Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger weiter erhöhen
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängig. Kostenlos. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
Thema Senioren verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 17.08.2015, B 307
Betreff: Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger weiter erhöhen Vorgang: A 853/15 CDU und GRÜNE Zu Ziff. 1.: Die Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten ist ein zentrales Anliegen des Frankfurter Präventionsrates. Auch wenn Senioren seltener Opfer einer Straftat werden als junge Menschen - 2014 waren nur bei 5,87 % der angezeigten Straftaten die Opfer über 60 Jahre alt - sind ältere Menschen vor allem bei Trickbetrügern und Taschendieben eine bevorzugte Zielgruppe, deshalb engagiert sich der Magistrat ganz besonders dafür, ältere Menschen zu schützen. Der Präventionsrat vermittelt gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Frankfurt a. M. und dem Bürgerinstitut e.V. Informationsveranstaltungen, bei denen geschulte Polizeibeamte und geschulte Referenten die Senioren in Gesprächen für Trickbetrug und Taschendiebstahl sensibilisieren, sie über die Vorgehensweise der Täter aufklären und ihnen konkrete Tipps und Ratschläge vermitteln, wie sie sich davor schützen können, Opfer zu werden. Diese Informationsveranstaltungen finden in der Regel in Seniorentreffs und Begegnungsstätten der Sozial- und Wohlfahrtsverbände statt. Sie werden intensiv über die Regionalräte sowie über das Frankfurter Präventionsnetzwerk beworben und können direkt bei der Geschäftsstelle des Präventionsrates, dem Polizeipräsidium oder dem Bürgerinstitut nachgefragt werden. Ein weiteres Format dieser Informationsveranstaltungen ist das Angebot "Sightseeing und Sicherheit für Senioren", das diese Veranstaltungen mit Stadtrundfahrten kombiniert. Durch dieses besondere Gemeinschaftserlebnis einer Stadtrundfahrt werden wiederum Senioren gewonnen, die nicht über Seniorencafés oder Seniorentreffs erreicht werden können. Neben diesen Aufklärungsinhalten über Trickbetrug und Taschendiebstahl gibt es für Senioren spezielle Kurse der Kampagne "Gewalt-Sehen-Helfen". Bei diesen lernen die Kursteilnehmer einfache Verhaltensweisen kennen, wie sie unterwegs in kritischen Situationen, z. B. bei Belästigungen, verhindern können, dass sie Opfer werden, wie sie selbstbewusster reagieren und wie eine Eskalation vermieden werden kann. Als Referenten stehen u.a. Senioren zur Verfügung. Diese Kurse werden von der Volkshochschule oder auf Anfrage von der Geschäftsstelle des Präventionsrates für Kleingruppen angeboten. Die Aufklärungsarbeit für Senioren erfolgt - neben den Informationsveranstaltungen und Kursen - auch über Gespräche an Informationsständen bei Stadtteilfesten und bei Seniorenfachtagungen ("Seniorentag", Forum "Älterwerden in Frankfurt"), über das Format "Sicherheitsfrühstück", über schriftliche Beiträge in Stadtteilführern und Stadtteilzeitungen oder bei Sprechstunden der Regionalräte. Hierbei stehen Flugblätter als Informationsmaterial zur Verfügung, z. B. "Der goldene Herbst", "Uffbasse", "Vorsicht Skimming!" oder "Vorsicht: Enkeltrick!". Die "Leitstelle Älterwerden" im Rathaus für Senioren des Jugend- und Sozialamtes nutzt ebenfalls verschiedene Möglichkeiten, um regelmäßig über das Thema Sicherheit zu informieren. Die Senioren Zeitschrift greift dieses Thema regelmäßig auf und informiert Bürgerinnen und Bürger. Während der Aktionswochen "Älterwerden" bieten verschiedene Veranstalter Angebote zu diesem Themenkomplex an. Hier gibt es auch genderspezifische Angebote. Die Homepages des Präventionsrates, der Polizei und der "Leitstelle Älterwerden" stellen weitere Plattformen dar, um entsprechende Informationen auch über das Internet zu verbreiten. Die bereits bestehenden Angebote bieten älteren Menschen gute Möglichkeiten, sich über Sicherheitsfragen und -angelegenheiten zu informieren und alle Anfragen konnten bislang bedient werden. Eine Erhöhung dieser bereits bestehenden präventiven Angebote könnte bei Bedarf durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit alle beteiligten Akteure erreicht werden. Die "Leitstelle Älterwerden" denkt z. B. derzeit darüber nach, ihr bestehendes Ausflugsprogramm um ein Angebot zu erweitern, das Information und Aufklärung rund um das Thema Sicherheit mit einer gemeinsamen Unternehmung verbindet. Zu Ziff. 2: Als eine neue Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger ist in Planung, ehrenamtliche "Seniorensicherheitsbeauftrage" in den Stadtteilen zu gewinnen und diese durch die Polizei mit einem Grundwissen über Gefahren und Hilfsangebote für Senioren auszustatten. Mit diesem Wissen und durch ihre Verwurzelung in ihrem Stadtteil wird es möglich sein, sicherheitsrelevante Vorkommnisse im Quartier und offene Aufklärungsbedarfe schnell zu erkennen und zu beraten bzw. konkrete Hilfen zu vermitteln. Während die Durchführung von Informationsveranstaltungen weiterhin den Referenten der Polizei und des Bürgerinstituts e. V. vorbehalten bleiben, ist es durch die "Seniorensicherheitsbeauftragten" vor Ort eher möglich, auch Kontakte mit Senioren zu knüpfen, die zurückgezogen leben und mit den üblichen Aufklärungsmaßnahmen nicht erreicht werden können. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen oder eine Imagekampagne, die das Älterwerden und die damit verbundenen Sicherheitsaspekte in den Fokus stellt, könnte noch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität für dieses Thema geschaffen werden. Zu Ziff. 3: Grundsätzlich richten sich alle Veranstaltungen und Angebote an alle älteren Menschen und sind für alle nutzbar. Die Zielgruppe der älteren Migrantinnen und Migranten ist sehr heterogen. Um zielgerichtet Präventionsinhalte an diesen Personenkreis zu vermitteln, ist es wichtig, diese kultursensibel zu gestalten und Sprachbarrieren ggf. durch Übersetzungen in der Landessprache zu überwinden. Dies könnte in Zusammenarbeit mit Migrantenvereinen oder muttersprachlichen Gemeinden geschehen. Die Inhalte der Kampagne "Gewalt-Sehen-Helfen" werden bereits in einem englischsprachigen Kurs bei der Volkshochschule angeboten. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Schulung von Multiplikatoren aus Migrantenvereinen oder muttersprachlichen Gemeinden zum Thema "Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger". Diese Multiplikatoren könnten analog der geplanten "Seniorensicherheitsbeauftragten" in ihrer Community auf das Thema aufmerksam machen und Seniorinnen und Senioren gezielt ansprechen und über Angebote informieren. Ein Beispiel für die Schulung von Multiplikatoren ist die Fortbildungsreihe "Sozialberatung (nicht nur) für Migrantinnen und Migranten", die sich an ehrenamtliche Sozialberaterinnen und -berater aus Migrantenvereinen und muttersprachlichen Vereinen richtet. Dabei werden unterschiedliche Angebote und Themen rund um das Älterwerden vorgestellt. Im November 2015 ist geplant, das Thema "Sicherheitsberatung - illegale Haustürgeschäfte" vorzustellen. Zu Ziff. 4: Trickbetrüger versuchen häufig unter Vortäuschung falscher Tatsachen in die Wohnung von Senioren zu gelangen, um sie dann abzulenken und Geld und Wertgegenstände zu entwenden oder sie psychologisch so unter Druck zu setzen, damit sie ihnen freiwillig Geld überlassen. Dabei gehen die Trickbetrüger äußerst einfallsreich und geschickt vor und wechseln häufig ihre Methoden. Sie geben sich z. B. als Bankangestellte, Polizeibeamte, Handwerker, Mitarbeiter von Wohnungsgesellschaften oder städtischer Ämter aus. Ihr Auftreten gepaart mit scheinbar dringenden und plausiblen Anliegen sind so glaubwürdig, dass es auf den ersten Blick für jeden schwierig ist, Wahrheit und Trick zu unterscheiden. In den unter Ziffer 1 genannten Informationsveranstaltungen werden Senioren sensibilisiert, grundsätzlich misstrauisch zu sein, wenn Fremde unangemeldet Einlass in die Wohnung begehren. Sie sollten dann möglichst eine Vertrauensperson hinzuziehen oder telefonisch das Anliegen überprüfen, bevor sie die Fremden in ihre Wohnung lassen. Wenn es sich dabei um keine Trickbetrüger handelt, wird man Verständnis dafür aufbringen, während Trickbetrüger - wird ihnen Misstrauen entgegengebracht - dann ihr Vorhaben häufig abbrechen. Ebenfalls wird den Senioren vermittelt, nie Fremden Bargeld zu übergeben. Zu Ziff. 5: Es gibt Kooperationen mit verschiedenen Begegnungs- und Servicezentren des Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e. V., der AWO, des VdK sowie verschiedenen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. Diese Kooperationen kamen über die Frankfurter Regionalräte oder aufgrund individueller Initiativen engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen zustande. Den Kooperationen liegt die Idee zugrunde, mit den Referenten der Polizei und des Bürgerinstituts zu den Senioren zu gehen und bereits vorhandene Treffs zu nutzen, anstatt eigene nicht an Einrichtungen gebundene Informationsveranstaltungen zu bewerben. Dadurch können die Senioren viel besser erreicht werden, als wenn versucht wird, diese zum Besuch einer gesonderten Veranstaltung zu bewegen. Zusätzlich zu diesen Informationsveranstaltungen finden bei Bedarf an einzelnen Standorten in regelmäßigen Abständen Polizeisprechstunden statt. Hier können Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnanlagen und ältere Menschen aus dem Stadtteil ihre Fragen und Anliegen vortragen. Bei aktuellen Vorfällen in Seniorenwohnanlagen oder im unmittelbaren Umfeld werden die Bewohnerinnen und Bewohner in angemessener Form über die Vorkommnisse unterrichtet und gewarnt. Zu Ziff. 6: Der Opferschutz hat in der polizeilichen Aus- und Fortbildung unverändert einen hohen Stellenwert und wird im polizeilichen Alltag verstärkt beachtet (z. B. Betreuung von Opfern nach Wohnungseinbruchdiebstählen, Vermittlung von Opfern an Opferhilfeeinrichtungen sowie Videovernehmung zur Verhinderung von mehrfachen Befragungen etc.). Mit der Etablierung von Opferschutzbeauftragten im Stabsbereich "Prävention" wurde im Polizeipräsidium Frankfurt a. M. ein weiterer Baustein in der Regelorganisation hinzugefügt. In Frankfurt a. M. gibt es verschiedene Organisationen, die eine Betreuung von Opfern anbieten, wie zum Beispiel das Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e. V. Hier finden Betroffene - unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität - Unterstützung. Dabei ist nur die eigene, individuelle Betroffenheit entscheidend, nicht, ob der Betroffene eine Anzeige erstattet hat. Die psychosoziale Notfallversorgung für Betroffene im Alltag, auch im Zusammenhang mit schweren Straftaten, ist zudem durch die evangelische Notfallseelsorge gewährleistet. Dieser Dienst des evangelischen Regionalverbandes kann über die Zentrale Leitstelle der Branddirektion angefordert werden. Der Magistrat lässt derzeit unter Beteiligung des Gesundheitsamtes und der Branddirektion ein Konzept für die psychosoziale Notfallversorgung bei einem größeren Betreuungsbedarf, d. h. wenn mehrere Personen betroffen sind, ausarbeiten (s. Stellungnahme des Magistrats vom 01.09.2014, ST 1141). Grundsätzlich ist es sehr sinnvoll, spezielle Konzepte zum Umgang mit traumatisierten älteren Menschen zu erarbeiten und zu entwickeln. Ebenso bedarf es des weiteren Ausbaus psycho-therapeutischer Angebote und praktischer Entspannungsverfahren.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 18. Mai 2015AA 853Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger weiter erhöhenSTVV-Anfrage · CDU, GRÜNE
- 17. August 2015Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 13 WochenBB 307Sicherheit älterer Bürgerinnen und Bürger weiter erhöhenMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf4 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP und RÖMER Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE. und FDP Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF und RÖMER (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.