1. Warum wird der für die Stadtgeschichte so wichtige Peterskirchhof seit Jahren sträflich vernachlässigt? 2. Sanierung der historischen Grabmale auf dem Peterskirchhof
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Thema Wohnen verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 29.05.2015, B 221
Betreff:
- Warum wird der für die Stadtgeschichte so wichtige Peterskirchhof seit Jahren sträflich vernachlässigt?
- Sanierung der historischen Grabmale auf dem Peterskirchhof Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 18.12.2014, § 5379 - E 182/14 CDU/GRÜNE, A 713/14 SPD - Die Sanierung des Peterskirchhofs und der Peterskirche ist ein komplexes, auf Jahre angelegtes, vier Dezernate übergreifendes städtisches Gesamtprojekt. Akteure sind hierbei das Kirchendezernat, das Dezernat Planen und Bauen mit dem Hochbauamt, dem Stadtplanungsamt und der Denkmalpflege, das Umweltdezernat mit dem Grünflächenamt sowie das Kulturdezernat mit dem Kulturamt und dem Historischen Museum. Das Projekt umfasst die Restaurierung des Kirchturms und der Balustraden, die Grunderneuerung der Grünflächen des Friedhofs und die Restaurierung der Grabmäler (Abb. Anlagen 1 und 2). Kulturhistorische Bedeutung Der Peterskirchhof in Frankfurt am Main ist der älteste noch erhaltene christliche Friedhof, auf dem von 1418-1828 bestattet wurde. Rund eine halbe Million Frankfurterinnen und Frankfurter liegen hier. Hier befinden sich die Grabstätten von Goethes Eltern, der Familie Textor, Merian, Nestlé und vieler weiterer bekannter Frankfurter Familien, ein "Who is Who" der Stadtgeschichte. Die dazugehörige Kirche wird heute unter dem Namen Jugendkulturkirche als evangelisches Jugendbegegnungszentrum genutzt. Als ein bedeutender Friedhof einer Reichsstadt, der eine hohe Anzahl Grabdenkmäler vom 16. bis zum frühen
- Jahrhundert birgt, ist er von kulturhistorisch überragender Bedeutung in Deutschland - wenn nicht gar in Mitteleuropa. Daher sind die Grabmäler als Ensemble insgesamt unbedingt erhaltens- und schützenswert. Aktueller Sachstand Der Kirchturm und die Stützmauern, an denen sich ein Teil der kulturhistorisch bedeutsamen Grabmäler befindet, werden im Auftrag des Kirchendezernats durch das Hochbauamt saniert. Die Arbeiten am Kirchturm und an den Stützmauern sollen bis Ende 2015 abgeschlossen werden. Im Anschluss werden ab Frühjahr 2016 auch die Grünflächen für 1, 23 Millionen Euro grunderneuert und gestaltet werden (Beschluss der Stadtv.-Versammlung vom 30.01.2014, § 4171 (M 226)). Die Voraussetzung für einen dauerhaften Erhalt der Grabmäler, die überwiegend entlang der Mauern aufgereiht sind, ist in jedem Fall die Trockenlegung der Mauersockel bzw. Freilegung der Sockel der Grabmäler, wie sie in der Bau- und Finanzierungsvorlage zu Grunderneuerung des Peterskirchhof genannt wird. Dazu werden die Mauern in einer Tiefe von 30 bis 60 Zentimetern abgegraben. Entlang der Mauern wird ein Schotterstreifen eingebaut. Die Flächen werden mit Rasenböschungen modelliert. Die Arbeiten umfassen des Weiteren u.a. die Gestaltung des Hauptweges als Pflasterweg, die Überarbeitung der vorhandenen wassergebundenen Wege, eine neue Beleuchtung, neue Tore und eine Überarbeitung der Rasenflächen. Ein optischer Bezug zur historischen Gestalt des Friedhofs wird z.B. durch Staudenflächen und Pflasterbänder mit gravierten Bronzeplatten hergestellt, die in bestimmten Bereichen in der Mitte des Weges verlaufen. Damit werden die ursprüngliche Größe des Friedhofes und die historischen Friedhofsabschnitte anschaulich dargestellt und die Gräber der Eltern Goethes entsprechend ihrer Bedeutung inszeniert. Diese Maßnahmen haben zum einen das Ziel, dem Peterskirchhof nicht nur als kulturhistorisch wertvollem Gesamtensemble den entsprechenden würdigen Rahmen zu geben, zum anderen soll das Gelände auch als Naherholungsoase mitten in der Stadt erschlossen werden. Für diese Baumaßnahme sind ca. sechs Monate veranschlagt. Die auf dem Gelände befindlichen 186 restaurierungsbedürftigen Grabmäler sind in diesem Gestaltungsprogramm noch nicht enthalten. Sie werden vom Kulturamt unter wissenschaftlicher Begleitung des Historischen Museums betreut. 21 von ihnen befinden sich an der Stützmauer um den Kirchturm und 165 in der restlichen Fläche des Friedhofsfelds. Eine 2014 in Auftrag gegebene erste Kostenschätzung für eine Sanierung der Grabmäler hat ergeben, dass für die 186 Grabmäler nach heutigem Stand 1,75 Millionen Euro aufgewendet werden müssten (entgegen eines anderslautenden Berichts der Frankfurter Neuen Presse vom 8.10.2014, der von 5 Millionen Euro spricht). Als erste Notmaßnahme zur Sicherung ihrer Substanz wurden dieses Jahr durch das Kulturamt bereits elf Epitaphe abgebaut und eingelagert. Weiteres Vorgehen 2015/2016 Um einen optimalen Ablauf aller notwendigen Maßnahmen auf dem Peterskirchhof zu gewährleisten, gilt es alle verfügbaren Fakten zusammenzufassen und so darzustellen, dass eine Grundlage für gemeinsame Entscheidungen aller beteiligten Dezernate zur Sicherung und Restaurierung der Epitaphe gegeben ist. Die laufenden und vorgesehenen Maßnahmen in allen Teilen des Peterskirchhofs, wie z. B. die Instandsetzung der Stützmauer und die garten- und landschaftsplanerische Instandsetzung, müssen hier Eingang finden, insbesondere im Hinblick auf zeitliche Abhängigkeiten. Darüber hinaus muss in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und dem Historischen Museum eine Festlegung der Grabmäler getroffen werden, die als prioritär angesehen werden, um noch vor dem diesjährigen Winter eine Sicherung und Schutzmaßnahmen zu veranlassen. Ein entsprechender Auftrag zu einer verlässlichen Planungsgrundlage und Prioritätenliste wurde bereits im April 2015 einer Fachfirma erteilt. Dieser Auftrag umfasst im Einzelnen folgende Aufgaben
- Erfassen des Zustands der Epitaphe aus der nördlichen Stützmauer, die im Lager Borsigallee 8, Frankfurt, aufbewahrt werden.
- Festlegen von Schutzmaßnahmen für sehr stark geschädigte Epitaphe auf dem Gelände des Peterskirchhofs.
- Festlegen der Prioritäten der Restaurierung der Epitaphe der Stützmauer an der Kirche.
- Überprüfen aller Maßnahmen, die in den letzten Jahren am Mauerwerk der Stützwände, Stützmauern sowie des tragenden Mauerwerks einiger Epitaphe vorgenommen wurden. Bewertung, ob hier weitere Maßnahmen erforderlich werden.
- Einbinden möglicher Sofort- und Sicherungsmaßnahmen in die laufenden und geplanten Maßnahmen auf dem Peterskirchhof.
- Aktualisierung der ersten groben Kostenermittlung und Restaurierungskonzepte für die extrem geschädigten Epitaphe auf dem Peterskirchhof, zumindest in der Genauigkeitsstufe, wie sie bereits für die Epitaphe der Stützmauer angefertigt wurde.
- Herstellen eines Zeitablaufplans für die Maßnahmen, die im Rahmen des vorhandenen Budgets umgesetzt werden können.
- Einbeziehen aller beteiligten Institutionen und Personen mit Informationen über den Peterskirchhof. Die Ergebnisse werden spätestens Ende des Sommers 2015 vorliegen. Auf dieser Basis wird eine Ausschreibung erfolgen, die sich vorrangig an regional ansässige Restauratoren und Handwerker richtet. Angesichts der Fülle der Grabmäler und der je nach Verwitterungszustand Vielfältigkeit der durchzuführenden Arbeiten wird die Beschäftigung verschiedenster kleiner Firmen notwendig sein, da es in diesem Bereich einen hohen Spezialisierungsgrad und keine Großunternehmen gibt. Auf diese Weise wird es möglich sein, noch 2015 (ab Spätsommer/Herbst)Grabmäler zu sichern bzw. bereits dauerhaft zu restaurieren. Ggf. können Teile der Restaurierungsmaßnahmen auch im Bereich der jeweiligen Lager, in denen sich ein Teil der Epitaphe befindet, und auf dem Peterskirchhof selbst stattfinden. Es wird geprüft, ob auf dem Peterskirchhof eine kleine Bauhütte eingerichtet werden kann, die es zum einen den beteiligten Restaurierungsfirmen ermöglicht, Arbeiten an den Grabmälern direkt vor Ort durchzuführen und die es zum anderen der Öffentlichkeit erlaubt, Einblicke in die Werkstatt zu nehmen und sich bei Führungen auf dem Peterskirchhof über die Restaurierungsfortschritte zu informieren. Unter diesen Voraussetzungen können die Restaurierungen auch 2016 parallel und in enger Verzahnung und Abstimmung zu den oben vorgestellten Maßnahmen des Grünflächenamtes und des Hochbauamtes erfolgen. Budget 2015/2016 Nach einer Sichtung der in den beteiligten Dezernaten verfügbaren Mittel ergibt sich für den Zeitraum 2015/16 ein Gesamtetat von rund 500 000 Euro (300 000 Euro Restmittel aus dem Programm Schöneres Frankfurt des Planungsdezernats und 200 000 Euro aus der Bauunterhaltung des Kulturdezernats), mit dem die oben dargestellten Maßnahmen an den Grabmälern durchgeführt werden können. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, kann bis zum Vorliegen der beauftragten Prioritätenliste und Feinplanung bzw. der Ausschreibung und Vergabe an die Restaurierungsfirmen noch keine definitive Aussage über die Anzahl der mit diesen Mitteln zu restaurierenden bzw. zu sichernden Grabmäler 2015/16 getroffen werden. Es ist jedoch von einer Größenordnung von ca. 20 Grabmälern auszugehen. Langfristiges Vorgehen Darüber hinaus wird vorgeschlagen, langfristig für die anstehenden Restaurierungen der übrigen Epitaphe und damit die Sicherung eines bedeutenden Stücks Frankfurter Geschichte für die nachfolgenden Generationen weitere Mittel in zukünftigen Haushalten anzumelden. Analog zum Brunnenprogramm wäre das beginnend 2017 über 10 Jahre hinweg ein Programm mit festem jährlichem Budget von mindestens 200 000 Euro, das im städtischen Haushalt aufgelegt werden müsste. Real istischerweise (eingedenk zu erwartender Kostensteigerungen) ist dafür mit insgesamt 2 Millionen Euro über 10 Jahre zu rechnen. Um das Interesse etwaiger Nachfahren an einer Beteiligung an den Kosten für den Erhalt der Grabmäler zu eruieren, wird der Magistrat in Bälde einen Presseaufruf machen, der u. a. eine Liste der Familiennamen enthält, die recherchiert werden konnten. Allerdings ist hier aufgrund des historischen Ablaufs wahrscheinlich mit einer eher überschaubaren Resonanz zu rechnen. Die letzte Beerdigung auf dem Peterskirchhof fand 1828 statt. Allerdings ist es seit dem Goethejahr 1999 gelungen, einzelne Gräber mit Hilfe von Sponsoren, die teilweise Nachfahren der Bestatteten waren, zu restaurieren. Dabei handelte es sich insgesamt aber um nicht mehr als 10 Grabmäler. Anlage 1 (ca. 237 KB) Anlage 2 (ca. 552 KB)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 15. Oktober 2014AA 713Warum wird der für die Stadtgeschichte so wichtige Peterskirchhof seit Jahren sträflich vernachlässigt?STVV-Anfrage · SPD
- 11. Dezember 2014EE 182Sanierung der historischen Grabmale auf dem PeterskirchhofEtatantrag · CDU, GRÜNE
- 29. Mai 2015Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 32 WochenBB 2211. Warum wird der für die Stadtgeschichte so wichtige Peterskirchhof seit Jahren sträflich vernachlässigt? 2. Sanierung der historischen Grabmale auf dem PeterskirchhofMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf5 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: LINKE. und RÖMER (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE. und FDP
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: RÖMER (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP und BFF Sonstige Voten/Protokollerklärung: RÖMER (= Kenntnis)