Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holen
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Thema Öffentlicher Nahverkehr und neue Mobilität verfolgenBegründung
der Grauen Busse" nach Frankfurt holen Vorgang: Zwischenbescheid des Magistrats vom 23.08.2016 Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, um: 1. das mobile "Denkmal der Grauen Busse" für die Opfer der sogenannten "Euthanasie"-"Aktion T4" in den Jahren des Nationalsozialismus für das Jahr 2017 nach Frankfurt zu holen und an einem viel frequentierten Ort an prominenter Stelle in der Innenstadt aufstellen zu lassen, 2. dieses mit der Woche der Psychiatrie und der 100 Jahr-Feier des Stadtgesundheitsamtes 2017 zu verbinden, 3. ein medizin-historisches sowie ein künstlerisches Rahmenprogramm zu erarbeiten, welches geeignet ist, das Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen, 4. nach betroffenen Frankfurterinnen und Frankfurtern sowie Frankfurter Familienschicksalen zu forschen, die Teil dieses grausamen Geschehens waren und diese für die Stadtgesellschaft herauszuarbeiten, 5. eine Begleitkonzeption zu erarbeiten, welche sich mit dem Schwerpunkt der "Normativität - was ist eigentlich normal" auseinandersetzt und somit einen Bezug zur Gegenwart herstellt. Begründung: Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in der nicht Opfer des organisierten Krankenmordes ("Euthanasie"-"Aktion T4") zu beklagen sind. Im öffentlichen Bewusstsein ist dieses Kapitel der Geschichte kaum präsent, zum Teil wird es auch in den Familien bis heute schlicht verdrängt. Im Nationalsozialismus galten psychisch kranke und behinderte Menschen als Belastung, schlimmer noch als "lebensunwert". Die "Aktion T4", bei der 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet wurden, war Teil der als "Euthanasie" bezeichneten systematischen Tötung mit insgesamt 300.000 Menschen in Europa. Was in den sechs Vernichtungsstätten, wie zum Beispiel in Hadamar geschah, markiert den Übergang zum industriell durchgeführten Massenmord im nationalsozialistischen Deutschland. Die Verbindungslinien zur Vernichtung der europäischen Juden sind unübersehbar. Hier wurden Tötungs-Technologien entwickelt und perfektioniert. Auch die beruflichen Wege der Täter, des einfachen Hilfspersonals wie der leitenden Ärzte, führten vielfach anschließend in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau. Das "Denkmal der Grauen Busse" erinnert an die Todestransporte der Patientinnen und Patienten in die "T4"-Anstalten und wurde von den beiden deutschen Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz gestaltet. Ein in Originalgröße in Beton gegossener Bus des gleichen Typs, wie er von den Pflegeanstalten zu den Tötungsanstalten fuhr, erinnert an den Massenmord. Der graue Bus ist in Segmenten aufgeschnitten und begehbar. An einer seiner Seiten ist das Zitat: "Wohin bringt ihr uns?", die überlieferte Frage eines Patienten eingeschrieben. Mit dieser Arbeit wird nicht nur den Opfern der "Euthanasie"-Morde ein Denkmal gesetzt; es werden auch Tat und Täter reflektiert, indem die grauen Busse, die Werkzeuge der Täter, als Transportmittel der Erinnerung genutzt werden. Erinnerung ist ein wesentlicher Aspekt der Identität. Sie wird nicht nur von Individuen, sondern auch von Gesellschaften, als kulturelles Gedächtnis, erlebt. Die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen, stellt sich auf der Grundlage unserer Geschichte, unserer Erinnerung. Sie darf nie enden. Deshalb ist ein aktueller Bezug und des sich immer-wieder-fragens, was entspricht dem, was wir als "normal" ansehen sinnvoll. Im Zusammenhang mit dem Denkmal der Grauen Busse soll dies im Rahmen eines Begleitprogramms unter dem Titel "Normativität- was ist eigentlich normal" gestaltet und mit der Stadtgesellschaft erörtert werden. Im künstlerischen Rahmenprogramm kann die Vergangenheit als auch der gegenwärtige Umgang mit dem Thema herausgearbeitet werden. Im Jahr 2017 feiert das Stadtgesundheitsamt sein 100jähriges Bestehen. In diesem Rahmen läuft das Erinnern mittels des Denkmals der Grauen Busse zusammen. Es können Parallelen hergestellt werden zur Gründung der amtsärztlichen "erb - und rassenpflegerische" Beratungsstelle von 1935, die den Auftrag hatte eine "erbbiologische Bestandsaufnahme" der Bewohnerinnen und Bewohner Frankfurts zu erstellen. So war das damalige Stadtgesundheitsamt unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene beteiligt, nicht nur bei der Verfolgung von Sinti und Roma, sondern auch bei der Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen aus Frankfurt. Das Institut für Stadtgeschichte ist in die Vorbereitung der 100-Jahr Feierlichkeiten involviert und wird mit der Erforschung von Einzelfällen den lokalen Bezug zum "Denkmal der Grauen Busse" herstellen können. Denn auch von Frankfurt aus wurden Menschen mit den Grauen Bussen in die Vernichtungsstätte nach Hadamar verbracht.
Inhalt
Antrag vom 13.05.2016, NR 39
Betreff: Das "Denkmal der Grauen Busse" nach Frankfurt holen Vorgang: Zwischenbescheid des Magistrats vom 23.08.2016 Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, um: 1. das mobile "Denkmal der Grauen Busse" für die Opfer der sogenannten "Euthanasie"-"Aktion T4" in den Jahren des Nationalsozialismus für das Jahr 2017 nach Frankfurt zu holen und an einem viel frequentierten Ort an prominenter Stelle in der Innenstadt aufstellen zu lassen, 2. dieses mit der Woche der Psychiatrie und der 100 Jahr-Feier des Stadtgesundheitsamtes 2017 zu verbinden, 3. ein medizin-historisches sowie ein künstlerisches Rahmenprogramm zu erarbeiten, welches geeignet ist, das Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen, 4. nach betroffenen Frankfurterinnen und Frankfurtern sowie Frankfurter Familienschicksalen zu forschen, die Teil dieses grausamen Geschehens waren und diese für die Stadtgesellschaft herauszuarbeiten, 5. eine Begleitkonzeption zu erarbeiten, welche sich mit dem Schwerpunkt der "Normativität - was ist eigentlich normal" auseinandersetzt und somit einen Bezug zur Gegenwart herstellt.
Begründung: Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in der nicht Opfer des organisierten Krankenmordes ("Euthanasie"-"Aktion T4") zu beklagen sind. Im öffentlichen Bewusstsein ist dieses Kapitel der Geschichte kaum präsent, zum Teil wird es auch in den Familien bis heute schlicht verdrängt. Im Nationalsozialismus galten psychisch kranke und behinderte Menschen als Belastung, schlimmer noch als "lebensunwert". Die "Aktion T4", bei der 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet wurden, war Teil der als "Euthanasie" bezeichneten systematischen Tötung mit insgesamt 300.000 Menschen in Europa. Was in den sechs Vernichtungsstätten, wie zum Beispiel in Hadamar geschah, markiert den Übergang zum industriell durchgeführten Massenmord im nationalsozialistischen Deutschland. Die Verbindungslinien zur Vernichtung der europäischen Juden sind unübersehbar. Hier wurden Tötungs-Technologien entwickelt und perfektioniert. Auch die beruflichen Wege der Täter, des einfachen Hilfspersonals wie der leitenden Ärzte, führten vielfach anschließend in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau. Das "Denkmal der Grauen Busse" erinnert an die Todestransporte der Patientinnen und Patienten in die "T4"-Anstalten und wurde von den beiden deutschen Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz gestaltet. Ein in Originalgröße in Beton gegossener Bus des gleichen Typs, wie er von den Pflegeanstalten zu den Tötungsanstalten fuhr, erinnert an den Massenmord. Der graue Bus ist in Segmenten aufgeschnitten und begehbar. An einer seiner Seiten ist das Zitat: "Wohin bringt ihr uns?", die überlieferte Frage eines Patienten eingeschrieben. Mit dieser Arbeit wird nicht nur den Opfern der "Euthanasie"-Morde ein Denkmal gesetzt; es werden auch Tat und Täter reflektiert, indem die grauen Busse, die Werkzeuge der Täter, als Transportmittel der Erinnerung genutzt werden. Erinnerung ist ein wesentlicher Aspekt der Identität. Sie wird nicht nur von Individuen, sondern auch von Gesellschaften, als kulturelles Gedächtnis, erlebt. Die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen, stellt sich auf der Grundlage unserer Geschichte, unserer Erinnerung. Sie darf nie enden. Deshalb ist ein aktueller Bezug und des sich immer-wieder-fragens, was entspricht dem, was wir als "normal" ansehen sinnvoll. Im Zusammenhang mit dem Denkmal der Grauen Busse soll dies im Rahmen eines Begleitprogramms unter dem Titel "Normativität- was ist eigentlich normal" gestaltet und mit der Stadtgesellschaft erörtert werden. Im künstlerischen Rahmenprogramm kann die Vergangenheit als auch der gegenwärtige Umgang mit dem Thema herausgearbeitet werden. Im Jahr 2017 feiert das Stadtgesundheitsamt sein 100jähriges Bestehen. In diesem Rahmen läuft das Erinnern mittels des Denkmals der Grauen Busse zusammen. Es können Parallelen hergestellt werden zur Gründung der amtsärztlichen "erb - und rassenpflegerische" Beratungsstelle von 1935, die den Auftrag hatte eine "erbbiologische Bestandsaufnahme" der Bewohnerinnen und Bewohner Frankfurts zu erstellen. So war das damalige Stadtgesundheitsamt unmittelbar an der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene beteiligt, nicht nur bei der Verfolgung von Sinti und Roma, sondern auch bei der Ermordung von psychisch kranken und behinderten Menschen aus Frankfurt. Das Institut für Stadtgeschichte ist in die Vorbereitung der 100-Jahr Feierlichkeiten involviert und wird mit der Erforschung von Einzelfällen den lokalen Bezug zum "Denkmal der Grauen Busse" herstellen können. Denn auch von Frankfurt aus wurden Menschen mit den Grauen Bussen in die Vernichtungsstätte nach Hadamar verbracht.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 13. Mai 2016Sie sind hierNRNR 39Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holenSTVV-Antrag · GRÜNE
- 13. Januar 2017BB 6Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holenMagistratsbericht
- 23. Juni 2017Antwort des Magistrats · nach 58 WochenBB 205Das „Denkmal der Grauen Busse“ nach Frankfurt holenMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Vorschlag für eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Er wird in den Fraktionen vorbereitet, in Ausschüssen vorberaten und im Plenum beschlossen — oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ausschüsse beraten & empfehlen
- 3Plenum beschließt
Beratungsverlauf5 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: LINKE. und FDP gegen AfD (= Ablehnung); CDU, SPD und GRÜNE (= Votum im Haupt- und Finanzausschuss) sowie FRAKTION (= Enthaltung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF und FRANKFURTER (= Prüfung und Berichterstattung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF, FRAKTION und FRANKFURTER
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu a) CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FRAKTION und FRANKFURTER gegen AfD und BFF (= Prüfung und Berichterstattung) zu b) CDU, SPD, GRÜNE, AfD, BFF und FRANKFURTER gegen LINKE., FDP und FRAKTION (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ARL (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu a) CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FRAKTION, FRANKFURTER und ÖkoLinX-ARL gegen AfD und BFF (= Prüfung und Berichterstattung) zu b) CDU, SPD, GRÜNE, AfD, BFF und FRANKFURTER gegen LINKE., FDP, FRAKTION und ÖkoLinX-ARL (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, AfD, LINKE., FDP, BFF, FRAKTION und FRANKFURTER