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Frankfurt - Weltstadt des perfekten ÖPNV?

Vorlagentyp: ARÖMER
31 Wochen bis zur Antwort3 Stationen im Verfahren
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Anfrage vom 03.11.2014, A 723

Betreff: Frankfurt - Weltstadt des perfekten ÖPNV? Frankfurt ist Sporthauptstadt mit zahlreichen großen Sportveranstaltungen, zu denen immer zahlreiche Besucher erwartet werden. Der Magistrat verweist regelmäßig darauf, dass man zu solchen Veranstaltungen möglichst nicht mit dem Pkw anreisen soll, sondern den "leistungsfähigen und schnellen" (O-Ton Verkehrsdezernent) ÖPNV nutzen soll. Wer diesem Rat folgt, ist jedoch häufig nicht gut beraten. So z.B. am 26.10.2014. An diesem Tag fand der Frankfurt Marathon statt. Daher waren in der Stadt zahlreiche Straßen gesperrt, so dass keine echte Wahl zwischen Pkw und ÖPNV blieb. Wer dann jedoch am genannten Tag gegen 09.15 h am S-Bahnhof Mühlberg war, um zur Messe zu fahren, stellte fest, dass von den ohnehin nur selten verkehrenden (Sonntag früh !) S-Bahnen die Hälfte (3 von 6 angekündigten) ausfielen. Die verantwortlichen Planer haben also nicht - wie man erwarten sollte - aufgrund des Großereignisses die S-Bahn-Frequenz an diesem Sonntagmorgen erhöht, sondern noch um die Hälfte reduziert. Noch beeindruckender war das Erlebnis, das der Besucher des Pokalspiels der Eintracht Frankfurt am 29.10.2014 haben konnte - wenn er versuchte, mit dem ÖPNV an die Commerzbank-Arena zu gelangen. Von Niederrad kommend, erreicht man diese normalerweise mit der Straßenbahn Linie 21. Nicht jedoch beim Pokalspiel. An diesem Tag verkehrten auf der Strecke aufgrund von Bauarbeiten keine Straßenbahnen. Kein Problem, wenn man informiert ist - z.B. über das Internet. Die Stadt Frankfurt meldete an diesem Tag jedoch nur Wichtiges: "Allessa testet die Sirenen", "Spaziergang durch die Pflanzenheilkunde" und "Interne Fortbildung des Frankfurter Kinderbüros". Aber der Magistrat hatte vorgesorgt und VGF-Busse als Schienenersatzverkehr eingesetzt. Wer z.B. von der Haltestelle Heinrich-Hoffmann-Straße zum Stadion fahren wollte, wurde an der Station durch Schilder darauf hingewiesen. Die ankommenden Busse trugen auch alle die Aufschrift "Schienenersatzverkehr" - welche der drei dort verkehrenden Straßenbahnlinien jeweils ersetzt wurde, war jedoch nicht erkennbar (Abb. 1). Diese Information benötigt der durchschnittliche ÖPNV-Passagier auch nicht. Der Normalpassagier steigt üblicherweise in eine beliebige Bahn ein, fährt dann einige Stationen und steigt dann aus oder um. Wohin die Reise geht, ist ihm egal, da er kein festes Ziel hat, sondern nur fährt, um sich die Zeit zu vertreiben. Die wenigen Passagiere jedoch, die ausnahmsweise ein konkretes Ziel hatten, konnten am Schienenersatz-Bus nicht erkennen, wohin dieser fahren würde - aber möglicherweise wusste es der Fahrer selbst nicht. Im konkreten Fall wurde jedoch tatsächlich per Zufall der richtige Bus bestiegen - gegen 19.15 h. Das konnte man nach dem Verlassen der Haltestelle Triftstraße feststellen, da der Bus weiter in Richtung Oberforsthaus fuhr - oder besser stand. Zu diesem Zeitpunkt war auf der Schwarzwaldstraße wie auch den angrenzenden Ausfallstraßen ein ausgeprägter Stau, wobei sich die Fahrzeuge im sprichwörtlichen Schneckentempo bewegten. Auch der Bus, der im Stau stand, obwohl die abmarkierte Straßenfläche im Bereich der Schienen in der Gegenrichtung völlig frei war. Dort fuhr keine Bahn und auch der Schienenersatzverkehr im 15-min-Abstand. Diese Fahrspur hätte der Bus (in Koordination mit dem Gegenverkehr) nutzen können (bei Fahrrädern in Einbahnstraßen wird dieses Prinzip seit Jahren praktiziert). Der Bus hätte dann von der Haltestelle Triftstraße bis zum Oberforsthaus etwa eine Minute benötigt - tatsächlich waren es gestoppte 34 Minuten ! Ein durchschnittlicher Fußgänger hätte für die Strecke weniger als 10 Minuten benötigt, aber die Buspassagiere konnten selbstverständlich nicht aussteigen. Am Oberforsthaus war die Fahrt dann auch zu Ende, obwohl die zu ersetzende Straßenbahn bis zum Stadion gefahren wäre. Im vorliegenden Fall war das jedoch unerheblich, da ohnehin alle Fahrgäste (auch die erkennbar gehbehinderten) ausstiegen und zu Fuß weitergingen, da sie ansonsten den Beginn des Spiels verpasst hätten. Die Fahrtzeit im Bus (eigentlich: Standzeit) wurde von den Passagieren (in der Mehrzahl schlecht gelaunte Eintracht-Fans) ausgiebig genutzt, um die Sinnhaftigkeit der Verkehrsführung durch den Magistrat zu diskutieren. Dabei wurde spekuliert, ob der zuständige Verkehrsdezernent einfach nur unfähig ist, den Verkehr in der Stadt halbwegs flüssig abzuwickeln. Andere äußerten die Vermutung, der Verkehrsdezernent missgönne dem Sportdezernenten dessen Popularität in der Bevölkerung und sabotiere daher die zu Sportveranstaltungen fahrenden Verkehrsmittel. Beides trifft wohl nicht zu. Wie allgemein bekannt ist, hat der Verkehrsdezernent für sämtliche Maßnahmen gute und wohl abgewogene Gründe - Fehler können ihm nicht unterlaufen. Und so ist der geschilderte Fall (der selbstverständlich kein Einzelfall darstellt) zwar für den durchschnittlichen Passagier nicht verständlich, hat gleichwohl eine tiefere Bedeutung und ist Ausdruck wohlüberlegter Maßnahmen des Dezernates. Dennoch fragen wir vor diesem Hintergrund:

  1. Hält es der Magistrat für theoretisch denkbar, an Tagen mit großen Sportveranstaltungen (z. B. Marathon) die durch das Wochenende bedingte Frequenz von Bahnen zu erhöhen bzw. zusätzliche Züge einzusetzen?
  2. Hält es der Magistrat für sinnvoll, Besuchern von Sportveranstaltungen die Benutzung des ÖPNV zu empfehlen, wenn dann gleichzeitig aus dem ohnehin spärlichen Angebot an Zügen noch etwa die Hälfte gestrichen wird? 3 .Hält es der Magistrat technisch und organisatorisch für machbar, auf der Hinweistafel des Busses neben dem Wort "Schienenersatzverkehr" auch noch die Liniennummer des jeweils ersetzen Schienenfahrzeuges (etwa Nr. "15") anzugeben, auch wenn dann die Gefahr besteht, dass Passagiere ihr Ziel ohne Umwege erreichen?
  3. Falls 3. zutreffend: ist der Magistrat bereit, über die Umsetzung der Anregung nachzudenken?
  4. Hält es der Magistrat theoretisch für realisierbar, dass ein Busfahrer mit seinem (vollen) Bus nicht mehr als 30 Minuten im Stau steht, sondern den parallel laufenden und völlig freien Straßenabschnitt, auf dem sich die Straßenbahnschienen befinden, benutzt, um innerhalb einer Minute sein Ziel zu erreichen?
  5. Hält der Magistrat die geschilderten - und alltäglichen - Vorfälle für eine Stadt von der Bedeutung Frankfurts für angemessen oder auch nur tolerierbar? Abb. 1 Bus des Schienenersatzverkehrs. Wer in diesen Bus einsteigt, weiß zwar, dass er in einer Straßenbahn sitzt, aber nicht wohin diese fährt

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 3. November 2014Sie sind hier
    AA 723Frankfurt - Weltstadt des perfekten ÖPNV?
    STVV-Anfrage · RÖMER
  2. 23. Januar 2015BB 31Frankfurt - Weltstadt des perfekten ÖPNV?Magistratsbericht
  3. 8. Juni 2015Antwort des Magistrats · nach 31 WochenBB 226Frankfurt - Weltstadt des perfekten ÖPNV?Magistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

AAnfrage in der Stadtverordnetenversammlung

Eine schriftliche Frage von Stadtverordneten oder Fraktionen an den Magistrat. Die Antwort erfolgt schriftlich innerhalb von drei Monaten und fließt in spätere Beratungen ein.

  1. 1Stadtverordnete stellen Anfrage
  2. 2Magistrat antwortet schriftlich
  3. 3Antwort fließt in Beratungen ein

Frist: 3 Monate

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