Eberhard-Borst-Lehrbaustelle
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Thema Stadtplanung verfolgenInhalt
Auskunftsersuchen vom 12.03.2010, V 1261 entstanden aus Vorlage: OF 1011/5 vom 16.02.2010
Betreff: Eberhard-Borst-Lehrbaustelle Der Magistrat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
- Welche Informationen liegen dem Magistrat über die politische Vergangenheit von Eberhard Borst vor, nach welchem die Lehrbaustelle des Bildungswerks BAU Hessen-Thüringen e.V. (BiW BAU) in Niederrad benannt ist?
- Welche Informationen liegen dem Magistrat über das Mitwirken und die Verantwortlichkeit von Eberhard Borst im Zusammenhang mit dem Einsatz von Zwangsarbeiterinnen durch die Firma Züblin vor?
- Wird sich der Magistrat wegen der möglichen Verstrickungen des Eberhard Borst während der NS-Zeit mit dem Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V. in Verbindung setzen, um gegebenenfalls auf eine Änderung des Namens für die Lehrbaustelle hinzuwirken? Begründung: Informationsstand bei der Anfragestellung: Eberhard-Borst-Lehrbaustelle Die Lehrbaustelle wurde 1937 von der hessischen Bauwirtschaft gegründet und war zunächst auf dem Gehspitzgelände der Fa. Holzmann bei Neu-Isenburg untergebracht. Beim Anrücken der Amerikaner im März 1945 wurde die Lehrbaustelle aufgelöst, aber im Mai 1946 wieder eröffnet. Nachdem das Gehspitzgelände im September 1946 von den Amerikanern beschlagnahmt worden war, bat die Bauwirtschaft die Stadt Frankfurt dringend um Bereitstellung eines geeigneten Geländes zum Bau einer neuen Lehrbaustelle. Die Stadt Frankfurt entsprach der Bitte und stellte hier am Poloplatz ca.18.000 qm Pachtgelände zu Verfügung. Seit 1949 werden hier Bauarbeiter ausgebildet. Eberhard Borst (1892-1963) war seit 1925 Leiter der Niederlassung Frankfurt der Züblin AG. 1939 wurde er Vorstandsmitglied der Firma Züblin. Frankfurt Rhein-Main, der größte Flughafen Kontinentaleuropas, hat 3 Rollbahnen. Die erste davon lässt die Firma Züblin von Zwangsarbeiterinnen bauen, die im Sommer 1944 aus dem KZ Auschwitz in das KZ-Außenlager Walldorf deportiert werden. Die Frauen und Mädchen, alle ungarische Jüdinnen, kommen in (Vieh-)Waggons in Walldorf an. Vera, die jüngste, ist 13 Jahre alt. Ihre Mutter hat sie an der Rampe in Auschwitz für älter ausgegeben und damit im letzten Moment erreicht, dass sie nicht in die Gaskammer, sondern mit ihr zusammen in den Arbeitseinsatz geschickt wird. Auf dem Grasboden des Frankfurter Flughafens sind bisher nur Propellerflugzeuge gestartet. Doch dieser Untergrund ist für Hitlers neue "Wunderwaffe", das Düsenflugzeug Me 262, das den Deutschen zum Endsieg verhelfen soll, nicht zu gebrauchen. So beginnt der Bau der ersten Beton-Rollbahn des Frankfurter Flughafens. Die Firma Züblin zahlt der SS dafür 4 Reichsmark pro Tag und Frau. Die jungen Frauen und Mädchen, halb verhungert, barfuß, roden den Wald und schleppen Steine. Auch im harten Winter 1944/1945 arbeiten sie noch immer in Sommerkleidern. Sie sind am Ende ihrer Kräfte. Wer nicht mehr arbeiten kann, wird nach Auschwitz zurückgeschickt oder im Wald erschossen. Die Front rückt immer näher. Die Rollbahn liegt Tag und Nacht unter dem Beschuss der Alliierten. Dennoch wird die Sklavenarbeit fortgesetzt. Erst als die Alliierten die deutsche Front durchbrechen, muss die Baufirma Züblin ihr Bauvorhaben aufgeben. Die SS räumt das KZ-Außenlager Walldorf. Die überlebenden Zwangsarbeiterinnen werden in das Vernichtungslager Ravensbrück weitergeleitet. Von den 1.700 Frauen und Mädchen des KZ-Außenlagers Walldorf haben nur 200 das Kriegsende überlebt. Nach dem Krieg ist Eberhard Borst als Direktor der Vereinigung des hessischen Baugewerbes maßgeblich an der Einrichtung der Lehrbaustelle am Poloplatz beteiligt. 1961 wechselte Eberhard Borst vom Vorstand in den Aufsichtsrat bei der Firma Züblin, außerdem war er zu dieser Zeit Landesarbeitsrichter beim Landesarbeitsgericht Frankfurt, Vorstandsmitglied der AOK Ffm, Vorsitzender der Lehrbaustelle Hessen und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der hessischen Bauindustrie. Kurz nach seinem Tod 1963 wird die Lehrbaustelle Hessen in Eberhard-Borst-Lehrbaustelle umbenannt. Züblin tritt erst dann dem Entschädigungsfond für ehemalige Zwangsarbeiter bei, als, ausgelöst durch den Dokumentarfilm "Die Rollbahn", ein Imageschaden größeren Ausmaßes zu befürchten war. Die Firma Züblin hat dann später auch beim Bau der Startbahn West mitverdient. Antragstellender Ortsbeirat: Ortsbeirat 5
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 16. Februar 2010OFOF 1011/5Eberhard-Borst-LehrbaustelleOrtsbeiratsantrag · FAG
- 12. März 2010Sie sind hierVV 1261Eberhard-Borst-LehrbaustelleAnfrage
- 10. Mai 2010Antwort des Magistrats · nach 12 WochenSTST 666Eberhard-Borst-LehrbaustelleStellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Mit einer Anfrage verlangt der Ortsbeirat vom Magistrat schriftlich Auskunft. Die zuständigen Ämter erarbeiten eine Stellungnahme. Der Magistrat muss innerhalb von zwölf Wochen antworten — sonst kommt die Anfrage erneut auf die Tagesordnung des Ortsbeirats.
- 1Ortsbeirat beschließt Anfrage
- 2direkt an den Magistrat
- 3Ämter erarbeiten Stellungnahme
- 4Magistrat antwortet (12 Wochen)
Frist: 12 Wochen