Perspektiven des Wachstums und der Daseinsvorsorge: Wasser
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Bericht des Magistrats vom 22.11.2019, B 455
Betreff: Perspektiven des Wachstums und der Daseinsvorsorge: Wasser Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 29.08.2019, § 4482 - NR 914/19 FRANKFURTER - Zu 1.: Im Jahr 2018 wurden in der Stadt Frankfurt am Main insgesamt 48.181.967 m3 Trinkwasser an Verbraucherinnen und Verbraucher abgegeben. Davon entfielen auf private Haushalte 34.228.815 m3, auf Industrie und Gewerbe 13.865.366 m3 und auf die Landwirtschaft 87.786 m3.
Zu 2.: Im Einzugsgebiet der Wasserwerke im Hessischen Ried und im Frankfurter Stadtwald, die u.a. zur Versorgung der Stadt Frankfurt dienen, wird ein Grundwassermanagement durchgeführt. Hierbei wird zur Anreicherung des Grundwassers Oberflächenwasser aus Rhein und Main entnommen, aufbereitet und in den Untergrund infiltriert. Demzufolge besteht das im Hessischen Ried und im Frankfurter Stadtwald geförderte Wasser bereits zu einem Prozentsatz von 20% bis 50% aus aufbereitetem Flusswasser, was als Brauchwasser eingestuft werden kann. Laut Statistischem Bericht 2016 des Hessischen Statistischen Landesamts (veröffentlicht im Juni 2018) wurden insgesamt 320.598 Mio. m3 Wasser zur nichtöffentlichen Wasserversorgung gewonnen. Diese Menge teilt sich auf in 5.663 Mio. m3 Grund- und Quellwasser, 2.599 Mio. m3 Uferfiltrat und angereichertes Grundwasser sowie 312.336 Mio. m3 Fluss-, Seen- und Talsperrenwasser. Das aus Oberflächengewässern entnommene Wasser wurde dabei vorrangig zur Kühlung verwendet. Nähere Informationen liegen zum Industriepark Höchst und zum Flughafen vor: Die Wasserentnahme für den Industriepark Höchst stützt sich nach Angaben der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG zu 95 % auf Flusswasser, zu 4,6 % auf Grundwasser aus eigenen Brunnen und nur zu 0,4 % auf städtisches Trinkwasser. Am Flughafen Frankfurt Main betreibt die Fraport AG mehrere Brauchwassererzeugungsanlagen, die sich auf dem Gelände der CargoCity Süd sowie in den Terminals 1 und 2 befinden. Gemäß Umwelterklärung 2018 betrug im Jahr 2017 der Anteil des Brauchwassers aus Oberflächenwasser, Regenwasser und aufbereitetem Grundwasser an der Gesamtwasserentnahme für den Flughafen (Fraport-Muttergesellschaft, Töchter der Fraport AG, über 500 Dritte) rund 28 %.
Zu 3.: In der Stadt Frankfurt wird bislang kein zentrales, übergeordnetes Grundwassermonitoring durchgeführt. Aufgrund der vorliegenden Beobachtungen einzelner Messpegel lassen sich keine allgemeingültigen Einschätzungen ableiten. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat zur Grundwassersituation zuletzt im September 2019 eine Einschätzung im Internet veröffentlicht. Hiernach befinden sich die Grundwasserverhältnisse weiter auf einem überwiegend unterdurchschnittlichen Niveau. Es sind jedoch leichte Entspannungssignale zu erkennen. In der Prognose heißt es: "Sollte die unbeständige Witterung mit regelmäßigen Niederschlägen andauern, könnte dies zu einer Trendumkehr bei der Grundwasserstandsentwicklung führen. Für eine dauerhafte Stabilisierung der Grundwasserstände müsste es auch in den kommenden Wochen langanhaltende und ergiebige Niederschläge geben. "
Zu 4.: Zur Sicherstellung der Wasserversorgung im Versorgungsraum Frankfurt bedient sich die Stadt Frankfurt gemäß rechtlicher Ermächtigung im Hessischen Wassergesetz (§ 30 Abs. 2 HWG) der Mainova AG und der Hessenwasser GmbH & Co. KG. Das kommunale Gemeinschaftsunternehmen Hessenwasser, an dem die Mainova zu 36,4% beteiligt ist, ist seit seiner Gründung im Jahr 2001 mit der Koordinierung der regionalen Wasserbeschaffung im Rhein-Main-Gebiet beauftragt und betreibt im Rahmen einer Gesamtbeschaffungskonzeption u.a. auch die Wassergewinnungslagen im Bereich der Stadt Frankfurt. In der aktuellen Fortschreibung des "Regionalen Wasserbedarfsnachweises" der Hessenwasser sind die aktuell vorliegenden Bevölkerungsprognosen für die Stadt Frankfurt mit maximal 840.000 Einwohnern berücksichtigt und in die Wasserbedarfsprognose bis 2030 eingegangen. Zur Abdeckung des erwarteten Gesamtbedarfs im Versorgungsgebiet der Hessenwasser sind Maßnahmen zur Erhöhung der Mengenverfügbarkeit erforderlich. Hierfür gibt es einen Maßnahmenkatalog, der in erster Linie auf einen Ausbau der Kapazitätserhöhung durch Grundwasseranreicherung aus Rhein-/Mainwasser abstellt. Bei Umsetzung dieser Maßnahmen kann der erwartete Wassermehrbedarf insgesamt und auch in der Stadt Frankfurt abgedeckt werden.
Zu 5.: Grundsätzlich ist - wie der Antwort zu Frage 4. zu entnehmen - davon auszugehen, dass die Wasserversorgung auch bei einem weiteren Bevölkerungswachstum langfristig gesichert ist. Bei der Nutzergruppe Industrie und Gewerbe wurden in den vergangenen Jahren massive Anstrengungen zur Reduzierung der Wasserentnahme unternommen, etwa durch Inbetriebnahme von Kreislaufsystemen und die Vermeidung industrieller Abwässer. So ist nach Angaben des Umweltbundesamtes die Wasserentnahme des verarbeitenden Gewerbes einschließlich Bergbau in Deutschland seit 1991 von 11 Mrd. m3 auf 5,8 Mrd. m3 im Jahr 2016 erheblich gesunken. Auch in der Nutzergruppe private Haushalte sind in der Stadt Frankfurt durch die Wassersparkampagne in der 90-er Jahren sehr hohe Einsparungen (rd. 20%) erreicht worden. Unter Berücksichtigung der bereits heute in Einsatz befindlichen wassersparenden Geräte und Armaturen sind hier keine weiteren signifikanten Minderungen beim spezifischen Wasserverbrauch zu erwarten.
Zu 6.: Zur Beantwortung der Frage verweisen wir auf die einschlägigen Berichte des Magistrats (Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2014, § 5338 (B 409) und vom 26.03.2015, § 5708 (B 45)). Zwischenzeitlich haben die im Bericht B 409 getroffenen Aussagen durch die Aktualisierung der Situationsanalyse der WRM (Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main) im Jahr 2016 auch auf der Ebene der Regionalwasserversorgung eine Konkretisierung in Bezug auf die Sicherung und Reaktivierung lokaler bzw. ortsnaher Gewinnungsanlagen erfahren. Zu den bereits in der WRM-Situationsanalyse in der Fassung des Jahres 2013 dargestellten Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung werden spezifisch für den Versorgungsbereich Frankfurt zusätzlich die nachfolgenden Maßnahmen aufgeführt: - Reaktivierung des Wasserwerks Hattersheim - Umsetzung von Sicherungsmaßnahmen für das Wasserwerk Praunheim II - Sanierung und Kapazitätsanpassung der Mainwasseraufbereitungsanlage in Frankfurt-Niederrad und der zugehörigen Infiltrationsanlagen Zu 7.: Derzeit erarbeitet die Stadt Frankfurt zusammen mit Mainova und Hessenwasser ein "Kommunales Wasserkonzept". Im Kommunalen Wasserkonzept werden u.a. der Stand der Wasserversorgung, zu erwartende Entwicklungen und daraus abzuleitende Maßnahmen bewertet. Das Konzept wird eine Prognose des Trinkwasserverbrauchs für 2030 und 2050 vornehmen. Diese wird sich an der prognostizierten Bevölkerung orientieren. Das Konzept soll als Entwurf im
- Quartal 2020 vorliegen. Zu 8.: Der Maßnahmenkatalog der WRM wurde in die
- Fortschreibung des Regionalen Wasserbedarfsnachweises integriert. Einige Maßnahmen wie der Bau der zweiten Riedleitung und die Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks Hattersheim sowie zur Standortsicherung des Wasserwerks Praunheim sind begonnen oder bereits teilweise umgesetzt. Andere sind in der Vorbereitungs- und Planungsphase. Insbesondere die Maßnahmen im Stadtwald Frankfurt sind modular aufgebaut und werden je nach der Entwicklung der Anforderungen, bedarfsangepasst umgesetzt. Zu 9.: Es ist derzeit davon auszugehen, dass der erwartete Entwicklungsrahmen mit dem bisherigen Maßnahmenkatalog abgedeckt werden kann. Die vorliegenden Konzeptionen werden aber regelmäßig aktualisiert und fortgeschrieben. Soweit sich neue Erkenntnisse, z. B. auch aus dem Klimawandel ergeben, müssen die Maßnahmenkataloge darauf ausgerichtet werden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 18. Juli 2019NRNR 914Perspektiven des Wachstums und der Daseinsvorsorge: WasserSTVV-Antrag · FRANKFURTER
- 22. November 2019Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 18 WochenBB 455Perspektiven des Wachstums und der Daseinsvorsorge: WasserMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf6 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF und FRAKTION
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF und FRAKTION
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: LINKE., FRAKTION und FRANKFURTER (= Kenntnis)