Pflegeplatzsituation im Ortsbezirk 8
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Stellungnahme des Magistrats vom 30.04.2018, ST 829
Betreff: Pflegeplatzsituation im Ortsbezirk 8 Zu 1.: Der Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen wird gesamtstädtisch betrachtet. Die letzte Betrachtung erfolgte in einer Modellrechnung zur Entwicklung des Pflegebedarfs in Frankfurt am Main bis 2030 [1] . Nach dieser wird ein Anstieg bei den stationär Pflegebedürftigen von 4.331 Personen im Jahr 2015 auf 4.761 Personen im Jahr 2030 prognostiziert (erwartete Zunahme: 430 Personen bzw. +10 %). Da bei dieser Prognose der Ausgangswert bei den Pflegebedürftigen am Jahresende 2009 lag, kommt es zu einer geringen Abweichung zwischen dem prognostizierten und den tatsächlichen Werten für das Jahr 2015. So lag die tatsächliche Anzahl der stationär Pflegebedürftigen im Frankfurt am Main am 15.12.2015 bei 4.385 Personen und wich damit um 1,2 % nach oben hin ab. Überträgt man diese Abweichung auf die Prognose für das Jahr 2030, ergibt sich eine erwartete Zunahme von 435 stationär Pflegebedürftigen in Frankfurt am Main. Generell sind Prognosen darüber, welche zukünftigen Pflegebedarfe in Frankfurt am Main bzw. in den einzelnen Ortsbezirken / Stadtteilen bestehen werden, nur begrenzt verlässlich. Einerseits ist nur zu vermuten und nicht abzusehen, welche Form der Pflegeleistungen an welchen Wunschstandorten (in der Nähe des bisherigen Wohnortes, in der Nähe von Verwandten, in Pflegeeinrichtungen mit speziellen konzeptionellen Ausrichtungen usw.) gewählt und bevorzugt werden und andererseits ist ebenfalls nicht vorhersagbar welche gesetzlichen Änderungen im Pflegebereich hinzukommen, die ebenfalls Einfluss auf die Nutzung stationärer Einrichtungen haben werden. In den letzten Jahren ist eine prozentuale Zunahme bei der Inanspruchnahme von ambulanten Leistungen festzustellen und eine Abnahme im stationären Bereich: So entfielen im Jahr 2005 25,0 % der Pflegeleistungen in Frankfurt am Main auf Leistungen für stationäre Pflege, wohingegen es im Jahr 2015 nur noch 20,6% waren. Die Leistungen für ambulante Pflege stiegen von 24,9 % (2005) auf 26,2 % (2015), die Inanspruchnahme von Pflegegeld wuchs von 50,1 % (2005) auf 53,2 % (2015). Auch bei den absoluten Zahlen der Pflegebedürftigen in stationären Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten erkennt man eine deutliche Bevorzugung ambulanter Leistungen: Die Zahl der Pflegebedürftigen, die ambulante Pflegedienste nutzen, ist von 3.740 Personen im Jahr 2005 auf 5.574 Personen im Jahr 2015, d.h. um 49 %, angestiegen. In den Pflegeheimen nahm dagegen die Zahl der Pflegebedürftigen in demselben Zeitraum nur um 17 % zu (2005: 3.747 Personen vs. 2015: 4.385 Personen).[2]
Zu 2.: Im Ortsbezirk 8 gibt es in Niederursel das Domicil-Seniorenpflegeheim Hamarskjöldring. Das Haus mit 90 Einzel- und 24 Zweibettzimmern liegt in der Wohnanlage am Hammarskjöldring, nicht weit vom Nord-West-Zentrum und dem Martin-Luther-King-Park entfernt. Das Haus bietet bis zu 138 Personen folgende Angebote: § Leicht- bis Schwerstpflege in allen Pflegegraden § Kurzzeit- und Verhinderungspflege § Pflege für Demenzkranke § Einzel- und Doppelzimmer mit Bad § Notruf- und Sicherheitssystem § altengerechtes Telefon, Rundfunk-, Satelliten- und Internetanschluss § eigene Möblierung möglich und erwünscht § Therapie- und Gemeinschaftsräume § Festsaal § Balkone / Terrassen mit Gartenmöblierung § Garten § abwechslungsreicher, ganzjähriger Veranstaltungskalender § Tagespflege In den Nachbargemeinden des Ortsbezirkes 8 gibt es alternativ folgende Pflegeheime: Eschersheim: § Pfarrer-Münzberger-Haus mit 51 Plätzen § Haus Casa Reha "An den Niddaauen" mit 127 Plätzen Praunheim: § Pflegeheim Praunheim mit 120 Plätzen Riedberg: § Casa Reha Haus der Betreuung und Pflege "Bettinahof" mit 102 Plätzen > ab April 2018 mit 129 Plätzen Sämtliche der vorgenannten Einrichtungen sind von den Stadtteilen des Ortsbezirkes 8 aus gut erreichbar, d.h. sie sind an den ÖPNV angebunden. Zum Stichtag am 15.03.2018 waren bei der Zentralen Heimplatzvermittlung im Stadtteil Niederursel vier freie Plätze gemeldet. In den angrenzenden Stadtteilen wurden für Eschersheim drei freie Plätze, für Praunheim drei freie Plätze und für Riedberg ein freier Platz gemeldet. Erfahrungsgemäß kann sich die Zahl der gemeldeten Plätze sehr rasch ändern, so dass diese Momentaufnahme der freien Plätze keine gesicherte Aussage geben kann.
Zu 3.: Im Ortsbezirk 8 nimmt die Anzahl der Bürgerinnen und Bürger in einem Alter ab 75 Jahren bis zum Jahr 2040 um 668 Personen zu (Vergleich Anzahl der Einwohner*innen ab 75 Jahren im Ortsbezirks 8 (5.095)[3] und der vorausberechneten Anzahl dieser Bevölkerungsgruppe (5.763) im Jahr 2040 [4] ). Wie viele dieser Einwohnerinnen und Einwohner pflegebedürftig werden und stationäre Pflege in Anspruch nehmen wollen, lässt sich nicht eindeutig (s.a. Antwort zu 1) bestimmen. Zudem ist zu beachten, dass frei gewählt werden kann, in welchem Altenpflegeheim die stationäre Pflege in Anspruch genommen wird. Dies erschwert eine zuverlässige Prognose. Des Weiteren wird die Pflegereform (Pflegestärkungsgesetze II und III) Auswirkungen auf die pflegerische Versorgungsstruktur haben. Wie sich diese Reform auf die zukünftige Entwicklung von stationären Pflegeeinrichtungen auswirken wird, kann zurzeit nicht seriös beantwortet werden. Aus Sicht des Magistrats ist das Zusammenwirken von familiären, nachbarschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Ressourcen mit professionellen Dienstleistungen für Frankfurt wichtig. Daher hat die Fortschreibung und Umsetzung der Partizipativen Altersplanung in Frankfurt mit dem Ziel, die Strukturen der Altenhilfe fokussiert auf das soziale Umfeld der älteren und alten Personen hin (weiter-) zu entwickeln für den Magistrat einen hohen Stellenwert. Dies schließt ein, dass pflegebedürftige Personen dringend erforderliche stationäre Pflege in Anspruch nehmen können.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 4. Januar 2018OFOF 249/8Pflegeplatzsituation im Ortsbezirk 8Ortsbeiratsantrag · LINKE.
- 25. Januar 2018VV 742Pflegeplatzsituation im Ortsbezirk 8Anfrage
- 30. April 2018Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 17 WochenSTST 829Pflegeplatzsituation im Ortsbezirk 8Stellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab