hat sich die Zahl der Abstinenten somit deutlich erhöht (2002: 30 Tage: 25 %; Lebenszeit: 6 %) Im Sinne der Suchtprävention sind diese Entwicklungen sehr zu begrüßen und können als Erfolg gesehen werden. Im Weiteren dienen diese und weitere MoSyD-Zahlen als Grundlage für die präventiven Aktivitäten des Drogenreferats.
2. Alkohol
Alkohol bleibt auch 2023 die mit Abstand am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz bei Jugendlichen, wenngleich der Anteil von Jugendlichen, die jemals im Leben Alkohol getrunken haben, seit einigen Jahren deutlich sinkt und in diesem Jahr sogar noch unter das historisch niedrige Niveau des ersten Pandemiejahres 2020 fällt. 64 Prozent der 15- bis 18-jährigen Schüler:innen haben nach der aktuellen Befragung mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken. Im Jahr 2023 gaben 45 Prozent der befragten Jugendlichen an, in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Der Anteil an Personen, die von Trunkenheit im letzten Monat berichten, ist unverändert bei 31 Prozent. Der Anteil der intensiv Konsumierenden ist 2023 auf ein Allzeittief gesunken (3 %).
247 Personen bis einschließlich 21 Jahre mussten 2024 medizinisch versorgt werden, weil sie stark alkoholintoxikiert waren. 75 Personen davon waren minderjährig. Im langjährigen Trend ist eine Abnahme der Einlieferungen in Krankenhäuser von jungen Menschen mit Alkoholintoxikation zu beobachten.
Alkoholintoxikationen bei Personen bis 21 Jahren im Jahresverlauf
(Quelle: Rettungsdienststatistik 2024, Branddirektion Stadt Frankfurt am Main)
Alkoholintoxikationen 2024 nach Alter
(Quelle: Rettungsdienststatistik 2024, Branddirektion Stadt Frankfurt am Main)
Um dem riskanten und exzessiven Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener wirksam zu begegnen, werden verschiedene Projekte umgesetzt. Zusammen mit den beteiligten Trägern prüft das Drogenreferat die folgenden Maßnahmen jährlich und trägt zur Fortschreibung und Weiterentwicklung bei.
Präventionsangebote Alkohol
Auf Grundlage der MoSyD-Zahlen und der Alkoholintoxikationsstatistik setzt das Drogenreferat in der Prävention einen besonderen Fokus auf das Thema Alkohol. Im Folgenden werden Angebote und Maßnahmen vorgestellt, die die Stadt Frankfurt für ihre Bürger:innen vorhält.
"Hart am Limit" (kurz: HaLT ) ist ein Alkoholpräventionsprogramm für Kinder und Jugendliche, das 2002 von Präventionsfachkräften der Villa Schöpflin gGmbH - Zentrum für Suchtprävention entwickelt wurde. Das Programm wird mittlerweile deutschlandweit an mehr als 150 Standorten in 14 Bundesländern umgesetzt. Die Stadt Frankfurt beteiligt sich bereits seit 2004 an dem Projekt. Es war von 2004 bis 2007 zunächst Bundesmodellprojekt und wird seither vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt für Frankfurt finanziert. Seit Juli 2019 wird das Projekt zusätzlich finanziert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des GKV-Bündnis für Gesundheit.
HaLT ist ein Mehrkomponentenprogramm, das verschiedene Zielgruppen anspricht, berät und informiert. HaLT reaktiv wendet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einem riskanten Alkoholkonsum, insbesondere nach einer Alkoholintoxikation und zählt somit zu dem indizierten Zielgruppenansatz. HaLT proaktiv - eine selektive Maßnahme - wendet sich an Jugendliche in Freizeitsettings und fordert die konsequente Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, z.B. bei Stadtfesten, Vereinsfeiern oder Zusammentreffen in der Öffentlichkeit. HaLT reaktiv wird in Frankfurt am Main von dem Verein Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. umgesetzt. Kern des Angebots sind sogenannte Brückengespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit einer Alkoholintoxikation ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Ergänzend wird ein Gespräch für deren Eltern angeboten. Seit 2012 wird eine Rufbereitschaft am Wochenende bereitgestellt. Seit 2019 wurden die Zugangswege zu HaLT erweitert. Hinweise zu den Beratungsmöglichkeiten des Projekts erfolgen nun auch über Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Ärzte und andere Einrichtungen. 2024 wurde das Angebot von 18 Jugendlichen und 11 Elternteilen wahrgenommen.
Sieben der zehn Krankenhäuser in Frankfurt am Main beteiligten sich im Berichtszeitraum an dem Projekt. Das freiwillige Angebot wurde gut angenommen. Neben Präsenzberatung wurde die Beratung über Video-Chat und Telefon etabliert.
HaLT proaktiv wird in Frankfurt seit 2013 von BASiS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V. umgesetzt. Bei Einsätzen in Parks, am Mainufer und an anderen öffentlichen Plätzen sowie durch Informationsstände in Partysettings wurden im Berichtszeitraum mehrere Hundert Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern, Multiplikator:innen und Gewerbetreibende erreicht, u.a. bei Workshops, Ständen auf Partys, Elternabenden und Kioskbesuchen. Die eingesetzten Peers (gleichaltrige Bezugsgruppe) v.a. im Partysetting bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu Information und Beratung, die zu einem risikobewussten Alkoholkonsum motivieren sollen.
Im Jahr 2015 wurde im Rahmen des HaLT -Projekts ein Gruppenangebot zum Thema Alkohol für Jugendliche und junge Erwachsene ins Leben gerufen, das seither meist auf Vermittlung der Jugendgerichtshilfe und anderen Institutionen vorgehalten und genutzt wird. AlFreD (Frühintervention bei erstauffälligem Alkoholkonsum) zählt somit zu den indizierten Maßnahmen. Es besteht aus einem einstündigen persönlichen Erstgespräch (Intake-Gespräch) in der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz, sowie einem sechsstündigen Kurs mit anderen Teilnehmer:innen. Neben Informationen rund um das Thema Alkohol bietet der Kurs Raum für Selbstreflexion, Motivationsaufbau, Austausch und Diskussion. Im Jahr 2023 fand aufgrund geringer Nachfrage kein Kurs statt. Die Inhalte wurden in Einzelgesprächen vermittelt.
Die Fachstelle Prävention führt im Bereich Alkoholsuchtprävention eine Reihe von interaktiven Workshops in Schulklassen durch. Allein beim speziell auf die Thematik zugeschnittenen Workshop Alkohol für Jugendliche ab der 7. Klasse wurden im Jahr 2024 fast 200 Schüler:innen erreicht. Alle Angebote der Fachstelle zusammengenommen erreichen jährlich über 5000 Personen. Hierzu sind im Bereich Alkohol z. B. auch die für Jugendliche ab der 9. Klasse konzipierten interaktiven Workshops und Aktionstage Check, wer fährt! zu nennen, die allein mehr als 1.000 Jugendliche erreichen. Die Aktionstage befassen sich mit den Risiken von Alkohol- und Drogenkonsum im Straßenverkehr. Des Weiteren wird mit KlarSicht ein Mitmachparcours und Arbeitskoffer für Jugendliche der 8. bis 10. Klasse angeboten, den Lehrkräfte anfragen können. Mit It's my party ergänzt BASiS e.V. das Angebot für Schulklassen um einen Workshop für Jugendliche ab der 8. Klasse, in dem eine kritische Auseinandersetzung mit Drogen gefördert wird. Dieser Workshop wurde 2023 von etwa 400 Schüler:innen besucht. Alle im Schulkontext umgesetzten Angebote sind zu den universellen Maßnahmen zu zählen.
Neben diesen Angeboten gibt es noch weitere Projekte in der Alkoholsuchtprävention, die außerhalb der Schule angesiedelt sind. HaLT und AlFreD wurden im Kontext der medizinisch-behandlungsbedürftigen Alkoholintoxikationen bereits erläutert. Darüber hinaus führt BASiS e.V. das Projekt Safe Party People durch, das szenenah arbeitet und sich mit Harm-Reduction-Materialien (zum Beispiel Cup-Kondome) und "Safer-Use"-Informationen zu Partydrogen und Alkohol an Partybesucher:innen richtet. Die von Safe Party People betreuten Veranstaltungen wurden 2023 von bis zu 4.000 Personen besucht. Dieses Angebot ist mit seiner Zielgruppe in der Partyszene als selektive Maßnahmen einzuordnen.
Für Eltern bietet die Fachstelle Prävention u.a. Elternabende zum Thema Alkohol- und Drogenkonsum an, darunter das Angebot Jugend und Rausch , eine universelle Maßnahme zur Alkoholprävention. Der angebotene Elternabend wird leider nur selten nachgefragt. Im Jahr 2023 konnten bei Elternabenden 45 Personen erreicht werden.
Mit ELSA hielt BASiS e. V. bislang eine selektive Maßnahme vor - eine Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen. Das Angebot wurde bis zur Mitte 2023 von 25 Ratsuchenden genutzt, dann eingestellt und durch die breiter aufgestellte DigiSucht-Online-Beratung abgelöst.
Das Projekt Kinder aus suchtbelasteten Familien der Fachstelle Prävention bildet als selektive Maßnahme eine Schnittstelle zwischen Eltern und Multiplikator:innen. Aus der Präventionsforschung ist bekannt, dass Kinder aus alkohol- und suchtbelasteten Familien ein statistisch 4- bis 6-fach erhöhtes Risiko aufweisen, im Verlauf ihres weiteren Lebens ebenfalls eine substanzbezogene Suchterkrankung zu entwickeln [3] . In einer umfeldbezogenen und somit verhältnispräventiven Maßnahme werden daher pädagogische Fachkräfte im Umgang mit Kindern von konsumierenden Eltern geschult. 2023 gab es für dieses Angebot keine Anfragen.
Weitere Angebote für Multiplikator:innen umfassen z. B. das Unterrichtsprogramm Eigenständig werden , eine universelle Maßnahme der Lebenskompetenzförderung für Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse. Diese wird als Schulung für pädagogische Fachkräfte von der Fachstelle Prävention angeboten. Hierbei sind Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltprävention sowie Persönlichkeitsentwicklung Themen. Das Angebot wurde 2023 von 14 Multiplikator:innen wahrgenommen.
Auch das universelle Alkoholplanspiel Tom & Lisa , das von der Villa Schöpflin entwickelt wurde, wird in Frankfurt durchgeführt. In einer "Train-the-Trainer"-Schulung befähigt die Fachstelle Prävention Lehrkräfte zur selbstständigen Durchführung des Planspiels. 2023 wurde das Angebot wenig nachgefragt, 6 Lehrkräfte nahmen es in Anspruch.
Mit MOVE (Motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen) bietet die Fachstelle Prävention Schulungen und individuelle Angebote für Multiplikator:innen an. Es handelt sich um eine selektive Maßnahme, die 2023 von insgesamt 41 Fachkräften besucht wurde.
Des Weiteren zählen die universelle Maßnahme einer Infothek für Fachkräfte und die verhältnispräventive Maßnahme der begleiteten schulischen Konsumvereinbarung zu den Angeboten der Fachstelle Prävention.
Ergänzt wird die Angebotspalette an Schulungen durch "Safer Nightlife" , die auch unter "NachtGestalten" firmieren, einem verhältnispräventiven Workshop von BASiS e.V., der speziell Clubpersonal anspricht, um es im Umgang mit konsumierenden Partybesucher:innen zu schulen. 2023 fand ein Crew+Staff Day statt, es wurden Mitarbeitende aus vier Clubs geschult.
3. Tabak und elektronische Zigaretten
Laut der MoSyD-Studie 2023 haben in den letzten 30 Tagen 23 Prozent der Frankfurter Jugendlichen Zigaretten geraucht. 10 Prozent rauchen täglich und 4 Prozent mehr als fünf Zigaretten am Tag. Insgesamt ist seit Erhebungsbeginn ein deutlicher Rückgang beim Tabakkonsum zu verzeichnen.
Die Verbreitung des Shishakonsums hat 2023 weiter abgenommen. Alle Prävalenzraten sind auf neue Tiefstwerte seit Erhebungsbeginn gesunken (Lebenszeit: 28 %; 30 Tage: 12 %). Insgesamt scheint die Shisha als Konsumform für Tabak weiter an Bedeutung zu verlieren.
Die seit 2014 gemessene Verbreitung von E-Zigaretten und anderen E-Produkten ist weiter gestiegen. 42 Prozent der 15- bis 18-Jährigen hatten 2023 Konsumerfahrung mit E-Produkten. Dabei wurden in den letzten 30 Tagen häufiger Produkte mit Nikotin (24 %) als ohne Nikotin (7 %) konsumiert. Eine zentrale Rolle spielen Einwegprodukte ("Disposables"): 18 Prozent aller Befragten haben im letzten Monat Einwegprodukte genutzt. 56 Prozent derer, die aktuell E-Zigaretten konsumieren, verwenden nur Einweggeräte. Nimmt man alle E-Produkte zusammen, "dampfen" 11 Prozent der Jugendlichen täglich. Damit liegt der Wert erstmals über dem Anteil der täglich Zigarette Rauchenden.
Ein weiterer Trend im Bereich Tabak war 2023 der Konsum von Chewing Bags, Nikotin-Pouches und Snus . Die kleinen, oral zu konsumierenden, meist nikotinhaltigen Beutel wurden von 19 Prozent der Befragten ausprobiert, von 6 Prozent auch in den vergangenen 30 Tagen - zumeist von denjenigen, die auch anderweitig Nikotin konsumierten.
Präventionsangebote Tabak
Im Workshop Tabak & E-Produkte der Fachstelle Prävention für Frankfurter Schulklassen ab der 6. Jahrgangsstufe spielen je nach Zielgruppe und thematischer Ausrichtung neben herkömmlichen Zigaretten die Themen E-Zigaretten, Shisha, Tabakerhitzer, Verdampfer und Chewing Bags eine Rolle. Gerade nikotinhaltige E-Produkte werden immer beliebter bei Jugendlichen; auch die Nachfrage nach Prävention im Bereich der E-Produkte steigt. 2023 haben 658 Schüler:innen an dem Workshop teilgenommen. Neben den Workshops sind seit 2020 auch digitale Veranstaltungen buchbar. Die Fachstelle Prävention berät und begleitet Schulen bei der Umsetzung einer Schulischen Konsumvereinbarung . Dort wird auch der Umgang mit Tabak- und E-Produkten geregelt.
Lachgas
Der Anteil der Befragten, die Erfahrungen mit Lachgas (Distickstoffmonoxid) haben, ist nach einem sprunghaften Anstieg 2021 und nochmals 2022 erstmals seit zwei Jahren wieder gesunken. Im Jahr 2023 gaben 14 Prozent der Befragten an, Lachgas mindestens einmal ausprobiert zu haben. Auch der Konsum in den vergangenen 30 Tagen liegt mit 3 Prozent wieder auf einem niedrigeren Niveau als noch in den beiden Vorjahren. Immerhin 3 Prozent der Befragten gelten als "erfahrene Konsument:innen", da sie mindestens zehnmal im Leben Lachgas konsumiert haben. Das psychoaktive Gas wurde jeder dritten befragten Person schon einmal angeboten.
Präventionsangebote Lachgas
Zu den Präventionsmaßnahmen im Bereich Lachgas zählten im Berichtszeitraum u.a. die Erweiterung des MoSyD-Fragenbogens um zusätzliche Lachgas-Fragen, vermehrte Öffentlichkeitsarbeit, die Beantwortung diverser Anfragen, die Erstellung eines Factsheets zu Lachgas, die Verbreitung von Wissen zu Lachgas über den Arbeitskreis Jugend und Suchtprävention sowie die Sensibilisierung und Schulung vieler relevanter Akteur:innen zu der Thematik (u.a. Präventions- und Beratungsfachkräfte sowie pädagogische Fachkräfte, Beratungslehrkräfte, städtische Ämter). Die Träger der Drogen- und Suchthilfe (zum Beispiel die Fachstelle Prävention des vae) erweiterten ihr verhaltenspräventives Angebot im Bereich schulischer Präventionsworkshops, Fortbildungen, Elternabende und digitales Informationsmaterial um die Thematik Lachgas. Weiter erstellte der Träger BASIS e.V. einen Informationsflyer zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Lachgas, der insbesondere für Konsumierende konzipiert ist. Außerdem ergriff BASIS e.V. im Rahmen des bereits beschriebenen HaLT-Projekts in Abstimmung mit dem Drogenreferat verhältnispräventive Maßnahmen, indem Mitarbeitende über 60 Lachgas-Händler:innen ( Kioske u. Ä.) in Frankfurt aufsuchten und für die Thematik sensibilisierten. Daraufhin sagten einige zu, Lachgas nicht länger an Jugendliche verkaufen zu wollen. Die Thematik Lachgas wird weiterhin in Gremien und Arbeitskreisen behandelt.
4. Neue Psychoaktive Substanzen (NPS)
Bis zum Jahresende 2022 führt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) mehr als 930 "Neue Psychoaktive Substanzen" (NPS) auf. Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) listet fünf Gruppen psychoaktiver Substanzen auf wie zum Beispiel Cannabinoidmimetika (synthetische Cannabinoide) und einige Benzodiazepine, die einem Verbot unterliegen. Viele weitere Stoffe sind jedoch noch nicht verboten.
Da es sich bei den NPS, die aktuell gehandelt werden, teilweise um hochpotente Substanzen mit erheblichen gesundheitlichen Risiken handelt, beobachtet das Drogenreferat die Entwicklung kontinuierlich. Seit 2020 kam es in Frankfurt und Umgebung immer wieder zu Meldungen über den Konsum von sogenanntem "Baller-CBD" bzw. "Django", einer Flüssigkeit zum Verdampfen in E-Zigaretten. Bei dem oft als vermeintlich legale Substanz auf dem Schwarzmarkt vertriebenen Produkt handelt es sich in Wirklichkeit um Liquids, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wurden.
Präventionsangebote NPS
Die Internetpräsenz www.legal-high-inhaltsstoffe.de von BASiS e.V. wird seit 2016 durch Zuschüsse vom Bundesministerium für Gesundheit, kommunalisierte Landesmittel und Zuwendungen des Drogenreferats finanziert. In den vergangenen Jahren wurden die Angebote (Information, Beratung, Substanzanalyse) des Projekts verstärkt genutzt. Es fanden 14 Multiplikator:innen-Schulungen statt und es wurden ca. 800 Beratungen durchgeführt. Mehr als 90 Prozent der Anfragen bezogen sich dabei auf "synthetische Cannabinoide" oder Liquids für Verdampfer. Zum Projekt gehören zudem Fortbildungen für Multiplikator:innen.
Medikamente
6 Prozent der 15- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler in Frankfurt am Main gaben im Jahr 2023 in der MoSyD-Studie an, schon einmal (nicht von Ärztinnen/Ärzten verschriebene) psychoaktiv wirkende Medikamente eingenommen zu haben, um sich zu berauschen oder Leistungen positiv zu beeinflussen, 3 Prozent auch in den letzten 30 Tagen. Die abgefragten Kategorien waren die vier Stoffgruppen Opioide, Benzodiazepine, Methylphenidat und Dextromethorphan.
Medikamentenkonsum ist somit ähnlich verbreitet wie in den Vorjahren. Am häufigsten wurden Dextromethorphan/DXM und Opioide (jeweils 4 %) ausprobiert, gefolgt von Methylphenidat (Ritalin(r)) und Benzodiazepinen mit jeweils 3 Prozent. Bei den Opioiden werden am häufigsten Tilidin und Codein, bei den Benzodiazepinen am häufigsten Alprazolam (Xanax(r)) genannt.
Präventionsangebote Medikamente
Im Arbeitskreis Jugend und Suchtprävention werden diese und weitere Themen aufgegriffen, wie zum Beispiel das "Spiking" in der Clubszene (das heimliche Verabreichen von Substanzen an andere Personen, etwa Alkohol oder GHB/GBL). Durch die Diskussion solcher und weiterer neuer Trends kann das Drogenreferat gemeinsam mit Trägern Angebote an die Bedarfe anpassen, neue Themen einbringen und zu Harm Reduction beitragen.
Cannabis
Cannabis war auch 2023, also noch vor der entsprechenden Gesetzesänderung, die am weitesten verbreitete illegale Droge unter Jugendlichen. 26 Prozent der 15- bis 18-Jährigen antworteten in der Befragung, mindestens einmal im Leben Marihuana und/oder Haschisch konsumiert zu haben. 10 Prozent der Schüler:innen gaben an, auch in den vergangenen 30 Tagen konsumiert zu haben und 3 Prozent mindestens zehnmal im vergangenen Monat. Jeweils 1 % der Jugendlichen konsumiert etwa einmal pro Woche, mehrmals pro Woche oder täglich Cannabis.
Alle drei aktuellen Cannabis-Prävalenzraten sind somit im Langzeitvergleich verhältnismäßig niedrig. Der Konsum in den zurückliegenden 30 Tagen erreicht sogar den niedrigsten Wert aller Erhebungen: Seit 2002 haben noch nie so wenige Schüler:innen im vergangenen Monat Cannabis konsumiert.
In den Jahren 2022 und 2023 war kurzzeitig auch das synthetische Cannabinoid HHC, das THC in der Wirkung ähnlich ist, legal in Deutschland erhältlich. 9 Prozent der Befragten haben mindestens einmal HHC konsumiert, 3 Prozent auch in den letzten 30 Tagen - zumeist jene, die auch andere Cannabis-Produkte nutzten.
11 Prozent der Befragten haben schon einmal CBD-Blüten bzw. -Harz (THC-freie Bestandteile von Cannabis) ausprobiert, 2 Prozent auch im letzten Monat.
Präventionsangebote Cannabis
Der Workshop Cannabis der Fachstelle Prävention wird von Schulen häufig angefragt. 2023 wurden 1.257 Schüler:innen erreicht. Hier werden den Teilnehmenden ab Klassenstufe 9 aktuelle Informationen über Cannabis vermittelt. Sehr konkret werden Konsumtrends, Wirkungsweisen und Risiken des Konsums aufgezeigt. Die Fachstelle Prävention bietet außerdem mit dem Format Drogen, Sucht und Prävention einen Workshop für Jugendliche ab 14 Jahren, der neben der aktiven Auseinandersetzung und Wissenserweiterung zu legalen und illegalen Drogen (also auch Cannabis) die Auseinandersetzung mit Konsumverhalten und der Wirkung und den Folgen von Konsum beinhaltet. Diesen Workshop besuchten 2023 1.152 Jugendliche.
Das Projekt Blended Counselling, Rauchmelder. Beratung. App. Community con BASiS ist ein App-Angebot mit begleitender Beratung an Cannabis konsumierende Jugendliche und junge Erwachsene in Frankfurt, die ihr Konsumverhalten reflektieren und verändern möchten. 2023 wurden 54 Beratungen durchgeführt und es gab 85 Neuanmeldungen in der App.
Die Jugend- und Drogenberatungsstellen in Frankfurt werden am häufigsten gebeten, zu Cannabis zu beraten. Cannabis-Ratsuchende stellen in den vier Frankfurter Jugend- und Drogenberatungsstellen zwischen 30 und 51 Prozent aller Ratsuchenden, bei jungen Menschen bis 21 Jahren sogar bis zu 94 Prozent. Besondere Frühinterventionsprojekte sind FreD (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumierenden) und CaBS (Casemanagement für cannabiskonsumierende Schülerinnen) , die beide von der Jugendberatungsstelle Am Merianplatz (JJ) durchgeführt werden. Hier werden junge Menschen mit problematischem Cannabiskonsum in einem Kurs bzw. im Einzelsetting, angeregt ihren Konsum zu reflektieren und zur Verhaltensänderung motiviert. Im Berichtszeitraum wurde das FreD-Angebot um eine digitalen Variante sowie ein Angebot für Multiplikator:innen und einen Kurs in einfacher Sprache erweitert. FreD erreichte 2023 insgesamt 65 Personen, CaBS wurde von 33 Personen genutzt, davon überwiegend Mehrfachkontakte.
5. Medienkonsum und -sucht
Die digitale Medienwelt und ihre Angebote entwickeln sich in großem Tempo weiter. Das Smartphone ist mittlerweile nicht nur zu einem vielseitig genutzten multifunktionellen Medium geworden (Telefon, Musik, Filme, Foto, Fotoalbum, Kommunikation, Suchmaschine etc.), sondern ist längst ein beliebtes Spiel(e)gerät. Dabei gibt es durch "In-App-Käufe" unter Einsatz virtueller Zahlungsmittel und Glücksspielwerbung innerhalb von Spielen inzwischen fließende Übergänge zwischen "Gaming" (Spielen) und "Gambling" (Glücksspiel) - gerade für junge Gaming-Konsumierende wird so ein einfacher Weg zum Glücksspiel geebnet. Neben negativen gesundheitlichen Konsequenzen exzessiven Spielens kann deshalb auch Verschuldung ein Thema sein. Um Trends erkennen und darauf reagieren zu können, ist das Drogenreferat Mitglied des Fachforums Mediensucht. Auch die wissenschaftliche Befragung MoSyD hat Medienkonsum im Blick.
Streaming und TV
Die befragten Schüler:innen verbringen durchschnittlich 24,1 Stunden pro Woche mit Fernsehen/Videos/Serien, wobei Schüler deutlich mehr Zeit dafür aufwenden als Schülerinnen. Streaming-Angebote/Pay TV (zum Beispiel Netflix) werden dazu am häufigsten genutzt, gefolgt von Mediatheken sowie Videos aus dem Internet (zum Beispiel YouTube). Klassisches Fernsehen nutzen weniger als die Hälfte der Jugendlichen.
Internet
Das Internet wird an einem Werktag im Schnitt etwas weniger als 1,5 Stunden für Kommunikation, eine knappe Stunde für Informationssuche und gut eine Stunde für sonstige Zwecke genutzt. Insgesamt nutzen die Schüler:innen also etwas weniger als dreieinhalb Stunden pro Werktag das Internet. Was soziale Medien und ähnliche Dienste betrifft, wird WhatsApp weiterhin am häufigsten täglich genutzt (90 %). Außerdem spielen Instagram (73 %), Snapchat (70 %) und TikTok (61 %) eine wichtige Rolle für die Jugendlichen. 63 Prozent der Befragten gaben an, öfter das Gefühl zu haben, sich länger als gewollt mit Onlineaktivitäten zu befassen.
Computerspiele
84 Prozent der Befragten spielen mindestens einmal im Monat Computerspiele, wobei mit 63 % am häufigsten das Smartphone dazu genutzt wird. Durchschnittlich spielten die Befragten 7,1 Stunden pro Woche. Männliche Jugendliche wenden mit elf Stunden dafür deutlich mehr Zeit auf als ihre Mitschülerinnen (3,3 Stunden). 47 Prozent der Befragten haben mindestens einmal echtes Geld beim Computerspielen ausgegeben, zum Beispiel für In-Game-Währungen oder für "Skins", die die Spieloptik verändern. Der Anteil derer, die Computerspiele intensiv (mehr als 20 Stunden pro Woche) spielen, liegt aktuell bei 11 Prozent.
Präventionsangebote Medien
Seit 2008 gehört die aus Mitteln des Drogenreferates der Stadt Frankfurt finanzierte Fachberatung für Verhaltenssucht am Merianplatz des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe als fester Bestandteil zur Jugendberatung und Suchthilfe. Die Fachberatung spricht Konsument:innen, Angehörige und Multiplikator:innen gleichermaßen an. Klient:innen wenden sich meist an die Beratungsstelle, weil sie ihr Verhalten in Bezug auf Medien, Sexualität oder Kaufen als problematisch erleben. Vermehrt kommen auch Angehörige in die Beratung, meistens Eltern, deren Kinder einen exzessiven Medienkonsum aufweisen. Den größten Anteil der Ratsuchenden bildeten männliche Konsumierende sowie weibliche Angehörige. Thematisch dominieren die Themen Computerspiele und Social Media. In den letzten Jahren haben sich die medialen Möglichkeiten stark ausgeweitet, weshalb sich oftmals die Themen der Beratung nicht mehr klar voneinander abgrenzen lassen. Die meisten Klient:innen suchen Beratungsstellen aufgrund von negativen Folgeerscheinungen von exzessivem Computerspiel auf. 2023 wurden 51 Personen beraten, auch hier gab es überwiegend Mehrfachkontakte.
Die Fachstelle Prävention des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe bietet seit 2010 im Rahmen des Projekts Digitale Medien im Kindesalter und Digitale Medien im Grundschulalter Fortbildungen für Erzieher:innen und Grundschullehrkräfte sowie Elternabende in Kitas und Grundschulen an. 2023 wurden 193 Fachkräfte erreicht.
Mit der JungenMedienJury, die von der Stadtbücherei organisiert wird, unterstützt das Drogenreferat seit 2009 ein Projekt zur Medienkompetenzförderung von 13- bis 16-Jährigen. Über 40 Jugendliche werden jährlich ausgewählt, Bücher, Serien, Comics/Mangas und Computerspiele zu diskutieren, zu bewerten und Siegertitel zu finden. Unter Begleitung von Jury-Betreuer:innen und fachkundigen Expert:innen aus der Gaming-Branche diskutieren und bewerten die vom Drogenreferat geförderten Jugendlichen im dialogischen Austausch Computerspiele. Auf diese Weise werden sie dazu angeregt, spielerisch ihren Konsum zu reflektieren.
6. Glücksspiel
Mindestens einmal wöchentlich beschäftigen sich 5 Prozent der befragten Jugendlichen mit Glücksspielen. Beliebt sind dabei Sportwetten sowie Onlinewetten/Internet-Glücksspiele und Poker oder andere Kartenspiele mit Geldeinsatz (jeweils 2 %). Der Anteil der Jugendlichen, der mindestens einmal wöchentlich Glücksspiele spielt, ist langfristig zurückgegangen. Männliche Jugendliche spielen nach wie vor weitaus häufiger als weibliche.
Präventionsangebote Glücksspiel
Das Drogenreferat hat in Kooperation mit der Evangelischen Suchtberatungsstelle im Jahr 2013 ein neues Angebot zur Frühintervention beim Glücksspiel installiert, den Fachdienst Frühintervention beim Glücksspiel . Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, die bereits ein riskantes Glücksspielverhalten aufweisen. Neben dem klassischen "Face-to-Face"-Kontakt werden auch telefonische und schriftliche Beratungen per E-Mail angeboten. Informationsveranstaltungen in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und anderen Institutionen gehören ebenso zur Angebotspalette. Insgesamt wurden 2023 110 junge Menschen beraten und weitere ca. 1.000 Schüler:innen bei Informationsveranstaltungen erreicht.
7. Sucht im Alter
Das Drogenreferat hat im Jahr 2013 gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt und Fachleuten der Sucht- und Altenhilfe eine Arbeitsgruppe gegründet, um Schulungen der Altenhilfe zum Thema Sucht im Alter zu entwickeln. Aus der Altenhilfe sind die Stiftung Waldmühle (Innere Mission), die Evangelische Suchtberatung und der Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe beteiligt. Die Arbeitsgruppe hat Schulungskonzepte für den ambulanten und stationären Bereich der Altenhilfe erarbeitet, die seit 2017 als Pilotprojekt in Einrichtungen erprobt wurden. Die Pilotphase wurde ausgewertet, in einem Bericht dokumentiert und als Grundlage genutzt, das Projekt fortzuführen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Hilfesysteme zu vernetzen. Im Jahr 2018 wurde das Projekt im Sozial - und Gesundheitsausschuss der Stadt Frankfurt am Main vorgestellt. Dabei wurde auch die gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt gestaltete Informationsbroschüre für Senior:innen und deren Angehörige mit Beratungs- und Hilfeangeboten ausgegeben. In den Pandemie-Jahren ab 2020 wurde das Projekt trotz erschwerter Zugänge auch zu den älteren Menschen im nicht-stationären Setting fortgeführt und um Online-Angebote erweitert. Auch eine telefonische Sprechstunde und eine offene Sprechstunde "vor Ort" wurden etabliert.
Informationsplattformen
Frankfurter Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen können sich digital über die bundesweite Plattform DigiSucht beraten lassen. Die Onlineberatung zu allen Fragen rund um die Themen Drogen, Sucht, Substanzkonsum, Glücksspiel und Medienkonsum ist anonym und kostenfrei. In Frankfurt führen die Träger Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. und BASIS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V. die Beratung durch. Letztgenannter Träger bietet ebenfalls einen anonymen telefonischen Drogennotruf an.
Unter der Überschrift "Souverän und selbstbestimmt - Wissen ist die beste Prävention" finden Jugendliche und Eltern auf der Informationsplattform www.be-u.info des Drogenreferats vielfältige Informationen, Selbsttests, Tipps und Hilfestellungen zu psychoaktiven Substanzen und nicht-stofflichem Risikoverhalten. BE.U! will durch sachliche Informationen ein Risikobewusstsein schaffen und jungen Menschen dabei helfen, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Das Drogenreferat hat die Webseite neugestaltet, für Suchmaschinen optimiert und 2020 durch eine eigene Seite für Multiplikatoren ergänzt. Fortlaufend werden die Inhalte der Webseite aktualisiert.
Seit dem Jahr 2000 informiert die Kampagne Check, wer fährt! des Drogenreferats Fahranfänger:innen über die Risiken des Alkoholkonsums und den Gebrauch psychoaktiver Substanzen im Straßenverkehr. Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne ist neben der von der Fachstelle Prävention durchgeführten alljährlichen Schultour mit Interaktionsmöglichkeiten für Schulklassen auch die Webseite mit ihren vielfältigen Informationen zur Thematik und eigenen Portalen für Jugendliche und Lehrkräfte.
Übersicht: Träger der Präventions- und Beratungsarbeit legale Drogen
Im vorliegenden Bericht wurden die wichtigsten Angebote aus dem Bereich Prävention und Beratung legaler Drogen vorgestellt. In unterschiedlichem Ausmaß und mit verschiedenen Schwerpunkten waren im Berichtszeitraum in Frankfurt folgende durch das Drogenreferat geförderten Träger zum Thema Prävention und Beratung legaler Drogen tätig:
- BASiS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V.
- Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach
- Guttemplerverein
- Innere Mission - Stiftung Waldmühle
- Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.
- Therapieverbund Hessen gGmbH
- Verein Arbeits- und Erziehungshilfe e.V.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Der Weg dieser Vorlage
Am 26. Mai 2025 veröffentlichte der Magistrat diesen Bericht. Sie geht auf E 99 zurück — Etatantrag von GRÜNE, beschlossen am 19. Februar 2010. In einer Sitzung wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf1 Beratung
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, Linke, FDP, BFF-BIG, AfD und Volt Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Kenntnis)