Das Schauspiel Leipzig bietet monatlich mindestens eine Vorstellung mit Live-Audiodeskription für blinde oder sehbehinde
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Frage vom 24.01.2019, F 1698 Das Schauspiel Leipzig bietet monatlich mindestens eine Vorstellung mit Live-Audiodeskription für blinde oder sehbehinderte Menschen an. Die visuellen Vorgänge auf der Bühne werden über einen Kopfhörer live beschrieben. Außerdem gibt es eine blindengerechte Einführung und Bühnenführung sowie ein taktiles Orientierungs-/Leitsystem. Ich frage daher den Magistrat: Kann die Stadt Frankfurt sich vorstellen, auf die Intendanten der Städtischen Bühnen zuzugehen und nachzufragen, ob es unter den gegebenen Umständen möglich wäre, probeweise ein Theaterstück mit einem Gebärdendolmetscher aufzuführen und welche Maßnahmen dafür konkret umgesetzt werden müssten?
Antwort des Magistrats: Sehr geehrter Herr Stadtverordneter von Wangenheim! Die Städtischen Bühnen Frankfurt, SBF, mit den Sparten Oper und Schauspiel möchten als Stadttheater für die gesamte Bevölkerung zugänglich sein. Niemand soll wegen eines Handicaps ausgeschlossen sein. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet den Staat in Artikel 30, für Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen und dafür geeignete Maßnahmen zu treffen. Daher werden im Rahmen der Gebäudeerhaltung laufend bauliche Maßnahmen umgesetzt, um die Häuser weiter barrierefrei auszubauen. Für blinde Menschen sind die in der Frage vorgeschlagenen Gebärdensprach-dolmetscher-Einsätze allerdings ungeeignet. Gebärdensprache ist jedoch geeignet für gehörlose Menschen, für die es ihre Muttersprache ist. Das sind meist Menschen, die von Geburt an gehörlos sind. Spät ertaubte Menschen beherrschen häufig nicht die Gebärdensprache. Für sie ist Live-Transskription hilfreich, bei der das gesprochene Wort von Fachkräften an Computern mitgeschrieben und auf Monitoren als Text angezeigt wird, der permanent mitgelesen werden kann. Generell wird für gehörlose Menschen nicht die Szene beschrieben, die sie ja sehen können, sondern es wird das gesprochene Wort übersetzt beziehungsweise transskribiert. Für blinde Menschen kommt die Audiodeskription infrage. Dabei wird nicht das gesprochene Wort übermittelt, sondern es wird die zu sehende Szene/Handlung beschrieben. Diese Technik gibt es bereits in einigen Kinos für Filme, die eine Audio-Deskription mitbringen. Blinde Kino-Besucher/innen empfangen die Audiodeskription des Films mittels einer App auf ihrem Smartphone und hören es mit dem am Smartphone angeschlossenen Ohrhörer. Das Smartphone ist dabei im Kino-WLAN eingebucht, der die Audiodeskription sendet. In Frankfurt gibt es diese Technik im Mal-Seh'n-Kino in der Adlerflychtstraße 6. Grundsätzlich ist mit solchen Apps auch eine Live-Audiodeskription möglich. Dafür muss aber eine Fachkraft am Mikrofon sitzen, die fortlaufend die dargebotenen Bühnen-Szenen beschreibt. Für Menschen, die Hörgeräte nutzen, gibt es ebenfalls eine Unterstützung: eine im Raum eingebaute induktive Höranlage, Induktionsschleife. Sie sendet Audio-Signale - das gesprochene oder gesungene Wort - an Hörgeräte. Das Schauspiel- und das Opernhaus verfügen bereits jetzt über eine Schwerhörigenanlage, Induktionsschleifen, und leisten so optimale Bedingungen für Hörgeschädigte aller Altersgruppen. Nutzer*innen bestätigen, dass es gut funktioniert. In allen Spielstätten gibt es jeweils mindestens vier Rollstuhlplätze und das Mitführen von Blindenführhunden ist erlaubt. Im Parkhaus am Willy-Brandt-Platz gibt es Behindertenparkplätze und die Aufzüge sind mit einem hörbehinderten Notrufsystem ausgestattet. In der Vergangenheit gab es bereits vereinzelte Vorstellungen sowohl für Gehörlose mit Gebärdensprachdolmetschern im Schauspiel und als auch Blinde und Sehbehinderte mit Live-Audiodeskription in der Oper. Beide Sparten befinden sich zurzeit in der Prüfung einer weiteren möglichen Umsetzung in den kommenden Spielzeiten. Der langen Vorbereitungsphase und dem hohen personellen, dispositionellen und finanziellen Aufwand ist es geschuldet, dass die SBF im Moment keine regelmäßigen Veranstaltungen anbieten kann. Die Beauftragung externer Dienstleister - Gebärdensprachdolmetschinnen und Gebärdensprachdolmetscher sowie Sprecherinnen und Sprecher der Live-Audiodeskription - und die Leihgebühr eines Audioguide-Systems - bei Live-Audiodeskription - sind Kostenfaktoren, die ohne zusätzliche Beantragung von Zuschüssen nicht leistbar sind. Die technische Umsetzung bei Live-Audiodeskription ist bei den aktuellen baulichen Gegebenheiten in beiden Häusern derzeit nicht gegeben. Es ist wünschenswert eine solche Funkanlage inkl. Sprecherkabine im Zuge größerer Baumaßnahmen in beiden Häusern zu installieren. Um Blinden und sehbehinderten Menschen auch den Zugang und die Orientierung im Zuschauerbereich zu ermöglichen bräuchte es zudem ein taktiles Leitsystem. Auch dies wäre eine erstrebenswerte bauliche Maßnahme im Zuge der kontinuierlichen Verbesserung der Barrierefreiheit der Häuser. Antragstellende Person(en): Stadtv. Stefan Freiherr von Wangenheim
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 24. Januar 2019 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.