Die Stadt Frankfurt als beispielhafte Arbeitgeberin: Zertifizierung familienbewusster Personalpolitik durch das .Audit Beruf & Familie.
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E-Mail-Abo einrichtenBegründung
Seit ca. drei Jahren können sich auch in Deutschland Firmen und Institutionen eine familienbewusste Personalpolitik durch das so genannte "Audit Beruf & Familie" zertifizieren lassen. Wesentliches Ziel ist es, eine Balance zwischen dem Interesse der Firmen bzw. Institutionen und Mitarbeiterbelangen zu erreichen. Von der familienbewussten Personalpolitik profitieren nicht nur die MitarbeiterInnen, sondern auch die Unternehmen/Institutionen selbst, etwa durch motiviertere und leistungsstärkere MitarbeiterInnen und durch einen erheblichen Imagegewinn als ArbeitgeberIn. Die Beruf- und Familien gemeinnützige GmbH führt die Auswertungen durch. Zunächst erfassen ein externer Berater und eine stadtinterne Projektgruppe den Ist-Zustand und ermitteln, für welche Maßnahmen konkreter Bedarf besteht. Konkrete Vorschläge für Verbesserungen und eine gemeinsame Formulierung von Zielvorhaben ergänzen den Audit - Prozeß. Um zu gewährleisten, dass die Zertifizierung zu Recht erfolgte und es nicht nur zu Einzelmaßnamen kommt, sondern dass eine solche Personalpolitik Teil der Unternehmenskultur wird, begleitet und überprüft ein unabhängiger Audit - Rat die weitere Entwicklung. Zahlreiche Unternehmen und Behörden wie z.B. die Commerzbank AG, die Hypo Vereinsbank AG, die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, das Hessische Sozialministerium und die Stadt Hanau wurden bereits mit dem Grundzertifikat zum Audit Beruf & Familie ausgezeichnet. Zwar ist unstrittig, dass der Magistrat bereits erhebliche Anstrengungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unternahm. Die Teilnahme an dem Audit würde aber einen Prozeß in Gang setzen, der hilft, die bestehenden einzelnen Maßnahmen zusammenzuführen und eine systematische und ganzheitliche familienfreundliche Personalpolitik unterstützt und begleitet. Anlagen: Informationen zum Audit Beruf & Familie ( - 4 - Seiten ) Audit Beruf & Familie
- Warum ein Audit Beruf & Familie? Befragt man Unternehmen nach Ihrer Motivation, sich für familienbewusste Maßnahmen zu engagieren, so werden als Gründe vor allem eine höhere Motivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten, der Abbau von Stress sowie eine niedrigere Fluktuations- und Krankheitsquote genannt. Daneben versprechen sich Unternehmen eine leichtere Personalrekrutierung und eine höhere Produktivität. Das Engagement für familienbewusste Maßnahmen soll das Personalmarketing und das Image verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Denn die Wettbewerbsfähigkeit bundesdeutscher und europäischer Unternehmen hängt auf allen Unternehmensebenen in hohem Maß von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Beschäftigten ab. Wettbewerbsfähigkeit erfordert eine Personalpolitik, die zwischen den Rahmenbedingungen des Marktes und der Gesellschaft, den betrieblichen Anforderungen sowie den Bedürfnissen und Wertvorstellungen der Belegschaft vermittelt. Ziel ist es, mit einer familienbewußten Personalpolitik die Produktivität der Humanressourcen zu erhalten und auszubauen.
- Was ist das Audit? Das Audit Beruf & Familie lehnt sich an die Idee des "family-friendly-index" (USA) an. Auf Initiative und im Auftrag der Gemeinnützigen HERTIE-Stiftung Deutschland wurden Maßnahmen und Empfehlungen weiterentwickelt und auf die Bedingungen in Deutschland zugeschnitten oder teilweise komplett neu erarbeitet. Das Audit Beruf & Familie systematisiert und gewichtet mittels eines umfangreichen Kriterienkataloges, welche familienbewussten Maßnahmen und Angebote ein Unternehmen bietet. Der Begriff "Familie" umfasst das gesamte private und familiäre Lebensumfeld. Abgefragt wird dabei nicht nur die Institutionalisierung, also wie die Maßnahmen im Betrieb verankert sind (informell, Rahmenrichtlinie, Betriebsvereinbarung?), sondern ebenso die Zielgruppe, also die Frage, für wen die jeweilige Maßnahme angeboten wird (Angestellte bzw. gewerbliche Beschäftigte, einzelne Unternehmensbereiche oder gesamtes Unternehmen). Schließlich wird noch die tatsächliche Nutzung und Umsetzung abgefragt, also wer (Frauen, Männer, Führungskräfte?) und wie viele Beschäftigte die Maßnahme nutzen. Ziel des Audits ist ein "Check-up" der gesamten Unternehmenskultur und das Anregen personalpolitischer Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf & Familie fördern. Das Audit stellt ein Spiegelbild der gelebten Unternehmenskultur dar. Es bietet ein Managementsystem zur Optimierung familienbewusster Personalpolitik. Das Audit Beruf & Familie lässt sich als multifunktionales Instrument in allen Branchen und Betriebsgrößen, in Wirtschaftsunternehmen und im öffentlichen Dienst einsetzen. Weder kann noch soll ein einzelnes Unternehmen alle dargestellten Maßnahmen realisieren. Wichtig ist, mit Hilfe des Audits einen Prozess im Unternehmen in Gang zu setzen sowie Ziele und Maßnahmen für eine familienbewusste Personalpolitik zu definieren. Umstrukturierungen und Prozesse des Umdenkens ermöglichen eine familienbewusste Personalpolitik, die dem Unternehmen und den Mitarbeitern langfristig nutzt, auch ohne großen finanziellen Aufwand.
- Nutzen des Audits für das Unternehmen Das Audit Beruf & Familie soll als personalpolitisches Controllinginstrument im Unternehmen eingesetzt werden. Anhand überwiegend qualitativer Bewertungskriterien wird ermittelt, wie familienbewußt ein Unternehmen tatsächlich ist. Das Audit Beruf & Familie systematisiert und gewichtet familienbewußte Maßnahmen und Angebote, erfaßt damit die tatsächliche Unternehmenskultur und stellt sie anschaulich dar. Es gibt Impulse zur Diskussion und bietet Grundlagen für innovative personalpolitische Strategien. Es regt dazu an, personalpolitische Maßnahmen in einem Gesamtkontext zu sehen und zielgerichtet einzusetzen. Auf Basis des Ist-Zustandes können Schwachstellen analysiert, Handlungsbedarf und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und damit Veränderungs- und Entwicklungsstrategien eingeleitet werden. Darüber hinaus werden Ziele für eine familienbewußte Personalpolitik definiert. Ob diese erreicht worden sind, läßt sich durch eine Wiederholung des Audits nach zwei bis drei Jahren prüfen (Rezertifizierung). Des weiteren gibt das Audit Hilfestellungen und Hinweise, die zur Motivations- und Leistungssteigerung der MitarbeiterInnen und damit zu erhöhter Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beitragen. Eine optimale Nutzung möglicher innovativer Angebote und Maßnahmen kann nur dann erzielt werden, wenn sie systematisch mit den Zielen der Unternehmensführung und dem Unternehmensleitbild verknüpft sind. Ziel ist es, das Audit mit Hilfe von Kennziffern als diagnostisches Instrument einzusetzen und für die Bedarfsanalyse im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung anzuwenden. Es werden gezielt auch quantitative unternehmens- und familienbezogene Daten und Informationen sowie betriebswirtschaftliche Kennziffern erfasst und analysiert. Das Unternehmen erhält damit Hinweise darauf, welche Daten und Verknüpfungen für eine Kosten-Nutzen-Analyse familienbewusster Maßnahmen benötigt werden. Das Instrument kann entweder im gesamten Unternehmen oder auch in nur einem Bereich angewandt werden. Es ermöglicht sowohl einen internen Vergleich als auch einen Austausch mit anderen Unternehmen bis hin zum Benchmarking. Damit dokumentiert das Audit das Familienbewusstsein des Unternehmens nach innen und außen.
- Wie wird das Audit angewendet? Nach der Interessensbekundung durch das Unternehmen werden dem zuständigen Ansprechpartner umfangreiche Informationsunterlagen sowie das Instrument (Fragebogen) zur Verfügung gestellt. In einem ersten Schritt wird nach einem Strukturierungsgespräch eine betriebsinterne repräsentative Projektgruppe zusammengesetzt. In einem darauffolgenden ein- bis zweitägigen Workshop im Unternehmen wird die Projektgruppe über die Handhabung und Nutzung des Audits informiert. Sie ermittelt zusammen mit dem Berater mit Hilfe des Instrumentariums den Ist-Zustand der familienfreundlichen Maßnahmen sowie deren Umsetzung im Unternehmen. In einem vierten Schritt werden die Ergebnisse vom beratenden Unternehmen ausgewertet und im Betrieb präsentiert. Möglicher Handlungsbedarf wird aufgezeigt, Lösungsvorschläge erarbeitet und Ziele und weitere Maßnahmen definiert. Anschließend wird die Zertifizierung empfohlen. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, danach ist eine Reauditierung möglich. Das Audit kann somit als Instrument für die Personalentwicklung verwendet werden.
- Zum aktuellen Projektstand Bis Mitte Juni 1998 fand in Deutschland eine dreijährige Pilotphase statt, an der sich ca. 30 Unternehmen beteiligt haben. Dieses Projekt wurde durch die Gemeinnützige HERTIE-Stiftung initiiert und gefördert. In Österreich haben 10 Unternehmen an einer Pilotphase bis Mitte 1998 teilgenommen. Initiiert wurde das Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Jugend und Familie, das den Großteil der Kosten übernommen hat. Mit der Durchführung beider Pilotphasen war die Firma Fauth-Herkner & Partner, Neue Wege für die Arbeitswelt, in Pullach beauftragt.
- Das weitere Vorgehen In Deutschland hat gerade eine zweijährige Startphase des Audits Beruf & Familie bis zum Jahr 2000 begonnen, die von der Gemeinnützigen HERTIE-Stiftung gefördert wird. Zu diesem Zweck wurde eine Beruf & Familie gGmbH gegründet, mit dem Ziel, das Instrumentarium zu optimieren und das Audit auf breiter Ebene umzusetzen. In der betrieblichen Praxis gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse fließen in die Überarbeitung ebenso ein wie wissenschaftliche Evaluationsmethoden. Um das Audit in Deutschland zu institutionalisieren wurde ein "Audit-Rat" konstituiert, ein unabhängiges Gremium, bestehend aus Vertretern von Ministerien, interessierten Journalisten und Wissenschaftlern, das den Prozeß der Auditierung beobachten wird und letztendlich über die Vergabe der Grundzertifikate und Zertifikate entscheidet. Eine Vernetzung innerhalb ausgewählter EU-Länder und die Ausweitung des Audits auf EU-Ebene ist in Vorbereitung, um das Audit auch über die Grenzen von Deutschland und Österreich bekannt zu machen und umzusetzen. Handlungsfelder Handlungsfeld Kurzbeschreibung Nutzen 1 Arbeitszeit
- Maßnahmen flexibler Arbeitszeitgestaltung hinsichtlich Umfang, Zeitpunkt und Abrechnungszeitraum
- Freistellungsregelungen
- flexibler Einsatz von Personalressourcen 2 Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte
- Bausteine und Methoden (etwa Mitarbeiterbeteiligung oder Teamarbeit) der flexiblen Gestaltung und Verteilung von Arbeitsaufträgen
- multifunktionaler Personaleinsatz 3 Arbeitsort
- Möglichkeiten eines flexiblen Arbeitsortes (etwa zu Hause, im Büro oder auf Reisen) und seine Anbindung an den Betrieb
- Zeit- und Kosteneinsparungen 4 Informations- und Kommunikationspolitik
- unternehmensinterne Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über familienunterstützende Aktivitäten des Betriebes
- Unterstützung der Wirksamkeit personalpolitischer Maßnahmen 5 Führungskompetenz
- familienbewußtes Verhalten der Führungskräfte
- aktive Unterstützung familienorientierter Vereinbarungen
- Förderung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
- Kompetenzentwicklung/-erweiterung der Führungskräfte 6 Personalentwicklung
- Fortbildungs- und Förderungsmöglichkeiten für Beschäftigte mit Familie
- positive Bewertung von Patchwork-Erwerbsbiographien
- Qualifikationserhalt und -ausbau sowie Nutzung von in der Familie erworbenen Kompetenzen 7 Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen
- finanzielle und soziale Unterstützung für Beschäftigte mit Familie
- bedarfs- und sozialgerechte Entgeltpolitik 8 Flankierender Service für Familien
- Versorgungsarrangements für Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige
- Reduzierung von Wie-dereinarbeitungskosten, Amortisation der Aus-, Fort- und Weiterbildungs-investitionen 9 Unternehmens- und personalpolitisches Datenmodell
- Erfassung; Verknüpfung und Analyse betriebswirtschaftlicher Daten und Informationen zur mittel- bis langfristigen Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung familienbewusster Maßnahmen
- Nutzbarmachung für eine strategische Unternehmens- und Personalplanung 10 Betriebsspezifika
- innovative familienorientierte Maßnahmen, die keinem der beschriebenen Handlungsfelder zuzuordnen sind
- Vorreiterrolle für weitere zukunftsweisende familienfreundliche Maßnahmen Antragstellende Fraktion: GRÜNE Vertraulichkeit: Nein dazugehörende Vorlage: Bericht des Magistrats vom 16.08.2002, B 864 Zuständige Ausschüsse: Haupt- und Finanzausschuss Ausschuss für Verwaltungsreform, Personal- und Organisationsangelegenheiten Frauenausschuss Versandpaket: 31.10.2001 Beratungsergebnisse:
- Sitzung des Ausschusses für Verwaltungsreform, Personal- und Organisationsangelegenheiten am 10.12.2001, TO I, TOP 5 Bericht: TO II Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Die Beratung der Vorlage NR 314 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt. Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP
- Sitzung des Frauenausschusses am 10.12.2001, TO I, TOP 8 Bericht: TO II Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Die Beratung der Vorlage NR 314 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt. Abstimmung: CDU, SPD und GRÜNE
- Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 13.12.2001, TO II, TOP 36 Beschluss: Die Beratung der Vorlage NR 314 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt. Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP
- Sitzung des Ausschusses für Verwaltungsreform, Personal- und Organisationsangelegenheiten am 28.01.2002, TO I, TOP 6 Bericht: TO II Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Die Vorlage NR 314 wird dem Magistrat zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) PDS (= Prüfung und Berichterstattung)
- Sitzung des Frauenausschusses am 28.01.2002, TO I, TOP 8 Bericht: TO II Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Die Vorlage NR 314 wird dem Magistrat zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. Abstimmung: CDU und FDP gegen GRÜNE (= Annahme); SPD Votum im Haupt und Finanzausschuss Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) E.L. (= Annahme)
- Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 29.01.2002, TO I, TOP 44 Bericht: TO II Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Die Vorlage NR 314 wird dem Magistrat zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. Abstimmung: CDU, GRÜNE und FDP gegen SPD und FAG (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) PDS (= Prüfung und Berichterstattung) ÖkoLinX-ARL (= Enthaltung) E.L. (= Annahme)
- Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 31.01.2002, TO II, TOP 9 Beschluss: Der Vorlage NR 314 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt. Abstimmung: SPD, GRÜNE, FAG, PDS und E.L. gegen CDU und FDP (= Prüfung und Berichterstattung); REP (= Ablehnung); ÖkoLinX-ARL (Enthaltung) Beschlussausfertigung(en): § 1608,
- Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 13.12.2001 § 1891,
- Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 31.01.2002 Aktenzeichen: 11 0
Inhalt
Antrag vom 29.10.2001, NR 314
Betreff:
Die Stadt Frankfurt als beispielhafte Arbeitgeberin: Zertifizierung familienbewusster Personalpolitik durch das "Audit Beruf & Familie"
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Beschäftigten der Stadtverwaltung besitzt hohe Priorität für die Stadtverordnetenversammlung.
- Der Magistrat wird deshalb beauftragt, seine Personalpolitik zur Vereinbarung von Familie und Beruf durch das sogenannte "Audit Beruf & Familie" zertifizieren zu lassen.
- Das Interesse der Stadt Frankfurt am Main zur Teilnahme an dem Audit Beruf & Familie ist gegen über der Beruf- und Familie gemeinnützige GmbH zum schnellstmöglichen Zeitpunkt zu erklären. Begründung: Seit ca. drei Jahren können sich auch in Deutschland Firmen und Institutionen eine familienbewusste Personalpolitik durch das so genannte "Audit Beruf & Familie" zertifizieren lassen. Wesentliches Ziel ist es, eine Balance zwischen dem Interesse der Firmen bzw. Institutionen und Mitarbeiterbelangen zu erreichen. Von der familienbewussten Personalpolitik profitieren nicht nur die MitarbeiterInnen, sondern auch die Unternehmen/Institutionen selbst, etwa durch motiviertere und leistungsstärkere MitarbeiterInnen und durch einen erheblichen Imagegewinn als ArbeitgeberIn. Die Beruf- und Familien gemeinnützige GmbH führt die Auswertungen durch. Zunächst erfassen ein externer Berater und eine stadtinterne Projektgruppe den Ist-Zustand und ermitteln, für welche Maßnahmen konkreter Bedarf besteht. Konkrete Vorschläge für Verbesserungen und eine gemeinsame Formulierung von Zielvorhaben ergänzen den Audit - Prozeß. Um zu gewährleisten, dass die Zertifizierung zu Recht erfolgte und es nicht nur zu Einzelmaßnamen kommt, sondern dass eine solche Personalpolitik Teil der Unternehmenskultur wird, begleitet und überprüft ein unabhängiger Audit - Rat die weitere Entwicklung. Zahlreiche Unternehmen und Behörden wie z.B. die Commerzbank AG, die Hypo Vereinsbank AG, die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, das Hessische Sozialministerium und die Stadt Hanau wurden bereits mit dem Grundzertifikat zum Audit Beruf & Familie ausgezeichnet. Zwar ist unstrittig, dass der Magistrat bereits erhebliche Anstrengungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unternahm. Die Teilnahme an dem Audit würde aber einen Prozeß in Gang setzen, der hilft, die bestehenden einzelnen Maßnahmen zusammenzuführen und eine systematische und ganzheitliche familienfreundliche Personalpolitik unterstützt und begleitet. Anlagen: Informationen zum Audit Beruf & Familie ( - 4 - Seiten ) Audit Beruf & Familie
- Warum ein Audit Beruf & Familie? Befragt man Unternehmen nach Ihrer Motivation, sich für familienbewusste Maßnahmen zu engagieren, so werden als Gründe vor allem eine höhere Motivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten, der Abbau von Stress sowie eine niedrigere Fluktuations- und Krankheitsquote genannt. Daneben versprechen sich Unternehmen eine leichtere Personalrekrutierung und eine höhere Produktivität. Das Engagement für familienbewusste Maßnahmen soll das Personalmarketing und das Image verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Denn die Wettbewerbsfähigkeit bundesdeutscher und europäischer Unternehmen hängt auf allen Unternehmensebenen in hohem Maß von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Beschäftigten ab. Wettbewerbsfähigkeit erfordert eine Personalpolitik, die zwischen den Rahmenbedingungen des Marktes und der Gesellschaft, den betrieblichen Anforderungen sowie den Bedürfnissen und Wertvorstellungen der Belegschaft vermittelt. Ziel ist es, mit einer familienbewußten Personalpolitik die Produktivität der Humanressourcen zu erhalten und auszubauen.
- Was ist das Audit? Das Audit Beruf & Familie lehnt sich an die Idee des "family-friendly-index" (USA) an. Auf Initiative und im Auftrag der Gemeinnützigen HERTIE-Stiftung Deutschland wurden Maßnahmen und Empfehlungen weiterentwickelt und auf die Bedingungen in Deutschland zugeschnitten oder teilweise komplett neu erarbeitet. Das Audit Beruf & Familie systematisiert und gewichtet mittels eines umfangreichen Kriterienkataloges, welche familienbewussten Maßnahmen und Angebote ein Unternehmen bietet. Der Begriff "Familie" umfasst das gesamte private und familiäre Lebensumfeld. Abgefragt wird dabei nicht nur die Institutionalisierung, also wie die Maßnahmen im Betrieb verankert sind (informell, Rahmenrichtlinie, Betriebsvereinbarung?), sondern ebenso die Zielgruppe, also die Frage, für wen die jeweilige Maßnahme angeboten wird (Angestellte bzw. gewerbliche Beschäftigte, einzelne Unternehmensbereiche oder gesamtes Unternehmen). Schließlich wird noch die tatsächliche Nutzung und Umsetzung abgefragt, also wer (Frauen, Männer, Führungskräfte?) und wie viele Beschäftigte die Maßnahme nutzen. Ziel des Audits ist ein "Check-up" der gesamten Unternehmenskultur und das Anregen personalpolitischer Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf & Familie fördern. Das Audit stellt ein Spiegelbild der gelebten Unternehmenskultur dar. Es bietet ein Managementsystem zur Optimierung familienbewusster Personalpolitik. Das Audit Beruf & Familie lässt sich als multifunktionales Instrument in allen Branchen und Betriebsgrößen, in Wirtschaftsunternehmen und im öffentlichen Dienst einsetzen. Weder kann noch soll ein einzelnes Unternehmen alle dargestellten Maßnahmen realisieren. Wichtig ist, mit Hilfe des Audits einen Prozess im Unternehmen in Gang zu setzen sowie Ziele und Maßnahmen für eine familienbewusste Personalpolitik zu definieren. Umstrukturierungen und Prozesse des Umdenkens ermöglichen eine familienbewusste Personalpolitik, die dem Unternehmen und den Mitarbeitern langfristig nutzt, auch ohne großen finanziellen Aufwand.
- Nutzen des Audits für das Unternehmen Das Audit Beruf & Familie soll als personalpolitisches Controllinginstrument im Unternehmen eingesetzt werden. Anhand überwiegend qualitativer Bewertungskriterien wird ermittelt, wie familienbewußt ein Unternehmen tatsächlich ist. Das Audit Beruf & Familie systematisiert und gewichtet familienbewußte Maßnahmen und Angebote, erfaßt damit die tatsächliche Unternehmenskultur und stellt sie anschaulich dar. Es gibt Impulse zur Diskussion und bietet Grundlagen für innovative personalpolitische Strategien. Es regt dazu an, personalpolitische Maßnahmen in einem Gesamtkontext zu sehen und zielgerichtet einzusetzen. Auf Basis des Ist-Zustandes können Schwachstellen analysiert, Handlungsbedarf und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und damit Veränderungs- und Entwicklungsstrategien eingeleitet werden. Darüber hinaus werden Ziele für eine familienbewußte Personalpolitik definiert. Ob diese erreicht worden sind, läßt sich durch eine Wiederholung des Audits nach zwei bis drei Jahren prüfen (Rezertifizierung). Des weiteren gibt das Audit Hilfestellungen und Hinweise, die zur Motivations- und Leistungssteigerung der MitarbeiterInnen und damit zu erhöhter Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beitragen. Eine optimale Nutzung möglicher innovativer Angebote und Maßnahmen kann nur dann erzielt werden, wenn sie systematisch mit den Zielen der Unternehmensführung und dem Unternehmensleitbild verknüpft sind. Ziel ist es, das Audit mit Hilfe von Kennziffern als diagnostisches Instrument einzusetzen und für die Bedarfsanalyse im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung anzuwenden. Es werden gezielt auch quantitative unternehmens- und familienbezogene Daten und Informationen sowie betriebswirtschaftliche Kennziffern erfasst und analysiert. Das Unternehmen erhält damit Hinweise darauf, welche Daten und Verknüpfungen für eine Kosten-Nutzen-Analyse familienbewusster Maßnahmen benötigt werden. Das Instrument kann entweder im gesamten Unternehmen oder auch in nur einem Bereich angewandt werden. Es ermöglicht sowohl einen internen Vergleich als auch einen Austausch mit anderen Unternehmen bis hin zum Benchmarking. Damit dokumentiert das Audit das Familienbewusstsein des Unternehmens nach innen und außen.
- Wie wird das Audit angewendet? Nach der Interessensbekundung durch das Unternehmen werden dem zuständigen Ansprechpartner umfangreiche Informationsunterlagen sowie das Instrument (Fragebogen) zur Verfügung gestellt. In einem ersten Schritt wird nach einem Strukturierungsgespräch eine betriebsinterne repräsentative Projektgruppe zusammengesetzt. In einem darauffolgenden ein- bis zweitägigen Workshop im Unternehmen wird die Projektgruppe über die Handhabung und Nutzung des Audits informiert. Sie ermittelt zusammen mit dem Berater mit Hilfe des Instrumentariums den Ist-Zustand der familienfreundlichen Maßnahmen sowie deren Umsetzung im Unternehmen. In einem vierten Schritt werden die Ergebnisse vom beratenden Unternehmen ausgewertet und im Betrieb präsentiert. Möglicher Handlungsbedarf wird aufgezeigt, Lösungsvorschläge erarbeitet und Ziele und weitere Maßnahmen definiert. Anschließend wird die Zertifizierung empfohlen. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, danach ist eine Reauditierung möglich. Das Audit kann somit als Instrument für die Personalentwicklung verwendet werden.
- Zum aktuellen Projektstand Bis Mitte Juni 1998 fand in Deutschland eine dreijährige Pilotphase statt, an der sich ca. 30 Unternehmen beteiligt haben. Dieses Projekt wurde durch die Gemeinnützige HERTIE-Stiftung initiiert und gefördert. In Österreich haben 10 Unternehmen an einer Pilotphase bis Mitte 1998 teilgenommen. Initiiert wurde das Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Jugend und Familie, das den Großteil der Kosten übernommen hat. Mit der Durchführung beider Pilotphasen war die Firma Fauth-Herkner & Partner, Neue Wege für die Arbeitswelt, in Pullach beauftragt.
- Das weitere Vorgehen In Deutschland hat gerade eine zweijährige Startphase des Audits Beruf & Familie bis zum Jahr 2000 begonnen, die von der Gemeinnützigen HERTIE-Stiftung gefördert wird. Zu diesem Zweck wurde eine Beruf & Familie gGmbH gegründet, mit dem Ziel, das Instrumentarium zu optimieren und das Audit auf breiter Ebene umzusetzen. In der betrieblichen Praxis gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse fließen in die Überarbeitung ebenso ein wie wissenschaftliche Evaluationsmethoden. Um das Audit in Deutschland zu institutionalisieren wurde ein "Audit-Rat" konstituiert, ein unabhängiges Gremium, bestehend aus Vertretern von Ministerien, interessierten Journalisten und Wissenschaftlern, das den Prozeß der Auditierung beobachten wird und letztendlich über die Vergabe der Grundzertifikate und Zertifikate entscheidet. Eine Vernetzung innerhalb ausgewählter EU-Länder und die Ausweitung des Audits auf EU-Ebene ist in Vorbereitung, um das Audit auch über die Grenzen von Deutschland und Österreich bekannt zu machen und umzusetzen. Handlungsfelder Handlungsfeld Kurzbeschreibung Nutzen 1 Arbeitszeit
- Maßnahmen flexibler Arbeitszeitgestaltung hinsichtlich Umfang, Zeitpunkt und Abrechnungszeitraum
- Freistellungsregelungen
- flexibler Einsatz von Personalressourcen 2 Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte
- Bausteine und Methoden (etwa Mitarbeiterbeteiligung oder Teamarbeit) der flexiblen Gestaltung und Verteilung von Arbeitsaufträgen
- multifunktionaler Personaleinsatz 3 Arbeitsort
- Möglichkeiten eines flexiblen Arbeitsortes (etwa zu Hause, im Büro oder auf Reisen) und seine Anbindung an den Betrieb
- Zeit- und Kosteneinsparungen 4 Informations- und Kommunikationspolitik
- unternehmensinterne Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über familienunterstützende Aktivitäten des Betriebes
- Unterstützung der Wirksamkeit personalpolitischer Maßnahmen 5 Führungskompetenz
- familienbewußtes Verhalten der Führungskräfte
- aktive Unterstützung familienorientierter Vereinbarungen
- Förderung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
- Kompetenzentwicklung/-erweiterung der Führungskräfte 6 Personalentwicklung
- Fortbildungs- und Förderungsmöglichkeiten für Beschäftigte mit Familie
- positive Bewertung von Patchwork-Erwerbsbiographien
- Qualifikationserhalt und -ausbau sowie Nutzung von in der Familie erworbenen Kompetenzen 7 Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen
- finanzielle und soziale Unterstützung für Beschäftigte mit Familie
- bedarfs- und sozialgerechte Entgeltpolitik 8 Flankierender Service für Familien
- Versorgungsarrangements für Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige
- Reduzierung von Wie-dereinarbeitungskosten, Amortisation der Aus-, Fort- und Weiterbildungs-investitionen 9 Unternehmens- und personalpolitisches Datenmodell
- Erfassung; Verknüpfung und Analyse betriebswirtschaftlicher Daten und Informationen zur mittel- bis langfristigen Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung familienbewusster Maßnahmen
- Nutzbarmachung für eine strategische Unternehmens- und Personalplanung 10 Betriebsspezifika
- innovative familienorientierte Maßnahmen, die keinem der beschriebenen Handlungsfelder zuzuordnen sind
- Vorreiterrolle für weitere zukunftsweisende familienfreundliche Maßnahmen Antragstellende Fraktion: GRÜNE
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 29. Oktober 2001Sie sind hierNRNR 314Die Stadt Frankfurt als beispielhafte Arbeitgeberin: Zertifizierung familienbewusster Personalpolitik durch das .Audit Beruf & Familie.STVV-Antrag · GRÜNE
- 16. August 2002Antwort des Magistrats · nach 42 WochenBB 864Die Stadt Frankfurt als beispielhafte Arbeitgeberin: Zertifizierung familienbewusster Personalpolitik durch das .Audit Beruf & Familie.Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Vorschlag für eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Er wird in den Fraktionen vorbereitet, in Ausschüssen vorberaten und im Plenum beschlossen — oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ausschüsse beraten & empfehlen
- 3Plenum beschließt
Beratungsverlauf7 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD und GRÜNE
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE und FDP Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) PDS (= Prüfung und Berichterstattung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Einzelne Angaben konnten nicht sicher zugeordnet werden. Maßgeblich ist der Originaltext.
Abstimmung: CDU und FDP gegen GRÜNE (= Annahme); SPD Votum im Haupt und Finanzausschuss Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) E.L. (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, GRÜNE und FDP gegen SPD und FAG (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP (= Ablehnung) PDS (= Prüfung und Berichterstattung) ÖkoLinX-ARL (= Enthaltung) E.L. (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: SPD, GRÜNE, FAG, PDS und E.L. gegen CDU und FDP (= Prüfung und Berichterstattung); REP (= Ablehnung); ÖkoLinX-ARL (Enthaltung)