Erweiterte Öffnungszeiten von Bibliotheken und Lernräumen während Prüfungszeiten sowie bessere Verknüpfung mit Nachhilfeangeboten
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Thema Schulen und Bildung verfolgenStellungnahme des Magistrats
Der Magistrat stimmt zu, dass zu Bildungserfolgen und Chancengleichheit auch gute außerschulische Lernbedingungen gehören. Hier ist beispielsweise die Stadtbücherei mit ihrem Netz aus 19 öffentlichen Bibliotheken und über 120 Schulbibliotheken neben weiteren Institutionen eine bedeutende Akteurin in Frankfurt. Die Stadtbücherei trägt mit ihren bereits bestehenden vielfältigen und niedrigschwelligen Angeboten zur Bildungsgerechtigkeit bei, unabhängig von sozialen Aspekten. Im Rahmen der Bildungskommune sind Stadtschulamt und Stadtbücherei Kooperationspartner.
2015 und 2016 fand ein Pilot im Bibliothekszentrum Sachsenhausen mit verlängerten Öffnungszeiten an Freitagen während der Prüfungszeiten statt ("Lernen XXL").
Die Evaluation ergab, dass an den Lernabenden mit verlängerter Öffnungszeit im Durchschnitt lediglich sechs Lernende pro Abend kamen. Trotz vielfältiger Kommunikation und Werbung sowie positiver Reaktionen der Zielgruppe im Vorfeld fand das Angebot dann kaum Resonanz.
Im Gegensatz dazu hielten sich während der regulären Öffnungszeiten viele Gruppen und Einzellernende in der Bibliothek auf.
Aufgrund des Fazits des großen Aufwands und der nur sehr geringen Nutzung wurde das Angebot für die Öffentlichen Bibliotheken nicht weiterverfolgt.
Bewährt hat sich das Angebot zu verlängerten Lernzeiten in Schulbibliotheken im Verbund der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle | sba der Stadtbücherei. Dies ist insbesondere dort gut möglich, wo öffentliche Bibliothek und Schulbibliothek benachbart sind und personell kooperieren können: Seit mehr als zehn Jahren wird zur Abitur-Vorbereitungszeit "Lernen XXL" in Höchst angeboten (Schulbibliothek im Friedrich-Dessauer-Gymnasium & Bibliothekszentrum), darauffolgend auch in Nieder-Eschbach (Schulbibliothek in der Otto-Hahn-Schule & Stadtteilbibliothek), 2026 startete das Angebot neu in Bergen-Enkheim (Schulbibliothek in der Schule am Ried & Bibliothekszentrum).
Darüber hinaus gibt es an mehreren Schulen individuelle Lösungen, wie die Schulbibliothek außerhalb der personell besetzten Öffnungszeiten für selbstständiges Lernen von Schüler*innen genutzt werden kann.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Öffnungszeiten auszuweiten, wenn angemessen zusätzliche Personalressourcen zur Verfügung gestellt werden könnten.
Die Stadtbücherei verfolgt insbesondere aufgrund der Pilot-Erfahrungen (s. o.) verlängerte Öffnungszeiten speziell für Lernende nicht weiter. In ihren Bibliothekszentren und in der Zentralbibliothek bietet die Stadtbücherei auch für Lernende adäquate Öffnungszeiten. Zum Beispiel hat die Zentralbibliothek unter der Woche täglich bis 19 Uhr und samstags bis 17 Uhr geöffnet.
Die Stadtbücherei plant eine Ausweitung von Öffnungszeiten durch technische Lösungen ("OpenLibrary"). Mit Start der "Open Library" in den Bibliotheken in Bockenheim und in der Nordweststadt werden die Räume auch außerhalb der personalbetreuten Öffnungszeiten nutzbar.
Im Planungsrahmen für weiterführende Schulen sind Selbstlernorte und ruhige Lernorte verankert. Die nach dem Planungsrahmen gebauten Schulen bieten diese an. Es liegt im Benehmen der inneren Organisation jeder Schule selbst, sie für die Schüler*innen verfügbar zu machen. Grundsätzlich könnte dies an jedem (auch Bestands-)Schulstandort zu bestimmten Zeiten angeboten werden. Dies funktioniert aber nur, wenn die Schule dies in ihren Organisationablauf integriert hat und umsetzen kann. Nicht möglich ist, dafür zusätzlichen Raum zu schaffen. In die innere Organisation der Schule kann der Schulträger nicht eingreifen. Ihm ist auch nicht bekannt, dass Lernorte an Schulen für Schulfremde zugänglich gemacht werden.
Die Mehrheit der allgemeinbildenden Frankfurter Schulen sind ganztägig arbeitende Schulen. Im Rahmen der Ganztagsangebote sind eine Hausaufgabenbetreuung, Lern- und Fördermöglichkeiten oder Lernzeiten bereits Bestandteil des Angebotes an denen Schüler*innen der jeweiligen Schule teilhaben können.
Bei der Nutzung von schulischen Räumen ist zu beachten, dass insbesondere die Grundschulen vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf ganztägige Betreuung von Kindern im Grundschulalter von 07.30 Uhr bis 17 Uhr sowie ganztägig während der Ferien geöffnet sind. Die Räume werden also insbesondere in Grundschulen ganztägig genutzt.
Grundsätzlich ist eine Betrachtung von Lernorten in den jeweiligen Bildungsquartieren der Stadtteile hilfreich. Eine engere Verzahnung zwischen unterschiedlichen Bildungseinrichtungen kann dazu beitragen, dass Lernräume auch außerhalb des Lern- und Lebensortes Schule geteilt werden können.
Es bestehen bereits zahlreiche und vielfältige Kooperationen im Bereich Lernförderung und Nachhilfe. In den Öffentlichen Bibliotheken der Stadtbücherei engagieren sich viele Ehrenamtliche in den Bereichen Lesetraining, Leseförderung sowie MINT und ermöglichen so regelmäßige Angebote wie individuelles Lesetraining, die TechnoThek oder Vorlesen in vielen Sprachen. Zudem werden die Öffentlichen Bibliotheken bereits von Lerntandems, Mentor*innen, Nachhilfelehrenden genutzt. Die Stadtbücherei verzeichnet einen steigenden Bedarf an Lernplätzen und gestaltet daher die Bibliotheken seit einigen Jahren entsprechend um.
Die Stadtbücherei stellt Mitarbeiter*innen von kulturellen, sozialen und Bildungseinrichtungen einen kostenfreien Institutionenausweis zur Verfügung.
Sehr viele der Schulbibliotheken werden im Schulbetrieb regelmäßig für unterstützende Lernangebote genutzt, z. B. von schuleigenen Förderangeboten, von Lesementor*innen sowie für rhythmisierte Lernzeiten. Der Bestandsaufbau in Schulbibliotheken geht gezielt auf solche Bedarfe ein. Für kommerzielle Nachhilfeangebote sind die Räumlichkeiten nicht vorgesehen.
Alle öffentlichen Bibliotheken der Stadtbücherei arbeiten eng vernetzt mit den Schulen und Kitas in ihrem Einzugsgebiet. Die Besuche von Kindergruppen und Schulklassen finden nach Vereinbarung und außerhalb der Öffnungszeiten in allen Bibliotheken statt. Spezielle Angebote, wie "Die LeseKaiser*innen" für Vorschulkinder, "iPÄD und Robotics", "Löwenmut & Hasenherz" oder "BuchStapler" sowie mehrsprachige Vorlesetreffs unterstützen Pädagog*innen in der Förderung von Lesekompetenz und Medienbildung.
Darüber hinaus bestehen Kooperationen u. a. mit dem Verein Deutscher Ingenieure zur Förderung von MINT-Kompetenzen, dem Frankfurter Kinderbüro, mit den Frankfurt Skyliners im Rahmen von "Basketball macht Schule", der Buchmesse Frankfurt, dem Zentrum für Familie im Haus der Volksarbeit, der Grünen Schule des Palmengartens, Umweltlernen e. V., lokalen Einrichtungen des Stadtteils, wie z. B. MATZ Mütter- und Familientreff Bergen-Enkheim, SOS-Kinderdorf oder interkulturellen Vereinen wie BRmais, Deutsch-polnische Elterninitiative zur Förderung der Zweisprachigkeit u. v. m.
Im Rahmen der Ganztagsschulentwicklung werden bereits seit vielen Jahren Kooperationen zwischen Schulen und der schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbücherei umgesetzt. Diese umfassen insbesondere die Beratung und Unterstützung von Schulen bezüglich der Schulbibliotheken.
Die Stadtbücherei wurde 2018 für ihre vorbildliche Schulbibliotheksarbeit als "Bibliothek des Jahres" ausgezeichnet. Die sba organisiert einen stetig wachsenden Verbund (aktuell: 123 Schulbibliotheken), bietet Medienservices für alle Frankfurter Schulen und erreicht so derzeit rund 70.500 Schülerinnen und Schüler.
Für die Stadtbücherei kann man festhalten, dass diese bereits in allen ihren öffentlichen Bibliotheken einen niedrigschwelligen Zugang zu Räumen und Lernplätzen bietet. Diese können beispielsweise ohne Bibliotheksausweis genutzt werden. Überdies erhalten Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre einen kostenfreien Bibliotheksausweis. Eine Ausweitung auf Schüler*innen über 18 Jahre und Auszubildende ist geplant.
Die Schulbibliotheken im Verbund der sba ermöglichen Kindern und Jugendlichen in ihrem Schulalltag einen selbstverständlichen, elternhausunabhängigen Zugang zu Wissen, Information und Literatur.
Die Stadtbücherei ist zudem aktives Mitglied im "Frankfurter Bündnis gegen Kinder- und Jugendarmut" und stellt so sicher, dass ihre Angebote einfließen bzw. für diesen Kontext weiterentwickelt werden.
Aktuell sind der Stadtschüler*innenrat und die Stadtteilbibliotheken in Sossenheim und Sindlingen miteinander im Gespräch. Diese wollen im Rahmen eines Zukunftsprojekts überlegen, was attraktive Räume für junge Menschen ausmacht und wie man Zugänge erleichtern kann. Ein erstes Treffen steht noch aus.
Die Pilotprojekte (siehe zu den Punkten 1 und 5) waren nicht erfolgreich, daher erachtet der Magistrat eine erneute Einführung für nicht notwendig. Er hält die bestehenden vielfältigen und hier genannten gut nachgefragten Angebote an Lernmöglichkeiten in den Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken der Stadtbücherei für angemessen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Die Antwort des Magistrats auf einen Antrag, eine Anregung oder eine Anfrage — aus dem Ortsbeirat, der Stadtverordnetenversammlung oder der KAV. Sie gibt die Sicht der Verwaltung wieder und fließt in die weitere Beratung ein.
- 1Antrag, Anregung oder Anfrage
- 2zuständiges Dezernat prüft
- 3Magistrat gibt Stellungnahme ab
Der Weg dieser Vorlage
Am 12. Oktober 2026 veröffentlichte der Magistrat diese Stellungnahme.