Auf der Schiene ins Müllheizkraftwerk
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Stellungnahme des Magistrats vom 21.04.2010, ST 573
Betreff:
Auf der Schiene ins Müllheizkraftwerk
Der Magistrat hat über die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF) in Zusammenarbeit mit der FH Frankfurt die Thematik "Auf der Schiene ins Müllheizkraftwerk“ im Rahmen einer Diplomarbeit untersuchen lassen. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Untersuchtes Thema:
Ziel der Untersuchung war die Bereitstellung einer Grundlage für die weiterführende, vertiefte Behandlung des städtischen Güterverkehrs am konkreten Beispiel einer schienengebundenen Andienung des Müllheizkraftwerkes (MHKW) in Frankfurt-Heddernheim. Als Grundlage dieser Zielsetzung diente eine vorangegangene Machbarkeitstudie, welche den Einsatz eines schienengebundenen Gütertransports im öffentlichen Nahverkehr der Stadt Frankfurt am Main zur Untersuchung hatte.
Maßnahmen:
Für die Realisierung von Güterstadtbahn-Projekten ist, wie Beispiele bereits realisierter Systeme in Dresden und Zürich gezeigt haben, die Akzeptanz potenzieller Interessengruppen von entscheidender Bedeutung. Ein Zuspruch kann jedoch nur erreicht werden, wenn das Vorhaben den Anforderungen der einzelnen Interessengruppen entspricht. Aus diesem Grund war es erforderlich, alle wesentlichen Anforderungen für den Untersuchungsraum festzustellen. Als Grundlage dienten dabei die Ergebnisse der in der Machbarkeitsstudie zuvor erhobenen Unternehmens-Befragung. Die Rahmenbedingungen des Vorhabens verlangen:
Einsatz darf ÖPNV nicht behindern.
Betrieb sollte außerhalb der Hauptverkehrszeiten erfolgen.
Kostengünstige Umsetzung.
Förderung nachhaltiger Umweltverträglichkeit.
Keine genehmigungsrechtlichen Einschränkungen.
Auf Grundlage der Rahmenbedingungen und der im Untersuchungsraum verfolgten Zielsetzung müssten im Zuge einer Realisierung folgende Maßnahmen durchgeführt werden:
Umrüstung von Bestands-Fahrzeugen (-> Triebwagen + Flachwagen).
Anschaffung bedarfsgerechter Container (Abroll- /Presscontainer).
Bau einer Gleisanbindung zum MHKW.
Abkommen zwischen VGF und HFM über die Nutzung des Hafenbahnnetzes.
Transportvertrag zwischen FES und VGF (Laufzeit 2-3 Jahre).
Die Maßnahmen orientieren sich an den Zielen der Verminderung von städtischem Güterverkehr, der Verlagerung von städtischem Güterverkehr auf umweltverträglichere Verkehrsträger wie der Bahn sowie der Reduzierung von Umweltbelastenden Emissionen.
Erkenntnisse:
Wegen der sehr hohen Auslastung der von 3 U-Bahn-Linien genutzten “A-Strecke“ erscheint die Routenführung auf dieser Trasse problematisch. Alternativ besteht die Möglichkeit, über die zeitintensivere Straßenbahnstrecke der Linie 16 über Ginnheim die Haltestelle “Heddernheimer Landstraße“ und von dort aus (über eine neu herzustellende Gleisverbindung) das MHKW anzufahren.
Für das Vorhaben kommt ein Punkt-zu-Punkt-Betrieb in Betracht. Den Ausgangspunkt für die MHKW-Andienung bildet die FES-Abfallumladeanlage im Frankfurter-Osthafen.
Durch Nutzung der Schieneninfrastruktur des Osthafens könnte die Abfallumladeanlage von einer Güterstraßenbahn erreicht werden. Doch fehlende Oberleitungen stellen ein erhebliches Hindernis dar, welches theoretisch mit dem Einsatz sog. Hybrid-Fahrzeuge oder einer herkömmliche Abschleppmethode überwunden werden könnte.
Ein optimal auf den Transportbedarf zugeschnittenes Fahrzeug hat, wie das Projekt in Dresden gezeigt hat, enorme Vorteile, scheidet aber aufgrund der zu hohen Anschaffungskosten aus. Der Umbau eines Personenfahrzeugs (z.B. Pt-Wagen) ließe sich zwar kostengünstiger umsetzen, wäre aber nur suboptimal. Entsorgungstransporte erfordern spezielle Aufbauten (Abroll- oder Presscontainer). Vorteil dieser Variante wäre, dass sich das Fahrzeug im Zweirichtungsbetrieb einsetzen ließe.
Für das untersuchte Vorhaben wäre eine Triebwagen-Anhänger-Kombination (siehe Cargo-Tram in Zürich) die beste Lösung. Fahrzeugkombinationen, bestehend aus gebrauchtem Triebwagen und neuen Transportaufbauten sind kostenintensiver, dafür aber optimal an die Transportgüter angepasst. Ein Nachteil bei solchen Einrichtungszügen wären denkbare Infrastrukturanpassungen (Schleife).
Die ursprünglich für die Güterzugbeladung bestandenen betrieblichen Gegebenheiten der Abfallumladestation sind seit einem Umbau im letzen Jahr nicht mehr vorhanden. Ein Rückbau könnte zwar theoretisch erfolgen, doch wären zusätzliche Kosten erforderlich. Fördergelder könnten die Reaktivierung erleichtern.
Die durch die Sanierung des MHKWs neu errichtete Lkw-Rampe macht eine direkte Andienung per Bahn unmöglich. Zudem scheidet ein Vertikalumschlag aus, da das Abkippen der Müllfahrzeuge aufgrund von Geruchs- und Lärmbeschränkungen in einer geschlossenen Halle stattfindet. Das Abkippen der Container in den Müllbunker macht einen Umschlag Bahn / Lkw erforderlich. Der Umschlag der Container (Abrollcontainer) könnte durch eine auf dem Werksgelände des MHKW eingesetzte Lkw-Zugmaschine erfolgen. Der gesamte Vorgang wäre zeit- und kostenintensiv.
Ergebnis:
Bei einem Großteil der Abfallbeförderungen handelt es um Sammelverkehre auf der Straße, die nicht von der Straße auf andere Verkehrsträger zu verlagern sind. Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle werden direkt zur Müllverbrennungsanlage transportiert.
Die Müllverbrennungsanlage verfügt über keinen eigenen Gleisanschluss. Die hierdurch notwendigen straßenseitigen Vor- und Nachläufe verursachen Umschlagkosten machen den Schienentransport im Vergleich zum ungebrochenen Straßengüterverkehr damit in der Regel unwirtschaftlich. Dies gilt insbesondere, wenn es vergleichsweise kurze Beförderungsstrecken zu bewältigen gilt.
Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Güterbetrieb auf Schienen ist eine konstant hohe Grundauslastung. Das Entsorgungspotenzial des MHKW lässt zwar konstant hohe Beförderungsmengen erwarten. Doch langfristige Verträge, die eine hohe Auslastung der Kapazitäten gewährleisten, bilden bislang die Ausnahme. Sie stellen jedoch eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung alternativer Transportsysteme und die hiermit verbundenen hohen Investitionen dar.
In einigen Bundesländern wurden regionale Entsorgungskonzepte realisiert, die die Schiene in die Logistikkette mit einbeziehen. Bei diesen Konzepten werden in der Regel von der Müllabfuhr eingesammelte Abfälle an Müllumladestationen auf die Schiene umgeladen und per Bahn im Rahmen von Rundläufen in nahe liegende Müllverbrennungsanlagen transportiert. Trotz dieser Positivbeispiele ist das Beförderungsaufkommen auf der Schiene insgesamt gering und eher umweltpolitisch als wirtschaftlich motiviert.
Im Grundsatz ist eine Bedienung des MHKW über eine Gütertram umwelt- und verkehrspolitisch absolut positiv zu bewerten ist. Angesichts der Gegebenheiten ist eine Umsetzung jedoch nur in mittel- bis langfristiger Perspektive realistisch.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 8. Juni 2009OFOF 458/8Auf der Schiene ins MHKWOrtsbeiratsantrag · CDU
- 25. Juni 2009OMOM 3401Auf der Schiene ins MüllheizkraftwerkDirektanregung
- 9. September 2009STST 1372Auf der Schiene ins MüllheizkraftwerkStellungnahme
- 21. April 2010Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 45 WochenSTST 573Auf der Schiene ins MüllheizkraftwerkStellungnahme
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab