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Kompetenzzentrum für Gewaltprävention und Soziales Lernen

Vorlagentyp: B
21 Wochen bis zur Antwort2 Stationen im Verfahren6 Sitzungen

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Thema Schulen und Bildung verfolgen

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 12.02.2010, B 79

Betreff: Kompetenzzentrum für Gewaltprävention und Soziales Lernen Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 12.11.2009, § 7109 - NR 1554 GRÜNE - Gewaltprävention, auch im schulischen Kontext, wurde bis Anfang der 90er Jahre in den Ländern und Kommunen, so auch in Frankfurt a. M., überwiegend für überflüssig gehalten. Obwohl bereits der Enquetebericht der unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommission durch Kabinettsbeschluss vom 16. Dezember 1987) frühzeitig in einer Sekundäranalyse die Ursache von Gewalt und Gewalt in der Schule aufgezeigt und Konzepteckdaten vorgelegt hat, stand zu dieser Zeit der rein repressive Ansatz der mit den Problemen Jugendlicher befassten verantwortlichen Akteure im Vordergrund. Seit dieser Zeit ist die Einsicht, dass jugendliche Gewalt eine Herausforderung für alle gesellschaftlichen Gruppen darstellt, gewachsen. Insbesondere Forschungen auf vielen Deliktsfeldern der Kriminalität haben das Wissen über Ursachen, Hintergründe und Zusammenhänge von Gewalt vertieft. Dementsprechend hat in der kriminalpolitischen Diskussion die Bedeutung von Prävention zur Verbrechungsbekämpfung zugenommen. Aus der Erkenntnis heraus, dass das gesellschaftliche Problem sozial abweichenden Handelns mit der Tendenz hin zur Kriminalität durch Repression allein nicht bewältigt werden kann und die verantwortlichen Ursachen vielfach präventable Bereiche darstellen, hat sich im Juli 1996 der Präventionsrat der Stadt Franfurt am Main gegründet. Gewalt-Sehen-Helfen ( GSH ) Nachdem im Frühjahr 1997 in einer voll besetzen S-Bahn in Hamburg ein Mädchen vergewaltigt wurde und alle Fahrgäste wegschauten, wurde ein Präventionsprogramm für Zivilcourage und Gewaltprävention im öffentlichen Raum in Auftrag gegeben. In Zusammenarbeit mit Verhaltensexperten, Psychologen und unter Auswertung neuester Forschungsergebnisse, wurde auf breiter gesellschaftlicher Basis im Oktober 1997 die Kampagne Gewalt-Sehen-Helfen (GSH) gestartet. Sie gibt in vielfacher Weise Informationen zum Selbstschutz und vermittelt Kompetenzen, wie Mitmenschen in gewaltbeladenen Situationen geholfen werden kann. Die Kampagne wird von einem interdisziplinär besetzen Lenkungsausschuss geleitet und setzt jährlich in einem Jahresprogramm die Ziele und Schwerpunkte fest. Seminare und Veranstaltungen zu diesem Programm können über die VHS, das Zentrum Familie, das Bürgerinstitut und die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank besucht werden und sind in der Regel kostenlos. GSH ist auch im Fortbildungsprogramm der Stadt Frankfurt a. M. aufgenommen und zudem integraler Bestandteil der Ausbildung der in Frankfurt neu eingestellten Auszubildenden und Inspektorenanwärter/innen. Das Referententeam ist eingebunden in eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung, für die die Geschäftstelle des Präventionsrates in Verbindung mit Experten Sorge trägt. Darüber hinaus gibt es für die Bevölkerung Informationen und Veranstaltungen auf Stadteilfesten und bei anderen Gelegenheiten über das gesamte Stadtgebiet verteilt. "Gewalt-Sehen-Helfen" ist mittlerweile zum deutschlandweit bekanntesten Präventionsprogramm zur Zivilcourage geworden und wurde vom Land Hessen in einem Kooperationsvertrag übernommen. "Gewalt-Sehen-Helfen" gibt es mittlerweile außer in Frankfurt am Main, in Wiesbaden, Gießen, Kassel, Offenbach, Hanau, Marburg, Fulda, im Main-Taunus-Kreis, Landkreis Offenbach und in Chemnitz. Zudem wurden auch Personengruppen aus Dresden und Leipzig beschult. "Cool sein - Cool bleiben" Aus dem Erwachsenprogramm Gewalt-Sehen-Helfen hat der Magistrat in Zusammenarbeit mit Polizei und staatlichem Schulamt das Training "Cool sein - Cool bleiben" entwickelt. Dabei wurden die Inhalte der Kampagne "Gewalt-Sehen-Helfen" an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen angepasst. "Cool sein - Cool bleiben" ist ein wichtiger Baustein zur Gewaltprävention in der Sekundarstufe an den Schulen. Zur Verfestigung der Nachhaltigkeit gibt es das Training als Multiplikatorentraining für Lehrer und kann in pädagogische Tage eingebunden werden. Auch das Programm "Cool sein - Cool bleiben" wird mittlerweile als Standardprogramm an vielen Schulen in Hessen und außerhalb Hessens durchgeführt. Mit dem ergänzenden Landesprogramm Prävention im Team (PiT) wird die Pädagogik von "Cool sein - Cool bleiben" in einen langfristigen schulischen Prozess eingebunden und durch eine permanente Zusammenarbeit mit Polizei und Jugendhilfe intensiviert. Das ursprüngliche Modellprojekt wird allen Schulen angeboten und 11 Frankfurter Schulen haben sich bisher daran beteiligt. Das hessische Programm Prävention im Team (PiT) wird vom Präventionsrat der Stadt Frankfurt a. M. unterstützt und gefördert (siehe auch www.pit-hessen.de). Mit der Schaffung des Referats "Geschäftstelle des Präventionsrates" 1999 hat der Magistrat eine organisatorische Querschnittstelle geschaffen, die die Maßnahmen der Kriminal- und Gewaltprävention initiiert, koordiniert und gegebenenfalls methodisch weiterentwickelt. Hier werden auch die ergänzenden schulischen Programme wie Mediation und Partizipation, Faustlos (Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz und Prävention von aggressivem Verhalten), Kidpower (Grundschule), Klasse 2000 (Gesundheit/Ich Stärkung), Buddy (Programm zum sozialen Lernen auf Basis des Konzepts der Peergroup Education - www.buddy-ev.de) u. a. im Verbund mit dem staatlichen Schulamt, der Polizei und weiteren Trägern im Rahmen der Projektgruppe "Gewalt-Sehen-Helfen", Projektgruppe Schule, koordiniert und weiterentwickelt. Gewaltprävention an Schulen Ein wichtiges Standbein in der schulischen Gewaltprävention sind die Mediatoren (Streitschlichter) und Mentoren (Fürsorge für Jüngere). Der Magistrat sieht in beiden Programmen wichtige Elemente der Wertevermittlung und des Engagements für die Allgemeinheit. Deshalb hat der Magistrat 2008 seinen besonderen Dank und seine Wertschätzung in einer Dankeschönveranstaltung im Metropolis-Kino zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus erhalten alle Mentoren und Mediatoren Anerkennungszertifikate. Mittlerweile gibt es auf Landesseite mit der Landeskoordination Region Süd für den Bereich des schulischen Programms GuD (Gewaltprävention und Demokratie lernen - www.gud.bildung.hessen.de) einen zentralen Ansprechpartner, der für Weiterentwicklung und Implementierung Sorge trägt und ein wichtiger Partner darstellt, zumal ein gewichtiger Teil der gewaltpräventiven Programme in der Verantwortung des Landes Hessen liegt. Ebenso gibt es mit dem "Netzwerk gegen Gewalt" einen Regionalverantwortlichen in Frankfurt als Ansprechpartner des Landes Hessen für die außerschulische Gewaltprävention. Das konzentrierte Lernfeld in der Schule ermöglicht über einen längeren Zeitraum in einem gemeinsamen Prozess Aspekte und Ursachen von Gewalt und Mobbing von unterschiedlichen Fachaspekten zu beleuchten und die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen einzubinden. Ausgehend aber von der Tatsache, dass sich 4,7% der Schülerinnen und Schüler in der Schule bedroht fühlen (Umfrage des Präventionsrates 2000) aber 9,6% außerhalb der Schule und mindestens jede/jeder 10. Gewalt zu Hause erlebt, offenbart, dass sich Gewaltprävention - auch aus jugendlicher Opfersicht - noch anderen wichtigen Themenfeldern öffnen muss. Schulische Gewaltprävention darf daher nicht isoliert betrachtet werden. Themen, wie frühe Hilfen, Gewaltprävention im Kindergarten, Jugendschutz, Förderung der Medienkompetenz, Gefahren im Internet und darüber hinaus häusliche Gewalt, Hasskriminalität und Gewalt im lokalen Umfeld sowie Gewalt gegen ältere Menschen, bedürfen ebenso gemeinsamer Anstrengungen. Frühe Hilfen Fragt man bundesweit Sozialarbeiter, wann Gewaltprävention einsetzen müsse, sagten in den letzten Jahren eine immer steigende Anzahl: "So früh wie irgendmöglich". Bereits in Kanada, Neuseeland und den USA wurden mit Programmen zur Förderung der Empathie große Erfolge erzielt. Eltern lernen die Körpersprache der Babys, sie erfahren, wie wichtig Zuwendung, Zärtlichkeit und Wertschätzung für die Reifung eines Menschen sind. Der Magistrat hat daher, dieser Erkenntnis aus der Forschung folgend, das Konzept "Frühe Hilfen - Prävention von Kindesvernachlässigung" beschlossen, mit dem Ziel, Familien frühzeitig zu unterstützen, den Schutz gefährdeter Kinder zu verbessern, sowie die Kooperation und das Netzwerk im Bereich Frühe Hilfen und Kinderschutz weiterzuentwickeln. Das Konzept, basierend auf 3 Säulen - Familienhebammen, Frankfurter Kinder- und Jugendschutztelefon und Netzwerkarbeit - wird seit November 2008 umgesetzt. Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Kinderärzte des Amtes für Gesundheit begleiten junge Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf vor und nach der Geburt bis zum ersten Lebensjahr ihrer Kinder. Im Mittelpunkt der Beratung stehen gesundheitliche und pflegerische Fragen und die Stärkung elterlicher Kompetenzen. Bei Bedarf wird der Zugang zu weiteren Hilfen vermittelt. Inzwischen haben etwa 100 Familien dieses Angebot angenommen. Das Frankfurter Kinder- und Jugendschutztelefon sichert die Erreichbarkeit des Jugend- und Sozialamtes über die kostenlose Rufnummer 0800 - 20 10 111 in der Zeit von Mo. - Fr. 8.00 - 23.00 Uhr sowie Sa., So. und an Feiertagen von 10.00 Uhr - 23.00 Uhr. Es ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, Eltern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendhilfeeinrichtungen, Schulen, Arztpraxen, Kliniken, Polizei und an alle Frankfurter Bürgerinnen und Bürger. Zwei Fachkräfte informieren, beraten in allen Fragen rund um Kinder- und Jugendschutz und helfen in akuten Krisensituationen. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen. Es gibt bereits vielfältige Angebote im Bereich der "Frühen Hilfen", u. a.: Guter Start ins Leben/STEEP (Sozialdienst katholischer Frauen), Willkommenstage (Katholische Familienbildung), Schreiambulanz (Clementine Kinderhospital), Beratungs-/Kursangebote der 8 Familienbildungsstätten und von Kinder-, Jugend- und Elternberatungsstellen, Elterncafés (Kinderschutzbund, Kinderbüro). Im Rahmen von Arbeitsgruppen arbeiten die Träger der verschiedenen Angebote gemeinsam an einer Weiterentwicklung des Netzwerks "Frühe Hilfen". Das Programm "Frühe Hilfe" wird ergänzt durch Maßnahmen der Unterstützung und Beratung von jungen Familien und Allenerziehenden. Gerade auch die Einrichtung von Kinder- und Familienzentren in den Stadtteilen (Fechenheim, Frankfurter Berg, Gallus und Goldstein) zielt auf eine umfassende frühkindliche Prävention unter besonderer Einbeziehung der Eltern. Diese frühe Prävention wird fortgesetzt durch Maßnahmen und Programme in den Frankfurter Kindertagesstätten. Zu nennen ist hier z. B. das Programm zur Gewaltprävention in Kindertagesstätteneinrichtungen des Zentrums Familie oder das mit großem Engagement betriebene "Goldsteinprojekt". Häusliche Gewalt Häusliche Gewalt besteht nicht nur zwischen zwei Partnern sondern hat direkte und indirekte Ausstrahlung auch auf die Kinder in der Familie. Häusliche Gewalt ist oftmals die Ursache einer Kriminalitätskarriere, die durch frühkindliche Gewalterfahrung ausgelöst wird. Die 1.180 erfassten Fälle 2008 der häuslichen Gewalt in Frankfurt a. M. (von Nötigung, Körperverletzung, Vergewaltigung bis Totschlag) zeigen, dass in diesem Bereich akuter Handlungsbedarf besteht. Der vom Arbeitskreis Frauen des Präventionsrates entwickelte "Frankfurter Aktionsplan zur Bekämpfung häuslicher Gewalt" setzt nicht nur auf die Umsetzung der neuen gesetzlichen Möglichkeiten im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes, sondern auch auf Aufklärung und Prävention. Dazu gehört u. a. die Kampagne "Gewalt ist nie privat", die Unterstützung gewaltbetroffener Kinder, die Implementierung des Themas in die Stadtteilarbeit und Förderung von Notruf- und Hilfenummern im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit. Das aktuelle Projekt "Rosenstraße 76" als interaktive Ausstellung mit Stadtteilbezug zeigt die Problematik, die Hilfen und die Möglichkeiten, dem Kreislauf von häuslicher Gewalt zu begegnen, und eröffnet das Thema einem breiten Publikum. Gewalt im Namen der Ehre Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat betroffen sind, muss man nicht erst durch Reisen in ferne Länder suchen: Es gibt sie hier, in unserer Nachbarschaft. Sie ist ein gesamteuropäisches Problem geworden. Eine Zwangsheirat liegt dann vor, wenn eine/r der Eheleute die Ehe gegen den eigenen Willen eingeht. Die Mittel, die dabei eingesetzt werden, reichen von psychischem Druck und emotionaler Erpressung bis hin zu physischem Zwang und expliziten Morddrohungen. Auch in Frankfurt am Main stoßen junge Migrantinnen in ihrer Lebensbewältigung und Zukunftsplanung manchmal auf erhebliche Probleme in ihrer Familie. In Frankfurt gibt es zu diesem Thema für Betroffene Anlauf- und Beratungsstellen, die im Leitfaden zum Schutz junger Menschen, die von so genannten Eheverbrechen betroffen sind, aufgelistet sind. Der Leitfaden ist bei jedem Polizeipräsidium oder beim Netzwerk gegen Gewalt erhältlich. Dem Präventionsrat ist es zudem gelungen, das Bundesprojekt SOS-Mail, ein Projekt des zweiten Aktionsplans der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen nach Frankfurt zu holen und wissenschaftlich begleiten zu lassen. SOSMail@paptya.org ist eine interkulturelle Onlineberatung. Hier können sich Betroffene von erfahrenen Pädagoginnen und Psychologinnen in Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Englisch und Französisch anonym beraten lassen. Hasskriminalität Zur primären Prävention von Gewalt gegen Gruppenangehörige gehört das gesamte Spektrum von Hasskriminalität. Hasskriminalität ist eine auf Vorurteilen beruhende Form der Gewaltkriminalität. Die Täter nehmen dabei die Staatsangehörigkeit, ethnische Zugehörigkeit, Religion, sexuelle Orientierung, eine Behinderung oder auch einen besonderen Lebensstil eines Menschen zum Anlass für willkürliche Angriffe gegen ihn. Die Wirkung dieser Hasskriminalität trifft nicht nur das einzelne Opfer, sondern vermittelt der gesamten Opfergruppe die einschüchternde Botschaft der Ablehnung, des Hasses und der Angst. Zu den wirkungsvollsten Maßnahmen in diesem Bereich gehören Information und Aufklärung gegen Vorurteile und die Aktivierung der Betroffenen, sich durch Strafanzeigen zur Wehr zu setzen. "Nicht wegsehen bei Gewalt gegen Schwule und Lesben" ist ein Beispiel einer Initiative des Arbeitskreises zur Hasskriminalität des Präventionsrates. Mit dieser Zeugenaktivierung soll das Anzeigeverhalten gesteigert und Opfern Mut gemacht werden, den Schritt zur Polizei zu gehen. Auch öffentliche Kampagnen, wie die Plakataktionen "Keine Gewalt gegen Lesben und Schwule" sind Beiträge zur Prävention. Wichtige Präventionsmaßnahmen bestehen auch in der Überzeugungsarbeit gegen Vorurteile und Homophobie bei Polizei und Ordnungsbehörden vorzugehen, dass Schwule, Obdachlose sowie anders aussehende Menschen generell Ursache von Kriminalität sind. Drogen, Süchte und Gewalt Der Strafrechtler Prof. Kreutzer hat anlässlich der Tagung der Träger der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. im Januar 2005 auf den "engen aber komplexen Zusammenhang zwischen Drogen einerseits und Kriminalität andererseits hingewiesen." Namentlich beim Alkohol ist dies seit Langem bekannt und stellt eine starke Herausforderung für Therapie und Strafjustiz dar. Auch bei näherer Betrachtung der Umstände von Körperverletzungsdelikten durch jugendliche Täter ist festzustellen, dass Alkohol und Drogen eine stimulierende und enthemmende Wirkung auf die Täter haben. Gewaltprävention und Suchtprävention müssen daher zusammenwirken. Auch die in der Suchtprävention tätigen 135 Beratungslehrer an den Frankfurter Schulen sind eine große Stütze im Rahmen der Beratung und Hilfe für auffällige und gefährdete Jugendliche. Die im Frankfurter Programm gegen den Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen vereinbarte träger- und institutionsübergreifende Zusammenarbeit hat sich positiv bewährt. Aufklärung, Information, Jugendschutzbegehungen, Jugendschutzkontrollen, Aktionstage an Schulen und bei Stadtteilfesten sind wichtige Bausteine, Eltern beizustehen und bei Kindern und Jugendlichen einer Suchtabhängigkeit vorzubeugen. Gewalt in den Medien und durch das Internet Sucht, Abhängigkeit und Gefahren für Kinder und Jugendliche gibt es in steigender Zahl durch den übermäßigen Konsum von Medien, Gewalt verherrlichenden Medien und Internetspielen sowie Teilnahme in Chatrooms, die von Pädophilen für ihre Zwecke genutzt werden. Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass aggressive Jugendliche eine Affinität zu Gewaltdarstellungen aufweisen. Der Konsum von Gewalt verherrlichenden Medien verfestigt und verstärkt die Gewaltorientierung gefährdeter Zuschauer und trägt dazu bei, dass die Gewaltbilder, bevorzugt jene, die einen Männlichkeitsentwurf abbilden, gerne als Vorbild dienen. Aber auch der freie Zugang zu Pornographie über das Internet lässt bei Jugendlichen ein Männlichkeitsbild entstehen, das mit der Realität nicht im Einklang steht. Dieses sexualisierte Auftreten stößt bei Mädchen auf Ablehnung und verstärkt bei gefährdeten Jugendlichen den Frust und das Minderwertigkeitsgefühl. Körperverletzung und sexuelle Gewalt gegenüber Mädchen oder deren Freund und Partner sind die Folge. Extremistische Gewalt Politischer Extremismus, gleich welcher politischer Prägung, hat in einem demokratischen Gemeinwesen nichts verloren. Linksextremismus wendet Gewalt gegen Personen und Sachen als Mittel der politischen Auseinandersetzung an und negiert die gesellschaftlichen, rechtlichen und moralischen Normen. Rechtsextremismus ist gekennzeichnet durch eine politische Einstellung, die sich gegen die Ordnung des demokratischen Verfassungssystems stellt und gesellschaftliche Vielfalt sowie ein freies Wirtschaftssystem ablehnt. Rechtsextremistische Gewalt ist vorwiegend geprägt von Fremdenfeindlichkeit, Menschenverachtung und Hass auf Andersartigkeit. Im Rahmen der Prävention ist es notwendig, dass demokratische Werte als Erfahrung des täglichen Lebens gelehrt, gelernt und gelebt werden. Hierbei ist es unerlässlich, auf Anhaltspunkte extremistischer Gewalt, sei es mittelbar durch Sachbeschädigung und Verbreiten von extremistischen Parolen, sofort zu reagieren. Der Magistrat hat in seinem Bericht vom 11.03.2005, B 241, "Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus bekämpfen", detailliert zum Umfang rechtsextremistischer Gewalttaten berichtet und die breite Palette der Präventionsmaßnahmen aufgezeigt. Gewalt gegen ältere Menschen Unabhängig von Gewalt gegen ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen und durch die Überforderung in der Pflege naher Angehörigen, gibt es Gewaltsituationen, die sich im öffentlichen Raum gegen ältere Menschen richten. Das Sicherheitsbedürfnis von alten Menschen ist besonders sensibel ausgeprägt und Gewalt und Aggression verursachen schnell eine dauerhafte Traumatisierung der Opfer. Auch aggressive Erscheinungsformen im öffentlichen Personennahverkehr löst bei vielen älteren Menschen Angst und Unbehagen aus. Der Präventionsrat hat in seiner Umfrage 50+ "zur Situation älterer Menschen im Stadtteil" das Sicherheitsgefühl älterer Menschen zum Gegenstand gemacht und die Folgerungen in die Präventionsstrategie übernommen. Aus dieser Überlegung sind beispielsweise Seniorenschutzbegehungen, Begegnungen zwischen Jung und Alt im Stadtteil und das Beratungs- und Begegnungszentrum "Am Bügel" entstanden. Lokale Betrachtungsweise Der soziale Nahraum bildet Ursachenzusammenhänge, die für Kriminalität und Gewalt verantwortlich sind. Deshalb ist die lokale Sichtweise Grundvoraussetzung, um gezielt, strategisch und nachhaltig Maßnahmen und Projekte vor Ort anbieten zu können. In diesem Sinn hat sich in Frankfurt a. M. die vernetzte Zusammenarbeit städtischer Ämter, Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Polizei und Stadtpolizei u.a. in den Frankfurter Regionalräten ausbezahlt. Auch in Zusammenarbeit mit den Programmen "Soziale Stadt" und "Aktive Nachbarschaft" werden Bedürfnisse analysiert und Angebote zur Prävention im Stadtteil angeboten. Kurze Entscheidungswege, vernetzte Zusammenarbeit, keine Doppelstrukturen und die Einbindung von Fachleuten in die Prozesse sorgen für ein breites Präventionsangebot, das sich an den individuellen lokalen Bedürfnissen orientiert. Frühwarnsystem Die alljährliche Präventionskonferenz, die im vergangenen Jahr am 18. November stattfand, ist ein Indikator für die Feststellung von gesellschaftlichen Veränderungen mit mittelbarer oder unmittelbarer Auswirkung auf Kriminalität. An dieser Konferenz nehmen alle maßgeblichen Institutionen der Kriminalprävention teil, wie Polizei, Jugend- und Sozialamt, Drogenreferat, Schuldezernat, Sportkreis Frankfurt, Amtsgericht Frankfurt, Kinderschutzbund, Staatliches Schulamt, Staatsanwaltschaft Frankfurt und viele mehr. Die vom Präventionsrat umfassend vorbereitete Konferenz beleuchtet neu auftretende Phänomene auf Handlungsnotwendigkeiten und leitet, wenn für notwendig befunden, entsprechende Maßnahmen ein. Happy Slapping, Amoklauf, Gefahren im Internet, sind nur einige wenige Beispiele immer neuer Herausforderungen, denen zu begegnen ist. Das Netzwerk dient auch dazu, die Angebotsliste zur schulischen Gewaltprävention fortzuschreiben (siehe auch unter www.gewalt-sehen-helfen.de) Regionale, hessenweite und nationale Zusammenarbeit Im Rahmen des Arbeitskreises " Regionalkonferenz RheinMain Sicherheit + Prävention" arbeiten 27 Städte, Gemeinden und Landkreise des Rhein-Main-Gebietes auf dem Gebiet der Sicherheit, aber auch auf dem Gebiet der Gewaltprävention zusammen. Gerade der Austausch über das Auftreten von gewaltverursachenden Phänomenen und die Bewertung der Verantwortlichen anderer Gebietskörperschaften ist für die Beurteilung eigener Aktionen und die Weiterentwicklung sehr hilfreich. Die Geschäftsstelle des Präventionsrates Frankfurt, die die Geschäftsführung innehat, sorgt auch dafür, dass fachkundige Wissenschaftler als Experten zu gemeinsamen Fachveranstaltungen eingeladen werden. Die Geschäftsstelle ist auch im nationalen Netzwerk Kriminalprävention der deutschen Großstädte vertreten, das neben aktuellen Problem- und Kriminalitätslagen, Evaluationsstandards und Zukunftsentwicklungen behandelt, und arbeitet maßgebend in dem hessischen Lenkungsausschuss der Kampagne "Gewalt-Sehen-Helfen" mit. Die oben angeführte beispielhafte Aufzählung zeigt die Anstrengungen, die der Magistrat auf dem Gebiet der Gewaltprävention unternimmt. Sie zeigt auch, wie komplex die Zusammenhänge sind. Wie dargestellt, ist ein Kompetenzzentrum weder nötig, noch sinnvoll und wird dem umfassenden Thema Gewaltprävention in all seinen Facetten nicht gerecht. Die vielfältigen Projekte, Maßnahmen und Aktionen zur Gewaltprävention in Frankfurt am Main beruhen auf einer Vielfalt von Trägern und abgestimmten Programmen. Das System und die Vernetzung der Akteure verhindern Doppelstrukturen und binden die Maßnahmen des Landes Hessen nahtlos ein. Mit dem Präventionsrat und seiner Geschäftstelle gibt es ein behördenübergreifendes Gremium, das die Gewalt- und Kriminalprävention in Frankfurt a. M. erfolgreich koordiniert, betreut und weiterentwickelt. Dieses System hat sich bewährt und seine Arbeit wird bundesweit anerkannt.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 17. September 2009NRNR 1554Kompetenzzentrum für Gewaltprävention und Soziales LernenSTVV-Antrag · GRÜNE
  2. 12. Februar 2010Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 21 Wochen
    BB 79Kompetenzzentrum für Gewaltprävention und Soziales Lernen
    Magistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

BBericht des Magistrats

Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.

  1. 1Magistrat legt Bericht vor
  2. 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf6 Beratungen
KAV
Sitzung 44 · 08.03.2010
TO II, TOP 11
Zur Kenntnis
Die Vorlage B 79 dient zur Kenntnis.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Jugendhilfeausschusses
Sitzung 27 · 08.03.2010
TO I, TOP 9
Zur Kenntnis
Die Vorlage B 79 dient zur Kenntnis.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Ausschusses für Soziales und Gesundheit
Sitzung 39 · 18.03.2010
TO I, TOP 64
Beraten
nicht auf TO Die Beratung der Vorlage B 79 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneLinkeFDPFAG
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und FAG

Ausschusses für Recht, Verwaltung und Sicherheit
Sitzung 39 · 22.03.2010
TO I, TOP 28
Beraten
nicht auf TO Die Beratung der Vorlage B 79 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneFDPFreie Wähler
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, FDP und FREIE WÄHLER

Ausschusses für Soziales und Gesundheit
Sitzung 40 · 22.04.2010
TO I, TOP 17
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 79 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneLinkeFDPFAGFreie Wähler
Sonstige:
NPD (Kenntnis)Stv. Schenk (Kenntnis)
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP, FAG und FREIE WÄHLER Sonstige Voten/Protokollerklärung: NPD und Stv. Schenk (= Kenntnis)

Ausschusses für Recht, Verwaltung und Sicherheit
Sitzung 40 · 26.04.2010
TO I, TOP 13
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 79 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUSPDGrüneLinkeFDPFreie Wähler
Sonstige:
FAG (Kenntnis)NPD (Kenntnis)Stv. Schenk (Kenntnis)
Abstimmung im Original

Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und FREIE WÄHLER Sonstige Voten/Protokollerklärung: FAG, NPD und Stv. Schenk (= Kenntnis)

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