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Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holen

Vorlagentyp: NRGRÜNE
58 Wochen bis zur Antwort3 Stationen im Verfahren5 Sitzungen

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Thema Öffentlicher Nahverkehr und neue Mobilität verfolgen

Begründung

der Grauen Busse" nach Frankfurt holen Vorgang: Zwischenbescheid des Magistrats vom 23.08.2016 Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, um: 1. das mobile "Denkmal der Grauen Busse" für die Opfer der sogenannten "Euthanasie"-"Aktion T4" in den Jahren des Nationalsozialismus für das Jahr 2017 nach Frankfurt zu holen und an einem viel frequentierten Ort an prominenter Stelle in der Innenstadt aufstellen zu lassen, 2. dieses mit der Woche der Psychiatrie und der 100 Jahr-Feier des Stadtgesundheitsamtes 2017 zu verbinden, 3. ein medizin-historisches sowie ein künstlerisches Rahmenprogramm zu erarbeiten, welches geeignet ist, das Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen, 4. nach betroffenen Frankfurterinnen und Frankfurtern sowie Frankfurter Familienschicksalen zu forschen, die Teil dieses grausamen Geschehens waren und diese für die Stadtgesellschaft herauszuarbeiten, 5. eine Begleitkonzeption zu erarbeiten, welche sich mit dem Schwerpunkt der "Normativität - was ist eigentlich normal" auseinandersetzt und somit einen Bezug zur Gegenwart herstellt. Begründung: Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in der nicht Opfer des organisierten Krankenmordes ("Euthanasie"-"Aktion T4") zu beklagen sind. Im öffentlichen Bewusstsein ist dieses Kapitel der Geschichte kaum präsent, zum Teil wird es auch in den Familien bis heute schlicht verdrängt. Im Nationalsozialismus galten psychisch kranke und behinderte Menschen als Belastung, schlimmer noch als "lebensunwert". Die "Aktion T4", bei der 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet wurden, war Teil der als "Euthanasie" bezeichneten systematischen Tötung mit insgesamt 300.000 Menschen in Europa. Was in den sechs Vernichtungsstätten, wie zum Beispiel in Hadamar geschah, markiert den Übergang zum industriell durchgeführten Massenmord im nationalsozialistischen Deutschland. Die Verbindungslinien zur Vernichtung der europäischen Juden sind unübersehbar. Hier wurden Tötungs-Technologien entwickelt und perfektioniert. Auch die beruflichen Wege der Täter, des einfachen Hilfspersonals wie der leitenden Ärzte, führten vielfach anschließend in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau. Das "Denkmal der Grauen Busse" erinnert an die Todestransporte der Patientinnen und Patienten in die "T4"-Anstalten und wurde von den beiden deutschen Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz gestaltet. Ein in Originalgröße in Beton gegossener Bus des gleichen Typs, wie er von den Pflegeanstalten zu den Tötungsanstalten fuhr, erinnert an den Massenmord. Der graue Bus ist in Segmenten aufgeschnitten und begehbar. An einer seiner Seiten ist das Zitat: "Wohin bringt ihr uns?", die überlieferte Frage eines Patienten eingeschrieben. Mit dieser Arbeit wird nicht nur den Opfern der "Euthanasie"-Morde ein Denkmal gesetzt; es werden auch Tat und Täter reflektiert, indem die grauen Busse, die Werkzeuge der Täter, als Transportmittel der Erinnerung genutzt werden. Erinnerung ist ein wesentlicher Aspekt der Identität. Sie wird nicht nur von Individuen, sondern auch von Gesellschaften, als kulturelles Gedächtnis, erlebt. Die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen, stellt sich auf der Grundlage unserer Geschichte, unserer Erinnerung. Sie darf nie enden. Deshalb ist ein aktueller Bezug und des sich immer-wieder-fragens, was entspricht dem, was wir als "normal" ansehen sinnvoll. Im Zusammenhang mit dem Denkmal der Grauen Busse soll dies im Rahmen eines Begleitprogramms unter dem Titel "Normativität- was ist eigentlich normal" gestaltet und mit der Stadtgesellschaft erörtert werden. Im künstlerischen Rahmenprogramm kann die Vergangenheit als auch der gegenwärtige Umgang mit dem Thema herausgearbeitet werden. Im Jahr 2017 feiert das Stadtgesundheitsamt sein 100jähriges Bestehen. In diesem Rahmen läuft das Erinnern mittels des Denkmals der Grauen Busse zusammen. Es können Parallelen hergestellt werden zur Gründung der amtsärztlichen "erb - und rassenpflegerische" Beratungsstelle von 1935, die den Auftrag hatte eine "erbbiologische Bestandsaufnahme" der Bewohnerinnen und Bewohner Frankfurts zu erstellen. So war das damalige Stadtgesundheitsamt unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene beteiligt, nicht nur bei der Verfolgung von Sinti und Roma, sondern auch bei der Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen aus Frankfurt. Das Institut für Stadtgeschichte ist in die Vorbereitung der 100-Jahr Feierlichkeiten involviert und wird mit der Erforschung von Einzelfällen den lokalen Bezug zum "Denkmal der Grauen Busse" herstellen können. Denn auch von Frankfurt aus wurden Menschen mit den Grauen Bussen in die Vernichtungsstätte nach Hadamar verbracht.

Inhalt

Antrag vom 13.05.2016, NR 39

Betreff: Das "Denkmal der Grauen Busse" nach Frankfurt holen Vorgang: Zwischenbescheid des Magistrats vom 23.08.2016 Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, um: 1. das mobile "Denkmal der Grauen Busse" für die Opfer der sogenannten "Euthanasie"-"Aktion T4" in den Jahren des Nationalsozialismus für das Jahr 2017 nach Frankfurt zu holen und an einem viel frequentierten Ort an prominenter Stelle in der Innenstadt aufstellen zu lassen, 2. dieses mit der Woche der Psychiatrie und der 100 Jahr-Feier des Stadtgesundheitsamtes 2017 zu verbinden, 3. ein medizin-historisches sowie ein künstlerisches Rahmenprogramm zu erarbeiten, welches geeignet ist, das Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen, 4. nach betroffenen Frankfurterinnen und Frankfurtern sowie Frankfurter Familienschicksalen zu forschen, die Teil dieses grausamen Geschehens waren und diese für die Stadtgesellschaft herauszuarbeiten, 5. eine Begleitkonzeption zu erarbeiten, welche sich mit dem Schwerpunkt der "Normativität - was ist eigentlich normal" auseinandersetzt und somit einen Bezug zur Gegenwart herstellt.

Begründung: Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in der nicht Opfer des organisierten Krankenmordes ("Euthanasie"-"Aktion T4") zu beklagen sind. Im öffentlichen Bewusstsein ist dieses Kapitel der Geschichte kaum präsent, zum Teil wird es auch in den Familien bis heute schlicht verdrängt. Im Nationalsozialismus galten psychisch kranke und behinderte Menschen als Belastung, schlimmer noch als "lebensunwert". Die "Aktion T4", bei der 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet wurden, war Teil der als "Euthanasie" bezeichneten systematischen Tötung mit insgesamt 300.000 Menschen in Europa. Was in den sechs Vernichtungsstätten, wie zum Beispiel in Hadamar geschah, markiert den Übergang zum industriell durchgeführten Massenmord im nationalsozialistischen Deutschland. Die Verbindungslinien zur Vernichtung der europäischen Juden sind unübersehbar. Hier wurden Tötungs-Technologien entwickelt und perfektioniert. Auch die beruflichen Wege der Täter, des einfachen Hilfspersonals wie der leitenden Ärzte, führten vielfach anschließend in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau. Das "Denkmal der Grauen Busse" erinnert an die Todestransporte der Patientinnen und Patienten in die "T4"-Anstalten und wurde von den beiden deutschen Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz gestaltet. Ein in Originalgröße in Beton gegossener Bus des gleichen Typs, wie er von den Pflegeanstalten zu den Tötungsanstalten fuhr, erinnert an den Massenmord. Der graue Bus ist in Segmenten aufgeschnitten und begehbar. An einer seiner Seiten ist das Zitat: "Wohin bringt ihr uns?", die überlieferte Frage eines Patienten eingeschrieben. Mit dieser Arbeit wird nicht nur den Opfern der "Euthanasie"-Morde ein Denkmal gesetzt; es werden auch Tat und Täter reflektiert, indem die grauen Busse, die Werkzeuge der Täter, als Transportmittel der Erinnerung genutzt werden. Erinnerung ist ein wesentlicher Aspekt der Identität. Sie wird nicht nur von Individuen, sondern auch von Gesellschaften, als kulturelles Gedächtnis, erlebt. Die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen, stellt sich auf der Grundlage unserer Geschichte, unserer Erinnerung. Sie darf nie enden. Deshalb ist ein aktueller Bezug und des sich immer-wieder-fragens, was entspricht dem, was wir als "normal" ansehen sinnvoll. Im Zusammenhang mit dem Denkmal der Grauen Busse soll dies im Rahmen eines Begleitprogramms unter dem Titel "Normativität- was ist eigentlich normal" gestaltet und mit der Stadtgesellschaft erörtert werden. Im künstlerischen Rahmenprogramm kann die Vergangenheit als auch der gegenwärtige Umgang mit dem Thema herausgearbeitet werden. Im Jahr 2017 feiert das Stadtgesundheitsamt sein 100jähriges Bestehen. In diesem Rahmen läuft das Erinnern mittels des Denkmals der Grauen Busse zusammen. Es können Parallelen hergestellt werden zur Gründung der amtsärztlichen "erb - und rassenpflegerische" Beratungsstelle von 1935, die den Auftrag hatte eine "erbbiologische Bestandsaufnahme" der Bewohnerinnen und Bewohner Frankfurts zu erstellen. So war das damalige Stadtgesundheitsamt unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene beteiligt, nicht nur bei der Verfolgung von Sinti und Roma, sondern auch bei der Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen aus Frankfurt. Das Institut für Stadtgeschichte ist in die Vorbereitung der 100-Jahr Feierlichkeiten involviert und wird mit der Erforschung von Einzelfällen den lokalen Bezug zum "Denkmal der Grauen Busse" herstellen können. Denn auch von Frankfurt aus wurden Menschen mit den Grauen Bussen in die Vernichtungsstätte nach Hadamar verbracht.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 13. Mai 2016Sie sind hier
    NRNR 39Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holen
    STVV-Antrag · GRÜNE
  2. 13. Januar 2017BB 6Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holenMagistratsbericht
  3. 23. Juni 2017Antwort des Magistrats · nach 58 WochenBB 205Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holenMagistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

NRAntrag in der Stadtverordnetenversammlung

Ein Vorschlag für eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Er wird in den Fraktionen vorbereitet, in Ausschüssen vorberaten und im Plenum beschlossen — oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen.

  1. 1Fraktion bringt Antrag ein
  2. 2Ausschüsse beraten & empfehlen
  3. 3Plenum beschließt
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf5 Beratungen
Kultur- und Freizeitausschusses
Sitzung 1 · 02.06.2016
TO I, TOP 7
Angenommen
Der Vorlage NR 39 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
LinkeFDP
Ablehnung:
AfD
Enthaltung:
FRAKTION
Sonstige:
CDU (Votum im Haupt- und Finanzausschuss)SPD (Votum im Haupt- und Finanzausschuss)Grüne (Votum im Haupt- und Finanzausschuss)BFF (Prüfung und Berichterstattung)Frankfurter (Prüfung und Berichterstattung)
Abstimmung im Original

Abstimmung: LINKE. und FDP gegen AfD (= Ablehnung); CDU, SPD und GRÜNE (= Votum im Haupt- und Finanzausschuss) sowie FRAKTION (= Enthaltung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF und FRANKFURTER (= Prüfung und Berichterstattung)

Ausschusses für Soziales und Gesundheit
Sitzung 1 · 09.06.2016
TO I, TOP 11
Zur Kenntnis
Es dient zur Kenntnis, dass der Ausschuss für Soziales und Gesundheit die Beratung der Vorlage NR 39 auf den Haupt- und Finanzausschuss delegiert hat.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneAfDLinkeFDPBFFFRAKTIONFrankfurter
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF, FRAKTION und FRANKFURTER

Haupt- und Finanzausschusses
Sitzung 2 · 14.06.2016
TO I, TOP 15
Angenommen
a) Den Ziffern 1. bis 3. der Vorlage NR 39 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt. b) Die Ziffern 4. und 5. der Vorlage NR 39 werden dem Magistrat zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
ÖkoLinX-ARL
zu a)
Zustimmung:
CDUSPDGrüneLinkeFDPFRAKTIONFrankfurter
Ablehnung:
AfDBFF
zu b)
Zustimmung:
CDUSPDGrüneAfDBFFFrankfurter
Ablehnung:
LinkeFDPFRAKTION
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu a) CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FRAKTION und FRANKFURTER gegen AfD und BFF (= Prüfung und Berichterstattung) zu b) CDU, SPD, GRÜNE, AfD, BFF und FRANKFURTER gegen LINKE., FDP und FRAKTION (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ARL (= Annahme)

Stadtverordnetenversammlung
Sitzung 4 · 16.06.2016
TO I, TOP 13
Angenommen
a) Den Ziffern 1. bis 3. der Vorlage NR 39 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt. b) Die Ziffern 4. und 5. der Vorlage NR 39 werden dem Magistrat zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. c) Die Wortmeldungen der Stadtverordneten Momsen, Emmerling, von Wangenheim, David, Pauli, Ditfurth und Ochs sowie von Stadtrat Professor Dr. Semmelroth dienen zur Kenntnis.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

zu a)
Zustimmung:
CDUSPDGrüneLinkeFDPFRAKTIONFrankfurterÖkoLinX-ARL
Ablehnung:
AfDBFF
zu b)
Zustimmung:
CDUSPDGrüneAfDBFFFrankfurter
Ablehnung:
LinkeFDPFRAKTIONÖkoLinX-ARL
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu a) CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FRAKTION, FRANKFURTER und ÖkoLinX-ARL gegen AfD und BFF (= Prüfung und Berichterstattung) zu b) CDU, SPD, GRÜNE, AfD, BFF und FRANKFURTER gegen LINKE., FDP, FRAKTION und ÖkoLinX-ARL (= Annahme)

Ausschusses für Soziales und Gesundheit
Sitzung 4 · 06.10.2016
TO I, TOP 4
Beraten
nicht auf TO Der Magistrat wird aufgefordert, den Bericht zur Vorlage NR 39 spätestens in drei Monaten vorzulegen. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneAfDLinkeFDPBFFFRAKTIONFrankfurter
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF, FRAKTION und FRANKFURTER

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