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Fluglärmstudie "Greiser" mitfinanzieren, Gesundheitsschäden für Bergen-Enkheim abklären

Vorlagentyp: STMagistrat
13 Wochen bis zur Antwort3 Stationen im Verfahren

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Stellungnahme des Magistrats vom 26.05.2010, ST 738

Betreff:

Fluglärmstudie "Greiser" mitfinanzieren, Gesundheitsschäden für Bergen-Enkheim abklären

Im Rhein-Main-Gebiet liegen bereits umfangreiche Daten zum Thema Fluglärm und Gesundheit vor, basierend auf der detaillierten, standardisierten und validierten Befragung von mehr als 2.000 Bewohnern im Rhein-Main-Gebiet, die unterschiedlicher Fluglärmbelastung ausgesetzt sind:

"Fluglärm-Belästigungsstudie“ im Auftrag des Regionalen Dialogforums, 2006

"Fluglärm und Gesundheit – Ergänzende Auswertung der RDF-Belästigungsstudie um die Fragen zur Gesundheit“ im Auftrag des Amtes für Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main, 2009.

In Deutschland wurden darüber hinaus im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn weitere Untersuchungen zur Frage Fluglärm und Gesundheit durchgeführt. Sie basieren auf Daten der Krankenkassen zur Arzneimittelverschreibung für die Versicherten sowie auf Krankenhausentlassungsdaten der Versicherten.

Greiser et al.: Beeinträchtigung durch Fluglärm. Arzneimittelverbrauch als Indikator für gesundheitliche Beeinträchtigungen 2006; im Auftrag des Umweltbundesamtes

Greiser und Greiser: Risikofaktor nächtlicher Fluglärm. Abschlußbericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn. 2010; im Auftrag des Umweltbundesamtes

Greiser und Greiser: Im Krankenhaus behandelte Krebserkrankungen als Folge einer Exposition gegenüber nächtlichem Fluglärm. Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn. Gutachten im Auftrag des Rhein-Sieg-Kreises,

  1. Juni 2009 International liegen zahlreiche Studien zu Fluglärm und Gesundheit vor, die u.a. in dem Bericht "Fluglärm und Gesundheit – Literaturübersicht“ des Amtes für Gesundheit (2009) dargestellt sind. Dieser Bericht umfasst über die o.g. Studien zu Erwachsenen hinaus auch die Studien zu Fluglärm und Kinder. Aus der Fülle der - teilweise auch älteren und methodisch nicht mehr aktuellen - Studien seien hier im wesentlichen die Ergebnisse der internationalen, multizentrischen HYENA-Studie zu kardiovaskulären Erkrankungen bei Erwachsenen und der internationalen multizentrischen RANCH-Studie zu Fluglärm und kognitiver Gesundheit bei Kindern angeführt. Am 23.04.2010 hat das Nachbarschaftshaus ein Expertengespräch zu vorliegenden Studien zum Thema Fluglärm und Gesundheit durchgeführt. Der Fokus lag dabei auf den Studien Greiser und Greiser: Risikofaktor nächtlicher Fluglärm. Abschlußbericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn. 2010; im Auftrag des Umweltbundesamtes, nachfolgend UBA-Risiko-Studie genannt, "Fluglärm und Gesundheit – Ergänzende Auswertung der RDF-Belästigungsstudie um die Fragen zur Gesundheit“ im Auftrag des Amtes für Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main, 2009; nachfolgend Frankfurt-Studie genannt, wobei auch die HYENA-Studie sowie die weiteren Studien von Greiser und Greiser (s.o.) diskutiert wurden. Diskutiert wurden die Blöcke Design, Methodik, Akustik und Ergebnisse Ergebnisse. Methoden UBA-Risiko-Studie: Vorteil große Anzahl, Nachteil Sekundärdaten, die für Abrechnungszwecke erhoben wurden und keine Erhebung von Confoundern, Beruf, Wohndauer etc.; neuer methodischer Ansatz, bisher nicht etabliert. Frankfurt-Studie und HYENA: Nachteil kleinere Teilnehmerzahl, Vorteil standardisierte, validierte Erhebung von Gesundheitseffekten unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Einflussfaktoren auf individueller Ebene, inklusive der von den Betroffenen ergriffenen Bewältigungsmechanismen (Frankfurt); etablierter und validierter methodischer Ansatz. Aus wissenschaftlicher Sicht können beide Methoden alleine nur Assoziationen zwischen Fluglärm und den betrachteten Auswirkungen untersuchen und keine Aussagen zur Kausalität treffen. Dies ist nur in der wissenschaftlichen Zusammenschau mehrerer Studien(typen) inkl. experimenteller Studien, bzw. im Längsschnitt oder in Interventionsstudien möglich. Akustik Alle Studien verwenden als Expositionsmaße berechnete Fluglärmpegel sowie Straßenlärmpegel. Die Qualität der Daten ist abhängig von der Güte der Grunddaten und deren Erfassungszeitraum. Ergebnisse Beide Studien haben mit der Methodik der logistischen Regression Zusammenhänge zwischen Fluglärm und den erhobenen Daten untersucht. UBA-Risiko-Studie: Seitens der Experten wurde auf verschiedene methodische Probleme der Studie hingewiesen So wird angesichts der Kritik an der Analyse aller Krankenhausentlassungsdiagnosen (Analyse
    • A), die möglicherweise auch Verdachtsdiagnosen und ältere Diagnosen umfassen und so ein falsches Bild geben, eine weitere Analyse (Analyse
    • B)gefordert, in welcher die Krankenhausentlassungsdiagnosen durch die zusätzliche Berücksichtigung der spezifischen Arzneimittelverordnungen validiert werden. Nach Berechnungen von Prof. Basner wurden bei der UBA-Risiko-Studie durch fehlende Berücksichtigung von Zirkeltermen die Risiken erheblich überschätzt, insbesondere mit zunehmendem Alter der Versicherten. – Es ist davon auszugehen, dass dies auch die "Arzneimittelstudie“ und die "Krebsstudie“ umfasst, sodass hier umfassende Neuberechnungen erforderlich werden. Es bleibt unklar, wie viele Versicherte die Studie tatsächlich umfasst. Diese Probleme wurden auch von Prof. Greiser eingeräumt, der bereits teilweise Neuauswertungen der UBA-Risikostudie (Herz-Kreislauf) unter Berücksichtigung der Berechnungen von Basner vorlegte, und weitere Neuberechnungen ankündigte. Er betonte, dass auch die im Umlauf befindliche(
    • n)(3) Version(en) der "Krebs-Studie“ nicht endgültig seien. Frankfurt-Studie: Hier gab es keine methodische Kritik, die Ergebnisse wurden wissenschaftlich nicht in Frage gestellt. Scheinbare Unterschiede zwischen den Studien (UBA-Risiko-Studie und Frankfurt-Studie) sind durch die Methoden bedingt; grundsätzlich sahen die Experten Vorteile bei der Befragungsmethode, da hier die Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren möglich ist, was bedeutet, dass eher der Frage der Kausalität nachgegangen werden kann. Außerdem können mit dieser Methode auch Handlungsoptionen für die Praxis untersucht werden. In der Abschlussdiskussion mit allen Experten wurde festgestellt: Die Ergebnisse aus dem Umfeld des Flughafens Köln-Bonn können nicht auf die Bevölkerung im Umfeld des Frankfurter Flughafens übertragen werden – auch nicht nach Neuberechnung. Ein Gesundheitsmonitoring im Umfeld des Frankfurter Flughafens soll als Befragungsstudie durchgeführt werden, möglichst als Längsschnitt (Interventions)-Studie. Ziel soll es sein, nicht nur Assoziationen, sondern möglichst auch Kausalitäten zu untersuchen sowie durch Erhebung möglicher Coping-Faktoren auch Hinweise für Handlungsoptionen für die Praxis zu erhalten. Das Monitoring sollte nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und bei diesen insbesondere die kognitiven Fähigkeiten analog der RANCH-Studie umfassen. Vor diesem Hintergrund wird der Magistrat in Umsetzung des Stadtverordnetenbeschlusses § 7692 vom 25.02.2010 mit den Nachbarkommunen des Flughafens Frankfurt eine gemeinsame Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms initiieren.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 22. Februar 2010OFOF 582/16Fluglärmstudie .Greiser. mitfinanzieren, Gesundheitsschäden für Bergen-Enkheim abklärenOrtsbeiratsantrag · SPD, GRÜNE, WBE, fwf, FDP
  2. 9. März 2010OAOA 1079Fluglärmstudie „Greiser“ mitfinanzieren, Gesundheitsschäden für Bergen-Enkheim abklärenAnregung
  3. 26. Mai 2010Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 13 Wochen
    STST 738Fluglärmstudie "Greiser" mitfinanzieren, Gesundheitsschäden für Bergen-Enkheim abklären
    Stellungnahme

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

STStellungnahme des Magistrats

Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.

  1. 1Antrag, Anregung oder Anfrage
  2. 2zuständiges Dezernat prüft
  3. 3Magistrat gibt Stellungnahme ab
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert

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