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Zunehmende Gewalt im Amateurfußball

Vorlagentyp: B
13 Wochen bis zur Antwort2 Stationen im Verfahren1 Sitzung

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Thema Gesundheit und Soziales verfolgen

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 20.03.2015, B 130

Betreff: Zunehmende Gewalt im Amateurfußball Vorgang: A 757/14 FREIE WÄHLER In den rund 100 Frankfurter Fußballvereinen mit ca. 32.000 Mitgliedern, davon rund 13.000 Kinder und Jugendliche, kommen ein Vielzahl der Aktiven aus unterschiedlichsten Nationen und sozialen Schichten. Die Leistung der ehrenamtlich agierenden Vereinsverantwortlichen, die den wöchentlichen Trainings- und Spielbetrieb organisieren, ist auch unter gewaltpräventiven Aspekten nicht hoch genug einzuschätzen. Bewegung, Spiel und Sport sind insbesondere für junge Menschen wichtige Medien, sich zu präsentieren und eigene neue Erfahrungen über sich und den Kontakt mit anderen zu machen. Bewegung, Spiel und Sport sind zudem Bestandteil der Jugendkultur und haben eine starke Dominanz im Freizeitverhalten junger Menschen. So hat die Frankfurter Schülerbefragung des Präventionsrates 2000 ergeben, dass Sport, und hier vor allem der Fußball bei Jungen, in vielen kritischen Lebenslagen eine die Persönlichkeit stabilisierende Funktion hat. Sport baut nach Meinung der Schüler Frust und Aggression ab und ist ein probates Mittel zur Gewaltprävention. Sport hat also eine stark integrative, verbindende und erzieherische Wirkung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch aus dem Leistungssport und Wettkampf herrührende negative Einflüsse, die oftmals in einem "Kult des Siegens" verehrt werden und deren Anhänger den Erfolg zum Maß aller Dinge erklären. Diese negative Motivation wird noch getoppt durch den "Kult der Gewalt", der täglich in Form von körperlichen Attacken auf die gesundheitliche Unversehrtheit des sportlichen Gegners stattfindet und vor, während und nach dem Spiel zum Ausbruch von Gewalt- und Hassorgien auf den Rängen, auf dem Spielfeld oder auf öffentlichen Plätzen führt. Diese Ambivalenz des Sports zeigt auch, dass die sozialen Dimensionen des Sports nur dann greifen und eine Sportsozialarbeit nur dann Erfolg hat, wenn die eigentlichen positiven Werte des Sports kultiviert und hervorgehoben werden. Aufgabe der sportpolitisch Verantwortlichen ist daher, dafür zu sorgen, dass die Ideale des Sports wieder im Vordergrund stehen und verstärkt auch in den Fokus der Vereinsarbeit gerückt werden. Der Magistrat unterstützt daher seit vielen Jahren Vereine und Initiativen, die sich mit dem Thema Sport, Gewalt und Prävention auseinandersetzen, wie die Projekte des Sportkreises und der Sportjugend Frankfurt, die mit dem Ansatz einer sportorientierten Sozialarbeit im Umgang mit Jugendlichen aus schwierigem sozialem Umfeld nachhaltige Erfolge erzielen konnten. Das Mitternachtssport-Projekt, die Bolzplatzliga, die Boxcamps, die Sportjugendhäuser, das Frankfurter Fanprojekt sind hier beispielhaft zu nennen. Der Hessische Fußballverband, der Fußballkreis Frankfurt, der Sportkreis Frankfurt, der Präventionsrat und das Sportamt der Stadt Frankfurt haben sich zudem zusammengefunden, um Antworten auf die zunehmende Gewaltbereitschaft zu geben und Strategien zu entwickeln, wie der Gewaltbereitschaft im Ligabetrieb entgegengewirkt werden kann. Zu dieser Strategie gehört die Frankfurter Erklärung und der 10-Punkte-Plan gegen Gewalt im Frankfurter Fußball, der Ende 2013 gemeinsam mit den Vereinen verabschiedet und mit der Kampagne "Nein! Zu Diskriminierung und Gewalt" des Hessischen Fußballverbandes verbunden wurde. Frankfurter Erklärung! Miteinander statt gegeneinander! Fußball begeistert und verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung. Der Fußballsport bietet ein hohes Integrationspotenzial und beweist seine integrative Wirkung jede Woche aufs Neue auf den Frankfurter Fußballplätzen. Leider kommt es bei Fußballspielen zu körperlichen Auseinandersetzungen, Diskriminierungen, Schiedsrichterbeleidigungen sowie Gewalt zwischen Spielern und auch Zuschauern. Wir wollen einen fairen Wettstreit im Streben nach sportlichem Erfolg fördern und Maßnahmen gegen die häufig anzutreffende Gewalt beim Fußball ergreifen. Die Frankfurter Fußballvereine lehnen Diskriminierung und Gewalt ab. FRANKFURTER PROGRAMM GEGEN GEWALT IM FUSSBALL Wir, die Vertreter der Frankfurter Fußballvereine, verurteilen Diskriminierung und Gewalt und setzen uns für Fair Play auf und neben unseren Sportplätzen ein. Wer brutal spielt - spielt nirgendwo. Wer aus einem Verein ausgeschlossen wird, weil er den Schiedsrichter tätlich angegriffen hat oder Sportler und Sportplatzbesucher vorsätzlich verletzt, soll in Frankfurt am Main für mindestens zwei Jahre in keinem anderen Fußballverein aufgenommen werden. Zu dem Maßnahmenkatalog gehören unter anderem der Runde Tisch "Sport-Gewalt-Prävention", das "Fair-Play-Forum", der Fairness-Preis des Präventionsrates und des Sportamts der Stadt Frankfurt, das Netzwerk Gewaltprävention des Hessischen Fußball-Verbandes, Projekte im Rahmen der "Sport-Sozialarbeit", "Gewalt-Sehen-Helfen"-Seminare und Sozialsprechstunden, die "Task force Deeskalation", die besondere Unterstützung junger Schiedsrichter und ein Internet-Auftritt zu diesem Thema. Wir, der Hessische Fußball-Verband, der Fußballkreis Frankfurt, die Stadt Frankfurt am Main und die Frankfurter Fußballvereine setzen mit der Frankfurter Erklärung ein Zeichen und schließen diesen Pakt gegen Gewalt und Diskriminierung. Ferner begleiten und unterstützen wir die aufgeführten Maßnahmen und Aktivitäten. Alle Beteiligten des neuen Präventionsnetzwerkes sind sich einig, dass respektvoller Umgang auf dem Fußballplatz im Verein vorgelebt werden muss. Verstöße müssen zeitnah aufgearbeitet und die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. Besondere Vorbildfunktion fällt hier den Trainern und Betreuern im Kinder- und Jugendbereich zu. Der Gewalt im Amateurfußball kann nur wirksam entgegengewirkt werden, wenn der Gedanke der Fairness und des sportlichen Wettkampfes bereits im Kinder- und Jugendalter gepflegt und kultiviert wird. Schon bei der Jugendarbeit muss im Verein angesetzt werden und hierauf zielen bereits die Unterstützungsmaßnahmen des gewaltpräventiven Fußballnetzwerkes. Ein wichtiges Zeichen des Respekts und der Fairness ist, dass im Spielbetrieb 2015 die Spieler sich vor der Partie - wie im Profifußball üblich - die Hand zur Begrüßung geben. Dieser Vorschlag wurde von den Vereinsvertretern und Spielern sehr positiv aufgefasst. Auch die weiteren Projekte des 10-Punkteprogramms sind in der Umsetzung. Es sind Maßnahmen und Angebote, die für ein sportlich faires Miteinander sorgen sowie verschiedene präventive Maßnahmen, unter anderem in Form von sozialen Projekten und dem Angebot eines Fairnesspreises. Dieser wird durch den Präventionsrat der Stadt Frankfurt zur Verfügung gestellt. Der Fairnesspreis wird inzwischen von den Vereinen auch angefragt und vergeben. Der Preis wurde z. B. durch die Veranstaltung "Hallen-Masters 2014" im November in Zeilsheim vergeben. Der Veranstalter war Viktoria Sindlingen und bei dem Turnier traten 30 Teams in verschiedenen Jugendklassen an. Auch bei dem 2. Frankfurter Fußball-Integrationsturnier im Oktober 2014, welches durch "Die Fleckenbühler" in Niederrad veranstaltet wurde und an dem 14 Mannschaften teilgenommen hatten, wurde der Preis an die fairste Turniermannschaft verliehen. Ferner wurde der Preis bei dem Jugend-Hallenturnier der FFV Sportfreunde 04 in Frankfurt im Januar 2015 vergeben. Auch während der Mitternachtssport-Serie der Sportjugend mit über 10.000 Teilnehmern im Jahr wird der Fairnessgedanke seit Jahren gepflegt und ein Fairnesspreis im Rahmen der Stadtmeisterschaft ausgespielt. Ergänzt werden die Maßnahmen zur Gewaltprävention durch"Gewalt-Sehen-Helfen"-Seminare für Spieler und Vereinsmitglieder. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich als Verein zertifizieren zu lassen. Die Ausschreibung der Seminare ist beim Fußballkreis Frankfurt hinterlegt und die Seminare werden auch über die Geschäftsstelle des Präventionsrats vermittelt. Es liegt bei den Vereinen, diese Angebote abzurufen und die Frankfurter Erklärung auf diese Weise mit Leben zu erfüllen. Bei Bedarf werden zudem bei interessierten Vereinen im Rahmen vorhandener Möglichkeiten sogenannte Sozialsprechstunden in den Vereinen durchgeführt, die sich an der Vernetzung der gewaltpräventiven Vereinsjugendarbeit mit der aufsuchenden Jugendsozialarbeit orientieren. An alle Vereine wurden 2014 Logos mit dem Schriftzug:" Nein! zu Diskriminierung und Gewalt" verteilt. Diese sollen künftig auf den Ärmeln der Spielertrikots zu sehen sein und Workshops durch den Hessischen Fußballverband werden den Gedanken des fairen Spiels in die Vereine und Teams tragen. Diese konkreten Maßnahmen werden die Fußballclubs bei Ihrer Präventionstätigkeit unterstützen und alle wichtigen Akteure sind in das Programm eingebunden. Seitens des Sportdezernates wird zudem das Projekt "Interkulturelles Konfliktmanagement" des Hessischen Fußballverbandes unterstützt. Hier kommt ein Konfliktmanagement-Team zum Einsatz, wenn es zwischen zwei Vereinen des Fußballkreises Frankfurt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. 2015 sind die Frankfurter Fußballvereine in einem Wettbewerb des Fußballkreises Frankfurt aufgerufen, weitere beispielhafte Projekt und Maßnahmen gegen Gewalt zu entwickeln. Die oben genannten Maßnahmen und Projekte zeigen auf, dass in Frankfurt am Main alle Verantwortlichen von Polizei, Präventionsrat, Fußballkreis Frankfurt, Sportkreis, Sportjugend, Hessischer Fußballverband und Sportamt gemeinsam wichtige und deutliche Akzente gegen Gewalt im Amateurfußball gesetzt haben und diese Zusammenarbeit auch künftig fortsetzen. "Wenn wir Zusammenstehen wird die Gewalt alleine dastehen", dieses Motto der Kampagne "Gewalt-Sehen-Helfen" gilt auch für den Fußball und hier wirken alle Verantwortlichen gegen Gewalt zusammen. Für alle Projekte, Programme und Initiativen, die im Laufe der letzten Jahre im Bereich Gewaltprävention in Kooperation mit dem Präventionsrat ins Leben gerufen wurden, hat die Stadt Frankfurt am Main am 06.03.2015 den Deutschen Förderpreis Kriminalprävention erhalten.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 18. Dezember 2014AA 757Zunehmende Gewalt im Frankfurter AmateurfußballSTVV-Anfrage · FREIE_WÄHLER
  2. 20. März 2015Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 13 Wochen
    BB 130Zunehmende Gewalt im Amateurfußball
    Magistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

BBericht des Magistrats

Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.

  1. 1Magistrat legt Bericht vor
  2. 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf1 Beratung
Ausschusses für Umwelt und Sport
Sitzung 39 · 23.04.2015
TO I, TOP 14
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 130 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUGrüneSPDLinkeFDP
Ablehnung:
Freie Wähler
Sonstige:
Römer (Kenntnis)Piraten (Kenntnis)
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE. und FDP gegen FREIE WÄHLER (= Zurückweisung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: RÖMER und Piraten (= Kenntnis)

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