Fällt der Hochhausrahmenplan aus dem Rahmen?
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Anfrage vom 01.10.2008, A 696
Betreff: Fällt der Hochhausrahmenplan aus dem Rahmen? Frankfurter Planungsdezernent hatte bereits im April vor der Presse neue Hochhausstandorte vorgestellt (Frankfurter Rundschau vom 26. April 2008). Seit dem 6. Juni 2008 kann man die Pläne in der Magistrats-Drucksache M 106 mit dem Titel "Hochhausentwicklungsplan Frankfurt am Main - Fortschreibung 2008" nachlesen. "Geburtshelfer" ist das Architekturbüro Jourdan & Müller. Überlegungen für weitere Standorte von Hochhäusern in der Stadt waren bereits 2007 veröffentlicht und kontrovers diskutiert worden. Dessen ungeachtet enthalten die neuen Pläne noch einmal zusätzliche Hochhausstandorte. Angeblich soll damit Planungssicherheit für die Zukunft erreicht werden. Ein Blick in die Hochhausgeschichte Frankfurts lehrt aber, dass mit solchen Planungsvorgaben nur weiteren Forderungen von Investoren nach verdichteten Baumassen innerhalb der vorhandenen Stadtquartiere Vorschub geleistet wird. Der neue Hochhausentwicklungsplan sieht sage und schreibe 22 neue Hochhäuser vor. Das ist ein volles Drittel mehr als der gegenwärtige Bestand, einschließlich der im Bau bzw. in konkreter Planung befindlichen Hochhäuser. Ein gewaltiges Bauvolumen, das der Stadt hier verordnet werden soll. Mit zurzeit noch überhaupt nicht absehbaren Folgen für die Entwicklung in der Stadt. Auffallend an den Plänen ist eine erneute Verdichtung der Hochhausstandorte am Rand des Frankfurter Westends. Das Westend ist das Frankfurter Wohnquartier mit der längsten und im wörtlichen Sinn am meisten einschneidenden "Hochhauserfahrung". Hier lassen sich sowohl die Diskontinuität der städtischen Hochhausplanung als auch die Auswirkungen von Hochhäusern auf die sie umgebende, gewachsene Stadtlandschaft besonders gut ablesen: Die Auswirkungen auf den Verkehr, auf das Klima und das innerstädtische Wohnen, um die wesentlichen Aspekte zu nennen. Zu diesen Folgen schweigen sich die jüngsten Frankfurter Hochhauspläne aus. Es ist deshalb völlig ausgeschlossen, sie vernünftig und angemessen zu beurteilen. Der Magistrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
- Ist geplant, den bestehenden und nach langen Auseinandersetzungen zustande gekommenen Westendbebauungsplan NR. 320 in einem brisanten Teilabschnitt, nämlich entlang der Mainzer Landstraße, erneut zu ändern?
- Welche Auswirkungen sind vom Hochhausentwicklungsplan mit seinen besonders hochpreisigen Wohnhochhäusern auf den Wohnungsmarkt zu erwarten (Aufwertungsdruck, Verdrängung einkommensschwacher Schichten)?
- Wie verträgt sich der Plan, das Hochhaus auf dem Allianz Areal auf 60 Meter zu begrenzen und an den Kettenhofweg zu verlegen, mit dem Umstand, die im und der Nähe des Kettenhofweges wohnende Westendbevölkerung gerade vor der Verschattung und dem Lichtsmog durch neue Hochhäuser zu schützen?
- Ist eine Überarbeitung des Generalverkehrsplans aufgrund des Hochhausentwicklungsplans vorgesehen?
- Welche Auswirkungen hat ein erhöhtes KFZ-Aufkommen durch den Hochhausentwicklungsplan auf die Luft- und Lärmbelastung der umliegenden Stadtteile?
- Ist geplant, durch Anreize wie z.B. Umweltticket oder Jobticket die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu fördern und den MIV zu beeinflussen?
- Ist geplant, z.B. durch Einführung einer City-Maut wie in Stockholm, die zu erwartende Verkehrsbelastung durch den motorisierten Individualverkehr zu senken?
- Wie werden sich die Lichtverhältnisse bei Tag und Nacht verändern (Verschattung, Lichtsmog)?
- Hochhäuser verschlingen durch ihre Technik (Versorgung und Entsorgung, Sicherheitsvorkehrungen u.ä.) elektrische Energie, und zwar umso mehr, je höher sie gebaut werden. Wie verträgt sich das mit den auf allen staatlichen und privaten Ebenen deklarierten Energiesparmaßnahmen und dem Klimaschutzkonzept der Stadt Frankfurt am Main?
- Welche Auswirkungen hat der Hochhausentwicklungsplan auf die Einzelhandelsstruktur in Bezug auf wohnortnahe Angebote von Dienstleistungen des Alltags?
- Durch die Ansiedlungen von weiteren Hochhäusern entstehen nach 19.00 Uhr sogenannte tote Quartiere. Wie sind die Auswirkungen auf die innerstädtische Sicherheitslage einzuschätzen?
- Wie wird sich die Erweiterung des Büroflächenangebots auf das Gesamtangebot an Büroraum (Problem der Verlagerung von Leerständen) auswirken?
- Es lässt sich feststellen, dass um die bisher erstellten Hochhäuser urbanes Stadtleben (kulturell und sozial) verkümmert, ausstirbt und neu so gut wie nicht zustande kommt. Beispiele dafür sind u. a. in der Mainzer Landstraße, der Neuen Mainzer Straße, der Bockenheimer Landstraße, der "Welle" am Reuterweg und in der Bürostadt Niederrad zu besichtigen. Wie soll diesem Trend im Falle der Realisierung weiterer Hochhäuser begegnet werden? Welche Pläne gibt es in diesem Zusammenhang zur Belebung der Stadt?
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 1. Oktober 2008Sie sind hierAA 696Fällt der Hochhausrahmenplan aus dem Rahmen?STVV-Anfrage · LINKE.
- 14. November 2008Antwort des Magistrats · nach 6 WochenBB 718Fällt der Hochhausrahmenplan aus dem Rahmen?Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine schriftliche Frage von Stadtverordneten oder Fraktionen an den Magistrat. Die Antwort erfolgt schriftlich innerhalb von drei Monaten und fließt in spätere Beratungen ein.
- 1Stadtverordnete stellen Anfrage
- 2Magistrat antwortet schriftlich
- 3Antwort fließt in Beratungen ein
Frist: 3 Monate