Anonyme Bestattungen: Nur aus niederen finanziellen Beweggründen oder aus realer Not?
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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgenInhalt
Anfrage vom 14.01.2014, A 478
Betreff: Anonyme Bestattungen: Nur aus niederen finanziellen Beweggründen oder aus realer Not? Die Stadtverordnetenversammlung beschloss am 12.12.2013 mit schwarz-grüner Mehrheit die Änderung der "Friedhofsordnung und der Friedhofs- und Bestattungsgebührenordnung der Stadt Frankfurt am Main". Hierzu gehörte auch der gemeinsame Ergänzungsantrag der CDU/Grünen im Römer NR 755 mit dem Titel: "Kein finanzieller Anreiz zur anonymen Bestattung". Im beschlossenen Antragstext liest man/frau: "Die Bewegründe für die Wahl einer anonymen Bestattung sind oft vielfältig. Um auszuschließen, dass ausschließlich aus finanziellen Gründen eine anonyme Bestattung gewählt wird, werden die Gebührensätze denen der Rasenreihen-grabstätten angepasst." Das heißt im Klartext "Bevormundung und Gebührenerhöhung." Fakt ist, dass sich an erster Stelle die Bestattungskultur aus mehreren Beweggründen geändert hat. So sind der Vernunft folgend immer weniger Menschen Mitglied antidemokratisch-autoritär strukturierter Religionsgemeinschaften, die ihnen Bestattungsformen aufoktroyieren. Ferner haben sich die Bestattungsformen geändert oder neue, wie die Bestattung in den zahlreichen Friedwäldern oder das Gemeinschaftsgräberfeld der Turngemeinde Bornheim auf dem Bornheimer Friedhof, sind hinzugekommen. Doch Hauptbeweggründe sind wie die Antragsteller/Antragstellerinnen feststellten, hauptsächlich finanzieller Art. Dabei wurde ihnen, vielleicht von privatwirtschaftlich agierenden Bestattungs- und Grabpflegeunternehmen die um ihre Gewinnmaximierung besorgt sind, souffliert. Nur wurde der falsche Schluss gezogen, denn die Altersarmut und andere Formen der Armut werden immer größer, da sich unter anderem auch die Familienstrukturen, insbesondere in Großstädten, geändert haben. Frankfurt hat über 50 Prozent so genannter Singlehaushalte. Schon die schlichte Logik beantwortet die Frage, wer später deren Grabstätten pflegen soll. Hinzu kommt, dass bereits vor Jahren seitens der Krankenkassen das Sterbegeld völlig gestrichen wurde. Diesem Beispiel folgten auch durch diese Initialzündung andere Institutionen, wie beispielsweise Gewerkschaften. Die Beitragszahlung für private oder institutionelle Sterbekassen ist für viele Menschen heute finanziell genauso wenig möglich, wie die viel beschworene private Altersfürsorge. Ein seit Jahren von Stadtverordneten eingeforderter kommunaler Armutsbericht beziehungsweise Armuts- und Reichtumsbericht könnte hier zumindest ein Stück Aufklärung schaffen. Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:
- Wie hat sich in den letzten 10 Jahren der Anteil der Begräbnisfelder für anonyme Bestattungen und die Zahl der anonymen Bestattungen auf den Frankfurter Friedhöfen verändert?
- Unterstellt der Magistrat den Bürger und Bürgerinnen Frankfurts die sich für eine anonyme Bestattung entscheiden "niedere" finanzielle Motive oder eine "Verdrängungsmentalität"?
- Kennt der Magistrat die aktuelle finanzielle Situation seiner älteren Bürger (über 65 Jahre) aufgrund aktueller Erhebungen und wann ist mit einem kommunalen Armutsbericht zu rechnen?
- Ist dem Magistrat bekannt, dass bereits vor Jahren das Sterbegeld der Krankenkassen und anderer Institutionen völlig gestrichen wurde?
- Wie teuer ist eine Erdbestattung (Sarg) nebst Kaufgrabkosten im mittleren Preissegment und wie hoch ist die momentane bundesdeutsche monatliche Durchschnittsaltersrente?
- Stammt die Argumentation beziehungsweise Aufforderung "kein finanzieller Anreiz zur anonymen Bestattung" aus der städtischen Friedhofskommission?
- Stammt die Argumentation beziehungsweise Aufforderung "kein finanzieller Anreiz zur anonymen Bestattung" von privatwirtschaftlich agierenden Bestattungs- und Grabpflege-unternehmen?
- Wie hat der Magistrat in der Vergangenheit die wiederholten Versuche von Parteien und privatwirtschaftlichen Bestattungsunternehmen abgewehrt, die städtische Pietät in ihrer noch existierenden Form zu zerstören. Und wie sichert er - als kostengünstige Alternative für weniger begüterte Bürger und Bürgerinnen - ihre Zukunft?
- Hat der Magistrat und haben die Friedhofsdezernenten / Friedhofsdezernentinnen in der Vergangenheit sehenden Auges den technischen Niedergang des Krematoriums auf dem Frankfurter Hauptfriedhof bewusst in Kauf genommen - Und ist dies nicht auch ein Verfall von Be stattungskultur und kommunaler Daseinsvorsorge?
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 14. Januar 2014Sie sind hierAA 478Anonyme Bestattungen: Nur aus niederen finanziellen Beweggründen oder aus realer Not?STVV-Anfrage · RÖMER
- 11. April 2014Antwort des Magistrats · nach 12 WochenBB 118Anonyme Bestattungen: Nur aus niederen Beweggründen oder aus realer Not?Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine schriftliche Frage von Stadtverordneten oder Fraktionen an den Magistrat. Die Antwort erfolgt schriftlich innerhalb von drei Monaten und fließt in spätere Beratungen ein.
- 1Stadtverordnete stellen Anfrage
- 2Magistrat antwortet schriftlich
- 3Antwort fließt in Beratungen ein
Frist: 3 Monate