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Ausstellung "Deutscher Kolonialismus" in Frankfurt am Main

Vorlagentyp: B
53 Wochen bis zur Antwort4 Stationen im Verfahren2 Sitzungen

Zusammenfassung

Der Magistrat berichtet über die Ausstellung "Deutscher Kolonialismus" und die Bedenken des Historischen Museums Frankfurt bezüglich ihrer Aktualität und Relevanz. Es wird vorgeschlagen, eine neue, umfassende Ausstellung zur deutschen Kolonialgeschichte zu entwickeln, die die Perspektiven von ExpertInnen aus ehemaligen Kolonien einbezieht.

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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgen

Bericht

Die KAV fordert die Zeigung der Ausstellung "Deutscher Kolonialismus: Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart" (Deutsches Historisches Museum, Okt 2016 - Mai 2017) in einem der Frankfurter städtischen Museen. Das Historische Museum Frankfurt rät von einer Zeigung dieser über vier Jahre alten Ausstellung ab. Die Diskussion zu postkolonialen Themen und Perspektiven auf den (deutschen) Kolonialismus hat sich in den vergangenen fünf Jahren sehr dynamisch entwickelt (Stichworte Humboldt-Forum, Sarr/Savoy-Bericht, Rückgabe-Forderungen, Verbindung mit der Rassismus-Debatte). Die Berliner Ausstellung ist ein verdienstvoller Schritt auf dem zur einer breiten geschichtskulturellen Aneignung, Wahrnehmung und Diskussion des Themas in Deutschland: Erstmals wurde in Form einer Ausstellung ein umfangreicher Überblick über die deutsche Kolonialgeschichte gezeigt. Sie ist aber bereits veraltet und würde so heute nicht mehr vorbereitet und konzipiert werden. Die Ausstellung hat die koloniale Ideologie der deutschen Akteure, die von europäischem Überlegenheitsdenken geprägt war, klar herausgearbeitet. In den deutschen Kolonien gab es vielfältige Herrschaftsbeziehungen, von lokal geprägten Allianzen und der Ausübung alltäglicher Gewalt bis hin zum Kolonialkrieg in Namibia, der in den Völkermord an den Herero und Name mündete. Die Ausstellung beleuchtet die Motive der Missionare, Beamten, Militärs, Siedler oder Kaufleute. Die Interessen und Perspektiven der Kolonisierten und deren Nachkommen werden aber nur partiell berücksichtigt, nur der letzte Themenbereich enthält Positionen dazu aus der postkolonialen Debatte des 21. Jahrhunderts. Ein Grundproblem ist, dass die Ausstellung den deutschen Kolonialismus aus einer weißen deutschen Perspektive betrachtet. Expert*innen aus den afrikanischen und ozeanischen Kontexten sind nur in geringem Umfang einbezogen worden. Die beiden "Curators in Residence" aus Namibia und Tansania wurden erst hinzugezogen, als große Teile der Ausstellung bereits konzipiert und vorbereitet waren. Sie konnten nur noch Akzente bei den kolonialen Widerstandskämpfen wie z.B. dem Maji-Maji Krieg setzen. Die Ausstellung hatte mehr als 500 Exponate, von denen viele als Kriegsbeute erworben wurden. Viele der Objekte zeigen den Kolonialismus aus weißer deutscher/europäischer Perspektive. In der Präsentationsweise werden damit aber rassifizierende und exotisierende Stereotype reproduziert. Die Ausstellung wollte damit den Besucher*innen die Gewalt des Kolonialismus vor Augen führen. Die schiere Menge und Dominanz der von "Asymmetrie", Herrschaft und (gewaltsamer) Unterordnung geprägten Exponate, ohne sichtbare Brechungen dieser problematischen Bilderwelt, beförderte die Reproduktion der dahinterliegenden Vorstellungen in der Wahrnehmung der Besuchenden. Auf Menschen, die von Rassismus betroffen sind, wirkte sie trotz der aufklärerischen Intention abschreckend und verletzend. Die Ausstellung reduzierte so den Blick auf "Was in den Kolonien geschah" und schaffet die Rückbindung an die politische und gesellschaftliche Lage in Deutschland nur in ungenügendem Maße. Dies wurde v.a. im letzten Raum zu "postkolonialer Gegenwart?" sichtbar. Postkoloniale Auseinandersetzungen wurden auf Berlin begrenzt. Die Kontinuitäten und das Fortschreibungen des Kolonialrassismus und seine Auswirkungen auf den Nationalsozialismus fehlte ganz. Auf der Webseite des DHM finden sich umfangreiche Informationen: https://www.dhm.de/ausstellungen/2016/deutscher-kolonialismus/daten-und-fakten/ Kritische Rezensionen der Ausstellung (in Auswahl): https://www.deutschlandfunk.de/deutsches-historisches-museum-das-grausame-geschaeft-des.691.de.html?dram:article_id=368730 https://contemporaryand.com/magazines/where-are-you-going-white-man/ https://www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/rezausstellungen-254 Das Historische Museum Frankfurt erarbeitet in 2021-22 gemeinsam mit postkolonial engagierten Menschen und Menschen, die aus ehemaligen Kolonien stammen, eine Interventionsspur in seinen Dauerausstellungen. Hier werden koloniale Spuren und postkoloniale Perspektiven darauf sichtbar gemacht und hinzugefügt. Die Stadtlabor-Ausstellung "Ich sehe was, was Du nicht siehst" (1.10.2020 - 28.3.2021) hat unter Beteiligung von mehr als 30 Initiativen, AktivistInnen und KünstlerInnen, darunter viele von Rassismus betroffene Menschen, postkoloniale Themen mit Bezug zu Frankfurt bearbeitet, darunter auch die Geschichte und Sammlung des Historischen Museums. Eine neue, umfassende Ausstellung zur deutschen Kolonialgeschichte ist sehr zu begrüßen. Sie bedarf jedoch umfangreicher Vorarbeiten und der konsequenten Einbeziehung von ExpertInnen aus den ehemaligen deutschen Kolonien, von Beginn an. Ideal wäre eine Wanderausstellung, die von mehreren deutschen Museen erarbeitet wird und für jedes Museum mit Ortsbezügen und lokalen Initiativen ergänzt wird.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Verfahrensverlauf

Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.

  1. 20. Oktober 2020KK 211Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“ in Frankfurt am MainKAV-Anregung
  2. 12. März 2021Sie sind hier
    BB 117Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“ in Frankfurt am Main
    Magistratsbericht
  3. 28. Juni 2021KK 16Thema „Kolonialismus“ in Frankfurt am MainKAV-Anregung
  4. 29. Oktober 2021Antwort des Magistrats · nach 53 WochenSTST 2001Thema "Kolonialismus" in Frankfurt am MainStellungnahme

Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.

Was bedeutet diese Vorlage?

BBericht des Magistrats

Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.

  1. 1Magistrat legt Bericht vor
  2. 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf2 Beratungen
Haupt- und Finanzausschusses
Sitzung 3 · 13.07.2021
TO I, TOP 140
Zur Kenntnis
1. Die Vorlage B 117 dient zur Kenntnis. 2. Die Vorlage K 16 wird im vereinfachten Verfahren erledigt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

zu 1)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDLinkeFDPAfDVoltÖkoLinX-ELFBFF-BIGFRAKTION
Sonstige:
IBF (B 117 = Kenntnis, K 16 = Annahme)Gartenpartei (B 117 = Kenntnis, K 16 = Annahme)
zu 2)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPVolt
Ablehnung:
LinkeÖkoLinX-ELFBFF-BIGFRAKTIONAfD
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu 1. GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt, ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG und FRAKTION zu 2. GRÜNE, CDU, SPD, FDP und Volt gegen LINKE., ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG und FRAKTION (= Annahme) sowie AfD (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: IBF und Gartenpartei (B 117 = Kenntnis, K 16 = Annahme)

Stadtverordnetenversammlung
Sitzung 4 · 15.07.2021
TO II, TOP 50
Zur Kenntnis
1. Die Vorlage B 117 dient zur Kenntnis. 2. Die Vorlage K 16 wird im vereinfachten Verfahren erledigt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

zu 1)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDLinkeFDPAfDVoltÖkoLinX-ELFBFF-BIGFRAKTIONIBFGartenpartei
zu 2)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPVolt
Ablehnung:
LinkeÖkoLinX-ELFBFF-BIGFRAKTIONIBFGartenparteiAfD
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu 1. GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt, ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG, FRAKTION, IBF und Gartenpartei zu 2. GRÜNE, CDU, SPD, FDP und Volt gegen LINKE., ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG, FRAKTION, IBF und Gartenpartei (= Annahme) sowie AfD (= Ablehnung)

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