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Besondere Gesundheitsrisiken im Ortsbezirk durch Einwohner- und Haushaltsstruktur

Vorlagentyp: STMagistrat
17 Wochen bis zur Antwort3 Stationen im Verfahren

Zusammenfassung

Der Magistrat von Frankfurt am Main erkennt die gesundheitlichen Risiken von Einsamkeit und setzt sich für die soziale Integration der Bürgerinnen und Bürger ein. Durch verschiedene Projekte und Angebote soll Einsamkeit entgegengewirkt und die Lebensqualität der Frankfurter Bevölkerung verbessert werden.

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Stellungnahme des Magistrats

zu 1.: In der Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Gesundheitsdezernat ist dem Magistrat bewusst, dass das Gefühl der Einsamkeit zwar kein Gesundheitsrisiko ist, aber Einsamkeit gesundheitsgefährdend sein kann, wenn sie auf eine schwierige Lebenssituation aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände zurückzuführen ist. Das Thema Einsamkeit muss insofern vom physischen Alleinsein abgegrenzt werden: Einsamkeit ist nicht nur ein quantitatives Phänomen, sondern auch ein qualitatives. D. h., dass die Auswirkungen des Alleinseins auch (aber nicht nur) davon abhängig sind, wie dieses vom Individuum erlebt wird. Nicht jeder Mensch, der alleine lebt, ist einsam, und ein Mehrpersonenhaushalt schützt nicht unbedingt vor dem Gefühl von Einsamkeit. Medizinisch steht Einsamkeit in Verbindung mit einer atypischen Stressreaktion des Körpers und wirkt sich so auf den Cortisolspiegel, den Blutdruck und das Immunsystem aus. Daher ist soziale Integration und Verbundenheit ganz entscheidend für die Gesundheit des Individuums. Es ist daher ein Anliegen des Magistrats, durch seine Arbeit die Gesundheit der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger zu erhalten bzw. wiederherzustellen und Unterstützung sowie Hilfeangebote zur Verfügung zu stellen, damit schwierige Lebenssituationen nicht entstehen oder überwunden werden können. Insbesondere in schwierigen Lebenssituationen ist es wichtig, das soziale Ressourcen vorhanden sind bzw. aufgebaut werden können. Das Vorhandensein eines guten sozialen Netzwerkes stärkt und unterstützt dabei, Lösungen zu finden und Krisen zu überwinden. Bestandteile eines sozialen Netzwerkes sind nicht nur Freunde, Familie und Nachbarinnen und Nachbarn, sondern auch Beratungsstellen und andere professionelle Unterstützungs- und Hilfeangebote. Wie sich auch in der aktuellen Ausnahmesituation durch das Corona-Virus SARS-CoV-2 (Covid-19) zeigt, hilft es emotional zu wissen, dass es andere Menschen gibt, die unterstützen und helfen können. Und es zeigt sich, dass es für die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger Alltagshilfe, wie z. B. Unterstützung im Haushalt oder beim Einkauf und auch ein offenes Ohr dafür gibt, um über Ängste und Sorgen zu sprechen. zu 2.: In Frankfurt am Main wurde bisher ein möglicher Zusammenhang zwischen der Einwohnerstruktur und sozialen bzw. gesundheitlichen Risiken stadtweit bzw. für die einzelnen Frankfurter Stadtteile nur bedingt untersucht. Insofern gibt es hierzu keine umfassenden Erkenntnisse. Ein Beispiel für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Struktur von Einwohnerinnen und Einwohnern und sozialen bzw. gesundheitlichen Risiken ist das Frankfurter Projekt zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen (FraPPE), an dem das Gesundheitsamt beteiligt ist. Ergebnisse zum Einfluss verschiedener demographischer und struktureller Variablen auf Stadtbezirksebene auf die Rate an suizidalen Handlungen stehen noch aus, sind aber voraussichtlich ab Mitte 2021 verfügbar. Bei Einsamkeit handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das diverse Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen betrifft. Neben älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern sind vor allem körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund oder ohne festen Wohnsitz betroffen. Aber auch Menschen in der Lebensmitte und jüngere Erwachsene fühlen sich laut einer Studie von Luhmann und Hawkley (2016) häufig einsam. Daher hat der Magistrat nicht nur den Ortsbezirk 1, sondern generell die Stadt als Ganzes im Blick, um gesundheitliche Risiken nicht aus den Augen zu verlieren. zu 3.: Die Schwerpunkte in der Arbeit des Quartiersmanagements ergeben sich aus den Bedarfen im jeweiligen Stadtteil. Diese werden z. B. im Rahmen von aktivierenden Befragungen und Interviews mit Akteuren im Stadtteil erhoben. Seniorinnen und Senioren werden so ganz selbstverständlich in ihrem Sozialraum mit in den Blick genommen und eingebunden. Das Quartiersmanagement geht dabei insbesondere auch auf noch nicht gut integrierte und ggf. einsame Menschen in der Nachbarschaft zu. Die Ergebnisse der Befragungen münden dann in bedarfsorientierten Projekten und Maßnahmen, die im Anschluss partizipativ mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam entwickelt werden. Dabei werden meist zielgruppen- und generationsübergreifende Ansätze verfolgt, die auch die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren berücksichtigen und das Ziel haben, die Nachbarschaft so gut wie möglich zu vernetzen. Die konzipierten Projekte und Veranstaltungen sind immer niedrigschwellig für alle Nachbarinnen und Nachbarn zugänglich, wie etwa ein offenes Nachbarschaftsfrühstück, Erzählcafés oder "urban gardening". So wird Einsamkeit als gesamtgesellschaftlichem Phänomen begegnet. Daneben existieren auch Angebote des Quartiersmanagements, die hauptsächlich auf Senioren zugeschnitten sind, wie Bewegungsangebote, Einkaufstaxis oder reine Seniorentreffs, sofern der Bedarf nicht bereits anderweitig im Stadtteil abgedeckt wird. Auch profitieren Seniorinnen und Senioren häufig von dem im Rahmen von Quartiersmanagement angeregten ehrenamtlichen Engagement, z. B. durch ganz praktische Nachbarschaftshilfe. Durch weitere quartiersübergreifende Formate, wie etwa das generationsübergreifende Angebot "Theater für Alt und Jung", werden unterschiedliche Generationen miteinander in Kontakt gebracht und auch eher verschlossene Sozialräume, z. B. Alten- und Pflegeheime, zugänglich. Aus Sicht des Magistrats wird hier bereits in der angefragten Form gearbeitet, ein Ausbau ist d. h. aus unserer Sicht nicht notwendig. zu 4.: Die Stadt Frankfurt am Main gehört von Beginn an (seit 1989) zum Gesunde Städte-Netzwerk, das Einzelprojekte zur Primärprävention insbesondere zu den Schwerpunkten Familie, Kinder und Gesundheit, Migration und Gesundheit entwickelt sowie die Entwicklung von vernetzenden Gesundheitsstrukturen in Stadtteilen fördert. Im Rahmen des Projektes Projekt "GUT GEHT'S" werden im Rahmen von jährlichen Stadtgesundheitskonferenzen aktuelle Themen der Gesundheitsförderung diskutiert, Akteure aus den unterschiedlichen Bereichen, wie z. B. Gesundheit, Bildung, Soziales und Umwelt vernetzt, über bestehende Angebote und Projekte informiert sowie neue entwickelt werden. Frankfurter Bürgerinnen und Bürger werden bestärkt, mehr Einfluss auf ihre Gesundheit, ihre Lebensqualität sowie eine gesundheitsförderliche Lebenswelt auszuüben. In der Abteilung Psychiatrie des Gesundheitsamtes (Sachgebiet "Gesundheit im Alter/Prävention") werden verschiedene Projekte koordiniert, die eine soziale Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen zum Ziel haben: Bei dem stadtweiten Programm des Frankfurter Netzwerks "Aktiv bis 100" und dem wöchentlich stattfindenden Frankfurter Gesundheitsspaziergang steht die Bewegungsförderung für ältere Menschen im Vordergrund. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Gesund durchs Jahr!" können sich Menschen jeden Alters niedrigschwellig und kostenfrei informieren und vernetzen. Das im Frankfurter Gesundheitsamt gegründete Europäische Filmfestival der Generationen fördert bereits seit 2010 die soziale Integration, Barrierefreiheit und den wichtigen und fruchtbaren Austausch von Alt und Jung. Während der Corona-Pandemie war und ist es schwierig und herausfordernd, Menschen zu erreichen. Dennoch gelingt es zum Beispiel mit dem neu eingerichteten Online-Format "Shared Reading - Literarisches Miteinander" Menschen zu erreichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich in professionell angeleiteten Gruppen in kleinem und geschützten virtuellen Rahmen treffen, um sich über Gedanken und Gefühle anhand von Gedichten und Geschichten auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Da gerade ältere Menschen und psychisch Kranke häufig Vorbehalte und Schwierigkeiten bei der Nutzung digitaler Medien haben, sind in der Abteilung Psychiatrie des Gesundheitsamtes Telefonpartnerschaften in Planung: Interessierte können sich beim Gesundheitsamt melden, das eine Telefonpartnerin/einen Telefonpartner vermittelt. So können sich Menschen kontaktlos mit anderen austauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Nicht zuletzt versuchen der sozialpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt und die Anbieter psychosozialer Angebote die Begleitung und Betreuung psychisch kranker Menschen auch während der Pandemie aufrechtzuerhalten. Im Bereich der Altenarbeit bzw. Arbeit mit und für ältere Menschen existieren insgesamt unterschiedliche Angebote der freien Träger der Wohlfahrtspflege und Altenhilfe, der Vereine und Initiativen sowie der Stadtverwaltung, die einer isolierten Lebensweise und / oder einer Vereinsamung älterer Personen entgegenwirken sollen. Sichergestellt werden soll durch die Angebote die soziale, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe der älteren Bürgerinnen und Bürger Frankfurts. Der Besuch von offenen Treffs, Kursen, Vorträgen oder zu anderen Gelegenheiten in den Begegnungsstätten der Träger der freien Wohlfahrtspflege, der Mehrgenerationenhäuser oder der christlichen Kirchengemeinden, der Migrantenorganisationen und religiösen Zuwanderergemeinden, bietet die Möglichkeit, sich mit anderen zu treffen, Menschen kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Neben diesen Angeboten bestehen die Beratungsangebote im Rathaus für Senioren und in den Sozialrathäusern. Dort gibt es Informationen zu allen Fragen des Älterwerdens, die die Freizeitgestaltung ebenso einschließen, wie die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren oder Unterstützung und Hilfe im Rahmen von Pflege und Betreuung in Anspruch zu nehmen. Diese weitgehend auf eine Komm-Struktur basierenden Angebote der offenen Altenhilfe werden zunehmend durch Angebote mit einer Zugehenden-Struktur ergänzt, die einer Vereinsamung älterer Frankfurterinnen und Frankfurter entgegenwirken sollen. So bspw. die Angebote und Leistungen im Rahmen des Frankfurter Programms "Würde im Alter - Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" (FPWiA-Zugehend). Die Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung richtet sich explizit an einsame und isoliert lebende ältere Bürgerinnen und Bürger, so zum Beispiel "Präventive Hausbesuche - West", eine zugehende präventive Gesundheitsberatung für ältere Bürgerinnen und Bürger in den westlichen Stadtteilen Frankfurts (Caritasverband Frankfurt e. V.) oder das Programm "Gemeinschaft wagen - Initiative gegen Einsamkeit im Alter" (Diakoniestation Frankfurt am Main gGmbH). Auch Initiativen, wie das Netzwerk Neue Nachbarschaften, wollen dazu beitragen, soziale Isolation im Alter zu verhindern. Das Netzwerk ist ein selbstgesteuerter Zusammenschluss von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern. Ein Mitmachen aller Interessierten in einem Stadtteil ist möglich, es gibt keine Ausschlusskriterien. Auf Vereinsstrukturen wird verzichtet, dementsprechend gibt es keine Mitgliedschaften. Die einzelnen Gruppen, die sich quartiersbezogen bilden, sind unabhängig und selbstbestimmt. Einzige Voraussetzung ist die Übernahme von Verantwortung und die mit ihr verbundene Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit. Ziel des Netzwerkes ist es, ein Leben auch in hohem Alter bzw. bei zunehmender Hilfebedürftigkeit im gewohnten Stadtteil zu ermöglichen. Dies soll durch das Entstehen und den Aufbau von Nachbarschaftszirkeln verwirklicht werden. In solchen Nachbarschaftszirkeln soll Hilfe im Bedarfsfall auf Gegenseitigkeit geleistet werden. Als weitere Initiativen seien hier noch beispielhaft die Initiative gegen Einsamkeit des Evangelischen Regionalverbandes oder der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser erwähnt. zu 5.: Untersuchungen darüber, ob Amtshandlungen dazu beitragen, dass sich Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt einsam fühlen, gibt es bisher nicht. Die Arbeit des Magistrats hat zum Ziel, die Lebensqualität aller Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Dies impliziert, dass alle Amtshandlungen darauf ausgerichtet sind, die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und ggf. zu verbessern. Insofern sollten durch Amtshandlungen keinen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, die dazu beitragen Strukturen oder Tendenzen der individuellen Einsamkeit zu befördern.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 8. November 2020OFOF 1518/1Besondere Gesundheitsrisiken im Ortsbezirk durch Einwohner- und HaushaltsstrukturOrtsbeiratsantrag · GRÜNE
  2. 24. November 2020VV 1857Besondere Gesundheitsrisiken im Ortsbezirk durch Einwohner- und HaushaltsstrukturAnfrage
  3. 8. März 2021Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 17 Wochen
    STST 567Besondere Gesundheitsrisiken im Ortsbezirk durch Einwohner- und Haushaltsstruktur
    Stellungnahme

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

STStellungnahme des Magistrats

Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.

  1. 1Antrag, Anregung oder Anfrage
  2. 2zuständiges Dezernat prüft
  3. 3Magistrat gibt Stellungnahme ab
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert

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