Gesundheitserziehung bei Kindern und Jugendlichen
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 19.09.2008, B 598
Betreff: Gesundheitserziehung bei Kindern und Jugendlichen Vorgang: A 580 FDP Zur Frage 1: Die Gesundheitsziele der WHO gehören ebenso wie die nationalen Gesundheitsziele des Bundesministeriums für Gesundheit zu den konzeptionellen Grundlagen der Arbeit des Stadtgesundheitsamtes auf den Gebieten der Prävention sowie der Gesundheitsförderung und fließen insoweit selbstverständlich in die tägliche Arbeit des Stadtgesundheitsamtes ein. Die Stadt Frankfurt am Main hat bereits durch den Beitritt zum Gesunde Städte-Netzwerk im Jahr 1989 die WHO-Strategie zur Gesundheitsförderung übernommen. Darüber hinaus haben die WHO-Ziele, insbesondere die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, Eingang in die Ausbildung und in die alltägliche Praxis von Fachkräften in Frankfurt am Main im gesundheitlichen, sozialen und pädagogischen Bereich gefunden. Speziell im öffentlichen Gesundheitsdienst gehören die im Ziel 4 (Gesundheit junger Menschen) geforderten Maßnahmen zur Sexualerziehung und Beratungsmöglichkeiten für junge Menschen zur Reduktion sexuell übertragbarer Krankheiten einschließlich HIV-Infektionen seit vielen Jahren zum Regelangebot des Stadtgesundheitsamtes in der Beratung und in Schulen. Das WHO- Ziel, Reduzierung von Kindesmissbrauch, soll zukünftig auch mit dem im Bereich des kinder- und jugendärztlichen Dienstes und des Jugend- und Sozialamts eingeführten Projektmodells "Frühe Hilfen" erreicht werden. In Deutschland begann der nationale Gesundheitszieleprozess Ende 2000. An der Entwicklung der nationalen Gesundheitsziele haben sich u. a. auch Experten aus Frankfurt am Main und aus anderen Kommunen des Gesunde Städte-Netzwerkes beteiligt. Derzeit geht es darum, die nationalen Gesundheitsziele über den Gesundheitsbereich hinaus für alle Sektoren bekannt zu machen. Das gilt auch für die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiIGGS), der erstmals eine repräsentative Erhebung für ganz Deutschland, allerdings nicht für Länder und Kommunen, darstellt. Die Daten des Stadtgesundheitsamtes für die Jahre 2002 bis 2006 wurden im Februar 2008 im Bericht "Kindergesundheit in Frankfurt" mit inhaltlichem Bezug zur KiGGS-Studie veröffentlicht. In jüngster Zeit hat das Stadtgesundheitsamt eine Vereinbarung mit dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Frankfurt am Main getroffen zur Unterstützung eines kommunalen Aktionsbündnisses zur Förderung eines gesunden Lebensstils (Bewegung, Ernährung, Stressregulation) sozial benachteiligter Zuwandererfamilien. Das für die gute Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervorzuhebende nationale Gesundheitsziel Nr. 5, mit den Themen Ernährung und Bewegung, ist grundlegender Bestandteil der pädagogischen Arbeit in den Frankfurter Kindertagesstätten und Schulen. Die Frankfurter Kindertagesstätten orientieren ihre pädagogische Arbeit an den Empfehlungen des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans, in dem Leitlinien für die Gesundheitserziehung formuliert sind. An den Frankfurter Schulen wird insbesondere durch den kontinuierlichen Ausbau der Mittagessensversorgung das Ziel einer gesunden Ernährung der Schulkinder angestrebt. Dafür wurden Qualitätsstandards entwickelt, die sich an der "Bremer Checkliste" orientieren. Zur Einhaltung der Standards werden nach Möglichkeit Mischküchensysteme gebaut, die eine Verarbeitung frischer Produkte erlauben. Mittelfristig wird eine Weiterentwicklung der Qualitätsstandards dadurch angestrebt, dass das Mittagessen einen Anteil an Bio- und regionalen Produkten enthalten soll. Ab 2009 ist in Bezug auf die verstärkte Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Mittagessen eine Kooperation zwischen Stadtschulamt und dem Jugend- und Sozialamt geplant. Im Rahmen des Ausbaus der Ganztagsangebote an Frankfurter Schulen haben Bewegungsangebote einen hohen Stellenwert, die nicht nur einen Ausgleich zu den Unterrichtsangeboten ermöglichen, sondern zudem eine aktive Form der Gesundheitserziehung darstellen. Kinder- und Jugendeinrichtungen arbeiten bereits mit ortsansässigen Sportvereinen zusammen, was zukünftig noch weiter ausgebaut werden soll. Das Sportamt bezuschusst im Rahmen seiner Mittel jedes Jahr mehrere Kooperationsprojekte von Sportvereinen mit Kindertagesstätten und Schulen. Zurzeit handelt es sich noch um Pilotprojekte, die jedoch das Ziel einer längerfristigen Kooperation verfolgen. Ein besonderes Angebot hält die Stadt Frankfurt mit dem Bildungsraum Grüngürtel vor. Dieses Angebot richtet sich an Frankfurter Kinder (ab 3 Jahren), Jugendliche, Erzieher/innen und Lehrer/innen und verfolgt das Ziel, das Erleben der Natur mit Bildung und Bewegung zu vernetzen. Für Kindergartengruppen und Schulklassen werden an neun Lernstationen spezielle Angebote vorgehalten, die sich an den hessischen Bildungs- und Lehrplänen orientieren. Zur Frage 2 und 3: Das Stadtgesundheitsamt ist Mitglied der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung (HAGE) und dahingehend eng in die Arbeit der HAGE eingebunden. Die Aufforderung zur Teilnahme an den sowohl seitens der HAGE als auch des Landes angebotenen Programmen ergeht direkt an die teilnehmenden Akteure, die Kindertageseinrichtungen und Schulen. Genaue Zahlen sind hierzu nicht bekannt. Bei der Zertifizierung von Schulen als 'Gesundheitsfördernde Schule', die vom Hessischen Kultusministerium im Rahmen des Projektes Schule und Gesundheit vorgenommen wird, belegen die Frankfurter Schulen einen Spitzenplatz. Das Zertifikat "Gesundheitsfördernde Schule" wird dabei durch den kumulativen Erwerb einer bestimmten Anzahl von Teilzertifikaten erworben, die u. a. den Themen Bewegung, Ernährung, Umwelt gewidmet sind. Der Anteil der teilzertifizierten Schulen liegt hessenweit in Frankfurt am Main und Fulda am höchsten. Zur Frage 4: Eine Übersicht der präventiven und gesundheitsfördernden Angebote unterschiedlichster Anbieter in der Stadt Frankfurt am Main wäre eine allgemeine Informationsquelle für ratsuchende Eltern. Der Bedarf entsteht jedoch immer aus einem individuellen Einzelfall eines Kindes oder Jugendlichen. Um passgenaue Angebote auswählen zu können, ist es notwendig, eine medizinisch kompetente und gezielte Beratung der Eltern, Kinder und Jugendlichen durchzuführen. Die hohe Versorgungsdichte durch Kinderärzten/-innen und sonstigen Beratungshilfen für Kinder, Jugendliche und Eltern, darunter die frei zugänglichen Sprechstunden im Stadtgesundheitsamt ermöglicht dies. Weitere Beratungsangebote werden von anderen Fachämtern (z.B. Jugend- und Sozialamt, Stadtschulamt) und nicht zuletzt von den städtisch geförderten Trägern vorgehalten. Seit Oktober 2007 wird jedem Frankfurter Neugeborenen und dessen Eltern ein Willkommenspaket übergeben. Es enthält unter Anderem Informationen über Beratungs- und Betreuungsangebote, Gesundheits- und Vorsorgemaßnahmen sowie Freizeitmöglichkeiten und vieles, was die Stadt für Familien und Kinder bereit hält. Der Magistrat wird prüfen, ob ein gesondertes kommunales Verzeichnis eine weitere sinnvolle Ergänzung zum bereits vorhandenen Angebot darstellen kann. Zur Frage 6: Das seit 2002/2003 an einer Schule in Dreieich (Landkreis Offenbach) durchgeführte Programm PFIFF ist aus der Sicht des Magistrats sicherlich geeignet, die ganzheitliche Gesundheitsförderung an den Grundschulen zu verbessern. Der Magistrat hat sich jedoch bereits im Jahre 2004 entschieden, das seit 1991 laufend fortentwickelte, bundesweit sehr gut eingeführte Programm "Klasse 2000" zu fördern. An diesem Programm nehmen unter finanzieller Förderung des Magistrats mehr als 17 Schulen mit insgesamt 49 Klassen teil. Zur Frage 7: Die Eltern werden im Rahmen der Angebote und Beratungen des Stadtgesundheitsamtes in Fragen der Gesundheitserziehung selbstverständlich mit eingebunden. In Kinderkrippen und -tagesstätten sowie in Kinder- und Jugendhäusern ist die Kommunikation mit den Eltern zu den Themen Ernährung und Bewegung ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit. Es werden außerdem zusätzliche Elternabende zu der Materie angeboten. Weiterhin wird die Möglichkeit genutzt, Eltern z. B. in Kochkurse/-Workshops in der Kinder- und Jugendarbeit mit einzubinden. Zur Frage 8: Die Angebote und Programme der AG Kindergesundheit werden hervorragend angenommen. Einige der hier konzipierten und initiierten Projekte sind sehr innovativ; in diesem Zusammenhang wird auf die Stadtteilprojekte, die zurzeit in Gallus und Nied durchgeführt werden, verwiesen. Hier gehen die Fachkräfte in die Kindertageseinrichtungen vor Ort und schulen nicht nur die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, sondern auch die Eltern in Zusammenarbeit mit örtlichen Netzwerken (Stadtteil-Konferenz) bezüglich, Auswahl, Zubereitung und Präsentation von gesunden Mahlzeiten. Gemeinsam mit den vorgenannten Gruppen wird den Kindern auch Freude an der Bewegung und am Sport vermittelt. An dem Projekt "Ernährungsgesundheit im Stadtteil Gallus" nahmen 15 verschiedene Einrichtungen teil. Mit 11 Trägern wurden gemeinsame Projekte konzipiert, 4 Einrichtungen nahmen ausschließlich an einem Fortbildungsangebot teil. Die Einrichtungen rekrutierten sich aus den Bereichen Kindertagesstätten, Einrichtungen der Eltern- oder außerschulischen Kinderarbeit sowie gemeinnützigen Vereinen, die Integrationskurse für Mütter anbieten. Im Stadtteilprojekt "Ernährungsgesundheit im Stadtteil Nied" wurden 48 Aktivitäten für 576 teilnehmende Kinder aus Kindertagesstätten- und Hortbereich durchgeführt, Elternberatungen für 55 Eltern fanden statt, mit 34 Eltern wurden Eltern-Kind-Kochkurse veranstaltet. An dem "Nieder Grillfest" haben über 500 Personen teilgenommen; die konkreten Daten hierzu können den umfangreichen Sachberichten der beiden angesprochenen Träger entnommen werden. Zur Frage 9: Der Magistrat hat diese Aktivitäten bereits ausgeweitet; in diesem Zusammenhang wird an die zahlreichen Angebote für Familien mit Migrationshintergrund und die rasche Verwirklichung des Projekts "Frühe Hilfen" des Stadtgesundheitsamtes und Jugend- und Sozialamtes verwiesen. In der Haushaltsplanung 2009 wurden im Bereich Gesundheit besonders Projekte berücksichtigt, die Aktivitäten zur Kindergesundheitsförderung beinhalteten. So erfolgte die Verstetigung des Präventionsprogramms "Klasse 2000", dass zuvor aus Landesmitteln gefördert wurde. Ebenfalls wurde das Projekt HALT zur Betreuung von alkoholauffälligen Jugendlichen verstetigt. Des Weiteren erfolgte die Aufstockung des Zuwendungsbetrages für die Stadtteilprojekte von Balance e.V. und Zentrum für Essstörungen, die Informationen zur gesunden Ernährung von Kindern und Jugendlichen vermitteln. Das Familienzentrum Fechenheim, als vorbildliches Programm zur Frühförderung von Kindern aus belasteten Familien wurde in die Förderung aufgenommen. Neben Förderung von Einzelprojekten und Leistungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes sieht der Magistrat als ein weiteres wichtiges Handlungsfeld die Vernetzung der Akteure, um die bereits gut ausgebauten und vorgehaltenen Angebote in Frankfurt am Main so effektiv wie möglich nutzen zu können.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 27. Juni 2008AA 580Gesundheitserziehung bei Kinder und JugendlichenSTVV-Anfrage · FDP
- 19. September 2008Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 12 WochenBB 598Gesundheitserziehung bei Kindern und JugendlichenMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf6 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
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Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
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Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: FAG, REP und NPD (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
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Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FAG und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP und NPD (= Kenntnis)