Girls‘ Day
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 04.07.2014, B 249
Betreff: Girls' Day Vorgang: A 565/14 RÖMER Zu 1 - 4) Jahrelange Forschung im Bereich der geschlechtsspezifischen Berufswahl sowie die fachlich fundierte und wissenschaftlich begleitete Auswertung des Girls ́Day zeigen, dass die Wahl eines Berufes weniger mit der "Chancenwahrnehmung" als mit fehlender "Chancengleichheit" korrespondiert. Denn stereotype Vorstellungen und Vorurteile wirken sich weiterhin massiv auf die Vorstellung und Planung von Beruf und Leben von Mädchen und jungen Frauen, auch in Frankfurt, aus. Damit sind es weniger gesetzliche oder behördliche als mehr gesellschaftliche Strukturen, die das Berufswahlspektrum einengen. Im letzten Schuljahr besuchten beispielsweise etwa 64.700 Jungen und 42.700 Mädchen im Rahmen ihrer dualen Ausbildung die hessischen Berufsschulen. Unter den angehenden Mechanikern (u. a. Kraftfahrzeugmechatroniker, Metallbauer, Industriemechaniker) befinden sich 15.480 Jungen und nur 430 Mädchen. Knapp 7.800 Schüler werden in einem Elektroberuf ausgebildet, jedoch nur 270 Schülerinnen. Ähnlich sieht es bei den Bauberufen aus: In den Fachrichtungen Hoch-, Tief- oder Ausbau werden 3.100 Jungen und 38 Mädchen unterrichtet. Viele Mädchen beziehen also nur einen kleinen Teil der 330 derzeit anerkannten Ausbildungsberufe in ihre Planungen mit ein. Die Lieblingsberufe in Hessen sind zum Beispiel Bürokauffrau, medizinische Fachangestellte, Kauffrau im Einzelhandel oder zahnmedizinische Fachangestellte. Auch die aktuellsten Statistiken (vgl. "Statistik aktuell 7/2014 vom Bürgeramt, Statistik und Wahlen) der Stadt Frankfurt verdeutlichen dies: So erlernten 41,6% der Schülerinnen im Berufsschuljahr 2012/2013 einen der zehn am stärksten besetzen Ausbildungsberufe, nämlich den der Kauffrau für Bürokommunikation. Die Problematik in der Entscheidung für diese Berufe liegt für Mädchen vor allem darin, dass die gezahlten Ausbildungsvergütungen in den "typischen Männerberufen" häufig deutlich höher als in den "typischen Frauenberufen" sind (vgl. auch Gender Datenreport des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Mit der Entscheidung für Berufe mit geringer Bezahlung, Aufstiegschancen und mit der Absicht diesen gut mit Familie vereinbaren zu können, laufen viele Mädchen Gefahr in ihrem Lebenslauf, eher als Jungen, von Armut und Abhängigkeiten betroffen zu sein. Damit ist diese Ungleichheit statistisch erfassbar und die Auswirkungen für den gesamten Lebensverlauf nachweisbar (vgl.
- Gleichstellungsbericht der Bundesregierung). Gesellschaftliche Strukturen wirken sich in Form klassischer Zuschreibung bereits im Kindesalter aus. So unterscheiden sich die Traumberufe von Jungen und Mädchen deutlich. Beide greifen auf ihnen bekannte Vorbilder zurück und reproduzieren darüber die klassischen Berufs- und Rollenbilder. Außerdem reduzieren Medien oder auch zum Beispiel Spielwaren Mädchen und Jungen auf bestimmte Rollen, Interessen; Berufe und damit Lebensentwürfe. Aber auch im Elternhaus verdeutlichen sich die ungleichen Auswirkungen dieser Stereotype. So erhalten Frankfurter Mädchen im Durchschnitt 13,45 Euro weniger Taschengeld und haben damit in ihrer Jugend bereits weniger "eigenes Geld" (vgl. Studie Freizeitwelten von Mädchen und Jungen in Frankfurt), dafür aber mehr Verantwortung zum Beispiel im Haushalt oder beim Aufpassen auf Geschwister. Es ist daher nicht verwunderlich, dass ab dem Teenageralter bei jungen Männern Aspekte wie Verdienst und Erfolgsaussichten wichtig werden. Bei Mädchen gewinnt hingegen der Aspekt der Vereinbarkeit mit der Familienplanung zunehmend an Bedeutung für die berufliche Orientierung. Um den Erwartungen ans Muttersein zu entsprechen, entscheiden sich viele junge Frauen aber noch immer für klassische und vergleichsweise gering bezahlte "Frauenberufe" und entsprechen damit gesellschaftlichen Erwartungen. Damit trägt dieser gesellschaftliche "Druck" dazu bei, dass viele Mädchen mit ihrer Berufsentscheidung Gefahr laufen - bei der die Vereinbarkeit mit Familie wichtiger ist, als Einkommen oder Karrierechancen -, in ihrem Lebenslauf von finanzieller Abhängigkeit und auch Armut betroffen zu sein. Die Berufstätigkeit geben sie für die Familie auf, nehmen später einen Teilzeit- oder Minijob an und zahlen daher kaum in die Rentenkasse ein: die durchschnittliche Altersrente einer Frau beträgt in Frankfurt beispielsweise nur 661 Euro, Männer bekommen hingegen mit 1.034 Euro fast 400 Euro mehr. Der Magistrat ist daher der Ansicht, dass die Entscheidung für bestimmte Berufe eine Reaktion auf gesellschaftlichen Druck und den damit verbundenen geschlechtsspezifischen Erwartungen ist und Berufswahlchancen damit ungleich verteilt sind. Zu 5) Der Blick auf die statistischen Details der Frage 7, also der Frauenanteil in den einzelnen Ämtern verdeutlicht, wie sich diese Ungleichheit bei der Berufswahl in der späteren Repräsentanz von Frauen in "untypischen" Bereichen auswirkt und auch bei der Stadt Frankfurt abbildet. Zu 6) Die Beteiligung der Ämter beruht auf freiwilliger Basis. Das bedeutet, die Ämter entscheiden selbstständig, ob und in welchem Umfang sie sich beteiligen. Ergänzend zum Schreiben von Stadträtin Sorge, das an alle Amtsleitungen und Abteilungsleitungen sowie die Betriebsleitungen der Eigenbetriebe der Stadt Frankfurt mit der Bitte um Unterstützung des Girls ́Day 2014 Anfang Februar versandt wurde, wurden bestimmte Bereiche gezielt durch das Gleichberechtigungsbüro angesprochen. Bereiche, in denen es bezogen auf bestimmte Berufsgruppen eine Unterrepräsentanz von Frauen gibt, wie z. B. den gesamten Bereich der Systemadministration, aber auch Aufgabenstellungen der Gebäudetechnik im Hochbauamt. Auch das Thema Frauen in Führungspositionen wurde von den Städtischen Kliniken Höchst gezielt bearbeitet. Eigenbetriebe wie z.B. Stadtentwässerung beteiligen sich seit Jahren engagiert am Girls ́Day und erhalten großen Zuspruch von interessierten Mädchen. Das Personal- und Organisationsamt unterstützt alle Ämter und Betriebe der Stadt Frankfurt am Main, die sich am Girls`Day beteiligen, mit "Willkommenstaschen". Die Taschen enthalten Informationsmaterial zu Ausbildungs- und Studienangeboten sowie kleine Werbeartikel und werden nach Meldung der Teilnehmerinnenzahl durch das Gleichberechtigungsbüro (Frauenbeauftragte für den Bereich Ausbildung) in die jeweiligen Ämter und Betriebe verschickt. Die Informationen dienen dazu, unser vielfältiges Berufsspektrum bekannter zu machen, und junge Menschen zu einer Ausbildung bei der Stadtverwaltung zu motivieren. Zu 7) Der Frauenanteil der einzelnen Ämter ist wie folgt: Ämter und Betriebe Frauenanteil 02 Amt des Oberbürgermeisters mit Verwaltungsstelle Höchst 70 % 16 Amt für Informations- und Kommunikationstechnik 29 % 36 Straßenverkehrsamt 37 % 37 Branddirektion 6 % 40 Stadtschulamt 66 % 43 Volkshochschule Frankfurt am Main 74 % 60B Denkmalamt 50 % 65 Hochbauamt 36 % 67 Grünflächenamt 28 % 68 Stadtentwässerung Frankfurt am Main 14 % 83 Hafenbetriebe * 10% 54 Städtische Kliniken Frankfurt am Main Höchst * 79% * Der Anteil bezieht sich hier auf die Personalgestellten. Weitergehende Daten liegen uns nicht vor. Zu 8) Folgende Ämter und Eigenbetriebe mit einem Frauenanteil von unter 50 % haben sich an den Aktionen nicht beteiligt: Ämter und Betriebe Frauenanteil 11B Referat Datenschutz und IT-Sicherheit 33 % 11F Antikorruptionsreferat 0 % 14 Revisionsamt 42 % 16A Stabsstelle E-Government 33 % 32 Ordnungsamt 48 % 33 Geschäftsstelle des Präventionsrates 25 % 45A Deutsches Filmmuseum * 29 % 45H Deutsches Architekturmuseum 41 % 45J Jüdisches Museum 45 % 46 Restamt Städtische Bühnen * 33 % 52 Sportamt 24 % 62 Stadtvermessungsamt 35 % 63 Bauaufsicht 47 % 66 Amt für Straßenbau und Erschließung 42 % 76 Städtische Küchenbetriebe (verbliebenes Personal) 42 % 77 Zoologischer Garten Frankfurt 41 % 78 Palmengarten 44 % 79A Energiereferat 47 % 84 Marktbetriebe * 9 % * Der Anteil bezieht sich hier auf die Personalgestellten. Weitergehende Daten liegen uns nicht vor. Offizielle Gründe hierfür sind nicht bekannt. Eine Begründung für die Nichtteilnahme von Ämtern am Girls ́Day 2014 könnte der vorgezogene Termin sein. Anders als in den letzten Jahren fand der diesjährige Girls ́Day früher als sonst üblich am
- März statt. Einhergehend mit dem organisatorischen Aufwand zur Konzipierung und Durchführung eines solchen Angebotes, fiel der Tag damit zudem in den Zeitraum, in der auch Urlaubstage aus dem Vorjahr durch Tarifbeschäftigte abgebaut werden mussten.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 14. April 2014AA 565Girls‘ DaySTVV-Anfrage · RÖMER
- 4. Juli 2014Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 12 WochenBB 249Girls‘ DayMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf1 Beratung
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP und RÖMER Sonstige Voten/Protokollerklärung: FREIE WÄHLER und ELF Piraten (= Kenntnis)