Vielfalt bewegt Frankfurt - Handlungslinie 47: Älteren Generationen helfen Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund
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Thema Wohnen verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 08.03.2013, B 123
Betreff: Vielfalt bewegt Frankfurt - Handlungslinie 47: Älteren Generationen helfen Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 13.12.2012, § 2498 - NR 449/12 SPD - zu Frage 1: Der Anteil der Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit an der Bevölkerung über 64 Jahren betrug Ende 2012 14,3 % (15.683 Personen). Der Anteil der Deutschen mit Migrationshinweis an der Gesamtbevölkerung über 64 Jahren lag bei 4,1 % (4.477 Personen). Damit hatten Ende 2011 insgesamt 18,4 % der Personen ab 65 Jahren einen Migrationshintergrund. zu Frage 2: Hierzu sind keine Aussagen möglich, weil bei der Hilfe zum Lebensunterhalt und vergleichbaren existenzsichernden Mindestleistungen das Merkmal Migrationshintergrund nicht erfasst wird. zu Frage 3: Das Dezernat für Soziales, Senioren, Jugend und Recht veröffentlichte 2010 die "Bedarfsanalyse Seniorengerechtes Wohnen in Frankfurt am Main". Dieser Bericht ist online zugänglich unter http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2736&_ffmpar[_id_inhalt]=782323 6. Zentraler Bestandteil dieser Bedarfsanalyse war eine Befragung, an der fast 5.000 Personen im Alter von 50 Jahre und älter teilgenommen und Auskunft über ihre aktuelle Wohnsituation sowie über ihre Wünsche hinsichtlich der Wohnsituation im Alter gegeben haben. Der Anteil der Befragten mit Migrationshintergrund lag bei 25 %. Hinsichtlich der aktuellen Wohnsituation ergab die Befragung, dass Personen mit Migrationshintergrund überwiegend in Mehrfamilienhäusern wohnen und im Durchschnitt über weniger Wohnfläche und weniger Wohnräume verfügen als gleichaltrige Personen ohne Migrationshintergrund. Nur wenige Wohnungen erfüllten die Ausstattungsmerkmale für seniorengerechtes Wohnen. Trotzdem war die Zufriedenheit mit der Wohnung bei ihnen hoch, erreichte aber nicht das Niveau bei Personen ohne Migrationshintergrund. Auch die Vorstellungen und Wünsche in Hinblick auf die künftige Wohnsituation unterscheiden sich zwischen älteren Personen mit und ohne Migrationshintergrund deutlich. Für Details wird auf die Seiten 76ff. in der schon erwähnten "Bedarfsanalyse Seniorengerechtes Wohnen in Frankfurt am Main" verwiesen. zu Frage 4: Wohnen In Frankfurt am Main gibt es rund 6.500 öffentlich geförderte seniorengerechte Wohnungen, davon rund 6.200 mit angeschlossenem Betreuungsdienst. Rund 20 % der Bewohnerinnen und Bewohner haben einen Migrationshintergrund. Diese Wohnungen können von Personen bezogen werden, die die Bezugsvoraussetzungen nach dem Hessischen Wohnraumförderungsgesetzt erfüllen und eine Bindung an Frankfurt haben. Speziell auf die Bedürfnisse von Migrantinnen und Migranten ausgerichtete öffentlich geförderte Wohnanlagen gibt es in Frankfurt am Main nicht. Pflege (s. auch Frage 5) In der Stadt Frankfurt am Main gibt es 46 Einrichtungen für die vollstationäre Pflege älterer Menschen, die über einen Versorgungsvertrag nach SGB XI verfügen. In diesen 46 Einrichtungen gibt es 4.696 Plätze. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten hat vom Institut für Soziale Infrastruktur (ISIS) eine "Analyse der Angebotsstruktur in Einrichtungen der Altenhilfe für ältere Migrantinnen und Migranten in Frankfurt am Main" durchführen lassen. Die Ergebnisse wurden Anfang 2013 veröffentlicht. Für diese Analyse wurden stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Einrichtungen der offenen Altenhilfe und Migrationsdienste sowie Migrantenselbstorganisationen befragt. Hier zeigte sich, dass fast alle Einrichtungen im Pflegebereich, die sich an der Umfrage beteiligten, auch von älteren Migrantinnen und Migranten genutzt werden. Spezielle Angebote für diesen Personenkreis bieten 20 der 48 befragten Einrichtungen an. Diejenigen, die keine speziellen Angebote für ältere Migrantinnen und Migranten entwickelt haben, begründen das vor allem mit fehlendem Bedarf bzw. mangelnder Nachfrage. Kultur und Freizeit Bezüglich der Angebote aus dem Bereich der offenen Altenhilfe wird auf den Magistratsbericht B 402 vom 31.08.2012 verwiesen. zu Frage 5: Die Frankfurter Altenpflegeheime nehmen pflegebedürftige Menschen über 65 Jahre mit jedem Migrationshintergrund auf. Sie haben in ihren Konzepten und Angeboten, die allerdings unterschiedlich gestaltet und ausgeprägt sind, die spezifischen Bedürfnissen von Migrantinnen und Migranten durchweg berücksichtigt. Besonders spezialisiert haben sich: Das Victor-Gollancz-Haus: Im Interkulturellen Altenzentrum in Höchst gibt es - neben dem sonstigen Platzangebot für pflegebedürftige Menschen jeglichen Migrationshintergrundes - eine reine Wohngruppe für 11 Bewohner mit muslimischem Glauben. Die Einrichtung verfügt über multilinguales Personal. Das Altenzentrum St. Josef in Niederrad: Es hat 48 Plätze, nur Einzelzimmer, in drei Wohnbereichen verteilt. Es hat eine spezialisierte kulturelle Ausrichtung für Italiener, Spanier, Portugiesen. Das Personal wurde entsprechend diesem muttersprachlichen Ansatz ausgewählt und ist durchweg zwei- oder mehrsprachig. In diesen Wohngruppen werden aber auch Angehörige mit anderem Migrationshintergrund und auch Deutsche aufgenommen. Das jüdische Altenzentrum: Insgesamt hat die Einrichtung 123 Plätze. Die derzeitigen Bewohner entstammen aus 10 unterschiedlichen Herkunftsländern. Zurzeit kommen 40 % der dort lebenden Migrantinnen und Migranten aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Grundsätzlich erfolgt die Belegung der Wohngruppen nach Gesichtspunkten einer möglichst gemeinsamen Herkunft und Sprache. Derzeit sind dort fünf Wohngruppen rein russischsprachig. Das Personal in diesen Gruppen ist durchweg zwei oder mehrsprachig und spricht auch Hebräisch. Wichtig und in der Ausrichtung im alltäglichen Leben konsequent verwirklicht ist das Leben im jüdischen Glauben. Die Henry und Emma Budge-Stiftung in Seckbach hat keine speziellen Wohngruppen für Migrantinnen und Migranten, arbeitet aber mit dem Konzept, Menschen jüdischen und christlichen Glaubens unter einem Dach zu vereinen. Der jüdische Glaube und dessen Traditionen können von den Bewohnern gelebt werden. Das Personal spricht auch hier in großer Zahl zwei Sprachen, auch Hebräisch. Auch in der oben erwähnten "Analyse der Angebotsstruktur in Einrichtungen der Altenhilfe für ältere Migrantinnen und Migranten in Frankfurt am Main" des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten war die interkulturelle Öffnung und die kultursensiblen Altenhilfe ein Thema. Von den befragten Einrichtungen gaben 23 an, sich bereits im Prozess der interkulturellen Öffnung zu befinden. Zu den Maßnahmen, die in dieser Hinsicht bereits getroffen wurden, gehören u.a. die Einstellung von mehrsprachigem Personal, Fortbildung und Schulung sowie Gesprächsrunden bzw. andere Formen der Sensibilisierung des Personals. In 18 Einrichtungen ist die interkulturelle Öffnung im Leitbild verankert. Grundsätzlich sind die jeweiligen individuellen Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Versorgung mit einem geeigneten Pflegeplatz sehr unterschiedlich. Ein spezielles Angebot für Migrantinnen und Migranten wird teilweise von den Betroffenen selbst, aber auch von deren gesetzlichen Vertretern und Angehörigen bei der Zentralen Heimplatzvermittlung im Rathaus für Senioren nachgefragt. In der Praxis (Beratung und Heimplatzvermittlung) wurde aber auch die Erfahrung gemacht, dass Migrantinnen und Migranten, die viele Jahre oder gar Jahrzehnte in Deutschland, speziell in Frankfurt am Main, leben, keine besondere Betreuung und Versorgung in Pflegeheimen wünschen. Sie fühlen sich so integriert, dass sie nicht separat in einem speziellen Wohnbereich versorgt werden möchten. Zudem gibt es Deutsche, die eine Einrichtung mit deutlichem Schwerpunkt für Bewohner mit Migrationshintergrund wählen, da sie diese Atmosphäre besonders anspricht. zu Frage 6: Der Fokus des Pflegestützpunktes Frankfurt liegt auf älteren, pflegebedürftigen, von Pflegebedürftigkeit bedrohten Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie deren Familien und bietet diesen Beratungs- und Unterstützungsangebote zum Thema Gesundheit, Pflege und Soziales an. In diesem Kontext sind selbstverständlich auch die Migrantinnen und Migranten eine relevante Zielgruppe. zu Frage 7: In diesem Zusammenhang wurde die schon erwähnte "Analyse der Angebotsstruktur in Einrichtungen der Altenhilfe für ältere Migrantinnen und Migranten" erstellt. Sie lag als Arbeitspapier dem Fachforum "Altenhilfe für ältere Migrantinnen und Migranten in Frankfurt am Main" am 24. Januar 2013 vor und stellt Informationen zur Nutzung von Altenhilfeangeboten durch ältere Migrantinnen und Migranten bereit. Im Rahmen der Recherche wurden auch Migrantenorganisationen und religiöse Zuwanderergemeinden zu ihren Angeboten für Seniorinnen und Senioren befragt. Das Fachforum war eine Kooperationsveranstaltung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten und des Jugend- und Sozialamtes. Fachleute aus dem Bereich der Altenhilfe und Vertreterinnen und Vertreter aus Migrantenorganisationen und religiösen Zuwanderergemeinden waren zum Austausch eingeladen. Die Ergebnisse dieser Veranstaltung werden veröffentlicht. Im Anschluss an das Fachforum sind weitere vertiefende Veranstaltungen vorgesehen. Weitere langjährige Aktivitäten des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten in diesem Bereich sind die "Interkulturelle Hilfestellung in Rentenfragen" und die Fortbildungsreihe "Sozialberatung (nicht nur) für Migrantinnen und Migranten". Die "Interkulturelle Hilfestellung in Rentenfragen" wird in Kooperation mit dem städtischen Versicherungsamt und der Deutschen Rentenversicherung Hessen organisiert. Im Rahmen des Rentenprojekts bieten ehrenamtliche Rentenhelfer Unterstützung zum Thema Rente in aktuell zwanzig Sprachen an. Die Fortbildungsreihe "Sozialberatung (nicht nur) für Migrantinnen und Migranten" wird in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Frankfurt und dem Caritasverband Frankfurt e.V. angeboten. Die Fortbildungsreihe bietet kostenlos Informationen zu Themen rund ums Älterwerden und richtet sich an Multiplikatoren aus religiösen Zuwanderergemeinden, Migrantenorganisationen und Interessierte.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 7. November 2012NRNR 449Vielfalt bewegt Frankfurt - Handlungslinie 47: Älteren Generationen helfen Seniorinnen und Senioren mit MigrationshintergrundSTVV-Antrag · SPD
- 8. März 2013Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 17 WochenBB 123Vielfalt bewegt Frankfurt - Handlungslinie 47: Älteren Generationen helfen Seniorinnen und Senioren mit MigrationshintergrundMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf7 Beratungen
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Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, LINKE. und FDP Sonstige Voten/Protokollerklärung: FREIE WÄHLER, Piraten und RÖMER (= Kenntnis)
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Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, FDP und FREIE WÄHLER Sonstige Voten/Protokollerklärung: LINKE., Piraten und RÖMER (= Kenntnis)