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Frankfurt braucht ein Bestandsmanagement für Nilgänse

Vorlagentyp: B
33 Wochen bis zur Antwort2 Stationen im Verfahren1 Sitzung
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Bericht

Die Nilgans ist eine in Deutschland etablierte, ursprünglich nicht heimische Art, die vor allem in urban geprägten Räumen wie Parks, Gewässern und Grünanlagen auftritt. Konflikte entstehen - wie auch bei anderen Gänsearten - hauptsächlich durch Verschmutzungen (Kot), Nutzungskonkurrenzen mit Erholungssuchenden sowie punktuelle Schäden an Vegetation und in Einzelfällen hygienische Probleme. Aus naturschutzfachlicher Sicht besteht keine gesetzliche Verpflichtung zur Bestandsregulierung, da bislang keine signifikanten negativen Auswirkungen auf heimische Arten oder sensible Ökosysteme nachgewiesen wurden. Zur Befriedung des Nutzungskonfliktes Nilgänse versus Besucher:innen in Parkanlagen, Schwimmbädern und Grünflächen wird seitens der Ämter bzw. Betriebe seit vielen Jahren der Austausch mit Fachbehörden, Ornithologen etc. gesucht und Erkenntnisse anderer Kommunen ausgewertet, um eine nachhaltige Lösung erzielen. Die Nilgans gilt jedoch als hochmobil und anpassungsfähig, wodurch lokale Eingriffe meist nur kurzfristige oder räumlich begrenzte Effekte haben. Zudem sind Maßnahmen rechtlich, organisatorisch und finanziell anspruchsvoll und müssen stets im Kontext von Artenschutz, Verhältnismäßigkeit und tatsächlicher Wirksamkeit bewertet werden. Bisherige Maßnahmen und deren Ergebnisse Zur Vergrämung wurden verschiedene Maßnahmen erprobt, darunter akustische und optische Abschreckung durch Knallgeräusche, Laser oder Attrappen, der Einsatz von Drohnen, Falknern beziehungsweise simulierten Prädatoren sowie das gezielte Aufscheuchen der Tiere oder die Nutzung des Revierverhaltens anderer Arten wie Schwäne. Diese Maßnahmen zeigen in der Regel nur vorübergehend Wirkung, da sich die Tiere schnell an die Störungen gewöhnen, zwischen echten und ungefährlichen Bedrohungen unterscheiden können und rasch in die zuvor genutzten Bereiche zurückkehren. Zudem können solche Maßnahmen auch andere geschützte Tierarten beeinträchtigen. Die Bejagung beziehungsweise Entnahme von Tieren ist rechtlich und praktisch stark eingeschränkt, insbesondere in innerstädtischen Bereichen. Sie ist zudem mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden, da Flächen abgesperrt und Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssten. Maßnahmen der Populationskontrolle, etwa durch Gelegemanagement, sind in der Praxis schwer umsetzbar, da die Nilgans häufig an schwer zugänglichen Orten wie auf Bäumen oder Gebäuden brütet. Erfahrungen aus anderen Städten belegen zudem nur begrenzte Effekte. Insgesamt ist der Einfluss auf die Gesamtpopulation gering, da Reduktionen durch Zuwanderung ausgeglichen werden und Effekte aufgrund der hohen Lebenserwartung der Tiere nur sehr langsam eintreten. Ein anderer Ansatz sind Lenkungsmaßnahmen, die auf eine gezielte Steuerung der Raumnutzung abzielen. Im Ostpark wurde hierzu ein entsprechendes Konzept umgesetzt. Durch die Pflanzung einer Hecke zwischen Gewässer und Liegewiese wurde die Sichtverbindung unterbrochen. Zusätzlich wurden an zentralen Stellen Zäune errichtet, um den Zugang zu erschweren. Besonders während der Mauserzeit, wenn die Gänse flugunfähig sind, zeigt sich die Wirkung dieser Maßnahmen: Die Tiere meiden die große Liegewiese häufiger und halten sich verstärkt in weniger frequentierten Uferbereichen auf. Die Anzahl der Gänse auf der Liegewiese konnte so auf etwa ein Drittel reduziert werden. Gleichzeitig handelt es sich um eine räumlich begrenzte Verbesserung, da die Tiere auf andere Flächen ausweichen. Die Erfahrungen im Palmengarten zeigen, dass die dort bislang eingesetzten Vergrämungsmaßnahmen (Drohneneinsatz, Aufstellen von Raubvögelattrappen, Aufscheuchen durch Geräusche u.a.) keinen nachhaltigen Erfolg haben. Letztlich sind zunehmende Schäden an unterschiedlichen und teilweise seltenen Pflanzen, eine Beeinträchtigung von Wiesen, Beeten und Wasserflächen festzustellen. Insbesondere am Wasserspielplatz gehen hiermit auch hygienische Risiken durch Kot einher. Dies führt wiederum dort aber auch im übrigen Garten zu einem steigenden Reinigungsaufwand. Zudem kommt es - allerdings insbesondere bei Kanadagänsen - zu aggressivem Verhalten gegenüber Besucher:innen. Die Bäderbetriebe berichten hingegen aktuell von einer geringeren Belastung als in den Vorjahren. Die zur Verfügung stehenden Vergrämungsmaßnahmen werden dort ausgeschöpft. Monitoring Ein stadtweites Monitoring der Nilgansbestände existiert bislang nicht. Eine solche Erhebung wäre mit erheblichem finanziellem und personellem Aufwand verbunden und methodisch schwierig, da die Tiere oft abseits der Gewässer brüten und sehr mobil sind. Für belastbare Aussagen wäre zudem eine Einbeziehung des Umlands erforderlich. Lediglich im Palmengarten erfolgt ein Monitoring. Dort werden seit mehreren Jahren systematische Bestandserhebungen durchgeführt werden. Diese zeigen insgesamt steigende Bestände, eine je nach Umweltbedingungen schwankende Reproduktion sowie eine Zunahme auch anderer Gänsearten. Zusammenfassung Ein flächendeckendes Bestandsmanagement der Nilgans ist aus fachlicher, praktischer und rechtlicher Sicht nur mit hohem Aufwand umsetzbar. Die meisten bislang erprobten Maßnahmen zeigen lediglich kurzfristige oder lokal begrenzte Effekte. Nachhaltige Ansätze liegen daher am ehesten in der lokalen Lenkung von Nutzungskonflikten sowie in der Reduktion von Anreizen, etwa durch die Einschränkung von Fütterung oder die Anpassung von Flächengestaltungen. Insgesamt ist der Handlungsspielraum weitgehend ausgeschöpft, sodass zusätzliche Maßnahmen stets sorgfältig im Hinblick auf ihren Aufwand und ihren tatsächlichen Nutzen geprüft werden müssen.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 7. Oktober 2025NRNR 1393Frankfurt braucht ein Bestandsmanagement für NilgänseSTVV-Antrag · FDP
  2. 29. Mai 2026Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 33 Wochen
    BB 186Frankfurt braucht ein Bestandsmanagement für Nilgänse
    Magistratsbericht

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

BBericht des Magistrats

Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.

  1. 1Magistrat legt Bericht vor
  2. 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf1 Beratung
Haupt- und Finanzausschusses
Sitzung 2 · 23.06.2026
TO I, TOP 87
Zur Kenntnis
nicht auf TO Die Vorlage B 186 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
CDUGrüneSPDLinkeAfDVolt
Ablehnung:
FDP
Abstimmung im Original

Einzelne Angaben konnten nicht sicher zugeordnet werden. Maßgeblich ist der Originaltext.

Abstimmung: CDU, GRÜNE, SPD, Linke, AfD und Volt gegen FDP und ÖkoLinX-ELF-PARTEI (= Zurückweisung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF-DFRA-FREIE WÄHLER und BSW (= Kenntnis)

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