„Heilort“ Frankfurt?
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Thema Gesundheit und Soziales verfolgenInhalt
Anfrage vom 28.04.2014, A 584
Betreff: "Heilort" Frankfurt? Die FNP berichtete am 23.04.2014 unter der Überschrift "Frankfurt lockt als moderner Heilort" über die Teilnahme der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt (TCF) an der in Almaty (Kasachstan) stattfindenden Fachmessen für Reisen und Touristik der zentralasiatischen Region - "Kitf". Dort präsentiere sich die Stadt Frankfurt als "Stadt für die Gesundheit" und auch zum Einkaufen. Ziel der Frankfurter sei es, verstärkt weitere, vor allem kaufkräftige Gäste aus Zentralasien zu gewinnen. Deutschland gehört weltweit zu den führenden Reisezielen im Medizintourismus und belegt Platz vier - nach Indien, Thailand und den USA. Der Leiter der TCF habe - so die FNP - dazu ausgeführt, dass "der Gesundheits- und Medizintourismus eine Chance für Frankfurt Rhein-Main" sei. Die Region weise ein "attraktives Angebot an Klinken, Kur- und Heilbädern" auf. Der Medizintourismus gehöre zu den wachstumsstärksten Segmenten im Fremdenverkehrsbereich und werde an Bedeutung weiter zunehmen. Durch den Flughafen könne Frankfurt und seine Umgebung von aller Welt aus gut und schnell angesteuert werden, von vielen zentralasiatischen Destinationen sei der Airport direkt anzufliegen. Nach "Sportstadt", "Umwelthauptstadt", "Klimahauptstadt" und weiteren 238 Titeln soll Frankfurt nunmehr nach den Vorstellungen des Magistrats auch "Gesundheitshauptstadt" werden. Dabei hat der Magistrat offensichtlich nicht bemerkt, dass er diese Entwicklung zum einen längst verschlafen hat und zum anderen nur geringe Einflussmöglichkeiten auf diesem Sektor besitzt. Deutschland ist in der Tat ein wichtiges Reiseziel für den Medizintourismus, d.h. für Patienten aus aller Welt, die zwar über erhebliche finanzielle Mittel verfügen, jedoch in ihrem jeweiligen Heimatland keine optimale medizinische Versorgung erhalten können. Diese Patienten kommen bereits seit Jahrzehnten bevorzugt nach Deutschland. So war die jeweilige Klinik der Chirurgen Ernst von Bergmann bzw. Ferdinand Sauerbruch bereits im 19. bzw. der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Ziel zahlungskräftiger Patienten aus aller Welt mit bestimmten Erkrankungen. Diese Patienten kamen und kommen jedoch nicht deshalb nach Deutschland - oder in die Rhein-Main-Region - weil es hier "ein attraktives Angebot an Klinken, Kur- und Heilbädern" gibt, sondern, weil sie an einer ganz bestimmten - meist seltenen oder schwerwiegenden - Erkrankung leiden, die nur an ganz bestimmten Kliniken optimal behandelt werden kann. Auch die Nähe eines internationalen Flughafens mit "vielen Direktverbindungen in alle Welt" interessiert die betroffenen Patienten in der Regel nicht. So gibt es Fachkliniken mit einem hohen Anteil an Medizintouristen z.B. in Münster, Aachen, Freiburg, Erlangen, Heidelberg, Hannover, München und Berlin. Die Mehrzahl dieser Orte besitzt keinen oder nur einen Provinz-Flughafen, gleichwohl werden die jeweiligen Kliniken von Patienten aus aller Welt aufgesucht (diese reisen teilweise mit dem eigenen Flugzeug und dem gecharterten Helikopter an und benötigen daher keinen internationalen Flughafen mit Direktverbindungen). Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:
- Hält es der Magistrat für sinnvoll, in Zentralasien - oder an einem anderen Ort - darauf aufmerksam zu machen, dass es Frankfurt und die Rhein-Main-Region ein attraktives Angebot an Klinken, Kur- und Heilbädern aufweist ?
- Was versteht der Magistrat in dem genannten Zusammenhang unter einem attraktiven Angebot an Klinken, Kur- und Heilbädern ?
- Für welche Zielgruppe soll dieses Angebot attraktiv sein ?
- Ist dem Magistrat eine (oder auch mehrere) Fachkliniken in der Rhein-Main-Region bekannt, die - in Konkurrenz zu anderen Kliniken des In- oder Auslandes - in grösserem Umfang für zahlungskräftige Patienten interessant sein könnte ?
- Welche Kliniken meint der Magistrat konkret mit dem attraktiven Angebot ?
- Glaubt der Magistrat ernsthaft, dass zahlungskräftige Patienten nur deshalb nach Frankfurt und die Rhein-Main-Region reisen, weil es dort eine grosse Anzahl von Kliniken und Kureinrichtungen und einen Weltflughafen gibt ?
- Kann sich der Magistrat vorstellen, dass sich zahlungskräftige Patienten aufgrund ihrer spezifischen Diagnose ausschliesslich auf persönliche Empfehlung ihres örtlichen Arztes und/oder anderer Patienten eine bestimmte Fachklinik aussuchen und weder ein attraktives Angebot an anderen Kliniken in der Umgebung noch ein Flughafen mit zahlreichen Direktverbindungen eine Rolle spielen ?
- Ist dem Magistrat bekannt, dass der Medizintourismus zahlungskräftiger Patienten aus Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung in Deutschland eine jahrzehntelange Tradition hat und keine Ne uentdeckung des TCF ist ?
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 28. April 2014Sie sind hierAA 584„Heilort“ Frankfurt?STVV-Anfrage · RÖMER
- 18. Juli 2014Antwort des Magistrats · nach 12 WochenBB 275„Heilort“ Frankfurt?Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine schriftliche Frage von Stadtverordneten oder Fraktionen an den Magistrat. Die Antwort erfolgt schriftlich innerhalb von drei Monaten und fließt in spätere Beratungen ein.
- 1Stadtverordnete stellen Anfrage
- 2Magistrat antwortet schriftlich
- 3Antwort fließt in Beratungen ein
Frist: 3 Monate