Umsetzung der Energiewende: Nutzung von Biomasse und Biogas
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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgenInhalt
Bericht des Magistrats vom 27.01.2012, B 49
Betreff: Umsetzung der Energiewende: Nutzung von Biomasse und Biogas Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 10.11.2011, § 837 - NR 109/11 CDU - Ein wichtiger Baustein des Frankfurter Energie- und Klimaschutzkonzeptes ist die energetische Nutzung von Biomasse. Vorteile sind insbesondere die Speicherbarkeit von Biomasse, die vielfältigen Verwendungs- und Einsatzformen (fest, flüssig, gasförmig) und die verschiedenen Gewinnungsweisen (Abfälle, Anbaubiomasse). Da die energetisch genutzte Biomasse jedoch der direkten oder indirekten Nutzung von Nahrungsmittel- oder Futterpflanzen bzw. der Forstwirtschaft entspringt, ergeben sich Konkurrenzen und Auswirkungen auf den Naturschutz sowie die Land- und Forstwirtschaft. Aus diesem Grund wurde in den vergangenen Jahren eine intensive Diskussion von Fachverbänden der Bioenergie und der Umweltverbände auf nationaler und internationaler Ebene geführt. Prinzipien zur energetischen Nutzung von Biomasse Wesentliche Prinzipien, die übereinstimmend von der Bundesregierung, von Umweltverbänden, dem Sachverständigenrat für Umweltfragen und dem Wissenschaftlichen Beirat für globale Umweltfragen betont werden, sind - die Priorität für Energieeinsparung und Energieeffizienz - eine effiziente Nutzung von Bioenergien - die energetische Nutzung von Biomasse in Kraft-Wärme-Kopplung - die Priorität der energetischen Nutzung von Biomasse aus Rest- und Abfallstoffen im Rahmen der Nutzungskaskade - die Begrenztheit der Energiebereitstellung durch Biomasse zum Schutz von Land- und Forstwirtschaft und Naturschutz - die Sicherstellung geringer Schadstoffemissionen - der Verzicht bzw. das Verbot von Gentechnik bei Energie-Biomasse In verschiedenen Gesetzen und Verordnungen werden diese Kriterien als Grund- oder Zusatzanforderungen wie im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), insbesondere der zum 1.1.2012 in Kraft getretenen Novelle des EEG, und in "Nachhaltigkeitsverordnungen" in die Praxis umgesetzt. Mehrere Studien gehen daher davon aus, dass mit der Nutzung von Biomasse aus Deutschland etwa 10-15% des heutigen Energieverbrauchs auf umweltverträgliche und nachhaltige Weise gedeckt werden kann. Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien Beim gezielten Anbau von Biomasse in Deutschland und bei Importen sind zwei Fragen zu klären: Die Nachhaltigkeit und die CO2-Reduktion im Rahmen einer Gesamtsichtweise der gesamten Produktionskette mit direkten und indirekten Auswirkungen. Nachhaltigkeit bedeutet gerade beim Anbau und der Nutzung von Pflanzen, dass sichergestellt wird, dass mindestens die Menge der entnommenen Biomasse nachwächst, die Qualität der Böden und des Grundwassers erhalten wird und Kriterien des Naturschutzes eingehalten sind. Im Rahmen der gesamten Produktionskette sind Energiebilanzen des Energieaufwandes für den Anbau der Energie-Biomasse wie auch Treibhausgasbilanzen inklusive der Freisetzung von Lachgas und Methan bei der Düngung und der Verarbeitung der Biomasse einzubeziehen. Bei der Nutzung von Biomasse zur Energienutzung aus dem bestehenden Pflanzen- oder Waldanbau ist zur Nachhaltigkeit sicherzustellen, dass die gleiche entnommene Menge in Zukunft wieder nachwächst. Dies bedeutet, dass bei Wald nur der Zuwachs bzw. nur ein Teil des Zuwachses zur Energienutzung entnommen werden darf. Bei Pflanzen ist in den folgenden Jahren, durchaus auf anderen Feldern in Fruchtfolge, wieder die gleiche Menge anzubauen. CO2-Neutralität ist dabei nur gegeben, wenn durch weiteren künftigen Pflanzenanbau oder Waldaufbau die bei der energetischen Nutzung emittierte Menge CO2 wieder gebunden wird. Hier kommt es auf die Sicherstellung einer Nachnutzung an, damit Biomasse als erneuerbare und nachhaltig eingestuft werden kann. Bei einem neuen Biomasseanbau für Energie auf Feldern kommt es auch auf die Vornutzung der Flächen an, also welche Situation verdrängt wurde, d. h. auf die Landnutzungsänderung. Hierbei ist auch eine Bilanzierung anderer Treibhausgase und die Freisetzung von zuvor gebundenem CO2 zu beachten. Wenn zuvor brachliegende Flächen zum Biomasseanbau genutzt werden, kann dies positiv in der Bilanz sein. Der Aufwand für Düngung, Bearbeitung und Freisetzung von N2O durch Dünger und Düngemittelherstellung, Traktoren, usw. ist abzuziehen. Diese Bilanz kann positiv sein, typisch gehen 30-50% des durch Biomasseanbau "gesparten" und gebundenen CO2 aber wieder durch die Vorkette verloren. In bestimmten Fällen kann aber die Gesamttreibhausbilanz von Energie-Biomasse schlechter sein als bei der Nutzung fossiler Brennstoffe. Wenn auf der Fläche zuvor Agrarprodukte zur Lebensmittelherstellung angebaut wurden, wird diese auf andere Flächen verlagert. Diese Nahrungsmittel müssen also auf anderen Flächen angebaut werden, was die Fragestellung zwar nur verlagert, aufgrund der Marktsituation nicht mehr kontrollierbar macht, welche Flächen und Wirkungen durch die Verlagerung (indirekt land use change ILUC) betroffen sind. Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, dass bei Berücksichtigung dieses Aspektes der ökologische (Treibhausgas-)Vorteil über die Hälfte reduziert wird oder sogar ganz schwinden kann. Im Extrem werden durch den Biomassenanbau Flächen und Böden ihrer bisherigen Nutzung beraubt, die zuvor CO2 gebunden haben und dieses CO2 nun durch Bodenbearbeitung in der Folge freigesetzt wird. Wenn Methan aus Verrottung von Pflanzen hinzukommt, ist die Bilanz umso schlechter, da die Treibhausgas-Wirkung von Methan um das 20 fache größer ist als die von CO2. Dies betrifft vor allem den Grünlandumbruch, Moore sowie Naturflächen vor allem mit Humusbindung. Dann ist sowohl rückblickend als auch vorausschauend die Treibhausgas-Bilanz der Biomassenutzung zum Teil sogar deutlich negativ. Wirtschaftliche Aspekte der energetischen Nutzung von Biomasse Die energetische Nutzung von Biomasse schafft eine Preisbasis für die Energie-Biomasse in Anlehnung an die ersetzten fossilen Brennstoffe (Substitution, anlegbarer Preis). Dies gilt auch, wenn der Preis für die Biomasse pro Energieeinheit deutlich geringer ist. Holzpellets haben derzeit etwa den halben Preis pro kWh Energieinhalt im Vergleich zu Heizöl. Hierbei wird beim Vergleich auch einbezogen, dass es höherer Investitionskosten zum Umstieg auf Biomasse bedarf (10.000 € Mehrkosten Holzheizung bei 10 Jahren und 20.000 kWh/a entsprechen 5 ct/kWh, also etwa der Differenz zwischen Ölpreis 9 ct/kWh und Pellets 4 ct/kWh (2011)). Problematisch ist aber dabei vor allem bei Energiebiomasse aus Nahrungspflanzen (Mais, Getreide), dass mit steigendem Öl- und Erdgaspreis und einem höheren erzielbaren Preis für Energiebiomasse auch der Preis der Nahrungsmittel mit steigt, da man diese Pflanzen statt nur zur Ernährung zu verwenden auch energetisch nutzen kann. Dies gilt insbesondere bei Knappheit und hoher Nachfrage nach Nahrungsmittel. Hier liegt der ökonomische Grund der "Tank oder Teller"-Problematik und die international vor einigen Jahren intensiv diskutierte Wirkung des Anstiegs der Mais und Tortilla-Preise in Mexico nach dem Mais-Boom in den USA zur Produktion von "Biokraftstoffen". Biomasse zur energetischen Nutzung steht daher nicht in beliebig großen und zugleich preiswerten Mengen zur Verfügung, die Reststoffmengen und die nachhaltig nutzbaren Anbauflächen sind begrenzt - gerade für die Mengen, die als erneuerbar und nachhaltig nutzbar betrachtet werden sollen. Diese Rahmenbedingungen wirken sich auch auf die Preisbildung für Energie-Biomasse aus, die nach dem Anlegbarkeitsprinzip stark von der Preisentwicklung der ersetzten fossilen Brennstoffe bestimmt wird. Energetische Nutzung von Biomasse in Frankfurt am Main In Frankfurt am Main werden aktuell folgende Mengen von Energie (Strom und Wärme) aus Biomasse erzeugt und genutzt: Anlage Leistung in Megawatt Strom bzw. Wärme Stromerzeugung in MWh Strom pro Jahr Wärmeerzeugung in MWh Wärme pro Jahr
Biomasse-Kraftwerk Fechenheim Mainova AG - Altholz aus Abfällen und Landschaft 12 70.000 25 140.000 Cofermentationsanlage Infraserv GmbH & Co. KG in BHKW vor Ort bzw. mit Biogasaufbereitung und Durchleitung an andere Orte 4 30.000 5 35.000 SEVA Klärschlammverbren-nungsanlage Sindlingen 2-4 17.000 ca. 20.000 zur Trocknung
Rhein-Main-Biokompost Biogasanlage mit BHKW 0,7 3.400
0,3 2.700 davon ca. 700 intern genutzt 120 Holzfeuerungsanlagen Holzpellets, Holzhackschnitzel, in Wohngebäuden, Gewerbe, städtischen Gebäuden 4
8000 Summe 120.400 203.700 CO2-Einsparung 70.000 t 60.000 t Der größte Anteil der energetischen Nutzung von Biomasse in Frankfurt entfällt auf die Verwendung von Rest- und Abfallstoffen (Holzabfälle, Altholz, Sperrmüll, biogene Abfälle aus Haushalten, Gewerbe und Industrie sowie der Abwasserreinigung). Insgesamt beträgt die jährlich genutzte Endenergie aus Biomasse ca. 320.000 MWh und die CO2-Einsparung ca. 130.000 t. Dies entspricht einem Anteil von 2% der CO2-Emissionen im Energiebereich in Frankfurt am Main. Des Weiteren produziert die Rhein-Main-Biokompost GmbH jährlich ca. 8.300 t Garten- und Parkabfälle aus dem Raum Frankfurt und Umgebung und ca. 1.600 t Holzhackschnitzel für Biomassekraftwerke. Weitere theoretisch nutzbare Potenziale sind: a. Forstwirtschaftlich genutzte Fläche /Stadtwald: Nutzung der Biomasse aus dem Holzzuwachs des Waldbestandes in Frankfurt: Bei einer Waldfläche von 5.970 ha, einem Holzvorrat von rund 280 fm/ha, einem Zuwachs von 4,9 fm/ha und einem Energieinhalt von 3.000 kWh/fm folgt ein Energiepotential von rund 100.000 MWh im Jahr. Direkt nutzbar erscheint jedoch nur ein Anteil von rund 10% an potentieller Biomasse, da ein Großteil des Holzzuwachses im Wald verbleibt und erst nach Jahrzehnten genutzt wird. Die Nutzung der Biomasse aus dem Wald erfolgt daher zuerst in der Forst- und Holzwirtschaft und der Bau- und Möbelverarbeitung, so dass die eigentliche energetische Nutzung erst durch Holzabfälle bei der Verarbeitung oder nach der Nutzungsphase zeitlich versetzt und räumlich an anderen Orten erfolgt. Potential
5.000 MWh el
10.000 MWh th Gegen eine intensive direkte Nutzung von Energieholz aus dem Wald spricht, dass der StadtForst auf Grundlage des Hessischen Forstgesetzes zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Waldbewirtschaftung verpflichtet ist. Aufgrund der Standortbedingungen mit vorherrschend nährstoffarmen Sandstandorten lässt sich eine umfassende energetische Nutzung von Waldholz nicht verantworten, da hiermit ein nicht verantwortbarer Entzug von Nährstoffen (Phosphor, Kalzium, Magnesium) verbunden wäre. Zudem ist die mögliche Nutzungsmenge durch die Bestimmungen des Hessischen Naturschutzgesetzes und die im Jahr 2012 geplante Zertifizierung des Frankfurter Stadtwaldes mit dem FSC-Label deutlich begrenzt. Das FSC-Label fordert u.a. die Stilllegung von 5% der Waldfläche, die Erhöhung der Totholzanteile und das Überlassen von stehenden Bäumen als Habitat- und Brutbäume. Aktuell werden jährlich ca. 1.200 cbm als Brennholz ("Selbstwerber") genutzt; der Energieinhalt beträgt ca. 4.000 MWh. b. Landwirtschaftlich genutzte Fläche Würden bei einer Landwirtschaftsfläche von 6.000 ha maximal 20% der Fläche zum Anbau von Pflanzen für Bioenergie verwendet, ergibt sich bei einem energetischen Flächenertrag von 6 kWh /qm ein in Kraft-Wärme-Kopplung (z.B. mittels Biogasanlagen) nutzbares Potenzial von
2.500 MWh el
5.000 MWh th Durch die energetische Nutzung von Biomasse auf forstwirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Flächen auf dem Stadtgebiet Frankfurts wären demnach zusätzlich nutzbar
7.500 MWh el
15.000 MWh th c. Grünabfälle des Grünflächenamtes Das Aufkommen des gesamten Grünflächenamtes an Grünabfällen liegt bei ca. 8500 t jährlich, davon sind ca. 6000 t reine Grünabfälle und 2500 t verunreinigte Grünabfälle zum großen Anteil aus dem Friedhofswesen durchsetzt mit Grabschmuck, Plastik- und Steintöpfen. Die Abfälle werden über Fremdfirmen entsorgt. Es ist davon auszugehen, dass die Grünabfälle in entsprechenden Bioenergieanlagen verwertet werden. Die Energiemenge entspricht ca. 25.000 MWh. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Darmstadt wird das Grünflächenamt die Flächen und Mengen von Biomasse-Abfällen ermitteln, die bei Pflege und Schnittmaßnahmen anfallen und wie diese ökologisch und ökonomisch am besten genutzt werden können. Die über die Fremdvergabe von Baumschnittmaßnahmen anfallenden Holzmengen werden durch die beauftragten Firmen verwertet. Die hierbei anfallenden Mengen werden künftig erhoben und geprüft, ob eine eigenständige Verwertung und Vermarktung durch das Grünflächenamt praktisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre. d. Gesamtmengen weiterer Biomassepotentiale in Frankfurt Insgesamt bestehen unter bestimmten Bedingungen (Nutzungsprioritäten, Kosten) in Frankfurt noch energetisch nutzbare Potentiale von in Summe 55.000 MWh/Jahr, d.h. etwa 17% der derzeit schon genutzten Menge. Diese Angaben und Abschätzungen entsprechen auch den Werten, die in der Bioenergiepotenzialstudie des Landes Hessen (Witzenhausen Institut GmbH und Pöyry Environment GmbH, Studie im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden 2008) aufgeführt sind. Dort heißt es, dass in Frankfurt schon 320.000 MWh Bioenergie jährlich genutzt wird. Das zusätzliche Potential beläuft sich der Studie zufolge auf ca. 50.000 MWh incl. eines weiteren Grünholzanteils von 27.000 MWh. In Übereinstimmung mit der Biomassepotentialstudie des Landes Hessen kann festgestellt werden, dass in Frankfurt mit ca. 320.000 MWh Energie (Strom und Wärme) schon 85% des in Frankfurt direkten Gesamtpotentials nachhaltig nutzbarer Bioenergie mit hoher Energieeffizienz verwendet werden. Eine Ausweitung des Beitrags von Bioenergie ist daher nur mit Importen nach Frankfurt möglich. Weitere Potentiale und Randbedingungen für importierte Biomasse aus Hessen und anderen Regionen Die Biomassepotentialstudie Hessen und das Hessische Umweltministerium gehen davon aus, dass der Anteil der Bioenergienutzung von derzeit 5% Energie aus Biomasse in Hessen auf etwa 8-10% (ca. 13.000 GWh Endenergie von insgesamt 130.000 GWh Endenergie (ohne Verkehr) unter Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien gesteigert werden kann. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung zu, da derzeit Biomasse in Hessen oftmals entweder nur thermisch oder nur bzw. überwiegend zur Stromerzeugung genutzt wird. In Frankfurt am Main sind hingegen alle größeren Anlagen der energetischen Nutzung von Biomasse (BKF Fechenheim, RMB, SEVA, Infraserv) auf die gekoppelte Nutzung von Strom und Wärme ausgelegt. Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehen ebenfalls von einem Anteil in Deutschland nachhaltig (d.h. sich regenerierend und ökologische Qualitäten erhaltend) nutzbarer Bioenergie von ca. 10% des heutigen Endenergieverbrauchs aus. Der Anteil der Bioenergie könnte relativ bei einer Senkung des Energieverbrauchs um 30-50 % auf 15-20% steigen. Die absolute Senkung des Energieverbrauchs um 30-50% ist dabei weitaus größer als die Steigerung der Biomasse-Energie von 5 auf 10%. Da in land- und forstwirtschaftlich geprägten Regionen in Hessen mittelfristig von einem Energieüberschuss aus Biomasse ausgegangen werden kann, besteht prinzipiell die Möglichkeit den heutigen Anteil der Bioenergienutzung in Frankfurt (2% / 320.000 MWh) auf 10% / 1.600.000 MWh zu steigern. Bei einer Nutzung in KWK würde dieser Zuwachs einer Kapazität von Heizkraftwerk(en) von ca. 70 MW el + 170 MW th bei 6.000 Jahresnutzungsstunden entsprechen. Diese Abschätzung sagt jedoch nichts über die praktische und wirtschaftliche Realisierbarkeit aus. Tatsächlich sind größere Energieanlagen, die auf den Einsatz von Holzpellets oder Holzhackschnitzel setzen, ökonomisch schwer zu realisieren. Offen bleibt an dieser Stelle auch, ob diese Energiemenge durch Restholznutzung, durch Biogasanlagen oder durch den Anbau von Kurzumtriebspflanzen bereitgestellt werden kann. Denkbar ist, dass Biogas aus Biogasanlagen in der Region bzw. Hessen zu Erdgasqualität aufbereitet wird und - "virtuell" durch das Gasnetz durchgeleitet - in Frankfurt in kleinen und größeren Heizkraftwerken in Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt wird. Das Energiereferat prüft diese Möglichkeiten des Einsatzes von Bioenergie bei der KWK derzeit auch im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten Projektes "CHP goes green" (Kraft-Wärme-Kopplung wird grün). Aktuell zeigt sich jedoch, dass die Preise für "Biomethan" (aus Biomasse erzeugtes Methan aus Biogas) in der Regel zu hoch sind, um gemäß den Möglichkeiten, die das Erneuerbare-Energie-Gesetz für KWK-Strom aus Biogas/Biomethan bietet, einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Da die prinzipiell in Hessen und umliegenden Regionen vorhanden Biomassepotenziale meist aufgrund von Kriterien des Naturschutzes und/oder der Wirtschaftlichkeit nicht bereitgestellt werden können, erhalten Importe von Bioenergieträgern aus anderen Ländern Europas, aus den USA und Afrika eine erhöhte Aufmerksamkeit. Faktisch ist der Holzpelletsmarkt schon internationalisiert, wobei neben den regionalen Lieferanten (Westerwald, Spessart, Nordhessen) nun auch Lieferanten aus Osteuropa, Skandinavien und den USA den Markt bedienen. Die Fragestellung, ob eine Mitverbrennung von Holz (Holzpellets/Holzstaub) im Heizkraftwerk West der Mainova AG möglich ist, wurde schon gemeinsam mit der Mainova AG und in Abstimmung mit einem Lieferanten von Holzpellets geprüft. Aufgrund der speziellen Feuerungstechnik (nachgeschaltete Rauchgasreinigung statt Wirbelschichttechnik), der Problematik einer unvollständigen Verbrennung des Holzstaubes und unzureichender Lagermöglichkeiten ist eine zusätzliche Verfeuerung von Holzpellets/-stäuben im HKW West nicht umsetzbar. Die Deutsche Energieagentur (dena) hat im Herbst 2011 eine Studie vorgelegt, die auf die mögliche Nutzung von holzartiger Biomasse in deutschen Kohlekraftwerken hinweist. Die dena weist aber auch darauf hin, dass für den Import holzartiger Biomasse die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Erzeugung und Gewinnung dieser Holz-Biomasse erforderlich ist. Vorteile durch geringere CO2-Emissionen durch den teilweisen Ersatz von Kohle durch Holz sollten nicht durch anderweitige Umweltschäden oder Eingriffe in den Lebensraum von Völkern (in Regenwaldregionen) erkauft werden. Die dena weist darauf hin, dass es allerdings in Deutschland seitens der Bundesregierung wie auch seitens der Europäischen Kommission nicht absehbar sei, wann - ähnlich wie bei flüssiger Biomasse - eine Nachhaltigkeitsverordnung für feste/holzartige Biomasse verabschiedet wird. Es liegen somit keine Nachhaltigkeitskriterien für holzartige Biomasse vor. Zusammenfassung Die Potentiale der in Frankfurt am Main anfallenden Bioenergien, v. a. die aus Abfällen aus Haushaltsbioabfall, Altholz und biogenen Abfällen der chemischen Industrie werden weitgehend schon energetisch genutzt. Eine weitere Steigerung des Endenergieanteils ist in diesem Rahmen gerade von 2,0 auf 2,2-2,5% denkbar. Eine weitere deutliche Steigerung des Energieanteils aus Biomasse ist nur durch Importe nach Frankfurt möglich. Innerhalb von Hessen und in Deutschland wird von einem Bioenergiepotential von ca. 8-10% ausgegangen, so dass relative Überschüsse von Bioenergien aus Regionen mit höherem landwirtschaftlichem oder forstwirtschaftlicher Anteil in die Städte wie Frankfurt am Main geliefert werden können. Diese Ausweitung hängt vom Ausbau entsprechender Anlagen in der Region und in Hessen ab. Insbesondere bei der Nutzung von Biogas aus der Region in KWK-Anlagen in Frankfurt am Main ist die Wirtschaftlichkeit noch nicht gegeben. Bei Importen von Bioenergieträgern aus der Region, Hessen oder Deutschland und erst recht aus anderen Ländern ist auf die Kriterien der Nachhaltigkeit des Anbaus und einer in der Gesamtsicht wirklich positiven Treibhausgasbilanz (incl. CO2, N2O,CH4) sowie der Sicherstellung sozialer Aspekte (Arbeitsbedingungen, soziale Rechte) zu achten. Die Einhaltung dieser Kriterien sollten durch geeignete, verlässliche Zertifizierungen von Herkunft und Anbaumethoden nachgewiesen werden. Allerdings fehlen noch verbindliche und verlässliche Nachhaltigkeitskriterien, Verordnungen bzw. Zertifizierungssysteme für den Import fester Biomasse. Weitere Potentiale erneuerbarer Energien in Frankfurt am Main Die Energiebereitstellung aus Biomasse in Frankfurt deckt etwa 2 % des Endenergieverbrauchs und hat ein Potential für einen Anteil von ca. 10%. Im Vergleich hierzu ist zu betonen, dass die Potentiale der Energieeffizienz, wie sie im Energie- und Klimaschutzkonzept für Frankfurt am Main in den Bereichen Strom und Wärme (Haushalte, Gewerbe, Industrie) aufgezeigt wurden, mit ca. 40-50% Senkung des Energieverbrauchs durch Einsparung und Energieeffizienz weitaus größer und oftmals auch wirtschaftlicher sind als die alleinige Umstellung auf Energie aus Biomasse. Neben der Biomasse weist die Biomassestudie des Landes Hessen auch auf die Potenziale der Solarenergie hin. Das direkt nutzbare Potenzial der Solarenergie beträgt in Frankfurt: - durch Solarstromerzeugung aus Photovoltaik ca. 1.000 -1.500 kWh pro Person - 700 - 1.000 GWh Strom (im Durchschnitt ca. 10 qm pro Person gemäß GIS-Potentialstudien). Dies entspricht etwa 15-20% des derzeitigen Stromverbrauchs in Frankfurt. - durch Solarwärmeerzeugung aus Solaranlagen ca. 4.000 - 4.500 kWh pro Person - 2.800 - 3.000 GWh Wärme (ca. weitere 12 qm pro Person, insbes. auch von Ost- und Westdächern)). Dies entspricht ca. 50% des gesamten Heizenergiebedarfs von Wohn- und Gewerbegebäuden in Frankfurt. Zusammen genommen liegt das Potential der Solarenergienutzung (auf Gebäuden) in Frankfurt am Main bei ca. 4000 GWh, d.h. 25% des gesamten Endenergiebedarfs in Frankfurt von 16.000 GWh (Wärme, Strom für Haushalt, Gewerbe, Industrie). Das Solarenergiepotential, welches auf der Fläche Frankfurts vor allem den Dächern genutzt werden könnte, ist daher ca. 10mal größer als die heute in Frankfurt genutzte Bioenergie. Hierbei ist das Potenzial der Solarthermie (gemessen in Endenergieeinheiten) etwa 4mal größer als das Potenzial der Photovoltaik. Insgesamt können Solarthermie, Solarstrom und Biomasse (inkl. regionaler Importe) ca. 30-35 % des gesamten Endenergiebedarfs von Strom und Wärme in Frankfurt decken. Wenn der Bedarf um 40-50% reduziert wird, bleibt ein Energiebedarf von 20-30% der durch überregionale Importe (erneuerbare Energie, v.a. Biomasse, Strom aus Windenergie, Methan aus Wind- und Solarstrom) gedeckt werden kann. Eine detaillierte Konkretisierung dieser Perspektiven der effizienten Nutzung erneuerbarer Energien in Frankfurt am Main soll im Rahmen der Erstellung eines "Masterplans 100% Klimaschutz - Frankfurt am Main 2050" erstellt werden. Hierzu wurde ein Förderantrag beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit nach einer Vorauswahl mehrerer Städte und Regionen durch das BMU eingereicht.Nebenvorlage: Antrag vom 15.02.2012, NR 234
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 28. September 2011NRNR 109Umsetzung der Energiewende: Nutzung von Biomasse und BiogasSTVV-Antrag · CDU
- 27. Januar 2012Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 17 WochenBB 49Umsetzung der Energiewende: Nutzung von Biomasse und BiogasMagistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf6 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu 1. CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP, FREIE WÄHLER und Piraten zu 2. CDU und GRÜNE gegen SPD, LINKE., FDP, FREIE WÄHLER und Piraten (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ARL, NPD und REP (B 49 = Kenntnis, NR 234 = Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Annahme bei Enthaltung FDP
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: zu 1. CDU, GRÜNE, SPD, LINKE., FDP, FREIE WÄHLER, Piraten, ÖkoLinX-ARL, NPD und REP zu 2. CDU und GRÜNE gegen SPD, LINKE., FDP, FREIE WÄHLER, Piraten, ÖkoLinX-ARL, NPD und REP (= Annahme)