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Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im Faust

Vorlagentyp: STMagistrat
198 Wochen bis zur Antwort7 Stationen im Verfahren

Zusammenfassung

Der Magistrat unterstützt die Initiative zur Errichtung eines Gedenksteins für Susanna Margaretha Brandt, um an ein Stück Frankfurter Kulturgeschichte zu erinnern. Die Prüfung der Aufstellungsorte und Kosten verzögert sich aufgrund von Corona-bedingten Engpässen. Ziel ist es, einen Text für den Gedenkstein in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen zu erarbeiten.

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Stellungnahme des Magistrats

Vorläufige Stellungnahme: Grundsätzlich unterstützt das Kulturdezernat die vom Ortsbeirat 01 neuerlich angeregte Erinnerung an ein Stück Frankfurter Kulturgeschichte. Die vor einer Mittelzusage notwendige Prüfung von Aufstellungsort und Kosten für Herstellung und Aufstellung eines Gedenksteins sowie des Textentwurfs hat sich wegen Corona-bedingter personeller Engpässe und der Urlaubszeit verzögert. Die entsprechenden Recherchen werden zeitnah erfolgen. Das Fachamt wird sich diesbezüglich mit dem Ortsbeirat 01 in Verbindung setzen. Der Text für einen entsprechenden Gedenkstein sollte im Austausch von Ortsbeirat, Magistrat, Institut für Stadtgeschichte und Frauenreferat erarbeitet werden. Zum historischen Kontext hat das Institut für Stadtgeschichte folgendes festgestellt: Der Fall der Susanna Margaretha Brandt ist einer von 139 Fällen von Kindsmord, die in dem Archivbestand "Criminalia" im Zeitraum von 1589 bis 1822 dokumentiert sind. Gemäß der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532 (Carolina) war Kindsmord ein todeswürdiges Verbrechen, das bestraft werden sollte durch Begraben bei lebendigem Leib, Pfählen oder Ertränken. In Zeiten, in denen Kindsmord häufig vorkam, sollten die überführten Mörderinnen zur Abschreckung vor der Hinrichtung auch noch "mit glühenden zangen gerissen" werden. Im 18. Jahrhundert wurden Kindsmörderinnen jedoch mit dem Schwert gerichtet, was als weniger grausam und ehrenrührig galt. Wenige Jahre nach der Hinrichtung der Susanna Margaretha Brandt begann man, Kindsmörderinnen nicht mehr hinzurichten, sondern mit Gefängnis zu bestrafen, da man im Zuge der Aufklärung zu der Einsicht gelangt war, dass Frauen ihre unehelich geborenen Kinder nicht aus Bosheit, sondern aus materieller Not und Furcht vor sozialer Ächtung umbrachten. Susanna Margaretha Brandt war eine überführte und geständige Kindsmörderin. Laut Sektionsbericht der Frankfurter Stadtärzte und -chirurgen vom 3. August 1771 habe das Kind bei der Geburt gelebt und sei "durch Zerschmetterung der Beine des Kopfs, und die dabei geschehene große Verletzung des Hirns" gestorben. Solche Verletzungen hätten nicht durch einen Sturz bei der Geburt verursacht werden können. Die Bestattung Hingerichteter auf dem Friedhof des Gutleuthofes bedeutete einen Fortschritt gegenüber früheren Zeiten, als Mörder nicht in geweihter Erde, sondern am Galgen oder auf der Schindkaut zusammen mit toten Tieren begraben wurden. Es ist zwar wahrscheinlich, dass Goethe die Susanna Margarethe Brandt als Vorbild für die Figur des Gretchen im Faust genommen hat, jedoch nicht durch Quellen belegt.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 17. Mai 2018OFOF 610/1Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustOrtsbeiratsantrag · SPD
  2. 5. Juni 2018OMOM 3231Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustDirektanregung
  3. 17. September 2018STST 1808Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustStellungnahme
  4. 3. Mai 2020OFOF 1281/1Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustOrtsbeiratsantrag · SPD, CDU
  5. 19. Mai 2020OIBOIB 411Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustBudget-Initiative
  6. 7. September 2020Sie sind hier
    STST 1528Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im Faust
    Stellungnahme
  7. 4. März 2022Antwort des Magistrats · nach 198 WochenSTST 580Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt - Vorbild für Goethes Gretchentragödie im FaustStellungnahme

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

STStellungnahme des Magistrats

Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.

  1. 1Antrag, Anregung oder Anfrage
  2. 2zuständiges Dezernat prüft
  3. 3Magistrat gibt Stellungnahme ab
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert

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