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Medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund

Vorlagentyp: B
20 Wochen bis zur Antwort3 Stationen im Verfahren2 Sitzungen

Zusammenfassung

Der Bericht thematisiert die medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund in Frankfurt am Main. Es wird vorgeschlagen, die Gesundheitskompetenz dieser Gruppe durch gezielte Aufklärungsmaßnahmen zu stärken, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Das erwartete Ergebnis ist eine Erhöhung der Chancengleichheit im Gesundheitsbereich.

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Thema Gesundheit und Soziales verfolgen

Bericht

Bei der im Antrag der KAV (K 97/22) erwähnten Studie handelt es sich um eine am 7. Januar 2022 veröffentlichte "Studie zur Gesundheitskompetenz und Migrationshintergrund" der Universität Bielefeld. Für die Studie wurden die zwei größten Einwanderungsgruppen in Deutschland befragt: Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Gemeinsam haben sie einen Anteil von 30 Prozent an allen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ausgewertet wurden 1.000 Interviews.

Die Studie kam u.a. zu dem Ergebnis, dass der Migrationshintergrund - anders als Armut oder Bildungsstand - keine wesentliche Rolle für die Gesundheitskompetenz spielt. Einen Unterschied zur Allgemeinbevölkerung konnten die Wissenschaftler*innen bei der Kommunikation mit Ärzt:innen feststellen. Für Menschen mit Migrationshintergrund ist es gemäß der Studie besonders schwer, Ärzt:innen zum Zuhören zu bringen, ohne unterbrochen zu werden. Etwa ein Drittel der Befragten findet das schwierig. Dieser Wert ist deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Auch Fachbegriffe sind eine Hürde.

Menschen mit Migrationshintergrund sind eine heterogene Gruppe. Sie sind nicht häufiger krank, die vorhandenen Daten zeigen jedoch, dass sie sich teilweise in ihrer Gesundheit, in ihren gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen und in ihrer Inanspruchnahme von Personen ohne Migrationshintergrund unterscheiden. Ihr Zugang zur Gesundheitsversorgung ist oft schlechter als der der Allgemeinbevölkerung, was sich im Schwerpunkt auf drei Ursachenkomplexe zurückführen lässt: Kommunikationsprobleme, differierende Krankheitskonzepte und im Zusammenhang mit der Migration gemachte Erfahrungen, welche zusammenhängend eine oft schwer überwindbare Barriere darstellen.

Gesundheitskompetenz ist sozial ungleich verteilt: niedriger Bildungsgrad, niedriger Sozialstatus, Migrationserfahrung oder höheres Lebensalter sind Faktoren für eine durchschnittlich niedrigere Gesundheitskompetenz. Zur Gesundheitskompetenz eines Menschen gehört, gezielte Informationen zu finden, sich einen Überblick zur Informationsflut zu verschaffen und daraufhin bewusste Entscheidungen treffen, die der Gesundheit dienen. Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz kann dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem nicht optimal genutzt werden kann und hieraus Fehl-, Unter- oder Überversorgung resultieren, aber auch risikoreiches Gesundheitsverhalten ist abhängig von der vorhandenen Gesundheitskompetenz.

Die Stadt Frankfurt am Main versucht die Gesundheitskompetenz von Menschen mit Migrationshintergrund gezielt zu stärken. Unter dem Dach der Kommunalen Gesundheitsinitiativen interkulturell wurden im Jahr 2013 erstmals Kommunale Gesundheitslots:innen ausgebildet, die gezielte kultursensible interkulturelle Gesundheitsaufklärung betreiben. Fast 80 ausgebildete Lots:innen sind dadurch bis 2020 hervorgegangen und leisten wertvolle Arbeit für die Förderung von Gesundheitskompetenz dieser Menschen und somit für die Herstellung von Chancengleichheit auch in Bezug auf den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. Sie bieten Informationsveranstaltungen zu vielfältigen Themen an (deutsches Gesundheitssystem, Ernährung, Bewegung, seelische Gesundheit, etc.). Zusätzlich wurden Lots:innen geschult, die gezielt Gesundheitsaufklärung in Gemeinschaftsunterkünften vornehmen können, auch gerade in letzter Zeit mit Schwerpunkt zur Covid 19-Problematik. Seit 2020 existiert ein zusätzliches Modul zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Eltern gezielt für die Lebenswelten Krippe/Kita und Grundschule.

Eine Liste mit Ärztinnen und Ärzten mit vorhandenen Sprachkenntnissen führt das Gesundheitsamt nicht. Die Kassenärztliche Vereinigung bietet unter dem folgenden Link eine Liste mit Filterfunktion nach Sprachen online an: https://arztsuchehessen.de/, die Stadt Frankfurt weist unter diesem Link darauf hin: https://frankfurt.de/themen/gesundheit/adressen.

Für die Gruppe der nicht krankenversicherten Migrant:innen besteht im Gesundheitsamt Frankfurt das Angebot der Humanitären Sprechstunde. In diesem Rahmen wird auch eine Sozialberatung in Verbindung mit einer Basisgesundheitsaufklärung durchgeführt. Aufgrund der oft eingeschränkten Sprachkompetenz der Patient:innen wird eine Übersetzung durch Mitarbeitende des Gesundheitsamtes oder einen Telefondolmetscherdienst angeboten. Dadurch ist die Verständigung möglich und ein Erfolg der notwendigen medizinischen Maßnahmen wird erleichtert.

Ein weiteres wichtiges Angebot für Menschen in Frankfurt, die in prekären Verhältnissen leben, ist die Studentische Poliklinik (StuPoli) der medizinischen Fakultät der Goethe Universität Frankfurt am Main. Diese wurde im Juni 2014 gegründet und richtet sich auch an Personen, die sich in Frankfurt am Main aufhalten und ohne Krankenversicherungsschutz sind. Diese Sprechstunde findet in Kooperation mit dem Gesundheitsamt in dessen Räumlichkeiten (Zeil 5, 2. OG) statt.

Medizinstudent:innen untersuchen und therapieren Patient:innen unter Supervision und Anleitung von Lehrärzt:innen der Goethe-Universität. Durch dieses Angebot wird auf der einen Seite u. a. für Migrant:innen eine weitere Zugangsmöglichkeit zu einer medizinischen Basisversorgung geschaffen, gleichzeitig gewinnen die Medizinstudent:innen wichtige Schlüsselkompetenzen für ihre spätere berufliche Tätigkeit. Gerade dieser letzte Aspekt macht die StuPoli zu einem Modellprojekt im Rahmen der Ausbildung von Medizinstudent:innen.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 25. April 2022KK 97Ärzte hören Migrantinnen und Migranten seltener zuKAV-Anregung
  2. 25. Mai 2022AA 119Medizinische Versorgung von Menschen mit MigrationshintergrundSTVV-Anfrage · CDU
  3. 9. September 2022Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 20 Wochen
    BB 338Medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund
    Magistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

BBericht des Magistrats

Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.

  1. 1Magistrat legt Bericht vor
  2. 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf2 Beratungen
Ausschusses für Soziales und Gesundheit
Sitzung 11 · 06.10.2022
TO I, TOP 14
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 338 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPFRAKTION
Sonstige:
Linke (Kenntnis)AfD (Kenntnis)Volt (Kenntnis)ÖkoLinX-ELF (Kenntnis)BFF-BIG (Kenntnis)
Abstimmung im Original

Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP und FRAKTION Sonstige Voten/Protokollerklärung: LINKE., AfD, Volt, ÖkoLinX-ELF und BFF-BIG (= Kenntnis)

Ausschusses für Diversität, Zusammenhalt, Beteiligung und Europa
Sitzung 11 · 13.10.2022
TO I, TOP 8
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 338 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
GrüneCDUSPDLinkeFDPAfDVoltÖkoLinX-ELFBFF-BIGFRAKTION
Abstimmung im Original

Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt, ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG und FRAKTION

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