Projekt "Soziale Stadt Frankfurt am Main" - Jährlicher Bericht: Kommunales "Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft" - Juli 2023 bis Juni 2024
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Zusammenfassung
Der Bericht des Magistrats zum Projekt „Soziale Stadt Frankfurt am Main“ beschreibt die Fortschritte und Erfolge des Fränfurter Programms Aktive Nachbarschaft im Zeitraum von Juli 2023 bis Juni 2024. Es wird erwartet, dass durch die Förderung von Partizipation und Selbsthilfe die Integration und Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Wohnorten weiter gestärkt wird. Die Sicherung der Finanzierung und die Schaffung eines positiven sozialen Klimas in den Quartieren stehen im Vordergrund der Maßnahmen.
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- Einleitung - Zum Programm
Gemäß dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 29. August 2002 stellt dieser Bericht die Schwerpunkte des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft dar. Dabei wird der Zeitraum seit der letzten Berichterstattung abgedeckt. Der Bericht bezieht sich auf die Zeitspanne Juli 2023 bis Juni 2024.
Das kommunale Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft mit seinem sozialräumlichen und integrierten Ansatz, gibt den Rahmen für Veränderungsprozesse hin zu Quartieren und Stadtteilen, in denen ein gutes nachbarschaftliches Miteinander gepflegt wird und mit denen die Menschen sich identifizieren können.
Hier stehen die Aktivierung, die Beteiligung, das freiwillige Engagement und die Selbsthilfe der Bewohnerschaft vor Ort im Vordergrund. Die Bewohner:innen werden als Expert:innen ihrer Lebensverhältnisse anerkannt und gefragt. Sie bekommen Mitsprache-, Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten und werden durch die Bereitstellung von professionellen, personellen und finanziellen Ressourcen in Form von Quartiersmanagement unterstützt. Partizipation und Inklusion als Kernstrategien des Programms ermöglichen eine nachhaltige Integration, die Identifikation mit dem Wohnort und Begegnungen zwischen Nachbar:innen auf Augenhöhe.
Die Quartiersmanager:innen fördern und unterstützen diese Prozesse. Sie vernetzen und sind der Motor für gute Ideen, die die Bewohner:innen einbringen. Auf diese Weise entstehen jährlich rund 300 kleinere und größere, einmalige und sich verstetigende Projekte in den Quartieren. Diese können aus ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern stammen und reichen über kreative Angebote zur digitalen Teilhabe, bis hin zu niedrigschwelligen Bildungsangeboten oder Projekten für mehr Nachhaltigkeit. Sie dienen einem guten nachbarschaftlichen Miteinander, der Verbesserung der sozialen und kulturellen Infrastruktur und einem lebenswerten Wohnumfeld.
Das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft mit seinem Motto "Alle können ihre Stadt gemeinsam gestalten" hat sich innerhalb der letzten mehr als zwanzig Jahre in der Stadtlandschaft als fester Bestandteil der sozialen Stadtentwicklung etabliert. Ziel ist, gemeinsam zu einer funktionierenden Stadtgesellschaft beizutragen, den sozialen Spaltungstendenzen entgegenwirken, und zu unterstützen, dass die Bedürfnisse verschiedener Generationen und Kulturen gleichermaßen zum Tragen kommen.
Einblick in die Entwicklungen in den einzelnen betreuten Quartieren sowie Kurzdarstellungen der Programmgebiete bieten neben diesem Bericht die Jahresberichte der Quartiersmanager:innen, die über das Fachteam Aktive Nachbarschaft erhältlich sind. Auf der Webseite www.frankfurt-sozialestadt.de wird ebenfalls über die Arbeit in den Quartieren und die laufenden Projekte informiert.
2. Quartiere und aktuelle Entwicklungen
Quartiere: Im Berichtszeitraum wurden durch das Frankfurter Programm insgesamt 19 Quartiere betreut.
Darunter befinden sich 16 Gebiete, die durch ein professionelles Quartiersmanagement gefördert werden, das von Trägern der freien Wohlfahrtspflege im Auftrag des Magistrats durchgeführt wird. Gleichzeitig wurden drei weitere Sozialräume, die Gebiete New Atterberry/New Betts, der Merianplatz in Bornheim, das Stadtteilbüro Bockenheim durch ein "modulares Unterstützungsmanagement" unterstützt.
Beim modularen Unterstützungsmanagement werden geeignete Partner:innen in Stadtteilen ohne Quartiersmanagement gefördert, die der Bewohnerschaft als Ansprechpartner:in zur Verfügung stehen und Bindeglied zum städtischen Fachteam des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft sind. In den oben genannten Sozialräumen konnten dadurch einzelne Projekte zentral durch das Fachteam des Frankfurter Programms im Jugend- und Sozialamt in Kooperation mit Akteur:innen vor Ort initiiert und finanziert werden.
Im Berichtszeitraum erfolgte keine Erweiterung des Projektgebietes.
Die Programmgebiete 2023/24 in der Übersicht: Quartiere mit Quartiersmanagement:
- Atzelbergsiedlung (Seckbach)
- Eckenheim
- Fechenheim
- Gallus
- Ginnheim
- Griesheim
- Gutleut
- Niederrad
- Nordweststadt
- Praunheim
- Preungesheim
- Riederwald
- Rödelheim-West
- Sindlingen
- Unterliederbach
- Zeilsheim
Quartiere mit "modularem Unterstützungsmanagement"
(Einzelprojektförderung ohne Quartiersmanagement):
- Bockenheim: Stadtteilbüro Bockenheim
- Nordend: New Atterberry/New Betts
- Nordend: Merianplatz
Aktuelle Entwicklungen im Projektgebiet: Finanzielle Ressourcen
Die finanziellen Ressourcen der einzelnen Quartiere des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft setzen sich aus Personal- und Sachkosten sowie Projektmitteln zusammen.
In den vergangenen Jahren hat sich die Gesamtfördersumme des Jugend- und Sozialamtes für das Quartiersmanagement nicht grundlegend verändert. Es gab unterjährig anlassbezogene Sonderzahlungen (Inflationsausgleich, Tarifanpassung). Die Kosten auf Seiten der Träger und somit die einzubringenden Eigenmittel sind in den vergangenen Jahren jedoch gestiegen. Mit dieser Situation sind Träger unterschiedlich umgegangen. Zum Erhalt von Stellen wurden teilweise Projektmittel gekürzt.
Im Jahr 2024 konnte daher im Großteil der Quartiere nicht mit dem gewohnten Budget für Projekte geplant werden. Die Quartiersmanager:innen mussten bei der Umsetzung von Projektideen reduziert planen oder teilweise streichen. Dies führte in den Stadtteilen stellenweise zu hoher Unzufriedenheit und traf bei den Bewohner:innen auf Unverständnis. Gleichzeitig wurde die Fähigkeit einiger ehrenamtlich Engagierter deutlich, auch mit geringen Mitteln wirksame Projekte umzusetzen, die Zuspruch im Stadtteil fanden.
Der angespannten finanziellen Lage, auch bei vielen sozialen Einrichtungen in den Stadtteilen, steht weiterhin ein hoher Bedarf an Angeboten gegenüber. Die Quartiersmanager:innen waren gefordert zu priorisieren, hierbei werden die Ergebnisse aus dem bisherigen Prozess zur wirkungsorientierten Qualitätssicherung als hilfreich erlebt.
Aufgrund der steigenden Kosten hat die Fachstelle in den vergangenen Jahren Haushaltsanträge zur Erhöhung des Haushaltsansatzes gestellt. 2024 wurden für das Quartiersmanagement zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen voraussichtlich aber im erheblichen Umfang zur Konsolidierung des Haushalts beigetragen werden muss. Auch kommt diese Erhöhung aufgrund des laufenden Genehmigungsprozesses zum Gesamthaushalt durch das Land Hessen derzeit nicht zum Tragen.
Perspektivisch wird auch das restliche Jahr 2024 sowie das Jahr 2025 von den reduzierten Projektmitteln geprägt sein. Die Quartiersmanager:innen stehen somit vor der Herausforderung, die vorhandenen Projektmittel noch stärker zu priorisieren und anlassbezogen Fördermittel bei weiteren Fördergebern einzuwerben.
Partizipation und Beteiligung
Partizipation und Beteiligung sind Kernelemente des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft und werden immer wieder inhaltlich beleuchtet und diskutiert. Im Rahmen der Zielformulierung des Handlungsfeldes "Partizipation und Teilhabe an (demokratischen) Aushandlungsprozessen" für die wirkungsorientierte Qualitätssicherung wurde deutlich, dass es einer vertieften Auseinandersetzung bedarf.
Im März 2024 fand dazu eine Klausurtagung mit den Quartiersmanager:innen, den Trägervertreter:innen und der Fachstelle statt. Hier wurde die Frage gestellt, wie erfolgreiche Partizipation und Beteiligung im Quartier umgesetzt werden kann und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Partizipation ist ein grundlegendes Prinzip unserer Demokratie. Partizipation wird als die Beteiligung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen verstanden, wobei die Beteiligung unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen kann: Wahlen, Stadtparlamente, Mitgliedschaften in Parteien und Vereinen, Demonstrationen, Streiks, Bürger:inneninitiativen, Runde Tische, Gremien und Stadtteilspaziergänge.
Im Quartiersmanagement geht es häufig zunächst um die weniger formalen Beteiligungsformen. In den Stadteilen werden beispielsweise aktivierende Befragungen durchgeführt und themenspezifische Bewohner:innenversammlung unterstützt.
Im Riederwald hat sich eine Bürgerinitiative und ein Demokratiekreis mit Unterstützung des Quartiersmanagements gebildet. Im Verlauf von Projekten des Quartiersmanagements gelingt es auch immer wieder, dass sich Bewohner:innen z.B. in Gremien wie den Ortsbeirat einbringen, die ohne das geleistete Empowerment ansonsten nicht den Mut dazu aufgebracht hätten.
Es wird in den Quartieren immer wieder deutlich, dass viele Bewohner:innen sich aus unterschiedlichen Gründen, oft aufgrund fehlender Ressourcen oder Kenntnis über Möglichkeiten nicht beteiligen können oder wollen. Die Lebenssituationen von Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, erschwert eine Beteiligung im Stadtteil. Dabei spielen soziale, psychologische als auch strukturelle Faktoren eine Rolle. Materielle Sorgen und eine unmittelbare existenzielle Belastung lassen auf den ersten Blick wenig Raum für Teilhabe, gesellschaftliches Engagement oder Beteiligung.
Besonders entscheidend ist hier das Format eines Beteiligungsangebots und die Haltung der Beteiligten gegenüber der Zielgruppe. Es ist wichtig sich zu fragen, welches Wissen und welche Fähigkeiten sind notwendig, um sich an dem jeweiligen Stadtteilprozess zu beteiligen? Manchmal sind vorgeschaltete Prozesse notwendig, um Unsicherheiten abzubauen, damit Bürger:innen angstfrei teilnehmen und sich einbringen können. Besonders Menschen in schwierigen Lebenslagen sind darauf angewiesen, und benötigen gezieltes Empowerment.
Gerade vor dem Hintergrund von extremistischen, rassistischen und antidemokratischen Tendenzen sind positive Erfahrungen mit niedrigschwelligen Beteiligungsformaten direkt in den Lebenswelten der Menschen besonders wichtig. Hier können in überschaubaren Rahmen kurzfristig Ergebnisse generiert und Selbstwirksamkeit erlebt werden.
Es wurde herausgearbeitet, dass unterschiedliche Formen der Partizipation bereits in den Quartieren stattfinden, hier aber noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Das Thema und seine praktische Anwendung werden auf dem nächsten Klausurtag im November 2024 nochmals weiter vertieft.
Die Fachstelle des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft nahm darüber hinaus im November 2023 am 3. Frankfurter Demokratiekonvent teil.
Dabei handelt es sich um einen Bürger:innenrat, der alle zwei Jahre vom parteiunabhängigen Verein mehr als wählen e.V. organisiert wird. 60 Frankfurter:innen werden zufällig ausgelost oder aktiv aus unterrepräsentierten Gruppen eingeladen. Einwohner:innen aus allen Frankfurter Stadtteilen werden gleichermaßen eingeladen. Auf diese Weise werden Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammengebracht. Zum Thema "Jung bis Alt in Frankfurt - Chancen und Herausforderungen von Intergenerationalität" konnte sich das Franfurter Programm-Aktive Nachbarschaft beim Markt der Möglichkeiten vorstellen und mit den teilnehmenden Frankfurter:innen in Austausch kommen.
Politische Stimmung in den Quartieren
In den Quartieren machen sich Unzufriedenheit mit politischem Handeln und teilweise auch ein spürbarer Rechtsdruck bemerkbar. In den letzten Jahren hat sich die Entwicklung bereits an verschiedenen Stellen gezeigt. Beim Zusammentreffen mit Bewohner:innen, den Formularhilfen, durchgeführten Projekte oder Festen konnten durch Quartiersmanager:innen und Ehrenamtlichen immer wieder rassistische und anti-demokratische Äußerungen und Haltungen beobachtet werden.
Rassistische Anfeindungen, Ausgrenzung und Diskriminierung zeigen erkennbar ihre Wirkung bei den Betroffenen und führen unter anderem zu sozialem Rückzug. Es wird weiter deutlich, dass unter steigenden Druck, etwa durch Preissteigerungen, auch soziale Spannungen zunehmen und sich Unzufriedenheit bahnbricht. Weniger Toleranz gegenüber Andersdenkenden, offen gelebter Rassismus, verschiedene Konflikte und Abgrenzung sind häufiger zu beobachten. Die Quartiersmanager:innen vermitteln und verbinden weiterhin zwischen den Bewohner:innen und bieten in verschiedenen Formaten den Dialog an. Ängste und das reale Erleben von knappen Ressourcen wie Wohnraum, Kinderbetreuungsplätzen kombiniert mit der Teuerung und globalen Krisen schaffen große Herausforderungen. Insgesamt führt ein Rechtsruck zu einer spürbaren Veränderung des sozialen Klimas bis hin zu sozialen Spaltungstendenzen. Schon seit einigen Jahren sprechen Forscher:innen von einer Krise der Demokratie mit schwindenden Rückhalt für demokratische Prozesse. Nur konsequent demokratisch grundierte Gemeinwesen versprechen hier weniger Ansatzpunkte für rechtspopulistische Einflussnahmen.
In Auseinandersetzung mit dem Thema gab es im Berichtszeitraum verschiedene Herangehensweisen der Quartiersmanager:innen. Im Jahr 2023 fand eine Anti-Rassismus Fortbildung mit dem Quartiersmanagement, den Trägervertreter:innen und der Fachstelle statt, um sich gemeinsam thematisch mit dem Thema Rassismus und deren Auswirkungen auf das Arbeitsfeld auseinanderzusetzen. Die Quartiersmanager:innen sollen in diesen belastenden Situationen sprach- und handlungsfähig bleiben.
Ebenso werden von Seiten der Quartiersmanager:innen in der "AG Rechtsruck" vor den Wahlen Informationen bereitgestellt sowie auf die Wahl mit Flyern und Aushängen hingewiesen (bsp. "Geh Wählen" vor der Europawahl). Erfreulich ist, dass nachfolgend zu der Vorstellung der "Omas gegen Rechts" beim Quartiersmanagement, neue Ortsgruppen in zwei Stadtteilen bzw. mehreren Stadtteilen entstanden sind, und diese sich bei Festen vorstellen und Sichtbarkeit herstellen.
Der im Oktober eskalierte Nah-Ost Konflikt hat widererwartend bisher wenig sichtbare Auswirkungen in den Quartieren hervorgerufen. Quartiersmanager:innen berichteten teilweise über einen beobachteten Rückzug einzelner Bewohner:innen aus stattfindenden Frauenfrühstücken. Auch besteht sehr wenig Austausch zwischen den Teilnehmer:innen zu dem Thema, trotz entsprechenden Angeboten dazu. Die Bewohner:innen scheinen sich mit diesem sensiblem Thema in den privaten Raum zum Austausch zurückzuziehen.
3. Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit
Nachbarschaftspreis: Der Nachbarschaftspreis honoriert seit mehr als 20 Jahren bürgerschaftliches Engagement.
Die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement von Bürger:innen der Stadt Frankfurt am Main wurde während der fortlaufenden Krisenzeit immer wieder hervorgehoben.
Am 07. September 2023 wurden die Preise in einem Fest im Gesellschaftshaus Palmengarten verliehen. Insgesamt lagen 61 Bewerbungen vor. Es wurden 5 Hauptpreise und 9 Anerkennungspreise verliehen.
Hauptpreise 2023
Die Hauptpreise waren mit jeweils 1.000,00 € dotiert.
In der Kategorie "Kultur vor Ort" ging der Internationale Kulturtreff Sindlingen als Sieger hervor. Die große Gruppe Eritreisch-stämmiger Nachbar:innen unterstützt seit vielen Jahren kontinuierlich und ehrenamtlich den nachbarschaftlichen Austausch in Form von Kultur, Religion und Bildung. Dazu gehören auch der herkunftssprachliche Unterricht, Bildungsfahrten sowie die Organisation des Nachbarschaftsfestes.
Ein Mitglied der Gruppe, Thomas Alazar, nahm 2020/21 an der Bürgerakademie der Polytechnischen Gesellschaft teil und entwickelte dort das Projekt "Internationaler Kulturtreff", das im Mai 2022 an den Start ging. Der Kulturtreff findet seither einmal im Monat statt, unterstützt durch das Quartiersmanagement Sindlingen. Bei jedem Treffen wird ein anderes Land von Menschen aus der jeweiligen Community vorgestellt, der Raum geschmückt, Kulturgüter wie Instrumente oder Kleidung mitgebracht und natürlich landestypisch gespeist und getrunken.
Das Interkulturelle Frauencafé in der Leo Gans Straße wurde in der Kategorie "Nachbarn für Nachbarn" geehrt.
Seit einem Jahr herrscht jeden Freitag in der Nachbarschaftswohnung in der Leo-Gans-Straße 48 Hochbetrieb. Die Haustür steht in der Zeit offen und an der Wohnungstür hängt einladend ein Schild "Herzlich willkommen zum offenen Frauencafé". Beim Eintreten in die ehemalige Wohnung werden die Gäste warmherzig von den zwei ehrenamtlichen Fechenheimerinnen Fevziye Kocak und Güler Petla begrüßt und an den einladend gedeckten Tisch gebeten.
Die teilnehmenden Frauen merken, wie wichtig der Austausch untereinander ist, die gegenseitige Bestärkung, den Herausforderungen des Alltags zu begegnen und beispielsweise den Einstieg oder Neueinstieg in die Berufstätigkeit zu wagen.
Die beiden Organisator:innen hören genau hin, was die Frauen bewegt. Daraufhin werden zwei- bis dreimal im Monat Referentinnen verschiedenster Institutionen und Einrichtungen zu den Themen Frauengesundheit, Familiengesundheit und Qualifizierung eingeladen. Außerdem sind sie auf Stadtteilfesten präsent, organisieren gemeinsame Museumsbesuche oder bei Bedarf einen Schwimmkurs.
In der Kategorie "Schöner-Bunter-Nachhaltiger" wurde das Projekt Bee Sossenheim geehrt.
Eine Gruppe von Nachbar:innen aus der Westerbachsiedlung in Sossenheim hat sich die ökologische Umgestaltung einer sogenannten Frischluftschneise zur Aufgabe gemacht. Sukzessive wollten die Akteur:innen die Fläche in eine Magerwiese verwandeln, die als Lebensraum für bedrohte Arten fungiert. Nachdem die Grünfläche in einem ersten Schritt von Gestrüpp und Abfall befreit worden war und Obstbäume gepflanzt wurden, steht nun die Pflege der Wiese im Jahreszeitenverlauf im Vordergrund. In der Zukunft möchte die Initiative noch eine große Sandfläche anlegen sowie Schilder zu den verschiedenen Lebensbereichen anbringen. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre tragen Früchte, denn es haben sich mittlerweile sogar neue Arten angesiedelt, die auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehen. Aus einem zugewucherten und zugemüllten Schandfleck ist inzwischen ein kleines Naturparadies mit Erholungsfaktor und vielen Beobachtungsmöglichkeiten für Besucher:innen geworden.
Das Projekt KoGI Kommunale Gesundheitsinitiativen interkulturell wurde in der Kategorie "Gemeinsam lernen im Quartier" geehrt.
In dem Projekt geht es um kultursensible, niedrigschwellige Gesundheitsaufklärung nach dem Peer-to-Peer-Ansatz. Ausgebildete, mehrsprachige Gesundheitslots:innen fungieren als Brückenbauer zum Gesundheitssystem und bieten in verschiedenen Frankfurter Einrichtungen Gesundheitsveranstaltungen an. Dabei werden Themen wie gesunde Ernährung, das deutsche Schulsystem, seelische Gesundheit oder Zahngesundheit thematisiert. Das Projekt wurde 2013 durch das Gesundheitsamt Frankfurt am Main ins Leben gerufen und wird nun in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Gallus durchgeführt.
Die Angebote unterscheiden sich je nach Zielgruppe: Es gibt Angebote für Eltern von Kindern, für Erwachsene sowie Gesundheitsförderung in Gemeinschaftsunterkünften und aufsuchende Gesundheitsförderungsarbeit für Personen, die keinen Zugang zu Organisationen haben.
Die verschiedenen kulturellen und sprachlichen Hintergründe der KoGi-Lots:innen ermöglichen es, die Inhalte kultursensibel und bei Bedarf in den jeweiligen Muttersprachen zu vermitteln und in einem besonderen Vertrauensverhältnis sowie auf Augenhöhe Zugänge zum Gesundheitssystem zu schaffen.
Viele Frankfurter Einrichtungen arbeiten seit Jahren mit den Gesundheitslots:innen zusammen. Es finden beispielsweise regelmäßig Veranstaltungen in Kitas, Krippen, Familienzentren, Migrant:innenvereinen und Gemeinschaftsunterkünften statt.
Im Projektjahr 2022 konnten so über 200 Gesundheitsveranstaltungen mit den KoGi-Lots:innen durchgeführt werden. Damit wurden über 1800 Menschen erreicht.
Der Preis der Kategorie "Demokratie leben im Quartier" wurde vergeben an die Initiative Demokratie am Wasserhäuschen. Naim Yildirim betreibt seit elf Jahren das Wasserhäuschen "Heinrich's Bierstübchen" in der Niederurseler Landstraße. Vor jeder Wahl der letzten Jahre - sei es die OB-Wahl, die Europa- oder Bundestagswahl - lud er die Kandidat:innen vor Ort zu einer Diskussion mit der Nachbarschaft ein. Bei Getränken, Bratwurst und Live-Musik kommen jedes Mal über 100 Personen zusammen, um miteinander und den Politiker:innen zu diskutieren. Herr Yildirim ist außerdem Sozialpfleger der Stadt Frankfurt am Main und packt in seiner Nachbarschaft gerne mit an, wenn jemand praktische Hilfe benötigt. Er ist ein gefragter Ansprechpartner, Zuhörer und Ratgeber.
Anerkennungspreise 2023
Neun Anerkennungspreise wurden neben den Hauptpreisen vergeben.
- Kategorie "Kultur vor Ort": o Kleine Künstler - Große Kunst
o Gutleut-Tage sowie
o Leseclub Preungesheim
- Kategorie "Demokratie Leben im Quartier": o Demokratiekreis Riederwald
o Interkulturelles Frauencafé Niederrad
- Kategorie "Nachbar:innen für Nachbar:innen": o Centro - Solidarisch & Kollektiv in Rödelheim
o Gesund und glücklich durch Bewegung und Begegnung
o ZuTATEN für Frankfurt
- Kategorie "Schöner, Bunter, Nachhaltiger": o Friedhofs-Café Rödelheim
Der Leseclub Preungesheim wurde Ende Januar 2024 von Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl besucht, um verstärkt für den Nachbarschaftspreis 2024 zu werben. "Um als Stadtgesellschaft eine starke Gemeinschaft zu bilden, braucht es gelebte Solidarität. Wer sein Umfeld aktiv mitgestaltet, stärkt den sozialen Frieden und den Zusammenhalt in dieser Stadt - so wie es der Leseclub Preungesheim hier seit Jahren vorlebt", lobte die Stadträtin. Der 2018 gegründete Leseclub möchte vor allem Kinder aus der Karl-Kirchner-Siedlung für das Lesen begeistern. Dazu bietet er im StadtRaum Preungesheim regelmäßige Treffen an, an denen rund 40 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren teilnehmen. Neben der Leseförderung setzen sich die Initiator:innen für gemeinsame Unternehmungen und Ausflüge ein. Als außerschulisches Bildungsangebot hat sich der Leseclub so zu einem wichtigen interkulturellen Treffpunkt des nordöstlichen Stadtteils entwickelt.
Auf die Ausschreibung des Nachbarschaftspreises 2024, welche im Frühjahr erfolgte, wurden insgesamt 49 Bewerbungen in fünf Kategorien eingereicht.
Für die Verleihung des Nachbarschaftspreises 2024 hat am 26.09.2024 wieder eine Veranstaltung im großen Rahmen im Gesellschaftshaus Palmengarten stattgefunden.
4. Arbeitsschwerpunkte 2023/2024
Wirkungsorientierung: Bereits im Jahr 2021 wurde ein Prozess zur wirkungsorientierten Qualitätssicherung im Frankfurter Programm-Aktive Nachbarschaft begonnen.
Wirkungsorientierung bedeutet, Aktivitäten so zu planen, dass die angestrebten Wirkungen optimal erreicht werden können. Sie erfolgt heute oft zur Qualitätssicherung im Rahmen von einzelnen Maßnahmen oder Projekten im Sozial- und Bildungssektor und kann für die Praxis und die Evaluation und Qualitätssicherung handlungsleitend sein.
Die Wirkungsorientierung im Kontext des Frankfurter Programms-Aktive Nachbarschaft geht einen Schritt weiter: In einem kohärenten Gesamtkonzept realisiert sie eine sich immer weiter entwickelnde Verbindung von passender wirkungsorientierter Methodik auf der operativen Ebene mit partizipativ ausgerichteter strategischer Steuerung des Gesamtprogramms.
Gemeinsam mit den Quartiersmanager:innen und den Trägervertreter:innen wurde ein gemeinsamer Orientierungsrahmen in Form eines Zielesystems hergestellt und eine Systematisierung der Steuerung und Maßnahmenplanung der Fachstelle und des Quartiersmanagements im Sozialraum geschaffen. Das Ergebnis wurde am 10.06.2024 den Quartiersmanager:innen, Trägervertreter:innen, Kolleg:innen und Kooperationspartner:innen vorgestellt und sich im Anschluss über gemeinsam erlangte Erkenntnisse und über die weitere Zusammenarbeit ausgetauscht. Nun folgt die weitere inhaltliche Ausgestaltung, wie u.a. der Klausurtag zum Thema Partizipation. Die ersten Ergebnisse wurden bereits im Sozialausschuss der Stadt Frankfurt am Main vorgestellt. Der gesamte Prozess im Jugend- und Sozialamt hat einen Pilotcharakter für weitere Arbeitsfelder.
Bereits jetzt schärft die Orientierung an der Sozialkonzeption des Jugend- und Sozialamtes sowie die interne und externe Auseinandersetzung mit der Wirkungsorientierung die Ausrichtung des Gesamtprogramms. Perspektivisch sollen Schnittstellen mit Ämtern und Kooperationspartner:innen stärker herausgearbeitet und die Zusammenarbeit mit den Sozialrathäusern sowie anderen sozialräumlichen Angeboten weiter ausgebaut werden. Als Rahmen dienen die Handlungsfelder und Logik der Wirkungsorientierung.
Im Prozess der wirkungsorientierten Qualitätsentwicklung wurden neun Handlungsfelder herausgearbeitet, in denen das Quartiersmanagement tätig ist:
- Nutzung, Gestaltung und Aneignung öffentlicher Räume
2. Soziale, kulturelle, gesundheitliche Teilhabemöglichkeiten im Stadtteil
3. Außerschulische und nonformale Bildung
4. Partizipation und Teilhabe an (demokratischen) Aushandlungsprozessen
5. Aktivierung von ehrenamtlichem Engagement und Selbstorganisation
6. Kooperation und Vernetzung von Institutionen / Akteur:innen / Bewohner:innen im Stadtteil
7. Niedrigschwellige Hilfsangebote
8. Umweltgerechtigkeit, ressourcenschonend Leben, Nachhaltigkeit
9. Digitale Teilhabe - Teilhabe durch Digitalisierung
Im Folgenden werden verschiedene Quartiersprojekte aus den Handlungsfeldern exemplarisch dargestellt, die die Vielfalt der Projekte aufzeigen und gelungene Beispiele der Umsetzung sind.
Außerschulische und nonformale Bildung
Ferien im Süden
In den Ferien fehlen in Fechenheim offene niedrigschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche, die in den Ferien Zuhause blieben. Da bei vielen Familien die finanziellen Ressourcen begrenzt sind und besonders Ausflüge und Ferienprogramm teuer sind, konnte den Kindern und Jugendlichen alternativ eine Teilhabe an nonformalen Bildungsangeboten im Stadtteil ermöglicht werden. In Kooperation mit den freien Trägern werden Kindern und Jugendliche Angebote gemacht, die vorab mit diesen entlang ihrer Interessen entwickelt wurden. Mit der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen haben diese die Möglichkeit, Angebote aktiv mitzugestalten und gemeinsam die Umsetzung zu erleben. In Absprache mit den Einrichtungen im Stadtteil werden über den Zeitraum der Ferien verschiedene Aktivitäten abgestimmt, um die Ferienzeit gut abdecken zu können. Die Teilnahme über die Einrichtungen ist niedrigschwellig und wohnortnah möglich. Es finden Ausflüge statt, verschiedene Angebote in den Einrichtungen und Workshops, Einsätze des Spielmobils sowie der Besuch des Jungen Museums unterwegs. Das Junge Museum unterwegs beispielsweise schafft durch die interaktiven, spielerischen und Wissen generierenden Programmelemente ein kulturhistorisches Thema, welches eng mit den Ausstellungen und Projekten des Jungen Museums oder des Historischen Museums Frankfurt verknüpft ist. So kann den Kindern und Jugendlichen Themen nähergebracht und in vielen Facetten erforscht, erlebt und künstlerisch umgesetzt werden. Im Jahr 2023 wurde "Kinder haben Rechte!" umgesetzt.
Nutzung, Gestaltung und Aneignung öffentlicher Raum
Gustavsburgstraße
Im dichtbesiedelten Gallus fehlen öffentlich nutzbare Räume ohne Konsumzwang. Die Gustavsburgstraße wurde vor einigen Jahren entwidmet und kann aufgrund einer potentiellen Baufläche zwischengenutzt werden. Mit einem Beteiligungsprozess geplant und umgesetzt von den Quartiersmanagerinnen konnten Anwohner:innen, Jugendliche, soziale Einrichtungen und weitere Interessierte ihre Ideen und Wünsche zur Gestaltung der Fläche in mehreren Workshops einbringen. Nach der Ideensammlung wurden diese priorisiert und die Umsetzung geplant. Bei dem Prozess waren zahlreiche Akteur:innen beteiligt (IB Jugendmigrationsdienst, Sportkreis Gallus, AWO Jugendhaus, IB Teeniezentrum u.a.).
So wurde ein Container sowie Spielmaterial angeschafft, Beetpatenschaften (inkl. Materialanschaffung) mit den angrenzenden Kitas vereinbart, die Parkbuchten in Regenbogenfarben gestaltet und eine Graffitiwand errichtet und bemalt. Auch wurde ein langer Nachbarschaftstisch gebaut. Ein Open-Air-Kino wurde ebenso umgesetzt und es nahmen rund 150-200 Besucher:innen teil. Im Herbst konnte zudem eine gebrandete Fahrradreparaturstation auf der GBS installiert werden.
Kooperation und Vernetzung von Institutionen / Akteur:innen / Bewohner:innen im Stadtteil
In mehreren Quartieren haben sich mittlerweile Multiplikator:innenkonzepte etabliert (z.B. Kiezläufer:innen in Sindlingen, Stadtteilläufer:innen in Eckenheim, Quartiershelfer:in in Unterliederbach). Bedarfslagen von Bewohner:innen finden aufgrund bspw. fehlender Information, zeitlicher Ressourcen oder Sprachbarrieren nicht den Weg ins Nachbarschaftsbüro. Bewohner:innen werden über das Quartiersmanagement und dessen Angebote über die Multiplikator:innen aus den Stadtteilen informiert.
Die Personen machen sich in der Nachbarschaft bekannt und werden als solche im Sozialraum sichtbar, z.B. durch Kleidung (Halstuch, Weste etc.). Sie sind aktive und vertrauensvolle Ansprechpersonen und tragen zu einer konstruktiven Kommunikationskultur im Quartier bei. Vertrauen schaffen und Barrieren abbauen ist besonders für Menschen, die von Armut bedroht oder betroffen sind und in ihrer Teilhabe benachteiligt sind, wichtig. Multiplikator:innen wirken als Vermittler:innen zwischen den Menschen, der Nachbarschaft und den Institutionen vor Ort, indem Sie Informationen, Unterstützung und Zugänge zu Angeboten auf Augenhöhe weitergeben. Sie lernen die Bedürfnisse der Zielgruppen kennen und können dadurch Ressourcen und Netzwerke mobilisieren, um Teilhabechancen zu verbessern und soziale Isolation zu reduzieren.
In Preungesheim wird durch die Commerzbank-Stiftung das Projektes Stadtteilflüsterinnen im Zeitraum 2023 bis 2025 mit 50.000 Euro gefördert. Mit dem Projekt wird neben der Bekanntmachung von Angeboten im Stadtteil und der Erreichung anderer Zielgruppen auch auf Frauenförderung abgezielt. Die Stadtteilflüster:innen erhielten vor ihrem Einsatzstart eine Einarbeitungsqualifizierung und sind im Januar 2024 gestartet.
Soziale, kulturelle und gesundheitliche Teilhabe
VERBUND (Verbreitung und kooperative Umsetzung kommunaler Bewegungsförderung)
Mit der gemeinsamen Bewerbung von Gesundheitsamt, Sportamt sowie Jugend- und Sozialamt (Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft) ist die Stadt Frankfurt am Main als eine von zwölf Modellkommunen in Deutschland ausgewählt worden, um im Modellvorhaben VERBUND praxisnahe bewegungsförderliche Aktivitäten und Vorhaben umzusetzen. Hierdurch kann Frankfurt am Main eine flankierende finanzielle Unterstützung in Höhe von insgesamt 110.000 Euro für einen Zeitraum von vier Jahren durch das GKV-Bündnis für Gesundheit in Anspruch nehmen.
Nach einem mehrstufigen Planungsprozess wurde der Antrag für das entstandene Projekt "Fit in Frankfurt (FiF) - Umsetzung kommunaler Bewegungsförderung nach dem KOMBINE-Ansatz im Projekt VERBUND in Frankfurt am Main" im Frühjahr bewilligt.
Gemeinsam mit Akteur:innen aus den Modellstadtteilen Gallus und Gutleut wurden in einem kooperativen Prozess Ideen für mögliche Projekte gesammelt. Die Quartiersmanagerinnen in den beiden Stadtteilen waren sehr engagiert in dem Prozess und haben Zugänge geschafften und die Vernetzung gestärkt.
Jetzt steht das Konzept für FiF: In Form einer niedrigschwelligen Qualifizierung werden über die kommenden drei Jahre FiF-Buddies ausgebildet, um eigenständig Bewegungsangebote für Bewohner:innen anzubieten, die bisher wenig Zugang zur Bewegung hatten. Dazu gehören beispielsweise Spaziergänge durch den Stadtteil. Die FiF-Buddies sollen außerdem die Rolle von Brückenbauenden übernehmen und dabei nicht nur über die positiven Auswirkungen von ausreichender Bewegung für die eigene Gesundheit informieren, sondern auch eine Einstiegshilfe in bestehende Vereinsangebote bieten.
Bis Oktober werden Module zur Qualifizierung von FiF-Buddies entwickelt, welche anschließend durch eine Koordinierungsstelle durchgeführt und betreut werden. Ebenso ist die Koordinierungstelle für die Vernetzung im Stadtteil zuständig. Bis 2025 soll das Projekt im Rahmen von VERBUND durchgeführt und wenn möglich verstetigt und in Frankfurt am Main ausgeweitet werden.
5. Ausblick
Ziel des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft wird es weiterhin sein, die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen in den Quartieren zu stärken. Es gilt, zivilgesellschaftliches Engagement unter veränderten Bedingungen zu fördern, dem Miteinander aber auch dem sachlichen und kritischen Diskurs mehr Raum zu geben und sozialer Ungleichheit in den Stadtteilen entgegenzuwirken.
Gelebte Solidarität und transparente Aushandlungsprozesse auf Quartiersebene schaffen eine starke Stadtgesellschaft. Diese trägt zu mehr Resilienz in den Stadtteilen bei, die urbane Lebensräume in Zukunft stärker vorhalten müssen. Klimawandel, Populismus, Verknappung von Ressourcen und Fluchtbewegungen zeigen ihre Auswirkungen direkt in den Lebenswelten der Bewohner:innen.
Das Quartiersmanagement und seine Partner:innen machen wichtige gesellschaftliche Themen sichtbar und schaffen mehr Chancengerechtigkeit für benachteiligte Personen auf Stadtteilebene. Bei den aufgeführten Projektbeispielen wurde deutlich, dass Kooperationen und Vernetzung besonders wichtig sind, um den vielfältigen Herausforderungen zu begegnen. Die Stärkung der bestehenden Kooperationen und Vernetzung wird in Anbetracht der knapper werdenden Ressourcen und dem erhöhten Bedarf aufgrund der angespannten sozialen Situation für viele Bewohner:innen verstärkt in den Blick genommen. Auf Ebene der Fachstelle wird eine stärkere Vernetzung in den Stadtteilen angestrebt und weiterhin das Frankfurter Programm-Aktive Nachbarschaft in der Stadtverwaltung und bei anderen Institutionen bekannter gemacht.
Im Quartiersmanagement liegen wertvolle Ressourcen für die Stadtteile, die auch in Planungsprozessen nützlich und hilfreich sein können. Darüber kann das Quartiersmanagement Bedarfe und wichtige Themen der Bewohner:innen aufnehmen und an den geeigneten Stellen mit Kooperationspartner:innen bewegen und in die Verwaltung geben.
In Anbetracht der herausfordernden politischen Stimmungslage geprägt durch Polarisierung, Misstrauen und immer häufiger populistischer Rhetorik, leidet das Zusammenleben in der Nachbarschaft teilweise zunehmend. Soziale Spannungen können anwachsen, Vorurteile und Ausgrenzung verstärken sich, was zu einer Fragmentierung der Gemeinschaft führt. Besonders benachteiligte Gruppen sind von dieser Dynamik besonders betroffen. Umso wichtiger sind offene Begegnungsorte im Quartier und die Förderung von Dialogen zwischen den Nachbar:innen. Durch weiterhin gezielte Vernetzung lokaler Akteur:innen, wie Vereine, Initiativen und soziale Einrichtungen, können Ressourcen mobilisiert und integrative Projekte entwickelt werden. Dies unterstützt nicht nur die Teilhabe benachteiligter Menschen, sondern fördert ein stärkeres Gefühl von Gemeinschaft für alle.
Mit dem ersten Abschluss der wirkungsorientierten Qualitätssicherung beginnt nun fortwährend die weitere Umsetzungsphase für die Fachstelle und das Quartiersmanagement. Die Dokumentation wurde angepasst und wird mittel- bis langfristig neue Auswertungen ermöglichen sowie eine fokussierte strategische Steuerung gewährleisten. Die inhaltliche Bearbeitung der Handlungsfelder kann sich auch in der Zusammenarbeit mit anderen städtischen Akteur:innen auszahlen und eine fokussierte Perspektive hervorbringen.
Angesichts der gleichbleibenden finanziellen Mittel und den steigenden Kosten werden die bestehenden Mittel, die für Projekte eingesetzt werden können, geringer. Auch im nächsten Jahr bleibt die Herausforderung für die Quartiersmanager:innen, mit weniger Projektmittel zu planen. Hier sollten auch weitere Möglichkeiten wie themenbezogenes Fundraising genutzt werden.
Mit einer personellen und finanziellen Aufstockung der bestehenden Quartiersmanagements und einem möglichst flächendeckenden Ausbau wäre über regionale, stadtteilübergreifende Netzwerke eine noch stärker zielgerichtete strategische Steuerung möglich. Wirkungsvolle Angebote könnten so abgestimmt und mit weniger Aufwand für den einzelnen Stadtteil in verschiedenen Quartieren etabliert werden. Dies wäre ein wichtiger Baustein, um die Stadt sozial gerechter, robuster und anpassungsfähiger zu machen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Der Weg dieser Vorlage
Am 22. November 2024 veröffentlichte der Magistrat diesen Bericht. Sie geht auf OA 870 zurück — Anregung, beschlossen am 13. Juni 2002. In 14 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf14 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: SPD, CDU, Linke und FDP gegen GRÜNE (= Kenntnis als Zwischenbericht)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, Linke und fraktionslos gegen FDP (= Zurückweisung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD und Volt Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF und BFF-BIG (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme