Der Torbogen am Nürnberger Hofgässchen
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Hofgässchen Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Zur Komplettierung der neuen "alten" Bebauung zwischen Dom und Römer soll der Torbogen als Teil des öffentlichen Raums und als typisches Element der Frankfurter Altstadt wiedererstehen. Er soll zwischen dem Kunstverein und dem Haus Klein Nürnberg zu stehen kommen und soll zwischen "neuer" (Nachkriegs-) Architektur und den Renaissancebauten der zukünftigen Gasse Hinter dem Lämmchen vermitteln. Um das denkmalgeschützte Erschließungs- und Bürogebäude des Kunstvereins aus den 1950er Jahren unberührt zu lassen, soll ein baulicher Abstand von etwa 30 cm zwischen Torbogen und Fassade eingehalten werden. Mit diesem Achtungsabstand soll sichergestellt werden, dass das Kunstvereinsgebäude als Solitär wahrgenommen werden kann und gleichzeitig adäquat in die neue Altstadt integriert wird. Die Dom-Römer GmbH wird beauftragt, einen entsprechenden Auftrag zu vergeben und über die Planung der Stadtverordnetenversammlung baldmöglichst zu berichten. Begründung:
- Städtebauliche Bedeutung: Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg markierte der gotische Torbau durch seine Schräglage einen besonderen Ort in der Gasse Hinter dem Lämmchen. Und zog den Blick in die Hofgasse auf sich. Damit nicht genug: Für den Passant von Osten her leitete der schräggestellte Bogen optisch den Linksschwenk des Durchschlupfs zum kleinen dreieckigen Platz des "Kräutermarkts" vor dem Steinernen Haus ein. Damit hatte er eine doppelte Funktion: Eingangstor zum privaten Bereich des Messehofs und städtebauliches Umlenkstück zum Kräutermarkt. Er würde auch wieder den Zugang in die Hofgasse markieren, die ihre Fortsetzung im gotischen Gewölbe im Haus Braubachstraße 33 und im Torbogen des Innenhofs Braubachstraße 28 finden würde. Damit wäre die Abmessung eines Messehofs für Fußgänger wieder erlebbar, wenn auch die eigentlichen Hofgebäude in Masse den Unbilden der Zeit zum Opfer gefallen sind. Damit wäre auch eine Verknüpfung zur Bebauung außerhalb des Planungsgebietes hergestellt. Ähnlich wird mit der Darstellung des Rebstockhofs als zweites Beispiel eines Messehofs verfahren. Auch dort werden zwei Torbauten abgehend von der Neugasse errichtet um diese Besonderheit der Altstadt darzustellen.
- Hintergrund - Historische Entwicklung: Der Teil der Frankfurter Altstadt, der nun in das Planungsgelände des Bauvorhabens fällt, hielt nicht nur Einzelhäuser vor, sondern auch Messehöfe, die aus einem Konglomerat verschiedener Gebäude, wie Wohnhäuser, Beherbergungstrakte, Remisen, Stallungen und Stapelgebäude bestanden. Oft waren diese Höfe nach den Handelskompagnien benannt, die darin über Jahrhunderte zweimal im Jahr logierten. Die Höfe selbst waren zu den Gassen hin meist kaum sichtbar: Torbögen markierten die Ein- und Ausgänge, dahinter zogen sich die Privatgassen mit den verschiedenen Gebäuden hin. Bei dem Nürnberger Hof lag die Sache etwas anders, denn hier standen auch die Nachbarhäuser des Torbogens im Zusammenhang des Messehofs. So gehörten das Steinerne Haus (heute Standort des Frankfurter Kunstvereins) ebenso wie das Haus "Klein-Nürnberg" als Pfortenhaus des Nürnberger Hofs zu dem Ensemble. Auf der anderen Seite des Hofs an der Schnurgasse (Berliner Straße) sah die Sache nicht anders aus. Im Hof selbst ließ Kaiser Maximilian I. 1486 allein 100 Pferde einstellen, und kurze Zeit später logierte hier Albrecht Dürer auf Einladung des Großkaufmanns Jakob Heller im Hof und malte seinen Altar für die Dominikanerkirche, der heute noch zum Teil im Historischen Museum erhalten ist. Der Niedergang des Hofs fällt mit dem Ende des Alten Reiches 1806 zusammen, als die Messe wegen des Verlusts der Zollprivilegien in die Bedeutungslosigkeit fiel. Die Ganerbschaft Alten-Limpurg als Besitzer kümmerte sich nicht weiter um den Zustand der Gebäude, und mit dem Durchbruch der Braubachstraße wurde der Hof in der Mitte auseinandergerissen. Während des Ab- und Durchbruchs wurde allerdings ein spätgotisches Gewölbe des Haupthauses erhalten, unter dem die Hofgasse durchlief. Der Wert wurde zwar erst erkannt, als das Bodemuseum in Berlin Interesse an der Übernahme des Gewölbes anmeldete, aber so ist es heute noch als antipreussischer Reflex im Nachfolgebau von 1914, immer noch die Hofgasse markierend, erhalten geblieben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde als Verkehrsachse die neue Berliner Straße gebaut, die mehr oder weniger den Verlauf der Schnurgasse aufnahm. Nun wurde der erhaltene Nordausgang des Nürnberger Hofs, des Tores samt Pfortenhäusern, abgerissen. Der Bogen mit Altan ist aber wenigstens in den Hof des Hauses Braubachstraße 28 versetzt worden. Ein ähnliches Schicksal hatte auch der südliche Torbau des Nürnberger Hofs. Im Krieg brannte das Pfortenhaus "Klein-Nürnberg" ab und die Reste des steinernen Erdgeschosses samt erhaltenem Torbogen wurden in den ersten Jahren nach dem Feuerinferno abgeräumt.
Inhalt
Antrag vom 19.09.2014, NR 1012
Betreff: Der Torbogen am Nürnberger Hofgässchen Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Zur Komplettierung der neuen "alten" Bebauung zwischen Dom und Römer soll der Torbogen als Teil des öffentlichen Raums und als typisches Element der Frankfurter Altstadt wiedererstehen. Er soll zwischen dem Kunstverein und dem Haus Klein Nürnberg zu stehen kommen und soll zwischen "neuer" (Nachkriegs-) Architektur und den Renaissancebauten der zukünftigen Gasse Hinter dem Lämmchen vermitteln. Um das denkmalgeschützte Erschließungs- und Bürogebäude des Kunstvereins aus den 1950er Jahren unberührt zu lassen, soll ein baulicher Abstand von etwa 30 cm zwischen Torbogen und Fassade eingehalten werden. Mit diesem Achtungsabstand soll sichergestellt werden, dass das Kunstvereinsgebäude als Solitär wahrgenommen werden kann und gleichzeitig adäquat in die neue Altstadt integriert wird. Die Dom-Römer GmbH wird beauftragt, einen entsprechenden Auftrag zu vergeben und über die Planung der Stadtverordnetenversammlung baldmöglichst zu berichten.
Begründung:
- Städtebauliche Bedeutung: Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg markierte der gotische Torbau durch seine Schräglage einen besonderen Ort in der Gasse Hinter dem Lämmchen. Und zog den Blick in die Hofgasse auf sich. Damit nicht genug: Für den Passant von Osten her leitete der schräggestellte Bogen optisch den Linksschwenk des Durchschlupfs zum kleinen dreieckigen Platz des "Kräutermarkts" vor dem Steinernen Haus ein. Damit hatte er eine doppelte Funktion: Eingangstor zum privaten Bereich des Messehofs und städtebauliches Umlenkstück zum Kräutermarkt. Er würde auch wieder den Zugang in die Hofgasse markieren, die ihre Fortsetzung im gotischen Gewölbe im Haus Braubachstraße 33 und im Torbogen des Innenhofs Braubachstraße 28 finden würde. Damit wäre die Abmessung eines Messehofs für Fußgänger wieder erlebbar, wenn auch die eigentlichen Hofgebäude in Masse den Unbilden der Zeit zum Opfer gefallen sind. Damit wäre auch eine Verknüpfung zur Bebauung außerhalb des Planungsgebietes hergestellt. Ähnlich wird mit der Darstellung des Rebstockhofs als zweites Beispiel eines Messehofs verfahren. Auch dort werden zwei Torbauten abgehend von der Neugasse errichtet um diese Besonderheit der Altstadt darzustellen.
- Hintergrund - Historische Entwicklung: Der Teil der Frankfurter Altstadt, der nun in das Planungsgelände des Bauvorhabens fällt, hielt nicht nur Einzelhäuser vor, sondern auch Messehöfe, die aus einem Konglomerat verschiedener Gebäude, wie Wohnhäuser, Beherbergungstrakte, Remisen, Stallungen und Stapelgebäude bestanden. Oft waren diese Höfe nach den Handelskompagnien benannt, die darin über Jahrhunderte zweimal im Jahr logierten. Die Höfe selbst waren zu den Gassen hin meist kaum sichtbar: Torbögen markierten die Ein- und Ausgänge, dahinter zogen sich die Privatgassen mit den verschiedenen Gebäuden hin. Bei dem Nürnberger Hof lag die Sache etwas anders, denn hier standen auch die Nachbarhäuser des Torbogens im Zusammenhang des Messehofs. So gehörten das Steinerne Haus (heute Standort des Frankfurter Kunstvereins) ebenso wie das Haus "Klein-Nürnberg" als Pfortenhaus des Nürnberger Hofs zu dem Ensemble. Auf der anderen Seite des Hofs an der Schnurgasse (Berliner Straße) sah die Sache nicht anders aus. Im Hof selbst ließ Kaiser Maximilian I. 1486 allein 100 Pferde einstellen, und kurze Zeit später logierte hier Albrecht Dürer auf Einladung des Großkaufmanns Jakob Heller im Hof und malte seinen Altar für die Dominikanerkirche, der heute noch zum Teil im Historischen Museum erhalten ist. Der Niedergang des Hofs fällt mit dem Ende des Alten Reiches 1806 zusammen, als die Messe wegen des Verlusts der Zollprivilegien in die Bedeutungslosigkeit fiel. Die Ganerbschaft Alten-Limpurg als Besitzer kümmerte sich nicht weiter um den Zustand der Gebäude, und mit dem Durchbruch der Braubachstraße wurde der Hof in der Mitte auseinandergerissen. Während des Ab- und Durchbruchs wurde allerdings ein spätgotisches Gewölbe des Haupthauses erhalten, unter dem die Hofgasse durchlief. Der Wert wurde zwar erst erkannt, als das Bodemuseum in Berlin Interesse an der Übernahme des Gewölbes anmeldete, aber so ist es heute noch als antipreussischer Reflex im Nachfolgebau von 1914, immer noch die Hofgasse markierend, erhalten geblieben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde als Verkehrsachse die neue Berliner Straße gebaut, die mehr oder weniger den Verlauf der Schnurgasse aufnahm. Nun wurde der erhaltene Nordausgang des Nürnberger Hofs, des Tores samt Pfortenhäusern, abgerissen. Der Bogen mit Altan ist aber wenigstens in den Hof des Hauses Braubachstraße 28 versetzt worden. Ein ähnliches Schicksal hatte auch der südliche Torbau des Nürnberger Hofs. Im Krieg brannte das Pfortenhaus "Klein-Nürnberg" ab und die Reste des steinernen Erdgeschosses samt erhaltenem Torbogen wurden in den ersten Jahren nach dem Feuerinferno abgeräumt.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 19. September 2014Sie sind hierNRNR 1012Der Torbogen am Nürnberger HofgässchenSTVV-Antrag · CDU, GRÜNE
- 2. Februar 2015Antwort des Magistrats · nach 19 WochenBB 46Der Torbogen am Nürnberger HofgässchenMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Vorschlag für eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Er wird in den Fraktionen vorbereitet, in Ausschüssen vorberaten und im Plenum beschlossen — oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ausschüsse beraten & empfehlen
- 3Plenum beschließt
Beratungsverlauf3 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FREIE WÄHLER und FDP gegen LINKE. (= Zurückweisung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE und SPD; FREIE WÄHLER (= Enthaltung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: LINKE. und ÖkoLinX-ARL (= Ablehnung) FDP, RÖMER und REP (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, FDP, RÖMER und REP gegen LINKE. und ÖkoLinX-ARL (= Ablehnung); FREIE WÄHLER (= Enthaltung)