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Ein vom Ortsbeirat 1 verabschiedeter Antrag zur Paulskirche hat eine Diskussion über das Ob und Wie einer möglichen Neug

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Frage vom 19.04.2018, F 1172 Ein vom Ortsbeirat 1 verabschiedeter Antrag zur Paulskirche hat eine Diskussion über das Ob und Wie einer möglichen Neugestaltung der Paulskirche im Rahmen der anstehenden Renovierung ausgelöst.

Ich frage den Magistrat: Wie bewertet der Magistrat grundsätzlich die Idee einer ihrer Geschichte und Bedeutung angemessenen baulichen Neugestaltung der Paulskirche?

Antwort des Magistrats: Stadtrat Jan Schneider: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich beantworte die Frage gerne wie folgt: Die Paulskirche steht als Einzelkulturdenkmal in ihrer heutigen Form unter Denkmalschutz. Aus Sicht des Instituts für Stadtgeschichte und des Denkmalschutzes ist eine Rekonstruktion der Paulskirche von 1848 nicht zielführend. Die heutige Paulskirche, deren heutige Gestalt der Tatkraft verschiedenster gesellschaftlicher und politischer Gruppen Frankfurts um das Jahr 1948 zu verdanken ist, stellt in ihrer jetzigen Form ein wichtiges Zeugnis deutscher Geschichte und ein Symbol für den demokratischen Neubeginn nach der NS-Diktatur dar. Sie wurde nach dem Krieg bewusst in zeitgemäß vereinfachter Gestalt wiedererrichtet und zu einer politischen Gedenkstätte umgewidmet. Seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 1948 dient die Paulskirche zudem nicht mehr als Gotteshaus, sondern als Ort besonderer Festakte und Preisverleihungen. Momentan wird ermittelt, welche baulichen Maßnahmen erforderlich sind, um das Gebäude zu erhalten und für städtische Veranstaltungen zu nutzen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird darüber zu entscheiden sein, ob und in welchem Umfang eine Veränderung des derzeitigen Erscheinungsbildes unter Berücksichtigung der Denkmalschutzbelange erfolgen kann und soll.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage ist von Herrn Mund von der BFF-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Mathias Mund, BFF: (Zusatzfrage) Herr Stadtrat Schneider, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Jetzt ist es ja so, auf der einen Seite gehört die Paulskirche der Stadt Frankfurt, aber auf der anderen Seite handelt es sich auch um ein nationales Monument. Ich habe hier einen Artikel aus der ZEIT vom 12.10.2017, wo auf Sie Bezug genommen wird, und da heißt es, dass Sie eine Hilfe vom Bund bei der Sanierung der Paulskirche ausschließen. Wie sehen Sie das heute aufgrund der aktuellen Haushaltslage und auch der Herausforderung in Bezug auf das Schauspiel, würden Sie diese Aussage heute auch noch so treffen? Stadtrat Jan Schneider: (fortfahrend)

Da in dem Artikel auf ein Gespräch zwischen dem Journalisten Herrn Erenz und mir Bezug genommen wird, erinnere ich mich auch noch an den Kontext, in dem diese Aussage getroffen wurde. Der Journalist fragte mich, ob ich davon ausgehe, dass der Bund sich finanziell an einer Rekonstruktion beteiligen würde, und da habe ich wahrheitsgemäß gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass der Bund sich an einer Rekonstruktion in nennenswertem Umfang beteiligen würde. Ich glaube, dass wir diese Diskussion auch jetzt an dieser Stelle nicht führen müssen. Das Wichtigste ist, dass wir in einem ersten Schritt ermitteln, welchen konkreten baulichen Bedarf die Paulskirche hat. Wir müssen wissen, wie umfangreich eine Sanierung sein wird. Ich glaube, dass wir erst danach sinnvollerweise miteinander darüber diskutieren können und sollten, was wir denn machen. Gesetzt dem Fall, dass große Eingriffe in das Gebäude erforderlich würden, was zum Beispiel dann der Fall sein könnte, wenn die Dachkonstruktion abgängig wäre, ist die Diskussion eine andere, als wenn uns die Bausachverständigen sagen, das Dach muss an sich nicht angetastet werden, man muss sich um Brandschutz, Haustechnik und anderes kümmern, weil einfach dann die Summen, über die wir reden, ungleich größer sein müssen. Ich glaube, wir sollten nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Lassen Sie uns in aller Ruhe ermitteln, wie groß der Bedarf ist. Sicherlich wird sich auch der für die Paulskirche zuständige Dezernent noch in die Diskussion einschalten wollen. Dann können wir gemeinsam schauen, wie und in welcher Gestalt die Rekonstruktion oder die Sanierung erfolgen soll. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die zweite Zusatzfrage ist von Herrn Emmerling von der SPD-Fraktion. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadtverordneter Eugen Emmerling, SPD: (Zusatzfrage) Herr Stadtrat, sind Sie mit mir der Meinung, dass das anstehende Paulskirchenjubiläum im Jahre 2023, 175 Jahre Nationalversammlung, ein deutschlandweites Ereignis ist, auf das die Paulskirche rechtzeitig auch im Inneren vorbereitet sein muss? Ich teile Ihre Ansicht, dass wir nichts überstürzen sollten, aber sind Sie mit mir der Meinung, dass wir jetzt zügig und schnell die Grundlagen dafür legen, dass die Paulskirche im Jahr 2023 in einem anderen, besseren Zustand ist als heute?

(Beifall) Stadtrat Jan Schneider: (fortfahrend)

Herr Emmerling, ich bin mit Ihnen der Meinung, dass dieses Jubiläum eine gute Chance und Gelegenheit ist, den Wert und die Bedeutung der Frankfurter Paulskirche allen noch einmal in Erinnerung zu rufen, nicht nur in Frankfurt, sondern sicherlich auch über die Stadtgrenzen hinaus. Das ist aber vollkommen unabhängig von der Frage, ob man den Urzustand von 1848 wiederherstellt oder den von 1948. Man kann, glaube ich, lange darüber streiten. Ich bin mir sicher, dass man, wenn man draußen auf der Straße fragen würde, ein sehr ambivalentes Bild bekommen würde, ob man sozusagen an die Zeiten der Gründungsväter der deutschen Demokratie erinnern soll oder nicht lieber an den demokratischen Aufbruch, den der jetzige bauliche Zustand widerspiegelt. Aber, ich glaube, und da bin ich ganz bei Ihnen, dass wir dieses Jubiläum - vielleicht können wir auch schon früher anfangen - nutzen sollten, etwas stärker das Denkmal Paulskirche in den Mittelpunkt zu stellen. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass wir es mehr museal und museumspädagogisch mit der Paulskirche machen, als das heute der Fall ist. Wir alle wissen, wenn man unten um die Rotunde geht, dass diese Präsentation, die Bilder an den Wänden, die Auslagen in diesen Vitrinen, ein bisschen aus der Zeit gefallen ist. Das war sicherlich damals Stand der Technik, aber ich glaube, dass wir da gemeinsam ran müssen und dass man mehr daraus machen sollte.

(Beifall) Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 1172 Stadtverordneter Mathias Mund, BFF: Herr Stadtverordnetenvorsteher, werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Stadtrat Schneider, Sie haben erwähnt, dass es ein Gutachten geben wird, das in Arbeit ist und Ende des Jahres wohl aller Voraussicht nach vorliegen soll. Jetzt haben wir mit Gutachten in unserer Stadt, gerade in der jüngeren Vergangenheit, so unsere Erfahrungen gemacht. Ich spreche das Schauspiel an. Wenn ein Gutachten vorliegt, das ist das, was wir jetzt gelernt haben, muss man sich erst einmal von selbigem emanzipieren, um dann ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, und dann schaut man, wie das Kaninchen auf die Schlange, diesem Gutachten entgegen. Herr Emmerling hat es dankenswerterweise erwähnt: 2023 steht das 175-jährige Paulskirchenjubiläum an. Das sind noch fünf Jahre, und wir haben eine Findungsphase, die - auch das Schauspiel zeigt dies sehr deutlich - viel Zeit in Anspruch nimmt. Wir haben eine Planungsphase, eine Ausschreibungsphase, und dann gibt es noch eine Bauzeit. Das heißt, die Zeitschiene ist knapp. Ich kann Ihre Vorgehensweise, die Sie uns hier vorgestellt haben, nicht nachvollziehen. Sie gehen nach dem Motto, Herr Schneider, wenn es teuer wird, dann nehmen wir den Bund mit in das Boot, wenn es günstig ist, stemmen wir es alleine. Das halte ich für sehr unklug, denn wir wissen überhaupt nicht - das haben Sie auch gesagt -, was bei diesem Gutachten herauskommt und was es zutage fördert. Ich würde es für wesentlich klüger halten, die nationale Bedeutung der Paulskirche als das Monument unserer Demokratie deutlich herauszuarbeiten, den Bund von Vornherein mit in die Verantwortung zu nehmen und ein Szenario aufzubauen, gerade für das Paulskirchenjubiläum in 2023, dass auch der Bund ein vitales Interesse hat, hier mit in das Obligo zu gehen.

(Beifall) Wir können es uns auch nicht erlauben, zu einer Stadt der vertanen Chancen zu werden. Wir hatten in der letzten Sitzung des Ausschusses für Kultur und Freizeit dieses Schlagwort beim Kulturcampus, vertane Chancen. Ich möchte mit Erlaubnis des Vorstehers abschließend ein Zitat aus dem ZEIT-Artikel von Benedikt Erenz vorlesen: "Im Inneren aber sollte endlich wieder der parlamentarische Raum erfahrbar werden. Bei allem Respekt vor dem Sakro-Existenzialismus des Rudolf Schwarz, muss hier die politische Paulskirche zu erleben sein, das historische Plenum. Dazu sollten vor allem die Emporen, in moderner Form, in den Saal zurückkehren. Denn hier saß das Volk. Hier saßen wir, die Bürgerinnen und Bürger, erstmals in unserer Geschichte als Souverän im deutschen Haus." Selbst wenn wir das aus Denkmalschutzgründen - das ist mir sehr bewusst - nicht hinbekommen, dann lohnt es sich allein schon darüber zu debattieren, um der Demokratie, um der Verfassung unserer Demokratie in unserem Land willen. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Stock von den GRÜNEN. Bitte! Stadtverordneter Manuel Stock, GRÜNE: Herr Vorsteher, meine Damen und Herren! Jetzt hat es der Artikel von Benedikt Erenz aus der ZEIT vom 12. Oktober 2017 auch hierher geschafft, das war nur eine Frage der Zeit. Dieser Artikel ist vielleicht lesenswert, eher aber unterhaltsam. Es gibt einen schönen Satz, da wird über Jan Schneider als merkellösen Optimisten gesprochen. Aber - das hat Herr Mund gerade dargelegt - worum geht es eigentlich? Man sehnt sich dahin zurück, es soll alles so sein wie früher, als hätte es die Zerstörung, die von Deutschland ausging, nicht gegeben. Ich finde es gut, dass Stadtrat Schneider heute eine sehr klare Antwort gegeben hat. Es gibt dort einen Denkmalschutz, und dieser Denkmalschutz ist gut begründet. Wir sollten aus Sicht der GRÜNEN wirklich den Mut haben, zur Schlichtheit der Nachkriegsmoderne zu stehen.

(Beifall) An dieser Stelle steht die Form, die Architektur für den Inhalt. Es ist der zentrale Ort, auch wenn man sich die Paulskirche historisch auf die Hauptstadtbewerbung anschaut, bei der man klar gesagt hat, von hier aus geht der demokratische Aufbruch aus. Dazu passt dann auch der Kulturcampus mit dem Studierendenhaus. Herr Mund, Sie haben, glaube ich, diesen Zusammenhang nicht so ganz gewollt, aber beides steht eng zusammen, und beides zeigt, wie wichtig es ist, beide Gebäude in ihrer jetzigen Form zu erhalten.

(Beifall) Die Paulskirche hat eine lange Tradition, und die Tradition ist, wie sie jetzt auch in der Welt wahrgenommen wird, natürlich auch die, die beispielsweise mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zu tun hat. Kaum jemand kann sich vorstellen, ein anderes Bild als dieses Rednerpult zu sehen, wenn weltweit über diese Auszeichnung berichtet wird. Die Tradition der Paulskirche nach dem Zweiten Weltkrieg wollen wir explizit erhalten. Natürlich kann es Verbesserungen an der einen oder anderen Stelle geben, gar keine Frage, aber alles unter Wahrung des Denkmalschutzes. Wir können gerne darüber streiten, was man besser machen kann, aber für uns ist klar, die Nachkriegsmoderne des demokratischen Deutschlands muss bleiben. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Herr Stock! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Emmerling von der SPD-Fraktion. Bitte! Stadtverordneter Eugen Emmerling, SPD: Herr Vorsteher, meine Damen und Herren! Ich bin der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 1 sehr dankbar, dass sie dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Und ich bin Ihnen, Herr Stadtrat Schneider, dankbar, dass Sie hier ganz klar auf den Denkmalschutz und die Notwendigkeit, ein Baudenkmal zu bewahren, und dass Sie eben nicht nur auf das Jahr 1848, wie es Kollege Stock auch gesagt hat, reflektiert haben, sondern auch auf 70 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Fast jede der großen Debatten in der Bundesrepublik ist nämlich von dieser Paulskirche ausgegangen. Wir hatten, unabhängig von der Rede von John F. Kennedy 1963, mit Karl Jaspers die Wiederbewaffnungsdebatte, wir hörten bis hin zur Walser-Bubis-Debatte in dieser Paulskirche wahrhaft große Reden, in diesem atmenden Denkmal, das eben nicht die Rekonstruktion eines mehr oder weniger zufälligen schreinerischen Umbaus der Kirche von 1847 ist, sondern tatsächlich für die Geschichte, die Geistesgeschichte, die Demokratiegeschichte der Bundesrepublik Deutschland von konstituierender Bedeutung ist. Deshalb ist es - und das ist meine persönliche Meinung, wir haben es in der Fraktion noch nicht ausgiebig diskutieren können - umso wichtiger, dass wir uns mit dieser Frage befassen. Dass wir ein würdiges Denkmal erhalten, das den gesamten Komplex dieses Mahnmals der Demokratie, auch der gescheiterten Demokratie, des Widerspruchs in der deutschen Demokratiebewegung lebendig erhält, in dieser würdigen Form, wie ich finde. Eines möchte ich noch sagen. Es ist tatsächlich so, dass es bis zum Jahr 2023 nur ganz wenige Haushaltsjahre sind, die uns von diesem Jubiläum trennen. Wenn ich weiß, dass der Bund 13 Millionen Euro in den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam investiert, ...

(Zurufe) ... dann ist es sinnvoll, dass wir uns auch als Stadt Frankfurt bemühen, den Bund mit in die Pflicht zu nehmen. Ich weiß, dass Monika Grütters, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, vor wenigen Monaten deutlich gemacht hat, dass sie sich für alle Demokratiedenkmäler in der Bundesrepublik eine Finanzierungsbeteiligung des Bundes vorstellen kann. Ich wäre dankbar, wenn der Magistrat in dieser Frage auch solche Chancen und offenen Türen nutzen würde und wir für die Vorbereitung des Jubiläums 175 Jahre Paulskirche im Jahre 2023 gerüstet sind. Dann wird Frankfurt nicht nur mit einer neuen bunten Altstadt, ... Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Herr Emmerling, Ihre Redezeit ist zu Ende. Stadtverordneter Eugen Emmerling, SPD: (fortfahrend) ... sondern auch mit seiner Paulskirche in die nationale Diskussion zurückkehren. Herzlichen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Dr. Dürbeck. Bitte! Stadtverordneter Dr. Thomas Dürbeck, CDU: Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren! Ich frage mich, ob die Aktuelle Stunde ein geeignetes Format ist, um die verschiedenen Fragen der Paulskirche zu diskutieren. Mir scheint allerdings, Herr Mund, Sie haben Ihre Frage zwar am baulichen Zustand aufgehängt, aber sie geht ja weiter. Offensichtlich gibt es bei manchen eine Unzufriedenheit mit dem äußeren und inneren Erscheinungsbild der Paulskirche. Was heißt dann eine angemessene Neugestaltung? Wir haben darüber in der Fraktion diskutiert. Mir geht es ähnlich wie Herrn Emmerling. Abschließend sind wir noch zu keinem Ergebnis gekommen. Ich will Ihnen ein paar unserer Überlegungen mitteilen. Über die Sinnhaftigkeit von Rekonstruktionen wurde nach 1945 heftig gestritten. Ich möchte nur an die Diskussion um das Goethehaus erinnern. Das war überhaupt nicht selbstverständlich, dass das wieder im Original aufgebaut wurde. Bei der Paulskirche haben unsere Väter, Vorväter, unsere Vorfahren, einen anderen Weg gewählt, nämlich den Wiederaufbau ohne eine detailversessene Rekonstruktion. Goethehaus und Paulskirche sind durchaus Symbole für die Wiederaufbauzeit nach einem von uns Deutschen angezettelten Krieg. Wer die Akten liest, weiß, welche Kraftanstrengungen gerade der Wiederaufbau der Paulskirche bis zu ihrer Fertigstellung gekostet hat. Das Ergebnis ist eine gewisse Schlichtheit, aber diese Schlichtheit ist der Zeit geschuldet. Ich finde, das verdient unseren Respekt. Entscheidend ist aber noch ein anderer Punkt, auf den auch schon hingewiesen wurde. Ist die heutige Paulskirche in ihrer inneren und äußeren Gestaltung nicht auch schon ein fester Bestandteil unserer Geschichte und unserer parlamentarischen Demokratie? Nur einmal zur Erinnerung: Die Paulskirche war 1848/1849 für ein Jahr sozusagen der Ort einer Demokratie. Damals galt übrigens noch das Männerwahlrecht. Wir hätten dazu noch ein paar Dinge anzumerken. Dort wurde eine Verfassung verkündet, die dann gescheitert ist. Dann war die Paulskirche von 1852 bis 1944 92 Jahre lang die evangelische Hauptkirche und jetzt ist sie 70 Jahre alt und seit 1948 das Zentrum und das Symbol unserer Demokratie. Ich denke, das ist ein Thema, das wir auch nicht vergessen dürfen, wenn wir über eine Sanierung oder eine Reparatur der Kirche entscheiden. Sicher kann man einiges in der Paulskirche verbessern. Ich beziehe mich auf die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss, dazu haben wir einen Etatantrag in der Koalition gestellt. Viel wichtiger als die Gestaltung des Inneren und des Äußeren ist aber meines Erachtens, was im Inneren passiert. Ich glaube, die Paulskirche sollte ein Ort nur für bedeutende und besondere Anlässe sein. Wir haben den Goethepreis, den Friedenspreis, den Ludwig Darmstaedter-Preis und den Theodor-W.-Adorno-Preis, aber mir scheint dagegen, dass die Paulskirche in letzter Zeit für alles Mögliche genutzt wird. Ich denke, die Paulskirche als ein besonderer Ort sollte nur für besondere Anlässe reserviert bleiben, und daran sollten wir immer denken. Danke schön!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Herr Dr. Dürbeck! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Tafel-Stein von der FDP-Fraktion. Bitte! Stadtverordnete Elke Tafel-Stein, FDP: Herr Vorsteher, meine Damen und Herren! Wir haben eben gehört, dass die Generalsanierung der Paulskirche ohnehin ansteht und wir ohnehin Geld in die Hand nehmen müssen, um diese Sanierung voranzutreiben und zu realisieren. Dass der Bund einen erheblichen Anteil an diesem nationalen Denkmal haben sollte, steht für uns gänzlich außer Frage. Aber ich glaube, wir sollten auch die Gelegenheit nutzen, um die Situation der Paulskirche noch einmal grundsätzlich zu erörtern und die Frage des Denkmalschutzes nicht als Totschlagargument zu verwenden.

(Beifall) In der Bevölkerung wird zunehmend das Bedürfnis formuliert, sich stärker auch an die Wurzeln der Demokratie zu erinnern, an die Jahre 1848/1849, mit dem Sitz des ersten deutschen Nationalparlamentes in der Paulskirche und mit dem darin befindlichen wunderbaren, tatsächlich sehr schönen Plenarsaal, der damals eben auch vorhanden war. Diese Architektur ist auch sehr eng mit dieser Nationalversammlung verbunden. Ich finde es sehr beachtlich, dass sich gerade eine Gruppe von sehr jungen Leuten in der Stadt aufgemacht hat, um diese Diskussion zu führen und einen eigenen Verein "Demokratiedenkmal Paulskirche" zu gründen, weil sie unzufrieden mit der Präsentation dieses historischen Denkmals sind. Das sollte man ernst nehmen. Die heutige Architektur - das ist eben schon mehrfach gesagt worden - ist ein Bildnis der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das ist für sich natürlich auch ein Denkmal, ganz ohne Frage. Das will ich hier nicht abstreiten. Das enge, sehr dunkle, gedrückte Foyer, das dann über die beiden Treppenabsätze in das Licht führt, ist ein Symbol für das, was dieses Gebäude ausdrücken soll. Also das dunkle Dritte Reich, die dunkle Historie führt in die Demokratie. Das ist sicherlich sehr aussagekräftig. So weit, so gut. Aber aus heutiger Sicht muss man da vielleicht noch eine leicht andere Bewertung vornehmen. Ich möchte gerne einen Architekten zitieren, Simone Boldrin, der das Hambacher Schloss saniert hat. Der hat nämlich gesagt, die Paulskirche hat sicherlich ihre Bedeutung, aber sie ist auch sehr elitär. Das stimmt natürlich. Die Paulskirche ist ein elitärer Ort, sowohl in ihrer Architektur - von unten eng, das Plenum oben auf die Bevölkerung herabblickend - als auch in ihrer Nutzung, weil die Paulskirche elitär genutzt wird. Die Stadtgesellschaft nutzt die Paulskirche, wie wir eben gehört haben, für ihre persönlichen, eigenen Anlässe. Das ist schon richtig. Von daher ist dieser partizipatorische Ansatz, von einem ebenen Zugang zu einem breiten Plenum, aus meiner Sicht durchaus eine Diskussion wert, die wir gerne führen würden. Deswegen habe ich zwei Wünsche: Ich würde das gerne nicht gleich abschließen, sondern vielleicht im Rahmen eines Wettbewerbs einmal schauen, was möglich ist. ... Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Frau Tafel-Stein, mehr als ein Wunsch wird es nicht mehr von der Redezeit. Es leuchtet schon länger die rote Lampe. Stadtverordnete Elke Tafel-Stein, FDP: (fortfahrend) Herzlichen Dank! Ich hoffe, dass wir die Debatte an der Stelle noch führen können.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Frau Tafel-Stein! Die letzte Wortmeldung kommt von Stadtrat Schneider. Bitte! Stadtrat Jan Schneider: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine sehr geehrten Damen und Herren! Es freut mich sehr, dass wir so intensiv über ein herausragendes Gebäude in der Stadt diskutieren. Ich glaube, die Diskussion wird uns noch eine Weile beschäftigen. Dass die Diskussion angestoßen worden ist, Herr Emmerling, ist nicht Ihren Genossinnen und Genossen im Ortsbeirat zu verdanken. Wenn man es sich genau anschaut - Sie haben die Chronologie selbst geschildert -, war es Benedikt Erenz, der dankenswerterweise in der ZEIT die Frage aufgeworfen hat, wie man mit der Paulskirche umgehen soll und ob die Paulskirche, so wie sie dasteht, in der Ausgestaltung richtig ist. Wobei ich schon bei dem Ansatz seiner Antwort, die er versucht hat zu geben, meine Bedenken habe. Die Forderung lautet, Emporen in moderner Form zu errichten. Daran sieht man, dass das zum Schluss nicht Fisch und nicht Fleisch wäre. Man hat weder den Zustand von 1848 noch die Fassung der Paulskirche in der modernen Nachkriegsform. Ich glaube, ein solcher Mischmasch oder eine völlige Neuinterpretation, Frau Tafel-Stein, mit einem Wettbewerb würde diesem Gebäude überhaupt nicht gerecht. Ich glaube sagen zu können, ohne Denkmalschützer zu sein, dass es nur ein ent- oder -weder geben kann. Eine Möglichkeit wäre, man erhält den Zustand, den die Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg diesem Gebäude mitgegeben haben, und das war damals in der Stadtgesellschaft auch ein sehr intensiver Diskurs, der diesem Bau oder der jetzigen baulichen Gestaltung vorausgegangen ist. Es war ein nationaler Kraftakt. Es war nicht allein die Stadt Frankfurt, die die Paulskirche so saniert hat, sondern es war ein Gemeinschaftsprojekt vieler, im Übrigen auch der Länder. Insofern gibt es gute Argumente zu sagen, man sollte diesen Nachkriegszustand erhalten. Bei dieser ganzen Diskussion "vor Krieg" oder "nach Krieg" muss man überlegen, an was man zum Schluss erinnern will. An die erfolgreiche Demokratie, die wir bis heute haben, oder an die gescheiterte Demokratie von 1848?

(Beifall) Diese Frage sollte man dabei durchaus im Blick behalten. Wenn es darum geht, Bundesmittel dafür zu bekommen, würde es mich natürlich freuen, wenn man Mittel aus der Hauptstadt akquirieren kann. Vielleicht wäre das schon die erste Bewährungsprobe für unseren neuen Entsandten oder Gesandten in Berlin. Natürlich wäre es schön, wenn man Unterstützung bekommt. Ich glaube, die nationale Bedeutung des Gebäudes würde es auch rechtfertigen. Aber lassen Sie uns doch erst überlegen, was wir wollen und dann darüber reden, wie man es finanziert.

(Beifall) Ich möchte noch zwei Aspekte hinzufügen, Frau Tafel-Stein. Ich bin nicht mit Ihnen oder dem von Ihnen zitierten Architekten der Meinung, dass das ein elitäres Gebäude ist. Es ist möglicherweise ein Gebäude für elitäre Veranstaltungen, aber es ist ein Gebäude für alle. Ich habe dort schon Kinder, mehr und weniger Gebildete, Menschen aller Bevölkerungsgruppen gesehen und bei verschiedenen Veranstaltungen erlebt. Dieses Gebäude als elitär abzustempeln, würde ihm nicht gerecht. Dass man es nicht für jede Veranstaltung öffnet, hat vielleicht durchaus gute Gründe. Dazu hat Herr Dr. Dürbeck einiges gesagt.

(Beifall) Der letzte und aus meiner Sicht wichtigster Punkt ist die Frage, wie wir mehr über das Gebäude vermitteln und auch die Bedeutung dieses Gebäudes herausstellen können. Das ist ein Punkt, den ich auch schon mit Uwe Becker besprochen habe. Wir haben gemeinsam überlegt, ob es in nicht allzu ferner Zukunft die Möglichkeit gäbe und ob es nicht der richtige Ort wäre, im Gebäude Paulsplatz 9, auf den Flächen, die vom Kassen- und Steueramt demnächst frei gezogen werden, in der Nachbarschaft unmittelbar neben der Paulskirche Flächen zu schaffen, um dieses Gebäude in den historischen Kontext zu stellen. Man hätte die Chance, eben auch dann, wenn die Paulskirche aufgrund von Veranstaltungen belegt ist, und das ist doch relativ oft mit Aufbau- und Abbauzeiten der Fall, den Menschen einen Zugang zu dem Gebäude zu vermitteln. Da wäre eine Ausstellung, eine museale Begleitung des Gebäudes auch richtig untergebracht, und man könnte die Paulskirche sogar dann, wenn dort Betrieb ist, präsentieren. Das ist etwas, was sicherlich wieder Aufwand verursacht, was Geld kostet, was aber auch eine Chance wäre, das Gebäude zu erklären. Besser, als wenn man Besuchern und Touristengruppen im Foyer stehend erklären soll, was es mit dem Gebäude auf sich hat. Es wäre vielleicht eine Möglichkeit, auch gerne mit Unterstützung des Bundes, um die Paulskirche in einen bundesdeutschen Kontext zu stellen, indem man eben dort vielleicht auch Ausstellungsstücke, Artefakte und Werke präsentieren kann, die das Gebäude einordnen, was in dem Foyer, das immer wieder für Veranstaltungen gebraucht und genutzt wird, nicht ginge. Da sind wir in guten Gesprächen und es würde mich freuen, wenn wir in diese Richtung weitergehen können. Das setzt dann voraus, dass Sie als Stadtverordnete uns die Mittel dafür zur Verfügung stellen. Das wäre ein guter Ansatz, um die Paulskirche erlebbarer und verständlicher zu machen, und sie dann ganz unelitär für alle zu öffnen und eine Anlaufstelle direkt nebenan zu haben. Vielen Dank!

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Mathias Mund

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 19. April 2018 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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