Endlich neue Wege in der Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit gehen: Die Menschen runter von der Straße holen und den Modellversuch "Housing First" in Frankfurt starten!
Zusammenfassung
Der Magistrat schlägt vor, den Ansatz "Housing First" in Frankfurt umzusetzen, um obdachlosen Menschen schnellstmöglich Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dies soll durch Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften und privaten Investoren geschehen, um eine Vielzahl von Wohnungen zu schaffen. Ziel ist es, die Wohnungslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen und den betroffenen Personen eine stabile Lebenssituation zu ermöglichen.
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Thema Wohnen verfolgenStellungnahme des Magistrats
Die Versorgung mit Wohnraum ist für Menschen ohne Wohnung die Basis für die Einleitung aller weiteren Hilfen sowie die Basis für die Stabilisierung der persönlichen Situation. Die Stadt Frankfurt stellt deshalb mit den verschiedenen großen und kleinen Trägern seit vielen Jahren ein ständig wachsendes umfangreiches Netz an Wohnmöglichkeiten von der Notaufnahmeeinrichtung bis zur eigenen Wohnung zur Verfügung. Die seit Jahren diskutierte Idee "Housing First", ein Ansatz, der ursprünglich aus den USA stammt, wurde in einigen europäischen Ländern umgesetzt. "Housing First" geht davon aus, dass jeder wohnungslosen Person eine Wohnung zusteht und jede Person mit der entsprechenden Unterstützung in regulärem Wohnraum untergebracht werden kann. Bei dem Modell "Housing First" steht die sofortige Versorgung mit Wohnraum im Vordergrund. Der zentrale Ansatzpunkt ist, wohnungslose Personen, ungeachtet weiterer Problemlagen, häufig Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, psychische Erkrankungen oder eine Kombination aus allem, direkt in einer eigenen Wohnung unterzubringen und anschließend dort zu betreuen. Der Aufwand, Wohnungen im Markt zu akquirieren und obdachlosen Personen mit einem regulären Mietvertrag in einer normalen Nachbarschaft zu versorgen, ist immens. Auf dem Wohnungsmarkt, gerade in Ballungsräumen, konkurrieren die obdachlosen Personen dann direkt mit anderen Interessentinnen und Interessenten. Die Anzahl der Personen, denen auf diesem Wege in eine Wohnung geholfen werden kann, fällt entsprechend gering aus. Die Stadt Frankfurt geht deshalb den Weg, in Kooperationen der Träger mit Wohnungsbaugesellschaften und privaten Investoren eine große Anzahl von Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Dabei erfolgen die Wege in die eigene Wohnung durchaus über mehrere Stationen, was aber für den Erfolg im Einzelfall kein Hindernis und schon gar kein Stufenmodell ist, in das man nur vorrücken kann, wenn man eine Stufe "bestanden" hat. Die Aufnahme in eine soziale Wohneinrichtung entlastet die Menschen für den Anfang von vielen Aufgaben, die im selbständigen Wohnen von der Person selbst bewältigt werden muss. Durch die intensive Begleitung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ist gewährleistet, dass der Wohnraum auch gehalten werden kann. Nicht wenige Menschen müssen sich erst wieder daran gewöhnen - und manchmal auch lernen - den Anforderungen, die das Wohnen mit sich bringt, zu entsprechen. Hierzu gehören Dinge wie Ruhezeiten einzuhalten, keine weiteren Personen in der Wohnung mit wohnen zu lassen, Abfall zu entsorgen und nicht aufzubewahren, die Wohnung nicht mit Sperrmüll zuzustellen und damit gegebenenfalls Ungeziefer in die Wohnung zu bringen, die Wohnung zu reinigen und notwendige Reparaturen ausführen zu lassen und Handwerker in die Wohnung einzulassen. Aus vielfältiger Erfahrung ist bekannt, dass die Gründe für die Wohnungslosigkeit meist wesentlich komplexer sind, als es auf den ersten Blick ausschaut und die Entstehung sehr vielfältige Ursachen hat, wobei der Verlust der Wohnung nur die Spitze des Eisbergs ist. Tatsächlich verbergen sich hinter dem Begriff der Wohnungslosigkeit vielschichtige Dimensionen, die sowohl soziale, medizinische, finanzielle und nicht zuletzt wohnungspolitische Bereiche betreffen. Aus diesen Gründen setzt der Magistrat auf die umfassende Schaffung von Wohnraum im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten, die nicht vorsieht, dass Einzelwohnungen angemietet werden. Sozialarbeit und Wiedereingliederung gehören zu den wesentlichen Aufgaben, diese werden gemeinsam mit den Trägern der Wohnungslosen- und Suchthilfe für eine sehr große Anzahl von Menschen umgesetzt. Der Magistrat stimmt mit dem Ansatz "Housing First" überein, wenn es darum geht, dass möglichst schnell der Zustand der Wohnungslosigkeit überwunden werden soll. Bei der Lösung wird jedoch die Notwendigkeit gesehen, individuell auf die Problemlage der einzelnen Person einzugehen und eine möglichst passende Wohnmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Dazu braucht es einen großen Bestand an Wohnmöglichkeiten. Zielsetzung ist und bleibt die eigene Wohnung und wird bei allen Maßnahmen und Angeboten angestrebt.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 14. Dezember 2020OFOF 1525/1Endlich neue Wege in der Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit gehen: Die Menschen runter von der Straße holen und den Modellversuch „Housing First“ in Frankfurt starten!Ortsbeiratsantrag · SPD
- 12. Januar 2021VV 1892Endlich neue Wege in der Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit gehen: Die Menschen runter von der Straße holen und den Modellversuch „Housing First“ in Frankfurt starten!Anfrage
- 8. März 2021Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 12 WochenSTST 568Endlich neue Wege in der Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit gehen: Die Menschen runter von der Straße holen und den Modellversuch "Housing First" in Frankfurt starten!Stellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab