Interkulturelle Elternarbeit zur Förderung von Bildungserfolgen junger Migrantinnen und Migranten voranbringen!
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 06.09.2013, B 435
Betreff: Interkulturelle Elternarbeit zur Förderung von Bildungserfolgen junger Migrantinnen und Migranten voranbringen! Vorgang: l. Beschl. d. Stv.-V. vom 06.06.2013, § 3184 - NR 313/12 CDU - Im Zuge der Umsetzung des Integrations- und Diversitätskonzepts hält der Magistrat eine ämterübergreifende Verständigung über konzertiere Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungssituation von Eltern und Kindern in schwierigen sozio-ökonomischen Lebenslagen für sinnvoll. Grundlage sind die Handlungsziele 19 - 33 des Konzepts. Globalziel ist die Verbesserung der Chancengleichheit für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Konkret sollten bestehende Ansätze und Programme in enger Abstimmung zwischen den jeweils zuständigen Ämtern weiterentwickelt werden. Die Förderung von Eltern und Kindern mit Migrationshintergrund erfolgt derzeit in der Stadt Frankfurt am Main auf verschiedenen Ebenen. Im Folgenden werden Programme und Initiativen aus den Verantwortungsbereichen der Dezernate IV und XI sowie die aktuellen Ansätze zu deren Weiterentwicklung und effizienteren Gestaltung benannt. 1. "Mama lernt Deutsch"-Kurse (mit Kinderbetreuung): Kenntnisse in der deutschen Sprache sind eine wichtige Voraussetzung für Eltern, ihre Kinder angemessen unterstützen zu können. Der Bedarf für die niedrigschwelligen "Mama lernt Deutsch"-Kurse ist weiterhin gegeben, da viele Frauen mit kleinen Kindern oft aus organisatorischen Gründen an Integrationskursen nicht teilnehmen können. Hinzu kommt, dass viele der Kursteilnehmerinnen wenig Schul- und Bildungserfahrung mitbringen und über das niedrigschwellige Angebot des "Mama-lernt-Deutsch"-Kurses an die formalen Anforderungen eines Sprachkurses herangeführt werden können. Die Vermittlung der deutschen Sprache wird verknüpft mit für Mütter/Eltern wichtigen Themen wie Kita, Schulsystem, Gesundheit, Gewaltschutz u.a.m. Die Durchführung der Kurse liegt beim Träger ASB Lehrerkooperative gGmbH. Von Seiten des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten wird die Arbeit des Trägers eng begleiten, um die Verzahnung mit Kitas, Schulen, Elternintegrationskursen und anderen Maßnahmen der Elternbildung insbesondere im Stadtteil sicherzustellen. Die Einführung neuer Kurse scheitert aktuell an etlichen Grundschulen auf Grund massiver Raumprobleme vor Ort. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ermöglicht "Elternintegrationskurse" mit Kinderbetreuung seit einiger Zeit als Sprachkurse in Teilzeit (d. h. unter 16 UE wöchentlich), wenn sie in Schulen vormittags stattfinden und mindestens die Hälfte der Teilnehmenden Eltern von Kindern der Schule sind. Diese Kursvariante ist jedoch für die ausführenden Träger mit hohen bürokratischen Anforderungen verbunden; ein weiteres Hindernis ist auch hier wieder die Raumnot in den Schulen. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten arbeitet an einer Verknüpfung von "Mama lernt Deutsch"-Kursen mit den vom BAMF finanzierten "Elternintegrationskursen" sowie den allgemeinen Integrationskursen, da die "Mama lernt Deutsch"-Kurse kein Parallelprogramm zu den BAMF-Kursen des Bundes, sondern eine Zubringerfunktion haben. 2. Programm HIPPY (Home Instruction for Parents and Preschool Youngsters): In der Verantwortung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten und in Kooperation mit der Katholischen Familienbildung Frankfurt sowie dem Internationalen Familienzentrum wurde das Programm in den vergangenen Schuljahren in den nördlichen Stadtteilen, dem Ostend und in Griesheim mit jeweils rund 90 Familien durchgeführt. Die Umsetzung erfolgte in enger Verzahnung mit Kindertagesstätten. Das Jugend- und Sozialamt finanziert darüber hinaus die Durchführung von HIPPY in westlichen Stadtteilen in der Verantwortung der AWO. HIPPY richtet sich an Familien mit Vorschulkindern im Altern von 4-6 Jahren. In allen teilnehmenden Familien wachsen die Kinder zwei- oder mehrsprachig auf. HIPPY setzt bei den Ressourcen der Eltern an. Einmal wöchentlich erarbeiten sich die Eltern mit Unterstützung semiprofessioneller Trainerinnen im Rollenspiel Lernmaterialien, die sie im Laufe der Woche mit ihrem Vorschulkind durchgehen. Spielerisch lernt das Kind ganz unterschiedliche Dinge, die für eine erfolgreiche Einschulung wichtig sind: Sprachentwicklung, Wortschatzaufbau, Hörverständnis, Augen-Hand-Koordination, Konzentration, Feinmotorik, Unterscheiden von Farben und Formen u.a.m. Das gemeinsame Lernen fördert jedoch nicht nur das Kind: Die Eltern lernen lehren, und diese gemeinsame Aktivitäten stärken die Eltern-Kind-Beziehung. Im Schuljahr 2013/14 wird das Programm nur mit den Familien durchgeführt, die im 2. Jahr teilnehmen, d. h. deren Kinder zum Schuljahr 2014/15 eingeschult werden. Ab dem Schuljahr 2014/15 soll das Programm in gemeinsamer Verantwortung vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten und dem Jugend- und Sozialamt in neue Trägerstrukturen überführt und stadtweit auf einen einheitlichen Standard gebracht werden. Neben der Qualitätssicherung für das Programm ist eine Ausweitung auf weitere Stadtteile intendiert. Derzeit wendet das Amt für multikulturelle Angelegenheiten für HIPPY jährlich rund 90.000 € auf. Das Jugend- und Sozialamt finanziert darüber hinaus das eigenständige HIPPY-Programm der AWO mit 40.000 € jährlich. Eine deutliche Ausweitung des Programms würde entsprechende Mehrkosten nach sich ziehen. 3. Bildungsorientierte Elternarbeit (BE): Das Programm liegt in der Verantwortung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten, das Multiplikatorinnen und Multiplikatoren qualifiziert und deren Arbeit mit Eltern in Schulen, Kultur- und Bildungsvereinen sowie in religiösen Gemeinden finanziert und koordiniert. Im Dezember 2012 endete eine Qualifizierungsmaßnahme für 15 neue Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Somit stehen rund 55 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Verfügung, die neben Deutsch in 8 weiteren Sprachen (Farsi, Russisch, Arabisch, Italienisch, Französisch, Masirisch, Türkisch und Dari) arbeiten können. Im Rahmen ihrer Elternveranstaltungen klären die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Eltern über das Schulsystem in Hessen auf, über Elternrechte an Schulen, Lernverhalten von Kindern und ggf. über Fragen wie Medienkonsum. Neben den Elternveranstaltungen können Eltern auf Anfrage auch Einzelberatung in Anspruch nehmen. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind für viele Eltern wichtige Ratgeber und ggf. auch Lotsen zu Beratungsstellen, Ämtern etc. Das BE-Programm steht im Austausch mit dem Verein "Eltern für Schule e. V.". und ist vernetzt mit der AG Elternarbeit, an der u. a. die Stadtbücherei und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main mitwirken. 4. Programm "Jugendhilfe in der Schule": In der Verantwortung des Stadtschulamtes sind im Rahmen des Programms "Jugendhilfe in der Schule" vor allem die Programmbausteine "Professionelle Ansprechpartner" und "Berufliche Orientierung" zu nennen. Als professionelle Ansprechpartner sind die Jugendhilfemitarbeiter/innen zu festen Zeiten sowie in den Pausen und nach Vereinbarung ansprechbar und beraten neben Schülerinnen und Schülern auch Eltern z. B. zum Thema Berufswahl. In der beruflichen Orientierung werden Eltern ganz bewusst in den Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder einbezogen. So findet nach der Durchführung der Kompetenzerfassung ein sog. Schüler-Eltern-Feedback-Gespräch statt. Hier werden die Ergebnisse der Kompetenzerfassung besprochen und gemeinsame Zielvereinbarungen getroffen, die im Förderplan festgehalten werden. Die Erfahrungen, die bisher mit diesen Gesprächen gemacht wurden, sind durchweg positiv. Sowohl Schüler/innen als auch Eltern erleben dies als sehr wertschätzend und hilfreich im weiteren Berufsorientierungsprozess. 5. Kinder- und Familienzentren: Im Verantwortungsbereich des Dezernats IV liegt der Ausbau von Kinder- und Familienzentren als Orte der interkulturellen Elternarbeit. Im Rahmenkonzept für die Kinder- und Familienzentren ist die Einbindung von Fachkräften und Multiplikatoren verschiedenster ethnischer, kultureller und sprachlicher Herkunft einer der entscheidenden Faktoren für gelingende Elternarbeit. Die Kinder- und Familienzentren liegen in Stadtteilen mit verdichteten sozialen Problemlagen. In der Regel sind diese Stadtteile durch eine hohe ethnische und kulturelle Vielfalt geprägt, die sich auch im Personal der Einrichtungen widerspiegelt. Die Erfolge in der Elternarbeit der Kinder- und Familienzentren sind nicht zuletzt durch diesen konsequenten Personaleinsatz erreicht worden. Eltern, egal welcher Herkunft, als Experten ihrer Kinder anzuerkennen und einzubeziehen, ist erklärtes Ziel der Kinder-und Familienzentren. Migrantinnen und Migranten werden für die Leitung von Eltern-Kinder-Gruppen und zur Mitarbeit in Kinder- und Familienzentren gewonnen. Dieser Erfolg geht deutlich mit einer Stärkung der Bildungsprozesse der Kinder und der Eltern-Kind-Beziehung einher. Durch die Stärkung und den Ausbau der städtisch geförderten Kinder- und Familienzentren kann in diesem Sinne ein Beitrag geleistet werden, die Bildungserfolge junger Migrantinnen und Migranten weiter zu verbessern. 6. Projekt "wortstark": In einigen städtischen Kindertagesstätten werden im Rahmen des Projektes wortstark Module für Eltern durchgeführt. Überwiegend Frauen mit Migrationshintergrund werden als Elternbegleiterinnen für Elterncafés gewonnen. Diese Frauen werden als Ehrenamtliche zunächst selbst rund um das Thema Spracherwerb von Kindern ausgebildet und geben das Gelernte dann in den Kitas in sogenannten Elterncafés an Eltern weiter. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten ist im Gespräch mit den Verantwortlichen für das Projekt "wortstark". Kooperationen zu den Bereichen Förderung von Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit bestehen bereits durch das Projekt mitSprache. Weitere Kooperationen sind angedacht. 7. mitSprache: Ansetzend an bestehenden Strukturen unterstützte das Kooperationsprojekt (mit dem Staatlichen Schulamt Frankfurt) bis zum Schuljahresende 2012/13 (bzw. mit einem reduzierten Coaching-Angebot bis zum Ende des Schuljahres 2013/14) 5 Kindertagesstätten und 7 Schulen bei der Entwicklung von Projekten und nachhaltig wirksamen Strukturen, die u. a. im Rahmen einer interkulturellen Elternarbeit die Stärkung der Chancengleichheit aller Kinder zum Ziel hat. Weitere Schwerpunkte des Programms waren die Förderung von Deutsch als Zweitsprache sowie von Mehrsprachigkeit und die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte der Einrichtungen. Eine Ausweitung des bestehenden Programms auf weitere Einrichtungen und Stadtteile wäre aufgrund der Kosten sowie fehlender personeller Ressourcen auf Seiten des Amtes für mulitkulturelle Angelegenheiten nicht möglich gewesen. Auf der Basis der mit mitSprache gemachten Erfahrungen werden derzeit im Amt für multikulturelle Angelegenheiten neue Ansätze entwickelt, um o. g. Handlungsfelder in die Breite bringen zu können. Dabei werden eine enge Kooperation mit dem Stadtschulamt und dem Jugend- und Sozialamt und ein kontinuierlicher Austausch mit dem Staatlichen Schulamt angestrebt. Ziel ist es, ausgehend von bestehenden Strukturen und Kontakten sowie konkreten Problemanzeigen Stadtbezirke bzw. Stadtteile individuell und passgenau mit Angeboten zur interkulturellen Elternarbeit und Sprachförderung zu unterstützen sowie im Rahmen einer Querschnittsarbeit eine Weiterentwicklung von Angeboten zu ermöglichen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 11. Juni 2012NRNR 313Interkulturelle Elternarbeit zur Förderung von Bildungserfolgen junger Migrantinnen und Migranten voranbringen!STVV-Antrag · CDU
- 6. September 2013Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 65 WochenBB 435Interkulturelle Elternarbeit zur Förderung von Bildungserfolgen junger Migrantinnen und Migranten voranbringen!Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf1 Beratung
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP, FREIE WÄHLER und RÖMER gegen Piraten (= Zurückweisung)