StadtForst Frankfurt am Main - Waldstrategie in Zeiten des Klimawandels
Zusammenfassung
Die Stadtverordnetenversammlung stimmt der Waldstrategie in Zeiten des Klimawandels zu, um den Frankfurter Stadtwald an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen. Die Strategie soll die Bedeutung des Stadtwaldes für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger hervorheben und Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung des Ökosystems vorschlagen.
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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgenBeschlussvorschlag
- Die Stadtverordnetenversammlung stimmt der in der Anlage beigefügten "Waldstrategie in Zeiten des Klimawandels" grundsätzlich zu.
- Es dient zur Kenntnis, dass a) die Waldstrategie die klimatischen Auswirkungen auf den Frankfurter Stadtwald darlegt, Handlungsfelder benennt, Lösungsvorschläge macht und Zukunftsstrategien auf der Basis aktueller Forschungen und langjähriger Erfahrungen entwirft. b) die Waldstrategie auf öffentlichen Portalen der Stadt Frankfurt zur Verfügung stehen wird.
- Der Magistrat wird beauftragt die Inhalte der Waldstrategie bei zukünftigen Planungen und Maßnahmen zu berücksichtigen und umzusetzen.
- Der Magistrat wird des Weiteren aufgefordert, die Waldstrategie im Rahmen zukünftiger planungsrechtlicher Bauvorhaben und Eingriffsvorhaben jeglicher Form in den Stadtwald und bei der Aufstellung von Bebauungsplänen gemäß § 1 Hessisches Waldgesetz zum Schutz und Erhalt des Waldes und §13 Hessisches Waldgesetz zum Schutz des Bannwaldes zu berücksichtigen. Der Magistrat wird im Hinblick auf die fachgerechte und nachhaltige Nutzung des Stadtwaldes die Erkenntnisse der vorliegenden Waldstrategie zu Grunde legen.
Begründung
A. Zielsetzung
Der Stadtwald Frankfurt ist seit seiner Gründung im Jahr 1372 von besonderer Bedeutung für die Menschen in der Stadt und gehört mit seinen 5.988 ha zu einem der größten Stadtwälder Deutschlands. Etwa 3.900 Hektar liegen innerhalb Frankfurts Stadtgrenzen südlich angrenzend an die Stadt. Dazu kommen weitere Flächen, größtenteils im Taunus, aber auch über die Stadt verteilt und angrenzend an Neu Isenburg.
Der Stadtwald war in allen Zeiten überlebensnotwendig für die Bevölkerung, als lokaler Natur- und Klimaschützer, als Lieferant für Holz und als Ort der Naherholung. Die dramatischen Veränderungen durch die Trockenjahre seit 2018 erfordern eine Anpassungsstrategie für den Stadtwald, um ihn widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu machen. Die vorliegende Waldstrategie ist damit ein wichtiger Beitrag zur "Frankfurter Anpassungsstrategie an den Klimawandel - 2.0".
Die Waldstrategie soll dazu dienen, sämtliche Leistungen, die der Frankfurter Stadtwald erbringt, zu erläutern sowie in einen fachlichen, sozialen und gesetzlichen Kontext zu stellen.
Die Anforderungen an den Stadtwald steigen - sowohl im Bereich der Freizeitnutzung und Infrastruktur, aufgrund baulicher Maßnahmen für infrastrukturelle überregionale Projekte, als auch im Hinblick auf natur- und artenschutzrechtliche Aufgaben.
All diese Anforderungen müssen in Einklang gebracht werden - den Stadtwald für die Erholungssuchenden zu erhalten und gleichzeitig das Ökosystem zu schützen und im Rahmen der Waldpflege einen möglichst klimastabilen Wald zu entwickeln.
B. Alternativen
Von der Umsetzung einer Waldstrategie als geeignetste Methode, um all die komplexen Themenfelder, insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels auf den Stadtwald anzugehen, wird abgesehen.
C. Lösung
Die erarbeitete Waldstrategie wurde mit Unterstützung eines beauftragten Fachbüros durch die Amtsleitung des Grünflächenamtes, die Abteilungsleitung des StadtForstes und die Führungskräfte der sechs Forstreviere sowie des Informationszentrums StadtWaldHaus/Fasanerie erarbeitet und beinhaltet eine überschaubare, aber fachlich vertiefte Abhandlung zu folgenden Themenfeldern:
- Klimaprognose für die Region Frankfurt. Welche klimatischen Veränderungen sind bis zum Jahr 2100 zu erwarten?
- Bedeutung des Stadtwaldes für die Lebensqualität und das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt und wie sich die gesellschaftlichen Ansprüche im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben.
- Auswirkungen der Trockenjahre seit 2018 auf den Stadtwald - was können wir daraus lernen?
- Kühle Luft an heißen Sommertagen - wie der Stadtwald das Leben in der Stadt erträglicher macht und was wir tun, um diese Serviceleistung des Waldes zu erhalten (lokale Klimaschutzleistung).
- Gute Luftqualität im Stadtwald - wie die Bäume im Stadtwald Feinstaub filtern und wie wir diese Serviceleistung des Stadtwaldes erhalten und verbessern.
- Was trägt der Stadtwald zur CO2-Bilanz bei? Wie wir das Ziel der CO2-Neutralität im Stadtwald unterstützen können.
- Trinkwasser aus dem Stadtwald - woher kommt die gute Wasserqualität und was unternimmt der StadtForst, damit das auch in Zeiten des Klimawandels so bleibt.
- Natur-, Biotop- und Artenschutz im Stadtwald - wie wir artenreiche Waldbiotope erhalten und entwickeln und wie wir die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren im Stadtwald und deren genetische Vielfalt fördern.
- Teiche und Bäche im Stadtwald - ihre Bedeutung für den Naturschutz und wie wir ihre ökologischen Funktionen erhalten.
- Ruhe und Erholung im Stadtwald - gefragt zu allen Jahreszeiten - wie der StadtForst für gute Wege sorgt und ein besonderes Walderlebnis schafft, gleich nebenan.
- Nachhaltige Holznutzung im Stadtwald - noch zeitgemäß?
- Grundsätze und Prinzipien naturgemäßer Waldwirtschaft im Stadtwald Frankfurt. Wie wir den Stadtwald zu einem naturnahen, strukturreichen, ökologisch wertvollen und stabilen Waldökosystem entwickeln und die große Vielfalt an Biotopen, Pflanzen und Tierarten erhalten.
- Heimische Baumarten im Stadtwald - was heißt das in Zeiten des Klimawandels und warum wir den Blick in die Zukunft richten müssen.
- Eingeführte gebietsfremde Baumarten im Stadtwald Frankfurt - die Geschichte einer gelungenen Integration und ein Blick in die Zukunft.
- Die Spätblühende Traubenkirsche - ein Neophyt im Stadtwald und warum sich der Kampf gegen diese invasive Baumart im Wald lohnt.
- Wildtiere im Stadtwald und die Aufgaben der Jagd. Wie der StadtForst für einen waldökologisch angepassten Wildbestand sorgt und warum Wildfleisch so ein gesundes Lebensmittel ist.
- Regionale und nachhaltige Lebensmittel und Produkte aus dem Waldladen.
- Bürgernahe Kommunikation - Informationen über Spannendes und Wissenswertes aus dem Stadtwald im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik, Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung - ein Einsatz, der sich lohnt.
- Der Stadtwald im Ordnungsrecht - Bußgelder und Ordnungswidrigkeiten, wie geht das denn? Welche Regeln gelten im Stadtwald?
- Verkehrssicherung im Stadtwald - wo sie notwendig ist und wie sie umgesetzt wird.
- Der Stadtwald im Kontext der Stadtentwicklung.
- Ohne Moos nix los - Budget und Personalkonzept im StadtForst.
- Zertifizierung im Stadtwald Frankfurt.
- Feuermanagement im Stadtwald - welche neuen Herausforderungen kommen auf uns zu?
- Versuchswesen, Forschung und Lehre im Stadtwald Frankfurt.
- Wie der Stadtwald Frankfurt entstanden ist. Die Geschichte von vorausschauenden Stadtpolitiker:innen und nachhaltig arbeitenden Forstleuten.
Mit der Waldstrategie wird ein Handlungsleitfaden geschaffen, der zur Umsetzung der gesetzten Ziele und Anforderungen an den Stadtwald dienen soll und gleichzeitig zur Information der Bevölkerung über forstfachliche Themen, ökologische und klimatische Zusammenhänge, sowie Verhaltensweisen, wie jeder seinen Anteil zum Erhalt der Ökosystemleistungen beitragen kann.
Es wird ein Grundlagenwissen über den Frankfurter Stadtwald geschaffen, sowie die Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Waldstrategie benennt Handlungsfelder, macht Lösungsvorschläge und entwirft Zukunftsstrategien auf der Basis aktueller Forschungen und langjähriger Erfahrungen.
Der Waldstrategie zu Grunde gelegt wurden zum einen die überlieferten Erfahrungen aus der Waldbewirtschaftung nach dem zweiten Weltkrieg mit der Wiederaufforstung großer, durch Bombenabwürfe geschädigter Waldflächen. In den 80er Jahren erfolgten weitere Aufforstungsprogramme im Rahmen des Waldsterbens, verursacht durch luftverschmutzende Abgase aus Verbrennungen schwefelhaltiger fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdölprodukte).
Zum anderen flossen die Erfahrungen der Forstmitarbeitenden seit den letzten rund 40 Jahren ein. Diese beinhalten unter anderem die Bewältigung von Schäden durch Sturmereignisse und Kalamitäten in Form von Schädlingsbefall, die aktive Begründung von Mischwäldern durch Voranbau mit Laubhölzern seit den 90er Jahren, den Arten- und Biotopschutz und aktuell die Erfahrungen seit den Hitzejahren 2018.
Erkenntnisse aus der Forschung wurden bei sämtlichen Maßnahmen berücksichtigt. Es wurden Universitäten, Fachhochschulen und Forstliche Forschungsanstalten zu Rate gezogen und aktuelle Forschungsprojekte in Kooperation, z.B. mit der Freien Universität Berlin, der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg, der Universität Frankfurt und dem Senckenberg Institut, begonnen. Der StadtForst, vertreten durch die Abteilungsleitung, ist Mitglied im Fachausschuss für ein bundesweit angelegtes Projekt zur Untersuchung der Zukunftsfähigkeit von Baumarten im Klimawandel (MultiRiskSuit "Klimawandelbedingte Mortalitäts- und Wachstumstrends als Grundlage für bundesweit vergleichende Baumarteneignungsbeurteilungen). Im Rahmen von drei Frankfurter Waldkongressen wurde die Fachwelt mit Vertreter:innen aus Forstwissenschaft, Umwelt, Klimatologie, Meteorologie und Rechtslehre eingeladen, um über die Zukunft der mitteleuropäischen Wälder und deren Potentiale zu diskutieren.
D. Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Waldstrategie wird ein Handlungsleitfaden geschaffen, der zur Umsetzung der gesetzten Ziele und Anforderungen an den Stadtwald dienen soll und gleichzeitig zur Information der Bevölkerung über forstfachliche Themen, ökologische und klimatische Zusammenhänge, sowie Verhaltensweisen, wie jeder seinen Anteil zum Erhalt der Ökosystemleistungen beitragen kann. Es wird ein Grundlagenwissen über den Frankfurter Stadtwald geschaffen, sowie die Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Waldstrategie benennt Handlungsfelder, macht Lösungsvorschläge und entwirft Zukunftsstrategien auf der Basis aktueller Forschungen und langjähriger Erfahrungen. Der Waldstrategie zu Grunde gelegt wurden zum einen die überlieferten Erfahrungen aus der Waldbewirtschaftung nach dem zweiten Weltkrieg mit der Wiederaufforstung großer, durch Bombenabwürfe geschädigter Waldflächen. In den 80er Jahren erfolgten weitere Aufforstungsprogramme im Rahmen des Waldsterbens, verursacht durch luftverschmutzende Abgase aus Verbrennungen schwefelhaltiger fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdölprodukte). Zum anderen flossen die Erfahrungen der Forstmitarbeitenden seit den letzten rund 40 Jahren ein. Diese beinhalten unter anderem die Bewältigung von Schäden durch Sturmereignisse und Kalamitäten in Form von Schädlingsbefall, die aktive Begründung von Mischwäldern durch Voranbau mit Laubhölzern seit den 90er Jahren, den Arten- und Biotopschutz und aktuell die Erfahrungen seit den Hitzejahren 2018. Erkenntnisse aus der Forschung wurden bei sämtlichen Maßnahmen berücksichtigt. Es wurden Universitäten, Fachhochschulen und Forstliche Forschungsanstalten zu Rate gezogen und aktuelle Forschungsprojekte in Kooperation, z.B. mit der Freien Universität Berlin, der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg, der Universität Frankfurt und dem Senckenberg Institut, begonnen. Der StadtForst, vertreten durch die Abteilungsleitung, ist Mitglied im Fachausschuss für ein bundesweit angelegtes Projekt zur Untersuchung der Zukunftsfähigkeit von Baumarten im Klimawandel (MultiRiskSuit "Klimawandelbedingte Mortalitäts- und Wachstumstrends als Grundlage für bundesweit vergleichende Baumarteneignungsbeurteilungen"). Im Rahmen von drei Frankfurter Waldkongressen wurde die Fachwelt mit Vertreter:innen aus Forstwissenschaft, Umwelt, Klimatologie, Meteorologie und Rechtslehre eingeladen, um über die Zukunft der mitteleuropäischen Wälder und deren Potentiale zu diskutieren.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine Beschlussvorlage, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorlegt — für Angelegenheiten, die deren Zustimmung brauchen. Sie wird in Ausschüssen und im Plenum beraten, dann entscheidet die Stadtverordnetenversammlung.
- 1Magistrat legt Vortrag vor
- 2Ausschüsse beraten
- 3Plenum entscheidet
Der Weg dieser Vorlage
Am 7. Juni 2024 legte der Magistrat diesen Vortrag der Stadtverordnetenversammlung vor. In 11 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 11.07.2024 im Stadtverordnetenversammlung angenommen.
Beratungsverlauf11 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Annahme bei Enthaltung BFF
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt, FRAKTION und BFF-BIG Sonstige Voten/Protokollerklärung: Gartenpartei (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt, FRAKTION und BFF-BIG
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, Linke, AfD, Volt, FRAKTION, BFF-BIG und Gartenpartei; ÖkoLinX-ELF (= Enthaltung)