Provenienzforschung in Frankfurter Museen weiter ausbauen und fördern
Zusammenfassung
Der Antrag fordert den Magistrat auf, die ethnologische Provenienzforschung in Frankfurter Museen zu unterstützen und auszubauen. Dies geschieht im Kontext der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Frankfurts. Ziel ist es, Lösungen für unrechtmäßig erworbene Objekte zu finden und die digitale Erfassung der Sammlungen zu intensivieren.
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Thema Kultur verfolgenAntrag
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird aufgefordert, auf die Museen in kommunaler Trägerschaft zuzugehen und die dort betriebene ethnologische Provenienzforschung weiter zu unterstützen. Dafür wird der Magistrat beauftragt, seine finanzielle Förderung zur Aufarbeitung von Provenienzen von Kulturgut aus kolonialen Kontexten in Frankfurter Museen und Sammlungen in öffentlicher Trägerschaft auszubauen.
- Hierfür soll seitens des Magistrats geprüft und berichtet werden, welche zusätzlichen Forschungs- oder Fördergelder zur Verfügung gestellt werden können. Dabei sollen auch mögliche Förderungen von Land, Bund und Europäischer Union sowie Stiftungen geprüft werden.
- Der Magistrat wird beauftragt, die städtischen Museen verstärkt dabei zu unterstützen, nach abgeschlossener Provenienzforschung mit dem Ergebnis, dass ein Objekt aus heutiger Sicht unrechtmäßig erworben wurde, gemeinsam mit den Anspruchsberechtigten Lösungen analog zur Washingtoner Erklärung zu finden. Möglichen Anspruchsberechtigten soll somit die Wiedererlangung der ihren Vorfahren unrechtmäßig entzogenen Objekte und Gegenstände ermöglicht werden. Die Etablierung neuer Kooperationen zwischen den Frankfurter Museen und den Herkunftsländern bzw. -gesellschaften soll gefördert werden, um neue Wege in der Erforschung der Kulturgüter zu finden.
- Bei Fällen, bei denen die Provenienz nicht abschließend geklärt oder bei denen kein rechtmäßiger Eigentümer ermittelt werden konnte, können und sollen die Objekte in den städtischen Museen verbleiben, allerdings muss in einer öffentlichen Datenbank vermerkt werden, dass die Provenienz nicht geklärt werden konnte.
- Darüber hinaus wird der Magistrat gebeten zu prüfen und zu berichten, wie der derzeitige Digitalisierungsstand städtischer Sammlungen, die Objekte aus kolonialen Kontexten enthalten, ist und bei Bedarf eine Intensivierung der digitalen Erfassung forcieren. Die digitalisierten Bestände sollen im Anschluss in Form einer adäquaten, öffentlich nutzbaren Datenbank allgemein zugänglich gemacht werden.
Begründung
Der deutsche Kolonialismus und die europäische Gewaltherrschaft über weite Teile der Welt sind ein dunkles Kapitel unserer Geschichte. Auch Frankfurt ist ein Teil dieser kolonialen Vergangenheit. So ist es zu erklären, dass bis heute Kunstobjekte und Exponate in den Frankfurter Museen liegen, die unrechtmäßig aus Afrika, Asien und Südamerika zu uns gebracht wurden. Die Koalition setzt sich für eine proaktive Aufarbeitung unserer kolonialen Vergangenheit ein und kommt damit auch der moralischen Verantwortung nach, das Unrecht der kolonialen Vergangenheit aufzuarbeiten. Im Bereich der Frankfurter Kulturpolitik betrifft dies vor allem die Museen in kommunaler Trägerschaft und deren teils sehr umfangreichen ethnologischen Sammlungen. Provenienzforschung hat das Potential, Familien, Kulturen und Gesellschaften zu verbinden. Bei diesem Vorhaben geht es nicht allein um die ethische Beurteilung der Vorkommnisse oder etwa um die Verbrechen der Kolonialzeit, sondern vielmehr darum welche Stadt wir heute sein wollen und welchen Verantwortungen wir uns stellen. Recherchieren, digitalisieren, Transparenz schaffen und mit den Herkunftsländern kommunizieren, Lösungen finden, bevor Restitutionsforderungen gestellt werden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 24. Januar 2024Sie sind hierNRNR 851Provenienzforschung in Frankfurter Museen weiter ausbauen und fördernSTVV-Antrag · GRÜNE, SPD, FDP, Volt
- 7. März 2025Antwort des Magistrats · nach 58 WochenBB 106Provenienzforschung in Frankfurter Museen weiter ausbauen und fördernMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Vorschlag für eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Er wird in den Fraktionen vorbereitet, in Ausschüssen vorberaten und im Plenum beschlossen — oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ausschüsse beraten & empfehlen
- 3Plenum beschließt
Beratungsverlauf4 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., Volt, FRAKTION und ÖkoLinX-ELF gegen AfD (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF-BIG (= Prüfung und Berichterstattung) Gartenpartei (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., Volt, FRAKTION, ÖkoLinX-ELF und Gartenpartei gegen AfD (= Ablehnung) sowie BFF-BIG (= Prüfung und Berichterstattung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt und BFF-BIG
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt und BFF-BIG; ÖkoLinX-ELF (= Enthaltung)