Überschwemmungen in Frankfurt Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-Enkheim
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Stellungnahme des Magistrats vom 23.09.2016, ST 1302
Betreff: Überschwemmungen in Frankfurt Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-Enkheim Die Ursache für die am 12.06. und 14.06.2016 in Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-Enkheim aufgetretenen Überflutungen waren die außergewöhnlich starken Regenfälle. An dem Regenmesser Bergen-Enkheim (Standort am Volkshaus Enkheim) wurde z. B. gemäß den Aufzeichnungen der Stadtentwässerung Frankfurt am Main (SEF) am 12.06. eine Regenhöhe von ca. 77 mm innerhalb von 4 Stunden registriert. Dies entspricht einem Regenereignis, das im statistischen Mittel alle 100 Jahre einmal eintritt. In den genannten Stadtteilen wurden großteils ähnlich starke Regen registriert. Diese Ereignisse liegen weit über den für die Bemessung der Kanalisation nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik maßgebenden Regenereignissen. Das Kanalnetz ist bestimmungsgemäß nicht in der Lage, derartige Wassermassen abzuleiten. Es kommt einerseits zu einem Rückstau in der Kanalisation verbunden mit Austritt von Abwasser aus den Schächten. Andererseits sind die Sinkkästen nicht in der Lage, die Wassermengen zu fassen und in das Kanalnetz abzuleiten. Die hydraulische Leistungsfähigkeit der Kanalnetze von Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-Enkheim wurde anhand von Niederschlag-Abflussmessungen im Jahr 2010 überprüft. Dabei wurde das Abflussverhalten bei Regen mit Sensoren im Kanalnetz aufgezeichnet. Das so kalibrierte Kanalnetzmodell wurde im Rahmen einer Bemessungssimulation mit so genannten Berechnungsregen beaufschlagt. Das Ergebnis dieser Rechenläufe ist, dass das Kanalnetz in den genannten Stadtteilen im Wesentlichen den Anforderungen gemäß den Regeln der Entwässerungstechnik entspricht. Lediglich an einigen wenigen Schächten in der Vilbeler Landstraße im Bereich Taschnerstraße und Wilhelmshöher Straße, im IG Seckbach und in der Heinz-Herbert-Karry-Straße tritt beim Bemessungsregen rechnerisch Abwasser aus. Es läuft auf der Straße ab und wird durch weiter unterhalb liegende Straßensinkkästen schadlos wieder dem Kanal zugeleitet. In den genannten Stadtteilen besitzt das Kanalnetz eine Reihe von Stau- und Entlastungsanlagen wie Regenüberlaufbecken (RÜB), Regenrückhaltebecken (RRB), Regenrückhaltekanäle (RRK) und Stauraumkanäle (SK): RÜB und RRB Volkshaus Enkheim RRK Marktstraße RRK Im Wickengarten RRB Im Rosenträger RRK Gelastraße RRB Hessen Center SK Rangenbergstraße Diese Stau- und Entlastungsanlagen sind jeweils am Ende eines Einzugsgebiets von Kanälen in mehreren Straßen angeordnet. Es wird aus Platzgründen darauf verzichtet, alle diese Straßen aufzuzählen. Ein Mittel, um den Regenwasserabfluss aus den bebauten Liegenschaften zu reduzieren, ist die gezielte Regenwasserbewirtschaftung auf den Grundstücken. Diese Systeme vermindern - zumindest für Regen bis zu einer Jährlichkeit von etwa 10 Jahren - deutlich die Belastung der öffentlichen Kanalisation. Die Frage nach den "Jahrhundert Ereignissen an Regen" kann erst nach einem kleinen Ausflug in die Statistik beantwortet werden. 100-jährliche Ereignisse (Jahrhundertregen) treten definitionsgemäß nicht regelmäßig mit einer Wiederkehrzeit von genau 100 Jahren, sondern zufällig und nur im statistischen Mittel alle 100 Jahre einmal auf. Die Eingrenzung "im statistischen Mittel" impliziert, dass sich diese Ereignisse auch mit kürzeren aber auch längeren Wiederkehrzeiten wiederholen können. Eine statistische Auswertung besagt, dass sich 20 % der hundertjährlichen Ereignisse innerhalb von weniger als 25 Jahren wiederholen, wiewohl sich ebenfalls 20 % dieser Ereignisse erst nach mehr als 160 Jahren wiederholen. Bezogen auf eine Generation mit einem Erfahrungsraum von zum Beispiel 70 Jahren bedeutet dies, dass 50 % dieser Generation damit rechnen müssen, mindestens einmal von einem hundertjährlichen Ereignis betroffen zu werden, 16 % der Generation (d.h. ein Drittel der einmal Betroffenen) sogar mehrfach. Allerdings haben 50 % der betrachteten Generation die Wahrscheinlichkeit, nicht von einem 100-jährlichen Ereignis betroffen zu sein. Für den Stauraum, der durch den Abbruch des Regenrückhaltebeckens Riederbruch entfallen ist, wird Ersatz in den Kanälen Seckbachsammler und Nordsammler geschaffen. Sie werden vor dem Bau des Tunnels Riederwald und des Dreiecks Erlenbruch, voraussichtlich von Anfang 2017 bis Mitte 2019 errichtet. Die derzeit vorhandenen Kanäle in dem genannten Bereich werden erst außer Betrieb genommen, wenn die neuen Kanäle betriebsfertig hergestellt sind. Das Regenwasser kann also jederzeit von der Kanalisation aufgenommen werden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 14. Juni 2016OFOF 26/11Überschwemmungen in Frankfurt Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-EnkheimOrtsbeiratsantrag · SPD
- 4. Juli 2016VV 81Überschwemmungen in Frankfurt Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-EnkheimAnfrage
- 23. September 2016Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 14 WochenSTST 1302Überschwemmungen in Frankfurt Fechenheim-Nord, Seckbach-Süd, Riederwald und Bergen-EnkheimStellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab